Bienen und Honig – Vom steinzeitlichen Honigjäger bis zur industriellen Produktion

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Honig von Bienen produziert
Menschen essen seit Jahrtausenden Honig. Bereits 9.000 Jahre alte Höhlenmalereien zeigen „Honigjäger“ bei der Arbeit. Die Geschichte der Haltung von Hausbienen geht bis ins 7. Jahrtausend v. Chr. zurück. Noch bevor man Zucker als Süßstoff kannte, nutzte man Honig. Heute wird die Honigherstellung wie alles in einem sehr viel größeren Umfang betrieben. Der Mensch zerstört den Lebensraum der Nektar sammelnden Insekten.

Bienen sind für ein funktionierendes Ökosystem unverzichtbar

Mehr als 80 Prozent aller Nutz- und Wildpflanzen sind bei ihrer Bestäubung auf Bienen angewiesen. Zwar können auch ein paar andere Insektenarten Blüten bestäuben, jedoch spielen die Bienen die größte Rolle. Die Bienen garantieren uns somit die Versorgung mit Nahrung. Sterben die Bienen, können die Pflanzen keine Früchte mehr tragen und sterben auf Dauer auch aus.

Die Bienen bilden mit den Pflanzen eine perfekte Symbiose: Die Bienen benötigen den Nektar der Pflanzen als Nahrung, die Pflanzen brauchen Hilfe dabei, ihre Pollen weiterzutragen, sich zu vermehren und Früchte zu tragen. Ein Geben und Nehmen in das sich einer einmischt: Der Mensch.

In den letzten Jahren kam es zu einem massenhaften Bienensterben. Ganze Völker sind davon betroffen, es werden immer mehr. Um das genauer zu verstehen, muss man sich näher mit den fleißigen Insekten beschäftigen.

Honig ist die von Insekten zur eigenen Nahrungsversorgung hergestellte Masse aus ihren Ausscheidungsprodukten, Honigtau genannt und Blütennektar. Die Bienen nehmen Blütennektar, gelegentlich auch Honigtau verschiedener Lausarten und Pflanzensaft auf und reichern ihn mit ihren körpereigenen Säften an. Sie speichern ihn in Waben, der Honig reift heran.

Die Nährstoffe im Honig schützen die Bienen vor Krankheiten

Die Nährstoffe im Honig schützen die Bienen vor Krankheiten und Parasiten. Auch vor den für sie schädlichen Milben, die zum Teil für das voranschreitende Bienensterben verantwortlich sind. Imker versorgen ihre Bienen als Ersatz meist mit Zuckerwasser, die Bienen werden dadurch anfälliger für Krankheiten.

Ca. 40.000 Blüten fliegt eine Arbeiterbiene am Tag an. Dabei nimmt sie nicht nur ihre Nahrung auf und baut fleißig am Bienenstock, sie bestäubt auch die Blüten mit den Pollen.

Über ihren Rüssel saugt die Biene den Nektar auf und transportiert ihn in den Bienenstock. Dort angekommen, gibt sie ihn an die Stockbienen weiter, die ihn aufnehmen und immer weiter an andere Bienen übergeben. Auf diese Art wird der Honig nach und nach mit Säuren aus dem Bienenkörper und Enzymen angereichert. Durch das ständige Aufsaugen und wieder Abgeben, verdickt sich der Nektar und hat zum Schluss noch einen Wassergehalt von ca. 35 %.

Honig pro Jahr – weltweit ca. 1.650.000 Tonnen

Pro Jahr werden weltweit ca. 1.650.000 Tonnen Honig hergestellt, so die Food Agriculture Organization of the United Nations. Allein in Deutschland sind es 85.000 Tonnen, also mehr als 1 kg Honig pro Einwohner.

Genau wie in der Milchindustrie geht es bei der Honiggewinnung darum, einen möglichst hohen Gewinn zu erzielen, die Tiere werden zur Nebensache. Sie werden in sogenannten Magazinen gehalten, die den echten Bienenstöcken nachempfunden sind.

Der Königin werden die Flügel gestutzt

Um die Bienen an das Magazin zu binden, werden der Königin die Flügel gestutzt. Weil die Arbeiterbienen ihrer Königin hörig sind, bleiben sie im Magazin. Mit Hilfe von Schubladen gelangt der Imker an den Honig, nicht selten werden die Bienen dabei verletzt.

Biene 2 (Arbeiterbiene am Magazin)Um besser an den Honig zu kommen, kommt es zum Einsatz einer Pfeife oder eines sogenannten Smokers. Durch den ausgestoßenen Rauch wird den Bienen ein Waldbrand vorgetäuscht. Ihr natürlicher Instinkt zwingt sie dazu, so viel wie möglich Nahrung aufzunehmen, um auf der Suche nach einem neuen Heim nicht zu verhungern. Sie können den Imker nicht stechen, er hat freien Zugriff auf ihren Honig.

Sobald in einem Bienenstock mehr als eine Königin sitzt, schwärmen die Bienen aus. Das passiert meistens im Mai oder Juni. Weil der Imker in dieser Zeit besonders viel Honig erwartet, versucht er das zu verhindern. Er hängt zum Beispiel einen Schwarmsack vor die Einflugstelle der Bienen, in welchem sich die ausschwärmenden Tiere verfangen und anschließend vom Imker in einen neuen Bienenstock gebracht werden.

Manche Bienenzüchter trennen auch das Bienenvolk und setzen die Brut und eine reife Königinnenzelle oder junge Königin mit einem Teil davon in eine neue Batterie.

Eine weitere Methode funktioniert, indem der Imker eine befruchtete Königin in den Bienenstock setzt, was verhindert, dass darin neue Königinnen heranwachsen, das Bienenvolk schwärmt nicht aus. Die alte Königin wird ausgemustert. Bienenköniginnen können sechs Jahre alt werden, in einem Imkereibetrieb werden sie jedoch nach einem Jahr getötet.

Die Bienen leiden unter Eiweißmangel

Schon im Larvenstadium leiden die Bienen durch die Honigentnahme der Menschen an Eiweißmangel, sie sind dadurch nicht mehr vor Milben und anderen Feinden geschützt und anfälliger für Krankheiten. Einige Milbenarten (z. B. die Varroamilbe) sind dadurch dazu in der Lage, ganze Bienenvölker auszurotten.

Und noch eine weitere Bedrohung sitzt den Bienen im Nacken: Immer mehr Pflanzenschutzmittel, darunter auch sogenannte Neonicotioide, kommen in der Landwirtschaft zum Einsatz. Die Hersteller setzen sich gegen Verbote zur Wehr. Sie behaupten, dass keine Verbindung zwischen dem Bienensterben und dem Einsatz der Nicotionide besteht.

Dabei lautet das Ergebnis einer europaweiten Metastudie, dass der Einsatz von Nicotinoiden nicht nur Honigbienen schadet, 3Sat berichtete. Der Einsatz des Gifts zieht in der Natur seine Kreise. Nicht nur Bienen leiden unter den Pestiziden, sondern auch Schmetterlinge, Fische und Vögel. Die Natur ist vom Einsatz der Chemikalien bedroht.

„Es gibt klare Beweise!“

Biene 1Professor Peter Neumann aus Bern über die Studie ASAC (Academies Science Advisory Concil): „Es gibt klare Beweise, dass bereits geringste Mengen Neonoctinoide chronische Effekte auf Pflanzenbestäubende Insekten haben können.“ In der Studie zeigte sich, dass sich unter anderem, dass der Neonicotionoid-Einsatz einen frühen Tod der Bienenköniginnen und eine geringe Fortpflanzungsrate bei Wildbienen nach sich zieht.

13 Forscher beteiligten sich an der Studie und beraten die Entscheidungsträger der Europäischen Gemeinschaft. Die Insektizide kommen derzeit in 13 Ländern zum Einsatz. Hergestellt werden sie hauptsächlich von Bayer in Deutschland und Syngenta in der Schweiz.

Ein Teil der Problematik ist auch, dass die Bienen von bestimmten Pflanzenschutzmitteln angezogen werden. So fliegen sie mit Neonicotinoiden behandelte Pflanzen mit Vorliebe an und nehmen beim Aufnehmen des Nektars und der Pollen die Schadstoffe in ihren Organismus auf.

Die Nicotinoide wirken auf die Bienen wie eine Droge, sie lösen die gleichen Mechanismen aus, wie Nikotin im menschlichen Gehirn, die Bienen wollen immer mehr von dem für sie schädlichen Wirkstoff.

Pflanzenschutzmittel beeinträchtigen das Wachstum der Bienen

In einer weiteren Studie haben Wissenschaftler aus Schweden herausgefunden, dass die Pflanzenschutzmittel das Wachstum der Bienen beeinträchtigen.

Am 18. März gab Frankreich ein Neonicotin-Verbot bekannt. Die Nationalversammlung stimmte gegen den Einsatz der Pestizide. Nun fehlt nur noch die Zustimmung des Senats.

Höchste Zeit, dass sich auch bei uns etwas tut. Derzeit findet hierzulande eine Petition statt, die den Hersteller Bayer zur Einstellung der Produktion bringen soll. Zur Petition geht es hier entlang.

Auch die Verlängerung der Zulassung des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat lehnten die Franzosen ab. Da könnte sich Deutschland doch mal ein Bespiel nehmen.

Außerdem sollten wir die Bienen in Frieden lassen. Sie werden sich nur nachhaltig erholen können, wenn sie zu ihrer ursprünglichen Lebensart zurückkehren können. Es gibt wunderbare Alternativen, man muss seinen Tee heutzutage echt nicht mehr mit Honig süßen. Ohne die faszinierenden Insekten hätten wir Menschen es schwer, unser komplettes Ökosystem stünde auf der Kippe.

Wer sich jetzt immer noch fragt, warum Veganer keinen Honig essen, findet auf der Seite von Peta noch jede Menge informatives Material.

Artikel: Anne Reis, cardamonchai.com, Bilder: Anne Reis privat; Titel: Pixabay, PollyDot

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