BKK ProVita – Deutschlands vegan-freundliche Krankenkasse

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BKK ProVita
Die BKK-ProVita wirbt auf ihrer Website mit diesen Zeilen: „Wir glauben fest daran, dass die Harmonie von Körper, Seele und Geist ein essenzieller Faktor zur Gesundung und Erhaltung der Gesundheit ist. Der Mensch ist ein vielschichtiger Organismus. Eine Erkrankung ist oft nur das Symptom für tiefer liegende, zu lösende Probleme – Gesundheit also ein Zustand, der aus der ganzheitlichen Behandlung komplexer körperlicher Vorgänge entsteht.” Weiter heißt es: „Deshalb bietet die BKK ProVita ihren Versicherten mehr als hervorragende Schulmedizin und gründliche Vorsorge im Rahmen der Regelleistungen einer gesetzlichen Krankenkasse.”

Andreas Schöfbeck von der BKK ProVita im Interview

Sabine: Die BKK-ProVita bietet ihren Mitgliedern eine ganzheitliche Behandlung zur Gesundung und Erhaltung der Gesundheit. Was heißt das genau? Und welche Maßnahmen/Behandlungen können das konkret sein?

Andreas Schöfbeck: Wir bieten unseren Versicherten vielfältige Angebote: Bis zu 500 Euro pro Jahr bezahlen wir sowohl für Osteopathie-Behandlungen als auch für pflanzliche Arzneimittel. Damit sind wir spitze im Vergleich der gesetzlichen Krankenkassen. Außerdem bieten wir Homöopathie- und Anthroposophie-Behandlungen an. Wir bezahlen Gesundheitskurse zu gesunder Ernährung, Stressreduktion und Bewegung und bieten ein attraktives Bonusprogramm, das gesundheitsbewusstes Verhalten fördert. Alle Informationen finden Sie auf unserer Homepage unter „Extraleistungen„.

Sabine: Wer hat die BKK-ProVita ins Leben gerufen und wie kam es zu der Idee der ganzheitlichen Behandlung von Körper und Geist?

Andreas Schöfbeck: Die BKK ProVita zählt zu den ältesten Krankenkassen in Deutschland. Ihre Wurzeln gehen zurück auf das Jahr 1862, als sie als Betriebskrankenkasse eines Unternehmens (der München-Dachauer Papierfabriken) gegründet wurde, dem die soziale Versorgung seiner Arbeiter sehr wichtig war. Seither kamen elf Krankenkassen zu dieser Gemeinschaft hinzu und es gab im Laufe der Zeit unterschiedliche Namen für unsere Kasse. Die BKK ProVita hat sich zu einer bundesweit geöffneten, gesetzlichen Krankenkasse mit rund 119.000 Versicherten entwickelt. Als moderne Krankenkasse verfolgen wir natürlich die aktuellen Gesundheitsthemen und interessieren uns dafür, was unseren Versicherten wichtig ist. Wir wissen, dass sehr viele Menschen sich für gesunde Lebensweise interessieren und auf Ergänzungen zur Schulmedizin vertrauen. Ich persönlich bin sehr offen für die ganzheitliche Betrachtung des Menschen in der Medizin – und die Harmonie von Körper, Seele und Geist. Ganz besonders liegt mir auch die gesunde Ernährung der Menschen am Herzen. Seit 2014 bemühen wir uns verstärkt um diese Themen. Im selben Jahr haben wir die Kasse umbenannt in „BKK ProVita – Die Kasse fürs Leben“. Dieser Name spiegelt unsere Überzeugungen und Ziele sehr treffend wieder.

Sabine: Was sind die bisher meist genutzten Angebote? Gab es schon mal außergewöhnliche Wünsche eines/einer Versicherten?

Andreas Schöfbeck: Wir haben rund 119.000 Versicherte und natürlich gibt es eine Vielzahl von Wünschen. Wir nehmen diese Wünsche auch alle ernst. Als gesetzliche Krankenkasse haben wir uns allerdings an den rechtlich vorgegebenen Rahmen zu halten – innerhalb dessen wir viele sehr gute Leistungen anbieten. Aktuell nehmen unsere Versicherten von unseren Extra-Leistungen häufig die Leistungen für Osteopathie-Behandlungen in Anspruch. Sehr oft werden wir gefragt, ob wir nicht den B12-Test bezahlen können. Leider dürfen gesetzliche Krankenkassen das nicht, da dies im Sozialgesetzbuch nicht vorgesehen ist. Wir haben schon diverse Versuche unternommen, eine Änderung der Vorschriften zu erreichen, leider wurde es uns bis jetzt nicht genehmigt. Wir werden uns aber weiterhin darum bemühen.

Sabine: Gibt es eine Altersbegrenzung bei der Aufnahme der Versicherten?

Andreas Schöfbeck: Nein, bei der BKK ProVita können sich Menschen jeden Alters versichern.

Sabine: Wünschen Sie vor Aufnahme des Versicherten einen Gesundheitscheck?

Andreas Schöfbeck: Nein, eine solche Untersuchung ist nicht erforderlich.

Sabine: Warum kann die BKK-ProVita einen niedrigeren Beitragssatz von 15,5% als die gängigen Krankenkassen mit 15,7% fordern und dabei mehr Leistung bieten?

Andreas Schöfbeck: Wir gehen sehr sorgsam mit den zur Verfügung stehenden Mitteln um, die uns aus dem Gesundheitsfonds zugewiesen werden. Unsere Verwaltungskosten sind niedriger als bei den allermeisten anderen Kassen. Dadurch können wir unseren Beitragssatz niedrig halten und unsere Versicherten und ihre Gesundheit sehr gut versorgen.

Sabine: In der Philosophie der BKK-ProVita sprechen Sie von „Eigenverantwortung jedes Einzelnen“ in Bezug auf seine/ihre Gesundheit. Was meinen Sie damit? Werden auch Raucher in der BKK-ProVita aufgenommen?

Frau mit Hund joggt

„Stark und positiv durchs Leben“

Andreas Schöfbeck: Es ist klar: Den kranken Menschen zu helfen, ist unsere Kernaufgabe als Krankenkasse. Gesundheitsvorsorge und Aufklärung sind ebenfalls wichtige Aufgaben. Und wenn die Versicherten gut informiert sind, können Sie ihrer Verantwortung für die eigene Gesundheit besser gerecht werden. Wir klären daher über Gesundheitsrisiken – dazu zählt auch das Rauchen – auf. Uns liegen aber vor allem die Aspekte am Herzen, die die Gesundheit fördern. Dazu gehören gesunde Ernährung und Bewegung – aber auch seelische Aspekte und die richtige Einstellung.

Neueste wissenschaftliche Untersuchungen beschäftigen sich intensiv mit den Zusammenhängen von seelischem Wohlbefinden und unserem Immunsystem, unserer Gesundheit. Der Wissenschaftszweig der Psychoneuroimmunologie leistet hier Hervorragendes – ist aber leider noch nicht in dem Ausmaß bekannt, wie er es verdient hat. Diese Dinge interessieren mich sehr stark. Wir verfolgen die Entwicklungen gespannt – und klären unsere Versicherten darüber auf.

Unsere Aktion „Stark und positiv durchs Leben“ widmet sich dieser Thematik. Hier finden unsere Versicherten viele Informationen über die Zusammenhänge von seelischem Befinden und körperlicher Gesundheit. Wir informieren über die Ursachen von seelischem Ungleichgewicht – und was negative Gefühle wie Frust und Stress bewirken können. Gleichzeitig geben wir zahlreiche Anregungen und Hilfestellungen, um den Alltag zu „entschleunigen“, sowie glücklicher, zufriedener – und dann natürlich auch gesünder – zu werden.

Und um auf Ihre Frage konkret zu antworten: Selbstverständlich werden auch Raucher bei uns versichert.

Sabine: Als erste Krankenkasse hat die BKK-ProVita eine Gemeinwohlbilanz erstellt. Erklären Sie uns bitte, was die „Gemeinwohlbilanz“ bedeutet!

Andreas Schöfbeck: Die Gemeinwohlbilanz stellt einen ausführlichen Bericht dar, in dem die BKK ProVita ihre Verhaltensweisen und Anstrengungen zu vorgegebenen, für das Gemeinwohl wichtigen Themen schildert. Kontrolliert und bewertet wurde die Bilanz von einem Auditor der Gemeinwohl- Ökonomie. Gewichtige Aspekte für die Bewertung sind Menschenwürde, globale Fairness und Solidarität, ökologische Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit und demokratische Mitbestimmung.

Für ihre erste Gemeinwohlbilanz erhielt die BKK ProVita 374 Punkte und damit eine sehr gute Bewertung. Nachzulesen sind die Gemeinwohlbilanz der BKK ProVita, die Bewertung und ein „Best-Practice-Bericht“ auf unserer Homepage www.bkk-provita.de sowie auf den Seiten des Dachvereins für Gemeinwohl-Ökonomie e.V.

Mit der Erstellung der Gemeinwohlbilanz möchte die BKK ProVita die eigenen Anstrengungen für das Gemeinwohl messen und dokumentieren. Die Beschäftigung mit der Gemeinwohlökonomie ist uns Anreiz, unser unternehmerisches Handeln auch zukünftig an den Maßstäben der Gemeinwohlökonomie auszurichten. Es ist geplant, künftig alle zwei Jahre eine Gemeinwohlbilanz zu erstellen.

Sabine: Die BKK-ProVita macht sich stark gegen Korruption und Missbrauch im Gesundheitswesen. Das heißt im Klartext?

Andreas Schöfbeck: Das ist ein Thema, das alle Krankenkassen angeht. Durch Korruption und Missbrauch im Gesundheitswesen entstehen der Versichertengemeinschaft enorme finanzielle Schäden. Wir wollen Missbrauch verhindern und die Solidargemeinschaft vor Schaden schützen. Die BKK ProVita hat eine Stelle zur Bekämpfung von Fehlverhalten im Gesundheitswesen (Korruptionsbekämpfungsstelle) eingerichtet. Aufgabe dieser Stelle ist es, diejenigen zu identifizieren, die die Strukturen im Gesundheitswesen zu ihrem persönlichen Vorteil missbrauchen. Grauzonen müssen erkannt und die hierdurch entstehenden Möglichkeiten zur Manipulation abgeschafft werden.

Sabine: Herr Schöfbeck, seit Oktober 2014 leben Sie vegan. Wie kam es dazu? Hat sich die BKK-ProVita zuerst für die ausgewogene pflanzliche/vegetarische Ernährung stark gemacht oder haben Sie die Gesundheitskasse beeinflusst?

Andreas Schöfbeck: Ich hatte mich zuvor schon einige Zeit vegetarisch ernährt und kam dann mit allen Informationen über die Vorteile und Möglichkeiten pflanzlicher Ernährung recht rasch zur Erkenntnis, dass nur eine rein pflanzliche Ernährung für mich in Frage kommt – aus gesundheitlichen, ökologischen und ethischen Gründen. Je mehr ich mich mit dem Thema auseinandersetzte, desto klarer wurde mein Entschluss. Wenn wir unsere Einstellung ändern, können wir auch Umwelt und Rahmenbedingungen beeinflussen und in diesem Sinne – ich stehe da gerne dazu – war die Entwicklung der Kasse mit meiner persönlichen Entwicklung eng verbunden.

Sabine: Ernähren sich ihre Mitarbeiter ebenfalls vegan, sind informiert, bzw. können am Telefon beratend tätig werden?

Andreas Schöfbeck: Wir haben natürlich keine umfassende Information über die Ernährungsweise unserer Mitarbeiter, aber ich habe schon den Eindruck, dass sich in letzter Zeit Einiges in Richtung pflanzliche Ernährung bewegt und verschoben hat. Ich möchte auch niemanden gängeln – aber alle informieren. Mein Ziel ist es, dass alle Mitarbeiter die wichtigsten Informationen zum Thema Ernährung weitergeben und Fragen beantworten können. Für spezielle Fragen haben wir allerdings Fachleute, von der Ernährungsberaterin, mit der wir zusammenarbeiten, bis zur Apothekerin, die unsere Versicherten qualifiziert berät.

Sabine: Welche Vorteile habe ich als pflanzlich lebender Mensch bei der BKK ProVita im Vergleich zu anderen Krankenkassen?

Andreas Schöfbeck: Zum Ersten: Ich werde wirklich ernst genommen und gezielt informiert. Zum Zweiten kann ich Vorträge besuchen, mir Einkaufstipps holen und an speziellen Koch-Workshops mitmachen. Wir bieten auch vegane Gesundheitsreisen an. Hier möchte ich besonders den „Tölzer Veg“ erwähnen, den die BKK ProVita mit 150 € bezuschusst. Alle Informationen hierzu finden Sie unter https://www.bkk-provita.de/toelzerveg.

Der Anfang ist gemacht – wir werden unsere Angebote sicher noch ausbauen.

Vorstand Andreas Schöfbeck im Video-Interview

Bildnachweis: Jogger mit Hund | Urheber: frilled_dragon – fotolia.de

Kommentare

  1. Vollenweider Anita meint

    Super Beitrag! Kann man diese Krankenkasse auch in der Schweiz haben? Da würde ich sofort beitreten.

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