Konsum Exotischer Pflanzen – Agroforestry als Alternative?

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Agroforestry als Alternative zum Anbau exotischer Pflanzen
Gerade Veganer sind immer wieder auf der Suche nach leckeren und vor allem auch nahrhaften Alternativen zu Fleisch und anderen tierischen Produkten. Kein Wunder, dass bei der Suche der Blick auch immer wieder auf andere Kontinente und exotische Früchte und Pflanzen fällt: Açaí, Matcha, Baobab, Soja, Goji, Mate, um nur ein paar dieser Kandidaten zu nennen. Vom Tierschutz zum Umweltschutz ist es nur ein kleiner Sprung, und gerade bei solch exotischen Pflanzen drängt sich die Frage auf, wie nachhaltig und umweltfreundlich der Anbau eigentlich ist. Ich werfe einmal den Blick auf zwei sehr unterschiedliche Beispiele.

Gern gewähltes Negativbeispiel: Soja

Ein gern genommenes Negativbeispiel für umweltschädlichen Anbau ist die Sojapflanze. In Argentinien und Brasilien werden riesige Flächen Regenwald geholzt, um den für Staat und Großgrundbesitzer lukrativen Sojaanbau auszuweiten und billiges Soja in den Weltmarkt einzuspeisen. Dass 98% der weltweiten Sojaproduktion als Tiernahrung verwendet wird, wissen die meisten Veganer und Vegetarier. Nichtsdestotrotz ist der Großteil des Sojaanbaus ein echtes Negativbeispiel in Sachen nachhaltigem Anbau und Umweltschutz.

Agroforestry als Alternative

Um Raubbau und irreparable Schäden an der Umwelt und sensiblen Ökosystemen zu vermeiden und die Artenvielfalt zu erhalten, bedarf es also alternativer und nachhaltigerer Anbaumethoden. Eine dieser nachhaltigen und alternativen Anbaumethoden ist das Agroforestry, zu Deutsch auch Agroforstwirtschaft. Bei dieser Anbaumethode werden Nutzpflanzen und natürliche Vegetation kombiniert angebaut. Die genaue Ausgestaltung des jeweiligen Anbaus kann dabei von Region zu Region, oder auch von Frucht zu Frucht, sehr unterschiedlich sein und verschiedenste Formen annehmen. In der sudanesischen Savanne werden beispielsweise Baobab-Bäume in Kombination mit Mais angebaut, in weniger tropischen Gefilden können Getreidesorten mit natürlichem Baumwuchs kombiniert werden. Dabei ist das Agroforestry nicht unbedingt auf nur zwei Kulturen begrenzt, sonder kann beliebig um verschiedene Pflanzen erweitert werden.

Vorteile des Agroforestry

Gemeinsamen haben die jeweiligen Ausprägungen der Agroforstwirtschaft jedoch die vielen Vorteile gegenüber herkömmlichem Anbau:

  • Erhalt natürlicher Vegetation, wie etwa Regenwald
  • Keine Boden- und Wassererosion durch die Kombination von natürlicher Vegetation und Nutzpflanzen
  • Biodiversität und Artenvielfalt durch Erhaltung natürlichen Lebensraumes
  • Kostenloser und natürlicher Dünger durch Synergien der verschiedenen Pflanzen
  • Verzicht auf schädliche Monokulturen

Langfristig können durch den Einsatz von Agroforstwirtschaft Abholzung und Rodung verhindert werden, da die Agroforstwirtschaft auch immer auf die Nutzung natürlicher Vegetation setzt und Ökosysteme dadurch stabilisiert und geschützt werden. Aber nicht nur für die Umwelt bietet diese Anbaumethode Vorteile, auch die Kleinbauern profitieren von dem System, da diese nachhaltige Bewirtschaftung in der Langzeitbetrachtung deutlich ertragreicher ist und Einkommen und Lebensraum auf Jahre sichert.

Ein positives Beispiel: Açaí

Acai Ernte

Açaí Ernte

Eine exotische Frucht, die Açaí-Beere, versteht sich besonders gut mit der nachhaltigen Anbaumethode. Die Açaí-Beere wächst in den Kronen der Kohlpalme im brasilianischen Amazonasbecken und gehört zu den am häufigsten vorkommenden Pflanzen im dortigen Regenwald. Zudem ist die Beere eine kleine Diva und wächst nur bei nährstoffreichem Boden. Monokulturen kommen kaum in Frage. Açaí-Beeren werden deshalb hauptsächlich in Mischkulturen angebaut. Nicht selten werden die Beeren zudem noch als Wildwuchs geerntet. Açaí-Palmen bilden beim Prinzip der Agrofortwirtschaft den Part der natürlichen Vegetation, die über Jahre hinweg wächst und nicht geerntet wird. Denn das Gute an der Beere ist, dass sie von der Palme gepflückt wird und im nächsten Jahr einfach neue Beeren nachwachsen, eine Art Permakultur also.

Arbeiter bei der Acai Ernte

Arbeiter beim Erklimmen einer Açaí Palme

Eine großangelegte wissenschaftliche Studie über Agroforestry in Brasilien bestätigte der Anbaumethode eine wichtige Rolle beim Umwelt- und Artenschutz in Brasilien, bei der Verhinderung von Brandrodung, aber auch bei der Sicherung von Einkommen, gerade für kleine Bauerngemeinschaften. Ergebnis war aber auch, dass diese Anbaumethode noch viel zu selten benutzt wird. Aller Anfang ist schwer, doch langsam schwappt das Thema Agroforestry und nachhaltiger Anbau exotischer Pflanzen auch nach Deutschland. Dies zeigt das kleine Startup Berioo aus Münster, die ebendiese Açaí-Beere für ihre Produkte ausschließlich aus Agroforstwirtschaft beziehen und damit den Genuss exotischer Pflanzen schlechtes-Gewissen-frei machen. In jedem Fall könnten sich andere Pflanzen noch ein Vorbild an der kleinen Beere aus Brasilien nehmen.

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