Bio-veganer Landbau – die Zukunft der Landwirtschaft?

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Wenn man sich mit der veganen Ernährung und einem weitestgehend veganen und tierleidfreien Leben auseinander setzt, wird man schnell merken, dass dem Ganzen keine Grenzen gesetzt sind und man sich nach und nach immer mehr Gedanken um viele Verknüpfungen auch bzgl. des „Einsatzes der nichtmenschlichen Tiere“ z. B. in der Landwirtschaft, macht oder machen möchte.

Biologisch-dynamische Landwirtschaft nach Demeter war lange die beste Option für mich

Wir kaufen seit Jahren unser Gemüse und Obst im hiesigen Biomarkt und achten auf regionale, meist Demeter-Qualität. Weil ich bisher der Meinung war, Demeter sei mit seiner biologisch-dynamischen Landwirtschaft der Inbegriff des respektvollen und ganzheitlichen Umgangs mit den Ressourcen der Erde und durch die sich abwechselnde Fruchtfolge auf ihren Äckern würde die Fruchtbarkeit und Nährstoffdichte des Gemüse erhalten bleiben. Desweiteren wird bei der ökologischen Pflanzenproduktion auf den Einsatz chemischer Syntheseprodukte, wie Fungizide, Herbizide und Insektizide, Kunstdünger, Wachstumsregulatoren und Antibiotika sowie gentechnisch veränderter Mittel und Produkte verzichtet (Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96kologische_Landwirtschaft). Für mich wichtige Kriterien für eine möglichst unbelastete Ernährung.

Wo hört das „vegane Leben“ auf?

Weiter heißt es bei Wikipedia: „Stattdessen werden dem Boden nur durch Mist- oder Güllegaben und Gründüngung möglichst aus eigenen Mitteln Nährstoffe zugeführt […]“

Da wären wir an einem Punkt, der mich nun (bisher einfach so hingenommen) hat aufhorchen lassen. Güllegabe: Dünger aus Urin und Kot landwirtschaftlicher „Nutztiere“ wie Schweine und Rinder. Demeter schreibt sogar seinen landwirtschaftlichen Betrieben eine Tierhaltung vor.

Im „Tierbefreiung – das aktuelle Tierrechtsmagazin“ klären Lisa Rotenberg und Silke Lamla darüber auf, dass im ökologischen Gemüsebau Horn- und Hufspäne, die aus gemahlenen Klauen von Rindern und Schweinen oder Hufen von Pferden bestehen, ebenfalls als Düngemittel eingesetzt werden. Hier wird mir auch erklärt, dass neben der Güllegabe noch weitere zahlreiche Tierprodukte auch zur Abwehr sogenannter Schädlinge eingesetzt werden.

Ist das Gemüse und Obst gar nicht so vegan wie bisher von mir angenommen?

Ist es vegan, wenn Obst und Gemüse für ihr Wachstum auf die Ausscheidung der nichtmenschlichen Tiere, die ausgebeutet und später getötet werden, „angewiesen“ sind? Ja sogar Teile dieser Tiere genutzt werden? Diese Frage hat mich beschäftigt und nach ein paar Recherchen bin ich über den bio-veganen Landbau gestolpert.

Bio-Veganer Landbau – was ist das genau?

  1. Bio-vegan verbindet die Ideale der biologischen Landbewirtschaftung mit den Grundsätzen des Veganismus, d.h. der möglichsten Vermeidung von tierlichen Produkten (bzw. Produkten, für die Tiere ausgebeutet wurden oder zu Schaden kamen) im menschlichen Konsum. (Quelle: http://biovegan.org/infopool/was-bedeutet-bio-vegan/)
  2. Verzicht von synthetischen Düngemitteln, Pestiziden und gentechnisch veränderten Organismen.
  3. Keine Tierhaltung und kein Verwenden von tierischen Produkten (wie Gülle, Hornmehl usw.).
  4. Vermeidung einer zentralisierten Struktur mit dem Fokus auf lokalem und regionalem Anbau und Vertrieb, der schonende Umgang mit Ressourcen sowie der Beitrag zum Ausbau der Artenvielfalt.

Brauchen denn Pflanzen überhaupt Dung, Hornspäne und dergleichen, um wachsen zu können?

Nein. Es geht auch ohne Mist. Pflanzen wachsen mit Hilfe von Sonnenlicht, Regen und Kohlendioxid, aus dem sie Kohlenstoff bilden. Sie brauchen Stickstoff aus der Luft und Mineralien aus dem Boden.

Abgestorbene Pflanzenteile ernähren Bodenlebewesen: Zunächst werden die organischen Substanzen von Käfern, Regenwürmern usw. zerkleinert und anschließend von Mikroorganismen wie Bakterien und Pilzen in Humus umgewandelt. Hier nochmals genau erklärt: http://biovegan.org/infopool/wie-soll-ein-geschlossener-betriebskreislauf-im-bio-veganen-land-und-gartenbau-ohne-nutztiere-denn-aussehen/

Der Kot von „Nutztieren“ enthält nur noch einen Bruchteil der Nährstoffe, die sie vorher zu sich genommen haben. Was folgt daraus? Die Nährstoffe sollten nicht über den Kot der Tiere dem Boden verabreicht, sondern diesem direkt zugeführt werden – z. B. in Form von Gründüngung, zu Schrot vermahlenen Lupinen oder auch andere pflanzliche Düngung, wie zum Beispiel die Nebenprodukte der Olivenölproduktion.

Was tun, wenn „Schädlinge“ sich verbreiten?

Da setzt der bio-vegane Landbau auf „Förderung der natürlichen Gegenspieler“, wie Molche, Käfer, Tausendfüßler. Ein weiteres Prinzip ist die Förderung der Artenvielfalt, auch um dynamischen Disbalancen entgegenzuwirken (Anlage und Pflege von Blühstreifen, Hecken, naturbelassene Feldränder und Flurstücke, Insekten-, Amphibien- und Vogelschutzmaßnahmen etc.). Tiere spielen also durchaus eine Rolle im bio-veganen Landbau – aber nicht als „Nutztiere“. Wildtiere und das Bodenleben werden gefördert bzw. ihnen wird nach Möglichkeit Raum gegeben. Es werden aber keine Tiere gehalten.

Flächen vielfältiger nutzen

Da heute ca. 61% der landwirtschaftlich genutzten Fläche in Deutschland für die Erzeugung von Futtermitteln genutzt wird, müssten diese Flächen dann zum Teil nicht mehr für das Futter der „Nutztiere“ herhalten, sondern es könnten Sonnenblumen, Lein, Hanf, Buchweizen, Mohn usw. auf diesen Flächen angebaut werden. Dies ist eine sinnvollere Nutzung unserer Äcker und Felder. Durch den bio-veganen Landbau könnte somit z. B. die Verunreinigung unseres Grundwassers zurückgehen. 26,9 Millionen Schweine und 12,7 Millionen Rinder produzieren in Deutschland Urin und Kot. Jährlich verteilen die Bauern auf deutschen Äckern und Wiesen mehr als 200 Millionen Tonnen Gülle (Quellen: http://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%BClle und http://www.zeit.de/2012/20/Trinkwasser-Nitratbelastung). Eine immense Belastung für unser kostbares Grundwasser.

Mein derzeitiges Fazit zum bio-veganen Landbau

Für mich sind die Vorzüge des bio-veganen Landbaus eindeutig, jedoch derzeit noch schwer nutzbar. Selbst die Informationsbeschaffung zeigte sich schwieriger als geplant. Lediglich das vegane Magazin „Kochen ohne Knochen“, das Tierrechtsmagazin Tierbefreiung und die bereits erwähnte Homepage www.biovegan.org lieferten mir meine Informationen. Ich hätte ehrlich gesagt lieber einen Profi an das Thema „bio-veganen Landbau“ gelassen.

Ich bleibe gespannt, wie sich das Thema in der Zukunft etablieren wird und würde mir sehnlichst einen bio-veganen Anbieter im Kreis Münsterland wünschen. Wenn jemand von Euch einen Anbieter kennt oder zusätzliche Informationen geben kann und möchte, freue ich mich über entsprechende Kommentare.

Zum Abschluss hier noch ein interessantes Video zum Thema bio-veganer Landbau:

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Kommentare

  1. Micha V Specht meint

    Hallo Sabine,

    eine Anmerkung zu diesem Punkt: „Brauchen denn Pflanzen überhaupt Dung, Hornspäne und dergleichen, um wachsen zu können?

    Nein. Es geht auch ohne Mist. Pflanzen wachsen mit Hilfe von Sonnenlicht, Regen und Kohlendioxid, aus dem sie Kohlenstoff bilden. Sie brauchen Stickstoff aus der Luft und Mineralien aus dem Boden.“

    Du relativierst diese Aussage zwar im nächsten Abschnitt, aber meiner Meinung nach kann man das trotzdem so nicht stehen lassen. Es ist zwar richtig, daß man für den Pflanzenbau keine tierischen Produkte zuführen muß (tierische Produkte spielen dennoch eine Rolle –> Regenwürmer/Dung von Wildtieren etc.), aber um das Düngen kommt man nicht rum, wenn man einigermaßen Ertrag haben will. Zum Einen werden Nährstoffe auch zum Teil ausgewaschen. Vor allem entzieht man der Fläche aber die Nährstoffe, die in der Ernte stecken. Und die müssen künstlich zugeführt werden, genauso wie die Ernte künstlich abgefahren wird.
    Übrigens: Den Stickstoff aus der Luft können Pflanzen nicht direkt selbst binden. Es gibt aber Pflanzen (die Leguminosen), die eine Symbiose mit sog. Knöllchenbakterien eingehen. Diese können den Luftstickstoff binden und stellen ihn den Pflanzen zur Verfügung. Wenn man also beispielsweise Luzerne als Gründüngung verwendet wird der darin gebundene Stickstoff bei der Verrottung wieder frei und kommt pflanzenverfügbar in den Boden für die eigentliche Anbaukultur. Das ist, was hinter der Gründüngung steckt 😉 Ich finde es aber toll, wie du dich ins Thema gefuchst und einen schönen Artikel dazu geschrieben hast!! Bei allen anderen Punkten kann ich dir nur sehr beipflichten. Landwirtschaft muß sich sehr stark verändern!!

    LG Micha

  2. Sabine Kampmann meint

    Hallo Micha!
    Vielen Dank für deine wichtigen Informationen und für die verständliche Erklärung der Gründüngung.
    Ich habe mich sehr nah an den drei erwähnten „Magazinen“ orientiert.
    Also gebührt dein Lob vornehmlich den Schriftstellern dieser Artikel.
    Um die Ressourcen unserer Erde zu schonen, sollte diese Art der Landwirtschaft in Zukunft mehr Bedeutung gewinnen. Viele Grüße!
    Sabine

  3. meint

    Hier beim Allgäuer Vegie Projekt werden auch Flächen bio vegan bewirtschaftet. Es werden dort auch immer helfende Hände gesucht klar du bist zu weit weg … aber gibt schon einige solcher Projekte denk ich und klein anfangen kann man bei sich ja im Garten — so man einen hat

    https://www.facebook.com/allgaeuerveganprojekt?fref=ts

    Der „Pfänder Hof“ hält auch regelmässig Vorträge beim Allgäuer Vegie Projekt … Bei Interesse die Seite liken, dort werden dann auch die Veranstaltungen angezeigt

    http://www.pfaender-hof.de/content/hofladen

  4. Lisa meint

    Danke für das Reinarbeiten ins Thema, Sabine! Das ist ein schöner Artikel geworden.

    Beim Lesen hat sich mir nur eine Frage gestellt. Wenn bio-dynamischer Anbau für dich nach deiner Recherche nicht mehr erste Wahl ist du nun nach einer Bezugsquelle für bio-vegan angebaute Produkte suchst – Was ist dein Fazit, solange du keine bio-vegan angebauten Produkte beziehen kannst? Bleibst du bei Demeter als zweite Wahl?

    Meine Gedanken dazu: Demeter ist nicht zweite Wahl, sondern keine Wahl. Nur beim Demeter-Verband ist Tierhaltung auf landwirtschaftlichen Betrieben vorgeschrieben ist; bei anderen Bio-Verbänden nicht. Diese könnten also laut Verbandsrichtlinien bio-vegan wirtschaften. Bei Demeter-Gärtnereien, die selbst keine Tiere halten, müssen immer Tierprodukte („Präparate“) im Anbau eingesetzt werden. Bezüglich eines möglichst veganen Anbaus schneidet Demeter also deutlich schlechter ab als andere Bio-Verbände. Darüber hinaus beruht die bio-dynamische Landwirtschaft auf der Anthroposophie, einem esoterischen Weltbild, dessen Annahmen dem heutigen naturwissenschaftlichen Verständnis widersprechen. Hokuspokus zum Premiumpreis, sozusagen. Für mich Grund genug, keine Demeter-Produkte zu kaufen.

    Bleibt die Frage, was jede*r tun kann, damit es einmal bio-vegan angebaute Produkte für alle gibt.
    Wenn Verbands-Bio, dann Bioland oder Naturland wählen. Bei Gärtnereien vor Ort nachfragen, mit was sie düngen und auf die Problematik hinweisen. Über veganen Anbau erzählen und ihn bekannter machen.

    Viele Grüße!

  5. Sabine Kampmann meint

    Hallo Lisa!
    Danke für deinen Kommentar!
    Tatsächlich ist es so, dass ich Demeter-Produkte nicht mehr kaufe.
    Irgendwie kam das „intuitiv“. Ich werde das Thema bei „unserem“ Biomarkt ansprechen. Vielen Dank nochmal für deine Zeit und wertvollen Ratschläge.
    Liebe Grüße!

  6. meint

    Beim Kauf von Lebensmitteln achte ich besonders auf die Region. Eine BIO Zertifizierung ist mir nur wichtig, wenn ich nicht weiss, wo mein Gemüse, Obst etc. gewachsen ist. Ansonsten kaufe ich fast 100% BIO Lebensmittel. Den Anbau von herkömmlichen Lebensmitteln kann ich nicht mehr mit meinem Geld unterstützen. Der Raubbau an der Natur und den Menschen ist einfach zu grob geworden. Geld verdirbt jede Moral, so ist es auch bei der Lebensmittel-Industrie. Der Konsument hat die Macht, diese Produkte im Regal zu belassen. Wer trotzdem diese billigen Produkte kauft, unterstützt die Lebensmittel-Industrie und deren Vorgehensweise. So jemand muss sich auch nicht über die schlechte Qualität der Lebensmittel aufregen. Eine recht ordentliche Auswahl an BIO Lebensmitteln habe ich im http://www.bio-online-shop.ch entdeckt.

  7. Friedhelm Wegner meint

    Je mehr Themen eine Partei hat, desto größer ist der Widerstand. Eine Ein- oder Zweithemenpartei zieht wesentlich mehr Wähler an. Und das ist besonders entscheidend für neue Parteien. Wenn man der V-Partei empfiehlt, zu allen relevanten Themen Stellung zu nehmen, wird diese Partei nie auf 5 % und damit nicht in den Bundestag kommen, es sei denn, die 5 % Klausel wird gestrichen; damit ist jedoch vorerst nicht zu rechnen. Natürlich muss sich eine V-Partei auch zu den Menschenrechten bekennen, aber damit sollte man es bewenden lassen. Vegane Ernährung incl. Landwirtschaft, Tier- und Umweltschutz sind genug Themen für eine Partei. Nicht 3 Vs, sondern nur 1 V.

    Anmerkung zu einem Kommentar: Die Pflanzen stellen durch die Photosynthese keinen Kohlenstoff, sondern Kohlenstoffverbindungen her.

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