Coffifee – Erstes veganes Café in Stralsund

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Coffifee eröffnet in Stralsund
Die schöne Stadt Stralsund am Strelasund hat so einiges zu bieten, aber einen Ort an welchem man leckeres veganes Essen und guten Kaffee genießen konnte, gab es bis dato in Stralsund nicht. Nicht, dass es an Interesse gemangelt hätte; Sowohl Touristen als auch Einheimische vermissten ein veganes Angebot in der Stadt. Um diese Nische zu füllen und allen Menschen ein tierleidfreies Speise- und Getränkeangebot zur Verfügung zu stellen, zog es Luise Reichel aus dem westfälischen Münster in ihre Heimatstadt Stralsund zurück. Hier eröffnete Sie die Kaffeebar Coffifee in der historischen Altstadt – zwischen Fähranleger und UNESCO Kulturerbe-Rathaus der mittelalterlichen Hansestadt.

Das Coffifee Konzept

Das Coffifee in StralsundIn dem kleinen Kaffeebar-Konzept vereinen sich zwei Schwerpunkte, die beide eine ganze Menge mit Genuss zu tun haben. Perfekt zubereiteter Spezialitätenkaffee aus fairem Direkthandel und vegane Leckereien.

Der besondere Kaffee wird in den Kaffeeanbauländern unter menschenwürdigen Bedingungen angebaut, zu einem gerechten Preis eingekauft und gelangt ohne weitere Mitverdiener wie große Zwischenhändler in die Röstereien. Hier wird der Kaffee behutsam und mit viel Know-How rund um die Kaffeebohne geröstet. Der Weg einer Tasse Spezialitätenkaffee unterscheidet sich enorm vom Weg einer Tasse Supermarktkaffee – und das schmeckt man auch. In der Kaffeebar Coffifee wird dieser Kaffee von Luise zubereitet, und in seiner gesamten Komplexität den Gästen präsentiert.

CoffifeeUnd was wäre ein toller Kaffee ohne ein herrliches Stück Kuchen? Das gibt es dort natürlich auch. Auf der Karte finden sich täglich frisch gebackene Kuchen und es gibt sogar vegane Croissants. Für die Herzhaften unter uns werden Brote mit selbsthergestellten Aufstrichen geschmiert und Panini mit Mandelfeta oder Grillgemüse getoastet.

Auch vegan sind viele der hübsch und umweltfreundlich verpackten Dinge zum Verschenken und Genießen, wie beispielsweise vegane Macarons von Piccolini, leckere Schokoladen aus der Chocolaterie Georgia Ramon oder herrlicher Chai mit echtem Schwarztee, Zimtstangen, Kardamom und Sternanis.

Die Kaffeebar ist klein und das Produktsortiment ist überschaubar, aber sehr sorgfältig durchdacht und ausgewählt.

Zur Inhaberin Luise Reichel

Luise ReichelLuise ist in Stralsund geboren und aufgewachsen, musste aber nach dem Abi schleunigst raus aus der Kleinstadt und ab in die große weite Welt. Sie wurde Barista und verschrieb sich voll und ganz ihrer Leidenschaft: Kaffee trinken! Seit 2012 lebt Luise vegan. Neben ihrem Job in den Kaffeehäusern der roestbar Münster experimentierte sie mit veganen Rezepten und entwickelte schnell eigene Kreationen.

Ziemlich bald musste ein veganer Backblog (www.lulafleur.de) her – unter anderem findet sich dort das Rezept für ihren veganisierten New York Cheesecake in unterschiedlichsten Varianten.

Sie hat eine Schwäche für guten Geschmack, Ästhetik in vielerlei Hinsicht und Rennradfahren.

Interview mit Luise

VN: Luise, wie alt bist du?

Luise: Mit der Einweihungsparty der Kaffeebar am 7. November 2015 feierte ich gleichzeitig in mein dreißigstes Lebensjahr hinein :)

VN: Warum hast du dich für die vegane Lebensweise entschieden?

Luise: Also, zunächst ist es ja erstmal so, dass in unserer Informationsgesellschaft wirklich keiner mehr an den Fakten vorbei kommt. Das war auch bei mir so – jeder hat mittlerweile davon Wind bekommen, dass Massentierhaltung umweltschädlich und ungesund ist, egal wie sehr man versucht dieses Thema aus seinem Alltag zu verbannen. Wenn man sich mal den Landverbrauch anschaut, den beispielsweise ein Kilogramm Fleisch (55m²) im Vergleich mit einem Kilo Gemüse (3m²) benötigt, wird einem ziemlich schnell klar, dass unsere Gesellschaft versorgungstechnisch total auf dem Holzweg ist.

Wenn alle weiterhin darauf pochen, günstiges Fleisch essen zu wollen, werden wir demnächst verhungern. Mich haben diese und weitere Fakten vor circa drei Jahren aus meinem gewohnten Ernährungstrott gerissen. So richtig den Anstoß weiter was zu verändern, hat mir mein vegan lebender Bruder gegeben. Wir haben uns viel über Tierschutz, Tierrechte und über Zustände in der industriellen Tierhaltung unterhalten. Viele Dinge waren mir bis dahin einfach unbekannt, wie beispielsweise das Schicksal der männlichen Küken in der Eierproduktion. Für mich war dann ziemlich schnell klar, dass ich das System auf gar keinen Fall weiter unterstützen kann. Ich nutze hier – salopp ausgedrückt – meine Konsumentenmacht, um etwas an diesem System zu verändern. Das ist nun mal die einzig wirksame Einflussnahme auf die Verhältnisse, die in unserer Gesellschaft herrschen. Und das erkennen glücklicherweise immer mehr Menschen!
Aber ich war auch skeptisch – Logo! Habe mich also gefragt, wie das mit der Nährstoffversorgung so aussieht und so weiter. Ich bin jetzt nicht von einem auf den anderen Tag vegan geworden, wusste aber da schon, dass es darauf hinauslaufen würde.

Der Grund für mein Vegansein war zunächst also aus meinem Mitgefühl für Tiere und dem Umweltaspekt motiviert. Nach der Umstellung habe ich dann auch die gesundheitlichen Vorteile zu schätzen gelernt. Ich fühle mich fitter, energetischer und komme meist ohne Erkältung durch den Winter.

Coffifee von innenVegan zu leben hat für mich also gesundheitliche und ethisch-moralisch Gründe und ich erachte diese Lebensweise als die einzige Möglichkeit unsere schon so stark zerstörte Umwelt und Natur langfristig wieder in ein Gleichgewicht zu bringen. Außerdem befinden wir uns aktuell in einer dermaßen luxuriösen Situation was die Auswahl an alternativen Zutaten für eine gesunde Ernährung betrifft. Ich bin immer wieder fasziniert davon, was es alles für irre Pflanzen gibt, die lecker sind und sich hervorragend verarbeiten lassen. Mein letzter Überraschungsknaller war ein Rezept, mit welchem man Baiser aus dem Wasser aus der Kichererbsendose (ja genau das Flüssige, was man immer wegkippt) herstellen kann. Hat wunderbar geklappt!

Die Vielfalt dieser neuen Ernährung ist ein sehr spannendes Feld – und nebenbei resultiert daraus ein seltsam-glückliches Lebensgefühl mit einem gewissen Ätschbätsch-Effekt!

Ich glaube aber auch, dass es überhaupt keinen Zweck hat, andere Menschen von der veganen Lebensweise überzeugen zu wollen. Jeder muss selbst für sich erkennen und erkennen wollen, welche Vorteile dies für ihn selbst und seine Umgebung hat. Nur aus dieser Eigenmotivation heraus kann man nachhaltig und klug seine Ernährungs- und Lebensgewohnheiten verändern. Deshalb nerven mich auch alle Veganer, die immer mit so einer Missionierungsattitüde daherkommen.

Mit meiner Kaffeebar und dem Sortiment hier möchte ich jedem die Erfahrung ermöglichen, dass veganes Essen echt gut schmeckt und mit Verzichten wenig am Hut hat.

VN: Das Coffifee ist seit etwa drei Wochen eröffnet. Wie wird das Angebot angenommen?

Luise: Besser als gedacht. Die Leute sind sehr interessiert und probieren sich durch das Angebot durch. Vor allem Mittags kommen viele, um ein veganes Panino mit Mandelfeta oder Grillgemüse zu essen und einen Soja-Cappuccino zu trinken. Immer wieder äußern sich die Kunden sehr positiv zur Produktauswahl, Beratung und zum Geschmack. Das Coffifee hat sogar schon Stammkunden. Das hätte ich so schnell nicht erwartet und umso mehr freut es mich.

VN: Was sind die Bestseller?

Luise: Zu den Bestsellern im Coffifee gehören vor allem die veganen Cheesecakes und die Panini. Getränketechnisch liegt natürlich der Kaffee ganz vorne. Eine Tasse frisch gefilterten Kaffee kann man sich ja auch schlecht entgehen lassen. Es sind aber, gerade jetzt in der Adventszeit, auch Chai-Latte und Heiße Inge hoch im Kurs.

Impressionen aus der Coffifee-Karte

VN: Gibt es Mitbewerber mit einem ähnlichen Angebot?

Luise: Die vegane Szene in Stralsund steckt noch in den Kinderschuhen. Einige Unternehmen erkennen langsam das Potential, vor allem wegen der Nachfragen von Touristen. Allerdings kenne ich bisher keinen Gastronomen hier, der das Vegansein selber lebt und die Philosophie dahinter verstanden hat. Da bin ich wohl die Erste 😉 – Nichtsdestotrotz findet man hier und da ein bis zwei Gerichte, die vegan sind. Das sieht für mich schon nach Fortschritt aus!

frischer-saft-coffifee-stralsundIm Umland, also auf Rügen und auf dem Darß – auch sehr touristische Gegenden – gibt es schon ein paar Angebote. Wie beispielsweise ein veganes Hotel im Ostseebad Prerow und ein ausgezeichnetes Restaurant in Binz mit veganer Karte. Demnächst soll auch in Sassnitz ein veganes Hotel eröffnen.

Ich bin sehr optimistisch, dass es bald schon mehr vegane Angebote (vor allem für Stralsund) geben wird, weil die Nachfrage da ist, wie ich jetzt merke.

VN: Direkt zur Kaffeebar gehört auch ein Buchladen. Wie sieht diese Zusammenarbeit aus?

Luise: Den Buchladen gibt es schon länger, er gehört meiner Mutter und hat sich jetzt mit der Eröffnung der Kaffeebar eine Tür weiter nach rechts verschoben und auch vergrößert. Vorher war er in die Keramikwerkstatt meines Papas integriert – ihr seht, hier handelt es sich um eine sehr familiäre Unternehmung und das überträgt sich auch auf die Atmosphäre, wie ich finde. :-) In dem Buchladen findet sich Belletristik für Erwachsene, viele tolle Kinder- und Jugendbücher und eine Auswahl unserer liebsten Reise- und Kochbücher mit vegetarisch-veganem Schwerpunkt. Die Kaffeebar und der Buchladen sind zwar in zwei getrennten Räumen untergebracht, aber man kann ganz in Ruhe stöbern und sich dabei von nebenan einen Cappuccino holen oder sich in der Kaffeebar gemütlich einem Buch widmen. Die Leute haben das ziemlich schnell erkannt und dieses “Double-Shop-Concept” wird total gut angenommen.

VN: Wo siehst du dich und dein Café in zwei Jahren?

luise-coffifee-5Luise: Ich hoffe, mit meinem Angebot viele Einheimische und auch die vielen Stralsund-Besucher begeistern und überzeugen zu können. Wenn die Menschen dann erkennen, dass Geschmack und Qualität nicht vom “Tiergehalt” des Produktes abhängt, war meine lokale Pionierarbeit erfolgreich. Für die Zukunft könnte ich mir vorstellen, vegane Caterings anzubieten (dazu habe ich tatsächlich bereits die erste Anfrage) und Barista-Workshops zu veranstalten, um mein Wissen um das Element Kaffee und seine Zubereitung weiterzugeben. Ich werde auf jeden Fall darüber berichten. Einfach mal auf meiner Webseite vorbeischauen 😉

VN: Danke für deine Antworten und weiterhin viel Erfolg!

Daten zum Coffifee

Gastredakteur: Witalli Reingard für Vegan News

Kommentare

  1. meint

    Da werde ich bestimmt auch mal vorbei schauen, auch wenn ich mich normalerweise nicht vegan ernähre! Besonders wenn es wirklich so guten Kaffee gibt, könnte es das richtige Café für mich sein…

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