Daniel Negreanu – der vegane Poker-Profi im Interview

Print Friendly

Daniel Negreanu im Interview
Vor achtzehn Jahren, machte sich ein 23-jähriger Kanadier einen Namen in der Welt des Pokers und war somit der jüngste Teilnehmer, der je eine World Series of Poker Meisterschaft gewann. Unverblümt, charismatisch und ein Meister der Einschüchterung: Daniel Negreanu auch „Kid Poker“ genannt, ein Spitzname den er von den Medien verliehen bekam und der ihm seine gesamte Karriere bleiben würde. Um seinem Namen alle Ehren zu machen, hat Negreanu bereits das zweite Mal die WSOP gewonnen, plus sechs weiteren WSOP Bracelets.

NegreanuMit einem Gesamtergebnis von mehr als 35,5 Millionen US-Dollar ist er der größte Live-Turnier-Sieger in der Geschichte des Pokers. Als der größte Pokerspieler in den letzten zehn Jahren, hat er seinen Ruf auch über die Poker-Community hinaus erweitert und auch die Popkultur mit seinem Auftritt in X-Men: Wolverine und Katy Perry‘s Waking Up in Vegas Musikvideo erreicht.

Wenn er nicht am Kartentisch ist, engagiert Daniel Negreanu sich in der Politik und der Philanthropie, er ist auf Twitter aktiv und diskutiert mit seinen Anhängern kontroverse Fragen und Themen. Unter seinen vielen Überzeugungen, hat Negreanu eine besondere Leidenschaft zum Veganismus entwickelt.

Interview mit Daniel Negreanu

Melissa: Im Jahr 2000 hast du festgestellt, dass dir die tägliche Fleischzufuhr nicht gut tut?

Negreanu: Wenn ich Grillfleisch und Kartoffelpüree zu Abend gegessen habe, habe ich mich am nächsten Tag immer schwer gefühlt.

Fleischkonsum beeinträchtigte seine Leistung beim Pokern

Es ist kein Geheimnis, dass die durchschnittliche Ernährung der Pokerspieler in der Regel ein Übermaß an Burgern & Co. beinhaltet. Negreanu erkannte jedoch bald, dass das träge Gefühl, durch den Verzehr von Fleisch, bald eine Wirkung auf sein Pokerspiel hatte. Die Gesamtkonzentration und die Fähigkeit geistig stundenlang fit zu bleiben sind von größter Bedeutung.

Melissa: Anfangs waren da noch gesundheitliche Bedenken, ganz auf Fleisch zu verzichten, doch das Ziel war es, am Kartentisch noch besser sein?

Negreanu: Es war eine Art Experiment. Als ich einmal Fleisch aus meiner Ernährung gestrichen hatte, habe ich ziemlich schnell gemerkt, dass ich mehr Energie habe und ich mich besser fühle. Doch der Übergang lief nicht gerade glatt ab. Mit meinem begrenzten Verständnis für Ernährung und der Unerfahrenheit mit vegetarischem Essen griff ich anfangs zu Käse-Pizza – und zwar einer Menge davon. Ich glaube, der Start und zu wissen was man essen kann, ist für viele Menschen schwierig. Heute kenne ich mich sehr gut aus mit Ernährung – nicht zuletzt durch die Unterstützung meines Ernährungsassistenten. Seit 2006 lebe ich nun schon vegan.

Melissa: Wie sehen deine Mahlzeiten jetzt aus?

Daniel negreanu ist VeganerNegreanu: Ich nehme vornehmlich Obst, Gemüse, einige Körner, ein paar Bohnen oder Hülsenfrüchte, vielleicht noch ein paar Nüsse oder Samen zu mir. Eine typische Mahlzeit könnte z. B. eine vegane Bohnensuppe sein, mit einem Salat und Gemüse, oder vielleicht ein paar gebackene Bohnen mit braunem Reis und Spargel oder Brokkoli als Beilage. Vielleicht noch ein paar Cashewnüsse und Mandeln. Du fühlst dich nach so einer einfachen Mahlzeit schnell gut gesättigt. Obst hat leider in den USA einen ziemlich schlechten Ruf bekommen, was absolut bizarr ist. Die Leute sind so besorgt über den Zuckergehalt in der Frucht, obwohl es eine andere Art des Zuckers ist. Es ist nicht das gleiche wie Fructose aus Zuckerrohr und es ist auch nicht schlecht für dich!

Melissa: Hast du mit der Zeit auch angefangen, die ethische Dimension einer rein pflanzlichen Ernährung zu sehen?

Negreanu: Ich habe mehr über Veganismus und Tierfarmen gelernt und die Art und Weise wie Tiere behandelt werden, ekelte mich an. Bis ich zu dem Punkt kam, wo ich mir nie wieder vorstellen konnte, Tiere zu essen. Ich schaute Dokumentarfilme wie Cowspiracy, aber auch davor hatte ich einige Bücher gelesen, die wirklich aufdecken, was wir in dieser Welt anrichten und auf lange Sicht gesehen, kann die Nachhaltigkeit nicht garantiert werden und wenn wir nicht relativ bald einige Änderungen vornehmen, haben wir ernsthafte globale Probleme.

Negreanu prangert Karnismus in den USA an

Negreanu: Wenn du jemanden aus den USA fragen würdest, ob er einen Hund essen würde, würde er dies angewidert verneinen. Aber in vielen asiatischen Kulturen ist es durchaus akzeptabel, Hunde zu essen. Warum sollte man eine Kuh oder Schwein essen, aber nicht einen Hund? Weil er süßer ist? Oder intelligenter? Schweine sind genauso schlau.

Melissa: Was glaubst du woran das liegen könnte?

Negreanu: Ich glaube, die Leute werden in diese Mentalität hinein geboren, Familie und Gesellschaft bestimmen, was in Ordnung ist und was nicht. Dies basiert aber nicht wirklich auf einer rationalen Logik. Warum hassen wir den Gedanken, Katzen oder Hunde zu quälen, aber es ist völlig in Ordnung Hühner zu quälen, Kühe kopfüber hängen zu lassen und sie schrecklich zu behandeln? Ich versuche einfach, die Menschen in die richtige Richtung zu lenken, so dass sie sich zumindest ihrer Entscheidungen bewusst sind.

Melissa: Stößt du oft auf Vorurteile bezüglich deines Lebensstils?

Negreanu: Das große Problem für viele Menschen, was sie davon abhält vegan zu leben, ist dieser große Mythos – ‚woher bekomme ich mein Protein?‘. Ich bin gerade an einem Dokumentarfilm mit einer Gruppe veganer Sportler beteiligt. Die Idee, dass du nicht genügend Protein ohne Fleisch bekommst, ist ein absoluter Mythos. Ich habe Armdrücken-Champions getroffen, UFC-Kämpfer, viele Boxer und NFL-Spieler die vegan sind. Hier muss eindeutig mehr öffentliche Aufklärungsarbeit geleistet werden. Die Menschen sind so auf diese Idee fixiert, dass man Fleisch essen muss, um Muskeln zu bekommen. Ich bin stärker, als ich bei weitem je war und ernähre mich voll vegan.

Melissa: Wie siehst du die Zukunft der veganen Ernährung?

Daniel_Negreanu_2015_WSOP_Day_3Negreanu: Wissenschaftler sehen ganz klar, dass wenn wir nicht bis zum Jahr 2050 unseren Verbrauch an tierischen Lebensmitteln begrenzen, werden wir danach nicht mehr in der Lage sein, die Welt ausreichend mit Nahrung zu versorgen. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Fleischesser an einer Herzkrankheit leidet ist erheblich größer als bei denen, die vegetarisch oder vegan leben. Das ist wirklich unumstritten. Ich glaube nicht, dass es eine Wissenschaft gibt, die diese Tatsache widerlegen könnte. Ich sehe eine vegane Ernährung als unauweichlich für einen Großteil der westlichen Gesellschaften in den kommenden Dekaden.

Melissa: Hast du ein Lieblingsrestaurant welches auch veganes Essen anbietet?

Negreanu: Ja, meine veganen Lieblingsrestaurants befinden sich in Las Vegas, darunter mehrere im The Wynn Encore Resort. Jedes einzelne Restaurant in The Wynn hat ein veganes Menü. Es ist wirklich toll, man kann auch mit Menschen hingehen, die nicht vegan sind und sie fühlen sich nicht merkwürdig dabei. In Bezug auf das rein vegane Essen, gibt es ein Restaurant, die VegeNation in der Innenstadt von Vegas, das richtig gut ist. Nebenbei bemerkt: Kalifornien ist auch ein fantastischer Ort für Veganer.

Melissa: Welches Buch würdest du jemanden empfehlen, der daran denkt vegan zu werden und vielleicht ein wenig Starthilfe benötigt?

Negreanu: Da würde ich „21-Day Weight Loss Kickstart” von Neal D. Barnard empfehlen. Es ist ein grundlegender Leitfaden, um Menschen im Übergang zu helfen. Es konzentriert sich auf Ernährungspläne für vegane Anfänger. Neal D. Barnard stellt auch einige der Fleischalternativen vor, die es gibt. Ich esse die nicht wirklich, aber es ist immer noch ein großartiges Buch für Menschen, die sich in der ersten Übergangsphase befinden.

Seit fast zwanzig Jahren beherrscht ‚Kid Poker‘ die Pokerszene – aber wie viel von seinem Erfolg kann dem Veganismus zugesprochen werden? Nach Daniel Negreanu; viel: „Vegan zu sein macht mich zu einem besseren Pokerspieler“, sagte er einmal. Scheinbar hat der Veganismus in der Tat das Leben des Pokerspielers Daniel Negreanu zum Besseren verändert.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *