Aktionscamp gegen Tierfabriken – Tim Lüddemann berichtet vom Tierbefreiungs-Camp

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Aktionscamp

Fast eine Woche lang kamen auf dem niedersächsischen Land Tierbefreier*innen zusammen, veranstalteten Workshops, hielten Vorträge ab und machten vorallendingen Aktionen gegen Tierfabriken. Tim Lüddemann war dabei und berichtet vom Tierbefreiungs-Camp.

IMG_7620Auf einer Wiese bei Balge in Niedersachsen fand Anfang August ein Höhepunkt in der Tierbefreiungsszene statt. Das Aktionscamp gegen Tierfabriken hatte Aktivisten aus ganz Deutschland eingeladen, fast eine Woche lang gegen die in der Region ansässigen Mastanlagen zu demonstrieren. Das Unternehmen Wiesenhof betreibt davon mehrere und plant aktuell noch einen Ausbau. In einer Anlage sollen dann jeden Tag bis zu 400.000 Hühner geschlachtet werden – eine unvorstellbare Zahl.

Um gegen diesen Ausbau und die Nutzung von Tieren im Allgemeinen zu demonstrieren wurde das Aktionscamp ins Leben gerufen. Eine der Organisator*innen ist Hanna Engelmann. „Das Camp ist ein wichtiger Bezugspunkt für Tierbefeier*innen, um zusammenkommen und Aktionen zu machen, die sie sonst nicht in ihrer lokalen Gruppe machen können“, erzählt sie.

IMG_1382Weder die Aktivisten, noch die Organisatoren bekommen eine Bezahlung, alles ist ehrenamtlich. Von der Hauptorga bis zum Putzdienst ist alles von den Teilnehmenden selbstorganisiert. Für Hanna stellt das Camp auch eine Art Schutzraum vor der Gesellschaft dar, die ihre Ideale nicht teilt. „Andere Wesen gefangen zu halten und ihre Leben gewaltsam zu beenden, ist ein Akt ultimativer Herrschaft, was ich ablehne“, sagt sie. Man merkt, dass diese Worte ein Mensch spricht, der sich bereits sehr viele Gedanken in diesem Zusammenhang gemacht hat.  Die Teilnehmenden auf dem Camp wirken sehr jung jung – im Schnitt Anfang bis Mitte Zwanzig. Da die meisten Aktionen bereits früh beginnen, sind auch die meisten Leute beim Camp früh wach.

Blockade und andere Aktionen

Am zweiten Tag blockierten etwa dreißig Teilnehmende des Camps den Zufahrtsweg eines Futtermittelherstellers. Über drei Stunden hielten sie die Transporte auf uns störten damit den Produktionsablauf. Für David Braun, der bei der Aktion mit dabei gewesen ist, war die Blockade ein voller Erfolg. „Wir werden die Ausbeutung von Tieren nicht von einen Tag auf den anderen abschaffen können, aber wann sollen wir damit anfangen, wenn nicht jetzt!?“, fragt er. Sogar mit Fahrradschlössern hatten sich Aktivist*innen an einen Transporter und aneinander gekettet. Eine Person war auf einen Tripod gestiegen und hatte damit die Anlieferung blockiert. Nach etwa drei Stunden wurde die Blockade von der Polizei geräumt. Die beteiligten Personen müssen mit Strafgeldern in mehren hundert Euro Höhe rechnen. David meint, wenn Gesetze Ausbeutung und Misshandlung schützen würden, wäre es richtig und legitim diese auch zu brechen. Grundsatz sei allerdings, dass keine Lebewesen zu Schaden kommen dürften.

Neben dieser großen hat es weitere kleinere Aktionen gegeben. Zwei Kundgebungen in Nienburg, der nächst größeren Stadt in der Region und Protestveranstaltungen vor der Wiesenhof-Zentrale und vor dem Gelände, auf dem die Anlagenerweiterung stattfinden soll. Mit einer symbolischen Besetzung riefen die Protestierenden zu zivilem Ungehorsam gegen das Projekt auf. Die Aktivist*innen veranstalteten auch eine Protestveranstaltung vor dem Wohnhaus des Wiesenhof-Eigentümers. „Es geht darum das System Wiesenhof und die dahinter stehenden Personen zu demaskieren.“, sagt Hanna Engelmann.

„Tierbefreiung ist Menschenbefreiung“

Das Camp steht bewusst nicht nur im Zeichen der Befreiung von Tieren. „Den Kampf um eine Befreiung der Tiere sehe ich als Teil einer Bewegung, die für eine Gesellschaft frei von Ausbeutung und systematischer Gewalt einsteht“, meint Hanna weiter. Dies beinhalte alle Formen von Diskriminierung und Formen von Ausschlüssen. Deshalb sei allen Beteiligten eine Kritik am Kapitalismus genauso wichtig, wie an Neonazis und sexistischen Diskriminierungen.

Abschließend frage ich Hanna, warum sie sich diesen ganzen Stress eigentlich antut, noch dazu wenn sie von den Tieren nicht einmal ein Danke erwarten kann. „Ich glaube, es läuft eine ganze Menge grundlegend falsch in unserer Gesellschaft. Und wenn ich mich dagegen einsetze, dann tue ich das nicht für ein „Dankeschön“ der Unterdrückten. Sondern ich tue das, um meine Möglichkeiten sinnvoll zu nutzen, in der Hoffnung, schlussendlich selbst in einer besseren, schöneren, faireren Gesellschaft zu leben.“

Impressionen vom Aktionscamp

Weitere Fotos

Gastredakteur: Tim Lüddemann

Kommentare

  1. Sol meint

    Meinen Dank an alle Aktiven, die dort stellevrtretend für alle die waren,
    die davon einen Nutzen haben, aber keine Zeit oder Energie hatten teilzunehmen,
    (oder aber deren Engagement auf nicht so sichtbaren Ebenen stattfindet…)
    LG Sol

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