Claudia Grammelspacher – die vegane Kickbox-Weltmeisterin im Interview

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Claudia Grammelspacher
Kürzlich durfte ich Claudia Grammelspacher, 7 fache Weltmeisterin im Kickboxen (Amateure), Weltmeisterin im Kickboxen 2011 (Profis) und Besitzerin von zwei Kampfsportschulen, interviewen. Die 44-jährige Veganerin hat den 2. Dan im Jiu-Jitsu und Kickboxen und ist mittlerweile auch passionierte Trainerin. Wie Claudia Grammelspacher ihre zahlreichen Aufgaben meistert, ihre vegane Ernährung gestaltet und welche Ziele sie sich setzt, erfahrt ihr im nachfolgenden Interview.

Claudia Grammelspacher im Interview

Sabine: Wie lange machst du schon Kampfsport und wie bist du dazu gekommen?

Claudia: Ich begann mit 21 Jahren mit der Kampfkunst Jiu Jitsu. Eine Freundin fragte, ob ich mit in ein Probetraining möchte, was ich auch tat, dann war es um mich geschehen. 😉
3 x die Woche stand von da ab das Training auf meinem Programm. Mit 33 Jahren kam ich dann zum Kickboxen und zum Boxen, was ich ebenfalls mit Leidenschaft trainierte.

Sabine: 2008 hast du den Kampfsportverein Fightclub Freiburg eröffnet und 2011 kam dann der zweite Kampfsportverein Fightclub Emmendingen dazu. Du bist Trainerin und hast eine Kampfrichter-Ausbildung. Schaffst du es selber noch zu trainieren? Und wenn ja, was trainierst du wie oft in der Woche?

Claudia: Ja, ich gründete zusammen mit meinem damaligen Partner den Fightclub, das wir so großen Zulauf haben würden, damit haben wir nicht gerechnet. Mittlerweile ist das mein Haupteinkommen und es trainieren in Freiburg etwa 370 Mitglieder, in Emmendingen sind es ca. 170 Mitglieder. Selbst zu trainieren kommt da leider etwas zu kurz. Ich trainiere so gut es geht mit, aber die Aufgabe als Trainier darf da natürlich nicht zu kurz kommen. Die Leute möchten schließlich was lernen. So wie es die Zeit zulässt, trainiere ich für mich, mache Sparring oder trainiere Kraft/Ausdauer in Form von Zirkeltraining was sich bei uns „Power Drills” nennt.

Sabine: Nimmst du noch aktiv an Wettkämpfen teil? Wenn ja, welcher Kampf wird der nächste sein?

Claudia: Ich wollte eigentlich vor anderthalb Jahren aufhören, bin dann aber doch noch mal auf der Weltmeisterschaft in London gestartet, erkämpfte 1 x Gold und 2 x Silber. Auch letztes Jahr dachte ich mir, wenn ich nochmal erfolgreich bin, kann ich wieder gute Werbung für den Veganismus machen und reiste nach Spanien. Dort gelang mir der größte Erfolg meiner Wettkämpferlaufbahn und ich erkämpfte in den 3 Kategorien in denen ich startete jeweils Gold. Tatsächlich konnte ich mich damit gut an die Medien wenden und zeigen, dass man mit veganer Ernährung sehr viel erreichen kann. Ob ich nochmal in den Ring steige ist noch unsicher. Wenn, dann aber nur noch im Profibereich. Hier erkämpfte ich 2011 einen WM Titel. Das würde mich nochmal reizen. Aber eigentlich fehlt mir die Zeit, um mich vorzubereiten.

Sabine: Wie sieht dein Ernährungsplan aus? Kannst du mir einen Beispieltag beschreiben (Frühstück, Snack, Mittagessen, Abendessen)?

Claudia: Ich esse eigentlich nicht so genau nach Plan, morgens esse ich immer einen großen Obstsalat mir verschiedenen Sachen drin wie: Leinsamen, Weizenkleie, Amaranth, Chia, Goji, Trockenfrüchten und Nüssen. Ich esse sehr viel Gemüse und Salate. Nach einen guten Training trinke ich auch einen Proteinshake. Ich esse so gut wie nie Brot, verzichte auf Nudeln und Pizza, esse aber etwas zu viel Schokolade 😉 Meistens trinke ich Leitungswasser, Tee oder Smoothies.

Veganerin aus Liebe zum Tier

Sabine: Welche Erfahrungen hast du gemacht, wenn andere Sportler davon hörten, dass du dich pflanzlich ernährst?

Claudia: Mal so mal so, manche Leute sind schon überrascht, was man als Veganer erreichen kann, aber es gibt mittlerweile auch viele, die wissen wie gut diese Ernährungsform ist.

Sabine: Seit wann ernährst du dich vegan und was war der ausschlaggebende Punkt, deine Ernährung umzustellen?

Claudia: Ich lebe seit 2001 vegetarisch aus Tierliebe, mit der Zeit (leider viel zu spät) erkannte ich, dass ich nur durch vegane Ernährung das Richtige für die Tiere tue.

Sabine: Welchen Stellenwert hat deine Ernährung in deiner sportlichen Entwicklung?

Claudia: Ich achte schon auf Abwechslung auf meinem Teller, sehe es aber auch nicht so verbissen. Ich würde mich auch als Nichtsportler so ernähren, einfach weil es schmeckt und kein Tierleid verursacht. Ich würde es auch tun wenn es ungesund wäre, das ist es ja aber zum Glück nicht, ganz im Gegenteil. Ich bin seit meiner Umstellung vor 3,5 Jahren so fit wie nie. Brauche weniger Schlaf, bin fast nie schlapp und müde.

Sabine: Achtest du darauf, dass dein Arbeitsmaterial (Boxhandschuhe, Pratzen usw.) tierleidfrei sind? Wenn ja, welche veganen Anbieter kannst du empfehlen?

Claudia: Ja, auch hier achte ich auf lederfreie Ware. Wir haben unsere Handschuhe jetzt als Eigenmarke anfertigen lassen, aber es gibt auch viele Firmen, die lederfreies Zubehör in guter Qualität haben. Z. B. Okami, dann gibt es einen Handschuh von Vehement, den habe ich aber noch nicht selbst ausprobiert. Die Boxsäcke haben wir von Kwon die sind aus einer Art LKW-Plane und sehr gut.

Sabine: Welche Tipps kannst du unseren Lesern/ Leserinnen geben, die mit Kampfsport beginnen möchten?

Claudia: Schaut euch verschiedene Schulen an, nehmt am kostenlosen Probetraining teil und schaut wo Ihr Euch wohl fühl. Es gibt viele tolle Kampfsportarten, schaut Euch auch hier verschiedene Sachen an.

Sabine: Was hast du dir für 2016/17 vorgenommen? Welche Ziele hast du dir gesetzt?

Claudia: Mein Mann und ich sind gerade am Aufbau eines veganen Online-Shops namens „Vegan-Power“. Wir waren jetzt am Vegan Street Day in Stuttgart und hatten ein sehr gutes Feedback der Besucher.

Claudia Grammelspacher stellt im Video ihre Kampfsportschulen vor

Kommentare

  1. meint

    Wieder mal ein super Beispiel, dass vegane Ernährung einem so viel gitb, statt Auswahl und Spaß zu nehmen. Spannendes Interview. vegane Ernährung geht immer und überall, wenn man Lust drauf hat 😉

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