Vegan – 4 gute Gründe heute Deinen veganen Weg zu beginnen

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Veganes Leben und damit der Verzicht auf jegliche tierliche Produkte hatten noch vor nicht allzu langer Zeit ein eher bescheidenes Image. Salopp gesagt, war das weitverbreitete Bild so ungefähr das eines gefühlsduseligen, leicht bekloppten Tierschützer-Hippies. Heute sieht das glücklicherweise anders aus.

Vegane Restaurants erleben einen Boom, das vegane Sortiment in den Supermärkten wächst – Veganismus wird längst nicht mehr als seltsame Randgruppenbewegung wahrgenommen. Und das ist gut so, denn vieles spricht für eine rein pflanzliche Ernährung. Hier kommen vier gute Gründe für ein pflanzliches Leben.

Tierrechte und Tierschutz

Wir wissen es alle. Fleisch, Eier, Milch und andere tierliche Produkte, die bei uns auf dem Teller oder im Kleiderschrank landen, stammen aus Massentierhaltung. Bei dieser Form der industrialisierten Landwirtschaft geht es vor allem um eins: Soviel wie möglich in kürzester Zeit auf billigstem Weg zu produzieren. Denn obwohl der Trend in Richtung Vegetarismus und Veganismus deutlich zu erkennen ist: Noch nie war Fleisch so billig und wurde so exzessiv konsumiert wie heute. Den klassischen Sonntagsbraten gibt es auch deswegen nicht mehr, weil heute jeden Tag Fleisch gegessen wird. Und Deutschland ist mit 89 kg Fleischverbrauch pro Kopf und Jahr ganz vorne mit dabei.

Aber auch andere tierliche Produkte wie Eier und Milch sind Teil dieser Industrie und werden in Massen „hergestellt“. Massentierhaltung bedeutet Qualzucht und für die Tiere ein Leben eingepfercht auf engstem Raum. Oft verbringen sie ihr ganzes Dasein in fensterlosen Hallen ohne jegliche Bewegungsfreiheit und ohne die Möglichkeit, ihre natürlichen Verhaltensweisen auszuleben. Grausame, oft stundenlange Tiertransporte und die Schlachtung stehen am Ende eines Daseins, in dem die Tiere nicht als Lebewesen, sondern als „Produktionsmaschinen“ wahrgenommen und behandelt werden.
„Legehennen“ zum Beispiel werden so gezüchtet, dass sie überdurchschnittlich viele Eier legen, dabei aber kaum Muskelmasse bilden. Ein Problem: Die Hälfte der geschlüpften Tiere in den Betrieben sind Hähnchen, können also keine Eier legen. Durch die spezielle Züchtung sind sie nicht als Masthähnchen geeignet und daher wertlos für die Industrie. Sie werden unmittelbar nach dem Schlüpfen aussortiert, vergast und entsorgt. Dabei sterben jährlich in Deutschland etwa 45 Millionen Tiere. Die Hennen erwartet ein Dasein in viel zu kleinen Käfigbatterien. Meist werden ihnen in einer schmerzhaften Prozedur die Schnabelspitzen abgeschnitten, damit sie sich in den beengten Käfigen nicht gegenseitig totpicken. Nach etwa anderthalb Jahren lässt ihre Legeleistung nach und sie werden geschlachtet. Die natürliche Lebenserwartung eines Huhns liegt bei 15-20 Jahren.

Menschenrechte und Hunger

Unsere Konsum-, Wirtschafts- und Lebensweise hat Konsequenzen für Menschen weltweit. Das schließt auch und besonders den Konsum von Fleisch und tierlichen Produkten ein.
Die globale Mittelschicht wächst und damit auch die Nachfrage nach Fleisch und tierlichen Produkten. Der Bedarf an Futtermitteln und Weideflächen ist so groß, dass Schätzungen zufolge heute bereits 70% der landwirtschaftlichen Nutzfläche auf die eine oder andere Weise für die Nutztierhaltung genutzt werden. So steht der Nahrungsmittelanbau für den Menschen mittlerweile in direkter Konkurrenz zum Futtermittelanbau. Über 40% der weltweiten Ernte von Roggen, Weizen Hafer und Mais werden als Futtermittel verwendet, angebaut in den Ländern des Südens, um dann in Industriestaaten an „Nutztiere“ verfüttert zu werden. Dabei leidet heute jeder achte Mensch Hunger, 842 Millionen Menschen weltweit haben nicht genug Nahrungsmittel, um ein gesundes Leben zu führen.

Land Grabbing

Die Pro-Kopf verfügbare Agrarfläche nimmt stetig ab, gerade in Südamerika werden aus riesigen Wald- und Ackerflächen Monokulturen für den Futtermittelanbau. Internationale Konzerne und Staaten haben mittlerweile damit begonnen, ganze Landstriche für den Anbau von Monokulturen aufzukaufen. In vielen Entwicklungs- und Schwellenländern sind Besitzrechte nicht eindeutig geklärt. Die Regierungen der Länder verkaufen das Land bereitwillig, die Kleinbauern, Dorfgemeinschaften und indigenen Gemeinden werden gewaltsam vertrieben (Land Grabbing). Damit wird Ihnen nicht nur die Chance genommen, sich selbst zu versorgen und damit unabhängig zu sein. Sie werden in Hunger und Armut gestürzt, ihnen werden die Grundrechte und ihre soziale Identität geraubt.

Der Hunger der Welt ist also keinesfalls auf mangelnde Ressourcen zurückzuführen, sondern auf ungerechte Verteilung. Die Menschen in den Ländern des Südens ziehen hier den Kürzeren. Die Befriedigung der immensen Nachfrage nach Fleisch und tierlichen Produkten hat Vorrang vor ihrer Gesundheit und ihren Rechten.

Umwelt- und Klimaschutz

Die erhöhte Konzentration des Treibhausgases CO2 in der Erdatmosphäre führt zu einer langsamen, aber stetigen Erwärmung der Erde – zum Klimawandel. Unsere heutige Lebensweise verursacht Unmengen an CO2, auch der Konsum von Fleisch und tierlichen Lebensmitteln verschlechtert unsere persönliche CO2-Bilanz. Denn die Tierhaltung macht satte 18% der globalen Kohlendioxid-Emissionen aus. Zum Vergleich: Die Transportmittel Auto, Flugzeug und Zug sind zusammen für 13% der Emissionen verantwortlich¹. Bei Lebensmitteln verursachen tierliche Produkte insgesamt rund 70% der Treibhausgasemissionen.
Im direkten Vergleich wird es deutlich: 1 kg Rindfleisch verursacht bis zu 16 kg CO2 und verbraucht in der Herstellung bis zu 20.000 Liter Wasser². Bezieht man in die Rechnung alle Emissionen, wie die Menge des CO2, das durch Waldrodung (für Futtermittelanbau- und Weidefläche) freigesetzt wird, mit ein, kommt man auf satte 335 kg Kohlendioxid pro Kilogramm Rindfleisch!

Auch Käse ist keine klimafreundliche Alternative. Die Produktion von einem Kilogramm Käse produziert 13,5 kg CO2 und verbraucht 5.000 Liter Wasser. Pflanzliche Lebensmittel wie Kartoffeln verbrauchen hingegen nur 290 Liter Wasser und produzieren gerade mal 143 g CO2.

Für die Produktion von Fleisch und tierlichen Nahrungsmitteln werden also wichtige Ressourcen verbraucht und Unmengen an CO2 produziert. Die aus der hohen CO2 Konzentration folgende Erderwärmung lässt die landwirtschaftlichen Erträge der Kleinbauern sinken, während gleichzeitig durch den Klimawandel verursachte Naturkatastrophen zu Missernten führen. Zudem verschmutzen die in der Massentierhaltung eingesetzten Antibiotika und Hormone das Grundwasser und die großen Mengen Gülle, die auf die Felder aufgebracht werden, führen zu einem erhöhten Nitratgehalt und einer Übersäuerung des Bodens.

Gesundheit

Bis heute hält sich bei vielen Menschen das Bild vom blassen, immer leicht kränkelnden Veganer, den jeder Schnupfen umhaut. Dabei ist eigentlich jedem klar, dass Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte in einen ausgewogenen Speiseplan gehören. Zahlreiche Studien beschäftigen sich mit dem Zusammenhang von Ernährung und Gesundheit. Veganismus kommt dabei sehr gut weg, der Konsum von tierlichen Produkten ist in keiner Weise überlebensnotwendig. Einzig Vitamin B12 kann nur über tierliche Nahrungsmittel aufgenommen werden. Es gibt heute aber viele wirkungsvolle Präparate, um B12 zu supplementieren.

Die Milch macht´s?

Keine Frage, Milch ist das Nahrungsmittel mit dem höchsten Kalziumgehalt. Und das brauchen wir für Knochen, Zähne und Muskeln. Was viele aber nicht wissen: Milch liefert nicht nur Kalzium, sie entzieht es dem Körper auch. Die in der Milch enthaltenen tierischen Proteine können zur Übersäuerung im Körper führen. Zur Neutralisation der Übersäuerung wird Kalzium benötigt, das dazu aus den Knochen entzogen wird. Entscheidend ist also die Kalziumbilanz, nicht die Kalziumaufnahme. Und hier stehen Veganer oft besser da, weil Obst und Gemüse hervorragende Lieferanten für Kalium, Magnesium und Vitamin C und K sind, die wiederum die Kalziumausscheidung reduzieren. Abgesehen davon ist Kalzium auch in vielen pflanzlichen Nahrungsmitteln enthalten. Die Bioverfügbarkeit (also der Umfang, in dem Kalzium vom Körper resorbiert werden kann) ist mit 49-61% in vielen grünen Gemüsesorten sogar höher als bei Kuhmilch (zwischen 31% und 32%).

Pflanzliche Ernährung enthält weniger gesättigte Fette, kein tierisches Protein und Cholesterin. Veganer leiden daher seltener unter Zivilisationskrankheiten wie Diabetes, koronarer Herzerkrankung, Bluthochdruck und erhöhtem Cholesterinspiegel. Denn eine ausgewogene vegane Ernährung enthält Unmengen von Vitaminen, Ballaststoffen und Mineralstoffen und ist durch eine günstige Fettsäurezusammensetzung in erster Linie eines: Gesund.

Die vegane Lebensweise bietet viele Vorteile

Der Konsum von Fleisch und anderen tierlichen Produkten hat verheerende Folgen. Für Tiere und Menschen, Umwelt und Klima und nicht zuletzt für die eigene Gesundheit. Die Vorteile einer veganen Lebensweise liegen also auf der Hand. Und machen ein Umdenken zum veganen Leben denkbar leicht.

Weiterführende Links:

Wer wissen will, welche Unternehmen und Staaten sich im großen Stil Land aneignen, kann sich bei der online-Datenbank Land Matrix (http://landmatrix.org/) einen recht detaillierten Überblick über diese Landtransaktionen verschaffen.

Weiterführende Informationen zum Thema Gesundheit findet ihr im Positionspapier der Amerikanischen Gesellschaft der Ernährungswissenschaftler (ADA) zur veganen / vegetarischen Ernährung: http://www.vebu.de/files/ADA_position_paper_2009.pdf und in deutscher Übersetzung zusammengefasst hier: http://vebu.de/gesundheit/studien/174-positionspapier-ada-vegetarische-ernaehrung?start=7

Der Vegetarierbund Deutschland (VEBU) befasst sich ausführlich mit dem Zusammenhang von (vegetarischer) Ernährung und Zivilisationskrankheiten: http://vebu.de/gesundheit/praeventionvonkrankheiten

Die Heinrich Böll Stiftung hat zusammen mit dem BUND und Le Monde Diplomatique im „Fleischatlas 2013“ Daten und Fakten über Tiere als Nahrungsmittel zusammengetragen: http://www.bund.net/fileadmin/bundnet/publikationen/landwirtschaft/130108_bund_landwirtschaft_fleischatlas.pdf

Quellen (sofern nicht im Text angegeben): 1) Pierschel, Marc 2010: Vegan! Vegane Lebensweise für alle. 5. Auflage, Münster: compassion media. S. 39f.; 2) Ebda

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Kommentare

  1. meint

    Unter Artikel 4 Gesundheit (Zeile 5/6) schreibst Du das dass Vitamin B12 nur mit tierischen Nahrungsmittel aufgenommen werden kann.

    Meine Informationsstand zur Zeit ist, dass Sauerkraut einen bedeutenden Anteil an Vitamin B12 hat. Und das der Mensch in seinem Leben nicht mehr an Vitamin B12 benötigt als ein Linsenkorn wiegt. Dieses Wissen habe ich aus dem Buch „Obst und Gemüse als Medizin“ von Klaus Oberbeil und Dr. med. Christiane Lentz. (Ausgabejahr 2000)

    Gerne Zitiere ich aus dem Artikel über Sauerkraut: B12 ist absolut unverzichtbar für geistige Frische, Stimmungslage, Stressfähigkeit, Gehirn- und Nervensystem, den Eisenstoffwechsel, den Bau roter Blutkörperchen (und damit für die Sauerstoffversorgung aller Zellen), für Zellwachstum, Knochenbau, Fettverwertung und Muskeln (speziell auch für den sehr strapazierten Herzmuskel)

    Öfter mal Sauerkraut. Dieses Lebensmittel ist vielleicht das einzige, bei dem der Mensch die Natur verbessert hat. Ähnlich wie unsere Darmflora aus bestimmten Nahrungsmittel (Jogurt oder Algen) durch Fermentation das kostbare Vitamin B12 herstellen kann (das sonst ausschließlich in tierischer Nahrung enthalten ist), entwickelt das Kraut durch Lagerung und Gärungseinflüsse das komplizierte und unverzichtbare Kobalaminmolekül, das sich in aufwendiger Struktur um ein Kobaltatom zusammenfügt. Kompliment an die Chinesen: Sie haben das Sauerkraut >>erfunden<<.

    Ich hoffe dass Euch diese Information aktuell genug ist, sie hilfreich ist. Wenn die Information euch gefallen hat könnt ihr es gerne teilen. :)

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