Animal Equality Germany – Hendrik im Interview

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Animal Equality Germany

Animal Equality ist eine international vernetzte Tierrechtsorganisation, die 2006 in Madrid unter dem Namen ‚Igualdad Animal‘ gegründet wurde. Heute sind die Tierrechtler_innen in Spanien, Mexiko, Venezuela, Indien, Großbritannien, Italien und auch in Deutschland (Animal Equality Gemany) aktiv. Hendrik ist Mitbegründer von Animal Equality Germany und wird den Leser_innen von Vegan News etwas über die Gruppe, seine Tätigkeit dort und Aktionen berichten.

Hendrik von Animal Equality Germany im Interview

Daniel: Hallo Hendrik, vielen Dank, dass Du Dir Zeit nimmst, mir ein paar Fragen zu Animal Equality Germany zu beantworten. Seit wann bist Du dabei, welche Aufgaben übernimmst Du dort und wie kam es dazu?

Hendrik: Ich bin seit Gründung der Gruppe in Deutschland (2012) dabei und kümmere mich um viele Aufgaben. Schwerpunkt ist allerdings Pressearbeit und die Koordination der Organisation. Nachdem ich vegan geworden bin, hatte Aktivismus für mich immer eine wichtige Rolle gespielt. Nachdem ich bei einer lokalen Gruppe aktiv war, kam die Überlegung mit ein paar anderen Aktivisten auf, ob sich der Aktivismus nicht professioneller aufziehen lässt. Die Frage war: Können wir noch mehr für die Tiere erreichen?

Daniel: Was genau will Animal Equality Germany für die Tiere erreichen und mit welcher anderen Organisation würdest Du euch vergleichen?

Hendrik: Es ist schwierig die Organisation zu vergleichen. Es gibt viele Dinge, die wir sehr ähnlich machen wie andere. Andere Dinge laufen dann aber wieder ganz anders ab oder die Schwerpunkte liegen wo anders. Entscheidender ist wie unsere Aktionen aussehen und wie viel sie bewirken. Animal Equality möchte dass wir unser Verhältnis zu Tieren ändern. Tiere zu nutzen lässt sich nicht länger rechtfertigen. Entscheidend ist uns dafür das Verhalten der Menschen zu ändern. Viele Menschen sind ja schon der Meinung, dass Tierleid schlecht ist, was aber noch lange nicht heiß, dass sie auch so handeln. Hier ist es wichtig anzusetzen.

Daniel: Eure Aktionen sind also von besonderer Bedeutung, um die Menschen zu erreichen. Was war die letzte große Aktion, die ihr gemacht habt?

Hendrik: Ende März haben wir in Berlin vor dem Brandenburger Tor eine Tierkörperaktion durchgeführt. 100 Aktivistinnen und Aktivisten hielten dabei tote Tiere in ihren Händen. Tiere, die Opfer von Tierausbeutung geworden sind. Ihr Leiden findet im Verborgenen statt. Durch die Aktion wollen wir die Unsichtbarkeit beenden. Das Wegsehen ist dadurch nicht mehr so einfach möglich. Wir legen großen Wert, dass diese Aktion in einer respektvollen Atmosphäre stattfindet. Es geht hier um Mitgefühl. Selten sind die Opfer des Speziesismus so sichtbar, so schwer zu ignorieren. Eine sehr ergreifende Aktion, die von Animal Equality erstmals in Madrid organisiert wurde und seitdem überall auf der Welt, auch von anderen Organisationen, durchgeführt wird.

Daniel: Und welche Aktion ist Dir persönlich in besonderer Erinnerung geblieben und warum?

Hendrik: Ich denke die Tierkörperaktion ist wirklich eine der ergreifendsten Aktionen bisher. Vor allem vor Ort. Die Offene Befreiung, die wir durchgeführt haben ist natürlich auch noch in besonderer Erinnerung. Zu sehen, wie die Tiere unter ihrer Haltung leiden ist heftig. Bei Recherchen geht es ja gerade darum. Zu dokumentieren, wie schrecklich die Zustände sind. Wenn es dann die Möglichkeit gibt, ein paar Tiere dort rauszuholen und ihnen ein anderes Leben zu ermöglichen, ermutigt einen dies. Neben der Befreiung steht hier allerdings auch die Aussage im Vordergrund: So könnte es allen Tieren gehen, wenn wir sie nicht ausbeuten würden. Die befreiten Tiere sind Botschafter einer anderen Welt, die möglich ist. Ich habe mal den Satz gelesen: „Ein Tier zu retten, verändert nicht die Welt. Aber die ganze Welt verändert sich für dieses eine Tier.“ Ich würde hinzufügen: Wir sollten versuchen mit den geretteten Leben, die Welt zu verändern.

Daniel: Eine Offene Befreiung, was ist das?

Hendrik: Bei einer Offenen Befreiung werden Tiere von den Orten, wo sie ausgebeutet werden gerettet. Das Leid der Tiere wird dabei dokumentiert. Die Aktivisten zeigen ihr Gesicht, weil sie für ihre Handlungen einstehen. Tiere sind Besitz in unserer Gesellschaft und Befreiung ist damit Diebstahl. Offene Befreiungen sind Aktionen zivilen Ungehorsams. Ein Gesetz wird gebrochen, um auf die Ungerechtigkeit aufmerksam zu machen. Nichts macht die Ausbeutung der Tiere so deutlich, wie ihren Eigentumsstatus. Es ist legitim Tiere zu befreien, egal, was die Gesetze sagen.

Bilder einer Offenen Befreiung durch Animal Equality

Mehr Bilder der Offenen Befreiung durch Animal Equality Germany findet Ihr hier.

Daniel: Tierkörperaktionen, offene Befreiungen, das alles kostet sicherlich nicht nur Zeit für die Organisation, sondern auch Geld. Wie finanziert ihr eure Aktionen, sind die Aktiven alle ehrenamtlich beschäftigt?

Hendrik: Der Hauptanteil des Geldes über das wir verfügen kommt durch Fördermitgliedschaften rein. Ich finde es wichtig zu betonen, dass Fundraising wichtig ist, um Aktivismus zu ermöglichen. Vieles wird einfach unmöglich, wenn eine Gruppe über keine finanziellen Mittel verfügt. Fast alle Aktiven sind ehrenamtlich bei uns.

Daniel: Wenn ich also Interesse daran hätte, mich bei euch zu engagieren könnte ich einfach so mitmachen, oder braucht es dazu besondere Voraussetzungen?

Hendrik: Prinzipiell kann sich jeder in unser AktivistInnen-Netzwerk eintragen. Wenn ihr in Berlin oder Stuttgart lebt, könnt ihr auch auf uns zukommen und dann können wir schauen, ob das passt. Dann kommt es eben darauf an, welche Interessen und Kompetenzen hat jemand und wo brauchen wir gerade Unterstützung. Online kann auch jeder helfen, der gerne Texte schreibt.

Daniel: Tierrechtler_innen sehen sich immer häufiger staatlichen Repressionen ausgesetzt. Erst kürzlich wurde ein Spitzel des Verfassungsschutzes in den Reihen der Tierrechtsbewegung aufgedeckt. Wie schützt ihr euch vor einer Unterwanderung durch V-Leute, oder ist das wegen eurer Aktionsform der Offenen Befreiung eher zweitrangig?

Hendrik: Wir haben eine klare Linie wofür wir stehen und wofür nicht – und dafür stehen wir öffentlich ein: Offene Befreiungen beispielsweise halten wir für legitim. Das heißt natürlich nicht, dass wir deswegen vor Repression geschützt wären. Einige Aktivisten von Animal Equality wurden im Juni 2011 in Spanien von der Polizei festgenommen und es wurden ihnen ähnliche Sachen vorgeworfen, wie bei der Repression in Österreich. Gerade wird das Verfahren gegen sie vorbereitet. Es drohen ihnen mehrere Jahre Haft. Es ist wichtig, sich dessen bewusst zu sein. Gleichzeitig darf man nicht in Panik verfallen. Das sind Versuche Aktivismus zu kriminalisieren und zu stoppen. Deswegen ist das Wichtigste zu zeigen, dass wir weiter machen.

Daniel: Nicht nur der Verfassungsschutz hat ein Interesse an der Tierrechtsbewegung. Auch die sogenannte Braune oder Rechte Ökologie nutzt das Potential der Bewegung, um Propaganda zu betreiben für ihre mythisch-völkische Ideologie. Hattet ihr schon Probleme mit Nazis, Faschist_innen, religiösen Sektierer_innen oder anderen Menschen mit extremer Gesinnung?

Hendrik: Wir setzen uns als Organisation zwar lediglich gegen Tierausbeutung ein, dass bedeutet aber gleichzeitig für uns, dass wir keine andere Form von Diskriminierung unterstützen. Es würde keinen Sinn machen für Tierrechte zu sein und dann gegen Menschen zu hetzen. Tierrechte sind Menschenrechte.

Daniel: Das sieht man letztlich auch daran, dass Animal Equality international agiert, da seid ihr sicherlich gut untereinander vernetzt. Gibt es auch gemeinsame Aktionen oder Treffen an denen Aktive aus unterschiedlichen Ländern teilnehmen?

Hendrik: Ja, uns ist Vernetzung sehr wichtig. Es gibt wenige Organisationen, die international so stark vertreten sind. Mit den europäischen Gruppen treffen wir uns regelmäßig, um zu planen und uns auszutauschen. In Kooperation mit Indien haben wir beispielsweise schon jetzt auf das für dieses Jahr geplante größte Tieropferfest mit einer Online-Aktion hingewiesen.

Daniel: Gibt es zum Abschluss noch etwas, dass Du unseren Leser_innen sagen möchtest?

Hendrik: Werdet aktiv, bleibt aktiv! Sucht immer nach Wegen, wie ihr euch und euren Aktivismus weiterentwickeln könnt! Unsere Privilegien verpflichten uns.

Daniel: Herzlichen Dank, für dieses spannende Interview. Ich wünsche Dir und Animal Equality Germany weiterhin viel Erfolg und hoffe, dass sich mehr Menschen der Tierrechtsbewegung anschließen, um für die Befreiung der nichtmenschlichen Tiere aus den Ausbeutungsverhältnissen zu kämpfen.

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