Biohof Hausmann – Der Betreiber des bio-veganen Hofes im Interview

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Biohof Daniel Hausmann
Der Biohof Hausmann in Breitenborn unterhalb des Rochlitzer Berges zwischen Chemnitz und Leipzig ist ein klassischer, landwirtschaftlicher Familienbetrieb. Nach dem Tod des Vaters hatte der jetzt 25-jährige Daniel Hausmann den Hof 2012 übernommen. Nach Übernahme verkaufte er ziemlich schnell die hofeigenen Kühe und stellte 2014 auf bio-vegane Landwirtschaft um. Die knapp 20 Hektar des Hofes bewirtschaftet Hausmann heute mit seiner Mutter.

Der heute bio-vegane Hof Hausmann baut seit 2015 die verschiedensten Gemüse- und Kohlsorten, wie Tomaten, Pastinake und Topinambur usw. an. Mittlerweile auf einem halben Hektar. Auf der restlichen Fläche werden Getreide, Kleegras, Kartoffeln kultiviert und eine Streuobstwiese mit unterschiedlichen Obstbäumen wird ebenfalls bewirtschaftet.

Was bedeutet eigentlich bio-vegan?

Die Herstellung von Nahrungsmitteln und weiterer landwirtschaftlicher Erzeugnisse auf Basis naturschonender Produktionsmethoden, wird unter folgenden Begriffen zusammengefasst:

  • ökologische Landwirtschaft
  • biologische Landwirtschaft
  • organische Landwirtschaft
  • Ökolandbau
  • alternative Landwirtschaft

Daniel Hausmann erklärt bio-veganHierbei wird weitgehend auf synthetische Pflanzenschutzmittel, Mineraldünger und Gentechnik verzichtet. Die Defnition von „bio-vegan” sattelt hierauf auf, geht aber noch weiter, nämlich in Form des veganen Landbaus, welcher keine sogenannten Nutztiere hält und keine tierischen Dünger (Fäkalien, Horn-, Blut-, Knochenmehl) in jeglicher Form verwendet. Durch Leguminosen in der Fruchtfolge wird Stickstoff in die Erde gebracht. Leguminosen dienen im Ökologischen Landbau vor allem der Nährstoffversorgung der Böden.

„Dabei hilft uns vor allem das Kleegras, ein Gemisch aus verschiedenen Leguminosen und Gräsern. Durch den erhöhten Biomasseaufbau und die starke Durchwurzelung entsteht eine durch Pflanzen fruchtbare Bodengare. Dadurch benötigen unsere Kulturen keinen chemisch-synthetisch hergestellten Stickstoff.”, heißt es auf der Hompage des Biohofes.

Durch eine vielfältige Fruchtfolge, Kulturartenvielfalt, Blühstreifen und möglichst viele Gehölzstrukturen, wie Bäume und Hecken wird bestimmten Schadorganismen zu Leibe gerückt.

Bio-veganer Landbau ist in meinen Augen der Inbegriff des respektvollen und ganzheitlichen Umgangs mit den Ressourcen der Erde. Heute hat sich Daniel Hausmann für ein kleines Interview Zeit genommen.

Interview mit Daniel Hausmann

Sabine: Hallo, Daniel! Vielen Dank, dass Du Dir Zeit nimmst. Wie kam es dazu, dass Du Deinen Hof 2014 auf bio-vegan Umgestellt hast?

Daniel Hausmann: Hallo. Eigentlich habe ich den Hof 2014 „nur“ auf Bio umgestellt. Das vegane hat sich parallel dazu entwickelt. Erst haben wir uns 2012 eher aus Zeitgründen von unseren Tieren getrennt. Danach wurde ich selbst zum Veganer. Dann macht es natürlich keinen Sinn, wieder in die Tierhaltung einzusteigen. Seit 2012 verzichten wir jetzt auf jegliche Form tierischer Dünger – also anfangs eher unbewusst, dann bewusst. Ich wollte schon immer das anbauen, was ich selber auch esse – von daher kam für mich nur Bio in Frage. Ein Schlüsselerlebnis hatte ich im Frühjahr 2014, als ich erst über mein (noch) konventionelles Gerste Feld gelaufen bin, und außer Gerste eigentlich nichts gesehen habe: Kein Wildkraut, kein Tier. Nur zwei Nacktschnecken, die auch nicht gerade gesund aussahen. Danach bin ich durch den Garten gelaufen, wo wir einen kleinen Kartoffelacker hatten. Dort wimmelte es vor Getieren: Spinnen, Käfer, Fliegen und andere Insekten. Von da an war ich mir sicher, dass ich den richtigen Weg gehen würde.

Sabine: Welche Hürden hattest Du anfänglich zu meistern?

Daniel Hausmann: Anfangs war es echt schwer, den Betrieb und das Studium zeitgleich zu meistern und nebenbei auch noch Freizeit zu finden, während die meisten meiner Kommilitonen „nur“ studierten. Im Betrieb war es schwer, sich ein Netzwerk von Personen aufzubauen, die einen bei verschiedenen Sachen Rat geben, oder helfen können. Auch die alten Maschinen von uns zu bedienen und ein Gefühl für die Sache zu bekommen war nicht einfach. Auch dauert es eine Weile, sich selbst so einzuteilen, dass man effizient arbeitet. Gerade ist die größte Schwierigkeit, einen Kundenstamm aufzubauen und das Gemüse zu verkaufen. Sowas kann man nicht schon ein Jahr vorher machen. Auch macht sich niemand ein Abokistenvertrag für das kommende Jahr. Für Website, Facebook, etc. braucht man Bilder, die kann man auch erst machen, wenn man das Gemüse hat.

Sabine: Wie hat sich Deine Arbeit in den letzten Jahren verändert?

Daniel Hausmann: Als ich den Betrieb übernommen habe, habe ich zeitgleich mein Studium an der FH Eberswalde begonnen. Damals hatten wir noch die Kühe, aber die Flächen wurden von einem Lohnunternehmer bewirtschaftet: Das heißt, er hat die Feldarbeit erledigt und ich habe alles rund herum organisiert. Nach und nach habe ich immer mehr selber ausprobiert, bis ich dann im Mai 2014 auf Bio umgestellt hatte – seitdem mache ich auf dem Acker alles selber. 2015 bauten wir auf einer kleinen Fläche Gemüse an, mittlerweile auf einen halben Hektar. Das braucht natürlich viel mehr Zeit und Handarbeit. Auch die Organisation ist komplexer geworden. Beispielsweise haben wir früher im Spätsommer das geerntete Getreide verkauft. Jetzt verkaufen wir zusätzlich jede Woche Gemüse in der Foodassembly Chemnitz, beliefern ein Restaurant, verteilen Gemüsekisten in Leipzig und haben seit gut zwei Wochen unseren Hofladen offen. Und dabei ist das Verkaufen nur eine von vielen Sachen, die parallel ablaufen.

Sabine: Wie ging Deine Mutter, mit der Du den Hof zusammen bewirtschaftest, mit der Idee der Umstellung um?

Daniel Hausmann: Sie stand von Anfang an hinter der Idee und mir, half parallel zu ihrem Job auch schon immer viel mit und seit April arbeitet sie komplett mit auf dem Hof. Ohne sie hätte ich das Projekt gar nicht machen können – hier noch mal ein fettes Dankeschön!

Sabine: Du lebst selber vegan. Seit wann und warum bist du den Schritt gegangen?

Daniel Hausmann: Als ich mein Studium angefangen habe, habe ich mich mehr und mehr mit dem Thema beschäftigt und zeitgleich immer weniger tierische Produkte zu mir genommen. Irgendwann habe ich mich komplett vegan ernährt. Da es bei mir ein fließender Übergang war, kann ich kein genaues Datum nennen, aber mittlerweile dürften es gut 2,5 Jahre sein.

Sabine: War für Dich der ethische Aspekt wichtig bei Deiner Entscheidung für ein rein pflanzliches Leben?

Daniel Hausmann: Es war sogar ein Hauptgrund. In erster Linie habe ich durch die Sympatie und das Mitgefühl gegenüber anderen Lebewesen aufgehört, sie zu essen. Denn für mich macht es keinen Unterschied, wenn ich eine Kuh, ein Schwein, oder ein Hund, oder eine Katze sehe.

Sabine: Die gängige Meinung ist ja, dass man durch bio-veganen Landbau nicht genug Ernte/Ertrag erzielen kann. Wie sind Deine Erfahrungen der letzten Jahre?

Daniel Hausmann: Wir haben im Frühjahr 2014 auf Bio umgestellt, in diesem Jahr war noch ziemlich viel Stickstoff im Boden. 2015 gingen die Erträge natürlich erst einmal herunter, aber das ist normal. Ich sage mir immer: Bei Bio hat man zwar nur rund die Hälfte der Erträge, dafür wird bei konventionellem Getreide über die Hälfte der Ernte an Tiere verfüttert. Pi mal Daumen kommt es vielleicht auf Ähnliches heraus. Außerdem wird beim bio-veganen Anbau all die Energie eingespart, die bei der Produktion chemisch synthetischer Dünger, und Pestizide verbraucht wird. Da diese zumeist aus fossilen Energieträgern besteht und diese nun mal endlich sind, ist die konventionelle Landwirtschaft einfach keine nachhaltige Form der Landbewirtschaftung.

Sabine:  Alle Landwirte werden mit Direktzahlungen gefördert. Das ist EU-Geld, welches abhängig von der landwirtschaftlich genutzten Fläche gezahlt wird. Wie haben sich diese Zahlungen auf Deinen Betrieb ausgewirkt? Im Vergleich der unterschiedlichen Bewirtschaftungen (mit/durch tierischer Produkte/bio-vegan) des Hofes.

Daniel Hausmann: Ich bekomme meine Flächenprämie nach wie vor. Der einzige Unterschied ist, dass ich jetzt die Bioprämie von ca. 240 € pro Hektar und Jahr mehr erhalte. Dieser Betrag variiert in jedem Bundesland. Was mir eher Probleme bereitet sind Fördermittel, wie Investitionskostenzuschüsse: Hier gibt es, zumindest in Sachsen, Untergrenzen, ab denen gefördert wird. Diese liegen meist bei 20.000 € pro Investition. So viel kann und will ich aber nicht für eine Sache ausgeben, also kann ich mir meine Investitionen auch nicht fördern lassen.

Sabine: Wie könnte ein Landwirt/in vorgehen, der/ die ebenfalls an einer Umstellung seines/ihres Hofes interessiert ist? Wo kann sich diese/r Informationen einholen?

Daniel Hausmann: Auf alle Fälle erst einmal informieren. Da bietet das bio-vegane Netzwerk eine echt gute Datenbasis. Ansonsten hilft es, sich andere bio-vegane Betriebe anzuschauen und mit den dort arbeitenden Landwirten ins Gespräch zu kommen. So habe ich es auch gemacht. Wer Interesse hat, kann sich auch gern bei mir melden.

Sabine:  In welchem Umkreis sind eure Abo-Kisten erhältlich?

Daniel Hausmann: Die Abokisten verteilen wir aus zeitlichen Gründen nur in Leipzig. Leute aus dem näherem Umkreis, die gern eine Kiste wollen, können sie gern freitags bei uns abholen, oder uns im Hofladen besuchen: Der ist wochentags von 16 bis 18 Uhr und jeden ersten Samstag im Monat von 11 bis 16 Uhr geöffnet.

Sabine: Lieber Daniel, wir wünschen Dir eine erfolgreiche und bunte Zukunft!

Daniel Hausmann: Danke! Und vor allem danke für das Interesse! :)

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