Die Band Berge – die SchöpferInnen des Songs „10.000 Tränen“ im Interview

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Die Band Berge im Interview

10.000 Tränen – dieser Song ist grade in aller Munde. Ich durfte Marianne und Rocco der Band Berge über Ihren Song, Motivation dahinter, Ideen und Zukunftspläne interviewen.

Marianne & Rocco der Band Berge im Interview

Sabine: Hallo Marianne, hallo Rocco! Vielen Dank, dass ihr euch für unser kleines Interview Zeit nehmt. Wie ich auf facebook mitverfolgen konnte, ist das Interesse an euch und dem Song 10.000 Tränen ziemlich hoch. Erzählt mir bitte kurz, wie ihr auf den Text dieses Liedes gekommen seid!

Berge: Den Song gab es mit der Melodie und einem anderen Text schon sehr lange und vorher war es eine Ballade, ein Liebeslied. Uns wurde aber irgendwie klar, dass die emotionale Musik mehr ist, als nur ein Liebeslied und so haben wir uns von der Stimmung nochmal leiten lassen und dann kam das Gefühl hoch, wie es sich anfühlt eingesperrt oder unterdrückt zu sein. Und damit dann der Text aus Sicht der Tiere.

Sabine: Was oder wer hat euch inspiriert?

Berge: Die Inspiration war vor allem die aktuelle Lage auf der Welt selbst. Dinge die uns umgeben beschäftigen uns sehr und wir singen lieber über die Dinge dich uns berühren, als Dinge die vielleicht mehr Leute hören wollen. Musikalisch ist der Song eine kleine Hommage an Michael Jackson „They dont care about us“. Michael Jackson war ganz vorne mit dabei Musik und die damit verbundene Energie für die Welt und besondere Themen hilfreich zu nutzen, da sind wir gerne inspiriert von.

Sabine: Das Lied ist aus Sicht der leidenden Tiere geschrieben und schneidet mir direkt ins Herz. Wie waren die bisherigen Reaktionen?

Berge: Sehr viele Menschen schreiben uns wie doll sie berührt werden von dem Lied und wie froh sie sind, dass sie endlich ein Lied gefunden haben, dass ihr Emotionen zu dem Thema ausdrückt. Aber auch Menschen, die sich eher weniger mit dem Thema Tierschutz auseinandersetzen fühlen sich von dem Lied angesprochen, da im Grunde jeder Mensch ein gewisses Mitgefühl für andere Menschen und Lebewesen hat.

10.000 Tränen – das Video zum Song

Sabine: In eurem Aufruf nach Sängern und Trommlern für euer Video, schreibt ihr auf eurer Website, dass diese nicht Veganer oder Vegetarier sein mussten, um beim Video mitzumachen. Wie steht es mit euch, seid ihr vegan?

Berge: Wir persönlich sind keine großen Freunde von Etiketten und Teilungen in Menschengruppen. Wir beide essen nahezu nie Fleisch und höchst selten andere tierische Produkte. Ich selbst kann mich nicht mehr erinnern, vor wie vielen Jahren ich das letzte Mal Käse oder Wurst gekauft hätte, aber mir ist das auch nicht wichtig mich als Vegetarier oder Veganer einzustufen. Im Grunde liegt da in unseren Augen auch das „Problem“, denn ich kenne einige Menschen die momentan ihre Ernährung und ihren Konsum umstellen, aber vor dem Wort „Veganer“ Angst haben, deswegen versuchen wir hier auch etwas zu deeskalieren indem wir uns bewusst und gesund für alle verhalten, aber nicht irgendwie zum Veganismus aufrufen, denn jeder Mensch hat einen freien und hoffentlich auch eigenen Willen. Wir können maximal inspirieren und mit Musik berühren. (Anm. d. Redaktion: Bitte lest unseren redaktionellen Kommentar zu dieser Antwort hierzu unter dem Interview.)

Sabine: Wie weit geht die Forderung eures Liedes („Hört endlich auf…“), wenn ihr sie in konkretere Worte fassen würdet, als den eher bildhaft-emotionalen Songtext?

Berge: Jeder einzelne Mensch ist damit angesprochen „aufzuhören“. Also auch du und ich. Womit jeder einzelne Mensch aufhören oder zumindest runterschrauben kann, weiß jeder für sich selbst am besten. Die wenigsten von uns arbeiten in einem Massentierhaltungsstall in dem sie kündigen können, aber jeder von uns macht oder denkt Dinge die einen kleinen Teil unserer Situation beitragen und da setzt man am besten an. Jemand der Tieren kein Leid mehr zufügt, aber Menschen hasst, weil sie noch Fleisch essen vergiftet unseren Planeten auch auf seine Weise und kann da mehr Liebe in seinem Denken zulassen. Und jeder hat auch sein Tempo, aber auf den Versuch kommt es an, mal zu schauen was es aus einem macht, mal ein paar Tage kein Fleisch mehr zu essen oder Fast-Food Ketten nicht mehr mit dem eigenen Geldbeutel zu unterstützen.

Sabine: Gedreht wurde das Video bereits im August 2013. Warum wurde es jetzt erst veröffentlicht?

Berge: Das Video sollte eigentlich noch später veröffentlicht werden zusammen mit unserem kommenden Album „Vor uns die Sinnflut“, aber wir wollten unseren Fans die Wartezeit verkürzen. Wir konnten ja nicht ahnen, dass das Video gleich so viel Aufmerksamkeit hervorruft. Wir haben mit dem Lied und auch anderen Liedern zu ähnlichen Themen noch sehr viele weitere Pläne!

Sabine: Was habt ihr in der Zwischenzeit gemacht? Engagiert ihr euch auf privat für Tierrechte?

Berge: Wir beide sind keine aktiven Tierschützer. Wir verbringen den ganzen Tag mit unserer Musik und wollen das auch so beibehalten. Wir wollen uns auf das konzentrieren was wir gut können und vor allem helfen wir Tierschützen mit solch einem Song und Konzerten auf Tierschutzveranstaltungen sehr gut auf unsere Weise. Es wird auch nicht jeder Tierschützer der auf einer Demo unseren Song mitsingt automatisch Musiker. :)

Sabine: Was sind die Inhalte der weiteren Songs eures anstehendes Albums?

Berge: Wir singen über Freiheit, über Freundschaften und über Glück, aber auch über das mögliche Ende der Welt, wenn wir Menschen uns weiter so verhalten. Das Album soll vor allem berühren und Musik sein, aber auch Mut machen und Energie geben, für alles was die Zuhörer auf ihrem persönlichen Weg so erschaffen wollen.

Sabine: Was möchtet ihr unseren Lesern zum Schluss noch auf den Weg geben und wann wird euer Album erscheinen?

Berge: Wenn ihr was unternehmen wollt und Angst habt, dass es schief läuft dann macht‘s trotzdem! Und unser Album wird im Frühjahr 2015 erscheinen! :)

Anmerkung der Redaktion von Vegan News

Hier geht unsere Meinung mit dem Interviewpartner deutlich auseinander. Sicher ist Veganismus als Dogma falsch und kontraproduktiv. Als Begriff und Definiton jedoch sinnvoll, um einen anzustrebenden Zustand zu bezeichnen – allein schon deswegen, weil es eine verständliche Deklaration ist. Insofern macht es aus unserer Sicht absolut Sinn sich selbst als „vegan“ zu bezeichnen und dies auch konsequent zu leben. Konsequenz ist nicht gleich Dogma und hat nichts mit Ausgrenzung von nicht-vegan lebenden Menschen zu tun.

Der „freie Wille“ eines Individuums sollte dort enden, wo die Rechte von Dritten (z. B. Tiere) deutlich beschnitten und beeinträchtigt werden. Sicher ist das ein Prozess, in dem die „moralische Brechstange“ kontraproduktiv ist, weil Menschen sich aus freien Stücken ändern möchten und moralisch träge sind. Dennoch ist für uns unstrittig, dass ein veganer Lebensstil die ethische Norm sein sollte. Daher löst sich die Notwendigkeit der Nutzung des Begriffes „vegan“ auch erst auf, wenn „vegan“ tatsächlich zur Norm geworden ist. Aus diesem Grunde sind Zustände/Begriffe wie „Flexitarismus“, „Vegetarismus“ etc. auch kein ethisches Niveau auf dem ein Mensch verharren sollte, sondern lediglich positiv anzuerkennende Übergänge zum Veganismus (der in sich auch nochmal ein „Werdungsprozess“ ist und nie aufhört).

Sich als vegan lebend zu bezeichnen setzt ein klares Zeichen und ist aus unserer Sicht wichtig, um glaubhaft für Tierrechte einzutreten. Wenn ein Mensch suggeriert, dass der geringradige Konsum tierlicher Lebensmittel (oder sonstiger Rohstoffe) in Ordnung ist, hat dies zwar quantitativ positive Auswirkungen (weniger Tiere werden gequält und getötet), verhilft Tieren aber ethisch-qualitativ nicht zu dem Status als Individuum, den es braucht, um Tieren langfristig bestmöglich zu Ihrem Recht (Selbstbestimmung/Unversertheit) zu verhelfen. Flexitarismus/Vegetarismus ist eine seichtere Form menschlicher Willkür. Die Anerkennung von Tierrechten bringt logisch immer Veganismus als Lebensweise hervor.

Gerne würde ich hierzu Deine Meinung in den Kommentaren lesen!

Kommentare

  1. ika meint

    Das Lied finde ich unglaublich rührend, ich muss immer wieder weinen ;//
    Meiner Meinung ist es so schade, dass so viele Menschen Angst vor einem veganem Leben haben. Als ich einmal gelesen habe was da alles den Tieren angetan wird, so wurde ich von Tag zu Tag vegan und habe immer noch keine Probleme damit. Im Gegenteil, ich würde es jedem empfehlen^^

    • meint

      Klar geht es um mehr als Veganismus. Aber im Punkt Tierrechte geht es auch nicht um weniger. Das hat nichts mit Etiketten oder Teilung zu tun. So ist nun mal die Natur der menschlichen Sprache, die unter einem Begriff Eigenschaften etc. zusammenfasst, damit es für alle verständlich wird. Aus meiner Sicht macht es keinen Sinn auf einen Begriff zu verzichten, nur weil er von manchen Menschen mit negativen Eigenschaften belegt wird, die mit dem eigentlich „Körper des Begriffs“ nicht zu tun haben.

      • meint

        Wenn ich auf diese Weise Menschen erreiche, die mit Veganismus nichts zu tun haben wollen, sich jedoch von einer pflanzlichen Lebensweise begeistern lassen, ist mir das die Anpassung wert.

  2. Ralph meint

    Tolles Interview. Die Anmerkung direkt unter dem Interview finde ich unnötig. Man kann die Meinung von Marianne und Rocco auch einfach mal stehen lassen. Redaktionell ist es grenzwertig, das Interview zu nutzen, um als Redakteurin auf sich selbst und die eigene Meinung zu lenken.
    Berge wünsche ich viel Erfolg! Seitdem ich das Lied gehört habe, habe ich noch kein Gramm tierisches Eiweiß zu mir genommen. Sätze wie in der Anmerkung konnten mich bisher noch nicht dazu bewegen, sogar meinen Bio-Fairtrade-Kaffee ohne Milch zu trinken.

    • meint

      Beide Meinungen können nebeneinander existieren und zum Nachdenken anregen – in die eine oder andere Richtung. Für uns war es wichtig die Aussage des Interviewpartners zu kommentieren, da unser Blog eine Position hat und die gemachte Aussage des Interviewpartners weit weg davon ist – wir sind kein neutrales Nachrichten-Organ, was durch unseren Namen VEGAN News schon klar wird.

    • Photorin meint

      Danke für den Kommentar unter dem Interview. Für Leser/innen, die vegannews.de nicht kennen, ist er sehr wichtig, um diese Seite einschätzen zu können. Und das Statement der Band wird dadurch ja nicht verändert. Sofern man das überhaupt ein Statement nennen kann. Denn anders als der Blog scheint die Band nicht wirklich eine Position zu haben. „Soll doch jeder tun, was er für richtig hält“, mag zwar nett und freiheitsliebend klingen, ist aber eine Einladung zu reiner Willkür. Denn wo die Schwächeren nicht aktiv geschützt werden, kommen sie zwangsläufig unter die Räder. Egal, ob Menschen oder andere Tiere. Sich gleichzeitig hinzustellen und genau diese Willkür in einem Lied hoch emotional zu beklagen, wirkt dann – wie sage ich das möglichst freundlich? – nicht gerade durchdacht und konsequent.

      Ach so, im Interview hat die Band gar nicht gesagt: „Soll doch jeder run, was er für richtig hält“? Stimmt, zumindest nicht ausdrücklich. Das holen sie aber auf ihrer Facebook-Seite nach, wo es eine Anmerkung zur (vegannews-)Anmerkung gibt: „Wir finden jede Form von bewusster und gesunder Lebensweise erstrebenswert und für unseren Planeten nötig. Unserer Meinung nach wird das auch früher oder später zu einem veganen Lebensstil führen. Bis es soweit ist, akzeptieren wir alle Menschen so wie sie sich gerade nach ihrem bestem Gewissen und Möglichkeiten verhalten.“

      Auch das klingt wunderschön. Nur: Wie kommen sie darauf, dass sich die Menschen „gerade nach ihrem besten Gewissen und Möglichkeiten verhalten“ und nicht vielmehr nach Lust, Gewohnheit und Bequemlichkeit? Träumen alleine hilft nicht weiter, und der vegane Lebensstil wird ganz sicher nicht von selbst kommen. Schon gar nicht, wenn man ihn zwar toll findet, aber nicht einmal selbst praktiziert, weil man sich ja nicht in eine Kategorie zwängen lassen will. Vielen Dank auch! Vor allem im Namen der Tiere, die man zwar nur „ganz selten“ und „ganz bewusst“, aber irgendwie dann eben doch und eigentlich ganz gerne isst.

  3. Till Kraemer meint

    Mir persönlich gefällt der Song „10.000 Tränen“ nicht. Ich finde es aber toll, wenn Musiker das Thema Tierrechte in ihren Songs aufgreifen. Noch besser wär’s natürlich, wenn Berge vegan leben würden, auch wenn sie „nahezu nie Fleisch“ essen „und höchst selten andere tierische Produkte“ (erinnert mich an den Dialog, den ich dauernd mit Omnis führe: „Ich bin Veganer“ – „Ja, ich esse auch nur ganz selten Fleisch“).

  4. Jürgen Meyenburg meint

    Danke für die Anmerkung der Redaktion. Das war absolut notwendig.
    Warum wird denn selten etwas tiefer nachgedacht? Hört sich doch immer politisch korrekt und salonfähig an und fast jeder stimmt zu: bitte vegan nicht dogmatisch.
    Da werden die übelsten Gräueltaten verübt und es heißt dann, aber bitte das nicht so dogmatisch verurteilen. Da machen sich Millionen Verbraucher zu Mittätern der übelsten Verbrechen, aber ich soll sie lieben? Mit den Bildern in meinem Kopf, Bilder für die sich die meisten zu fein sind, diese anzuschauen, Bilder die durch keine Grausamkeit der Welt getoppt werden könnten, soll ich die gedankenlosen Mittäter lieben? Ja, irgenwie muß ich damit leben, daß das keiner versteht, aber Liebe entgegen bringen?
    Mir fällt es schwer Rassisten, Sexisten, Vergewaltigern, Mördern und deren Mittäter Liebe entgegen zu bringen. Ob die Opfer nun zu den Hominiden gehören oder nicht, spielt doch keine Rolle. Die Opfer leiden entsetzlich. Und dann frage ich nicht nach der Rasse, Hautfarbe oder Spezies. Ich übe mich im Alltag darin mit Respekt und Freundlichkeit meiner eigenen Spezies zu begegnen. Und dabei springe ich schon über einen gewaltigen Schatten. Aber Liebe??
    Berge ist Profi in der Musikbranche. Ich auch. Aber das Musikerdasein hält mich nicht davon ab, immer weiter nachzudenken und mein Denken zu überprüfen. Es braucht Menschen, die Rückrat haben und Stellung beziehen und ein klar strukturiertes Denken an den Tag bringen. Ich wünsche Berge, daß sie sich der Musik hingeben kann, aber auch dabei die brilliant formulierten Gedanken in der Anmerkung der Redaktion vielleicht nachvollziehen könnte.

  5. Johanna von Renteln meint

    Die Anmerkung der Redaktion ist in meinen Augen vollkommen gerechtfertigt (zumal es sich eben wirklich nur um eine ANMERKUNG handelt, ergo der Originalton der Interviewten wurde nicht verfälscht.)

    In meinen Augen handelt es sich bei der Antwort, zu der die Anmerkung gehört, um nichts anderes als eine diplomatische nichts-halbes-und-nichts-ganzes-Antwort, deren höchstes Ziel es ist, bloß keinen potenziellen Hörer anzugreifen – Es ist aber höchste Zeit, anzugreifen. Ganz wie die Redaktion angemerkt hat – Beim Recht Dritter hört die Eigenbestimmung auf. So und nicht anders ist es nun mal.

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