Delfine – Kritische Bemerkungen zu diesen Tieren und deren Nutzung

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Delfine – seit jeher begeistern sie uns Menschen. Im alten Griechenland waren sie gar heilig und derjenige, der ihnen Schaden zufügte konnte mit dem Tode bestraft werden. Heute begeistern uns Delfine immer noch. Dem einen bringen sie Freude in Delfinarien und Vergnügungsparks, dem anderen eher Freude in freier Wildbahn. Kaum hat eine andere Tierhaltung in den letzten Jahren so polarisiert, wie die der Delfine, zu denen auch Orcas gehören.

Selbstmord des Delfins „Kathy“ bringt Schöpfer der Serie „Flipper“ zum Umdenken

In den 60ern gab es die Serie „Flipper“, für die der Amerikaner Richard O’Barry die Tiere selbst aus freier Wildbahn fing und trainierte. Er galt damals als berühmtester Tiertrainer der Welt und verdiente Millionen damit.
Als einer seiner Tierstars, der Delfin Kathy, während eines Trainings in seinen Armen Selbstmord beging – Delfine können dies, weil sie ihre Atmung unter Dauerstress aktiv beeinflussen und somit einstellen können – änderte sich für O’Barry schagartig sein Leben. Er wurde zu einem Delfinbefreier und zum bekanntesten Delfinschützer überhaupt. Noch heute kämpft er engagiert mit über 70 Jahren für die Freiheit dieser hochintelligenten Säugetiere.

Er sieht selbstkritisch, dass er mit seiner Serie der eigentliche Verursacher dieser heute multimilliardenschweren Vergnügungsindustrie war. Weltweit gibt es ca 300 Delfinarien, teils in Vergnügungsparks, teils in sogenannten „wissenschaftlich“ geführten Zoos, wie der Tiergarten Nürnberg oder Zoo Duisburg in Deutschland.

Ihr Lächeln wird Delfinen zum Verhängnis

Delfine „lächeln“. Dieses Lächeln hat einen großen Reiz auf Zuschauer, besonders Kinder, denn es suggeriert den fröhlichen Delfin, dem es gut geht und der vor Freude durch die Luft springt. „The dolphin’s smile is nature’s greatest deception“, sagt Ric O’Barry dazu. Delfine haben eine starre Physiognomie, was dieses scheinbare Lächeln einfrieren und das Leid der Tiere in Gefangenschaft vergessen lässt.

Japanischer Fischerort Taiji Schauplatz brutaler Grausamkeiten und Umschlagplatz für Delfine

In den letzten Wochen gab es in allen Medien weit über 800 Beiträge zum jährlichen, grausamen Abschlachten von Delfinen im kleinen Fischerort Taiji in Japan. Das Taiji whale museum gilt als größter Umschlagplatz für Delfine, von denen die schönsten und stärksten Tiere aus den Treibjagden für bis zu 140.000 € an Vergnügungsparks und Delfinarien weltweit verkauft und der Rest brutal abgeschlachtet wird. Man schätzt, dass es alleine in ca. 200 Delfinarien Tiere aus Taiji gibt.

Gegner und Befürworter von Delfinarien stehen sich in Diskussionsblogs unerbitterlich gegenüber. Heftig geführte Debatten überdecken oft wie verbale Tsunamis die Meinung des Anderen, eine Annäherung scheint undenkbar.

Verharmlosende Argumentation der Zoos, um weiterhin Profit aus Delfin-Shows ziehen zu können

Die Haltungsargumente der Zoos sind eher dünn. Sie begründen die Delfinhaltung mit der Suche nach wissenschaftlichen Erkenntnissen. Delfine spülen aber auch viel Geld in die Kassen der Zoos. Tägliche Vorführungen „zu Trainingszwecken“ locken Besucher an. Früher nannte man diese Vorführungen Shows. Da aber Delfine in Deutschland nicht kommerziell genutzt werden dürfen, wird der Terminus kurzerhand umbenannt, wobei die Intention die gleiche bleibt.

Betrachtet man Delfine rein biologisch, so sind sie sehr soziale und familienbezogene Wesen, mit einem enormen Bewegungsdrang und einer ausgeklügelten Jagdtechnik. Sie gelten als intelligent und haben in einigen Ländern, etwa Indien den Status von „nonhuman persons.

Begriff „artgerecht“ ohne Definition

In den Diskussionen fällt sehr oft der Begriff „artgerecht“. Dieser ist nicht definiert, sondern versucht eine dem Tier entsprechende Lebensweise zu beschreiben.

In den Zoos leben sie artgerecht, behauptet der Zoo. Schaut man jedoch genauer hin, erkennt man sehr schnell, dass hier einem weitgehend uninformierten Publikum etwas suggeriert wird.

Der Tiergarten Nürnberg hat 2011 seine Delfinlagune eröffnet, ein Areal aus Kunstfelsen, farblich gestalteten Betonböden, „Unseren Tieren geht es in diesem natürlichen Umfeld gut, das belegen tiermedizinische Untersuchungen“, argumentiert der Zoo. Tierpsychologische und verhaltensbiologische, ethische und moralische Aspekte kommen zu kurz oder werden für ein Leben im Delfinarium umdefiniert.

Haltung von Delfinen in England und der Schweiz verboten

Sicher, den Tieren mag es von den Blut- und Hormonwerten gut gehen. Nachzuchten gelingen jedoch kaum, die Sterblichkeitsrate bei gefangenen Delfinen ist hoch. Viele Länder, wie die Schweiz oder England, haben die Delfinahaltung daher verboten und alle Delfinarien geschlossen.

Missbrauch der Delfintherapie, um emotionalisierte Argumente ins Feld führen zu können

Eine weitere ergiebige Goldgrube für Zoos und Vergnügungsparks ist die DAT (Dolphin Assisted Therapy), Delfintherapie. Auch hier wird auf höchster emotionaler Stufe argumentiert. Organisationen wie dolphin aid sammeln jährlich auf Benefizveranbstaltungen mit vielen Promis Millionen von Euro, um behinderten Kindern mit einer DAT zu helfen. Die Not der Eltern und deren letzte Hoffnung lastet auf den Delfinen, deren Echolot (Alphastrahlung) u.a. wahre Wunder bewirken soll.

Auch hier wird polarisiert. Die DAT-Anbieter und sehr viele Eltern berichten von minimalen Ereignissen bis hin zu großen Erfolgen in der Entwicklung ihrer Kinder. Medizinisch wird dies nur in lobbyabhängigen Berichten belegt, unabhängige Forschungen kommen zu anderen Ergebnissen. Selbst Prof. Dr. med. Erwin Breidenbach, der über 11 Jahre mit der Universität Würzburg und dem Tiergarten Nürnberg über die DAT geforscht hat, kommt zu dem ernüchternden Ergebnis, dass die Ergebnisse eher subjektiv wahrgenommen werden. Nathanson, der Begründer der DAT, hat sogar mit sogenannten animatronic dolphins gleiche Ergebnisse erzielt, wie mit lebenden Delfinen. Seine Forschung wurde jedoch von betroffenen Eltern nicht akzeptiert, so dass er seit Jahren wieder mit Tieren arbeitet, von denen er unbestritten gut leben kann.

Warum also Delfine?

Wie eingangs beschrieben liegt die Begründung im Mythos und der Faszination dieser Tiere. Tiergestützte Therapien sind seit Jahren gut erforscht und sind mit Pferden, Hunden oder Lamas bereits etabliert. Diese Tiere sind seit Jahrhunderten domestiziert. Delfine lassen sich als Wildtiere nicht domestizieren, sie sind keine „Heiler“ oder „medizinische Wunderwaffen“, es sind nur besondere Tiere, die eine derartige Nutzung überfordert und deren Leben im offenen Ozean stattfinden sollte.

Über den Autor

Dieser Artikel wurde verfasst von Norbert Kochhan. Norbert Kochhan, 59 Jahre, Dipl.-Pädagoge und Logopäde in Düsseldorf. Seit 10 Jahren intensiv im Wal- und Delfinschutz tätig.

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