Die Macht der Fleischindustrie – Deutschlands Export boomt

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Es ist erfreulich, dass der Fleischkonsum der Deutschen 2014 leicht gesunken ist. Umso verwunderlicher ist die Tatsache, dass die Produktion in der Fleischerzeugung einen neuen Höchststand erreicht hat. Die Vergeudung von Ackerflächen, die Verschwendung der Lebensmittel und die Qualen der Tiere bei der Schlachtung, spielen dabei eine untergeordnete Rolle.

Globaler Pro-Kopf-Kilo-Vergleich

Der Verbrauch liegt bei 60,3 kg pro Kopf und Jahr und damit liegen wir in der Europäischen Union noch im Mittelfeld. Die Spanier vertilgen mit 80 kg pro Kopf und Jahr am meisten Fleisch, die Bulgaren dagegen nur knapp 30 kg. Das ist jedoch nichts im weltweiten Vergleich. Die USA liegt mit 120 kg pro Kopf und Jahr an der Spitze des Fleischkonsums. In Indien und Bangladesch werden dagegen nur knappe vier Kilogramm verzehrt. Noch, denn durch das bessere Einkommen der Mittelschichten in den asiatischen Boomländern, Indien und China wächst auch der Hunger nach Fleisch.

Unglaubliche Schlachtzahlen

Die US-Gesellschaft Tyson Foods ist laut dem Fleischatlas 2014 nach JBS aus Brasilien das zweitgrößte Fleischunternehmen der Welt. Nach eigenen Angaben schlachtete Tyson Foods 41 Millionen Hühner, 133.000 Rinder und 383.000 Schweine – pro Woche ! Diese Zahlen sind der reine Wahnsinn. In der Bundesrepublik wurden vergleichsweise für das ganze Jahr 1,5 Millionen Tonnen Geflügel, 3,6 Millionen Rinder und 58,7 Millionen Schweine in gewerblichen Schlachtunternehmen getötet.

Deutschlands Export boomt

Deutsche mögen 2014 zwar weniger Fleisch gegessen haben, aber in der Produktion hat die deutsche Fleischindustrie einen neuen Höchststand erreicht. Wie passt das zusammen? Indem die Bundesrepublik den produzierten Fleischüberschuss ins Ausland verkauft. In Zahlen bedeutet das, dass Deutschland 4,1 Millionen Tonnen Fleisch exportiert hat. 2013 erhöhten sich dadurch die Einnahmen auf knapp 10 Milliarden Euro. Damit verzeichnete die Bundesrepublik einen erneuten Zuwachs von 2,2 Prozent.

Dank der hohen Qualitätsstandards zählt Deutschland schon längst zu den Top-Exporteuren. Und wer kauft unser erstklassiges Fleisch? Alle 27 Länder der Europäischen Union. Aber auch die Nachfrage nach den Nebenprodukten der Schlachtung wie Innereien, Speck oder Fette steigt. Insgesamt wurden aus Deutschland 643.000 Tonnen an so genannte Drittländer verkauft. Wichtigste Zielländern sind demnach China (122.000 Tonnen), die Niederlande (104.000 Tonnen) und Hongkong (102.000 Tonnen).

Die Qualen der Tiere

Viele Menschen stellen mit dem eingeschweißten Steak im Supermarkt keine Verbindung mehr zum lebenden Tier her. Laut dem Fleischatlas existieren bundesweit knapp 350 Schlachthöfe mit je knapp 20 Beschäftigten. Ein Besuch in eines der hoch industrialisierten Häuser würde so manchem Deutschen den Appetit auf Fleisch oder Wurst gehörig verderben. In der Tierschutz-Schlachtverordnung steht es zwar schwarz auf weiß, dass Schmerzen und Leiden der Tiere bei der Betäubung vermieden werden soll, doch die Realität in den Schlachthäusern sieht anders aus.

Unsachgemäße, fehlende Betäubungsmethoden oder die Schlachtung von schwangeren Kühen gehören zum brutalen Alltag auf den Höfen. Die Missstände, die bei der Schlachtung von Tieren herrschen, sind ethisch schon längst nicht mehr vertretbar. Die Albert-Schweitzer-Stiftung hat eine Petition ins Leben gerufen, in der sie auf die qualvollen Schlachtungsmethoden aufmerksam machen möchte.

Demnach ist die Betäubung der Rinder durch einen Bolzenschuss bis zu 9 Prozent, bei Schweinen durch das Gas Kohlendioxid (CO2) sogar bis 12 Prozent mangelhaft oder fehlt ganz. Bei den Hühnern wird neben der CO2-Betäubung, auch das elektrische Wasserbad angewendet. Sie werden von Geflügel-Schlachtern kopfüber in ein „Schlachtband“ eingehängt und sollen durch das Eintauchen in das Elektro-Wasserbad gelähmt werden. Danach übernimmt die Maschine die Zerlegung der Tierkörper. Auch hier ist diese barbarische Methode keine Garantie für eine erfolgreiche Betäubung und so erleben die Tiere den weiteren Verlauf der Schlachtung bei vollem Bewusstsein.

Sinnlose Verschwendung von Fleisch

Neben dem Irrsinn der Fleischindustrie, schreit die Verschwendung der Verbraucher zum Himmel. Der Mensch verzehrt, je nach Art, jeweils nur 40 bis 55 Prozent von einem geschlachteten Tier, also sprichwörtlich nur die Filetstücke. Bei der Schlachtung entstanden 2014 rund 4,9 Millionen Tonnen „tierische Nebenprodukte“ bei 11,4 Millionen Tonnen Lebendgewicht der geschlachteten Tiere.

Nebenprodukte sind alles, was zum menschlichen Verzehr nicht geeignet ist, wie Borsten, Magen- Darminhalte oder Knochen. Der größte Anteil davon wird als Basis zur Herstellung von Kosmetika, Seifen, Arzneimitteln, Textilien oder Druckertinte benutzt. Der Rest wird exportiert oder mit den traditionellen Schlachtresten an Haustiere verfüttert.

Vergeudung unserer Ackerböden

Wiederkäuer wie Ziegen, Schafe oder Rinder sind ideale Grasfresser. Sie können auch noch solche Kohlenhydrate ausbeuten, die für andere Tierarten und den Menschen unverdaulich sind. Doch um aus den Tieren mehr herauszuholen, enthält die tägliche Ration einen hohen Anteil an eiweißhaltigem Kraftfutter, wie zum Beispiel Soja. Das kann bis zu 30 Prozent des Rinderfutters oder bei Schweinen dem Alter angepasst, zwischen 6 und 25 Prozent sein.

Knapp ein Drittel der 14 Milliarden Hektar kultivierten Landes unserer Erde dient dem Anbau von Futtermitteln. Der UN-Weltagrarbericht schätzt, dass die Nutztierhaltung heute 70 Prozent der globalen Äcker und Weiden beansprucht. Dabei könnten sie effizienter für die Produktion menschlicher Nahrungsmittel genutzt werden und damit den Welthunger lindern.

Im globalen Maßstab landen von der jährlichen Getreideernte an Weizen, Roggen, Hafer und Mais über 40 Prozent oder fast 800 Millionen Tonnen direkt in die Tröge. Hinzu kommen 250 Millionen Tonnen Ölschrote, vor allem aus Sojabohnen. Große Soja-Anbauflächen, die im Ausland wie zum Beispiel Argentinien wachsen, werden von der EU eingekauft.

Der Widerspruch an dieser Agrarwirtschaft wird daran deutlich, dass die Ernte auf weiten Wegen zum Vieh transportiert werden muss. Das hat zur Folge, dass viele Fleischproduzenten ihre Gülle kostenpflichtig entsorgen müssen, statt ortsnah, umwelt- und vor allem grundwasserverträglich in der Landschaft zu verteilen. Andererseits werden dort, wo das Futter herkommt, in großen Mengen künstlicher Dünger und Pestizide eingesetzt, weil die Gülle fehlt.

Grüne Alternative zum Fleischwahn

Es ist wichtig, selbst entscheiden zu können, was auf unseren Tellern landet. Dazu benötigen wir viele Informationen. Eine grüne Alternative zum Fleischwahn ist zum Beispiel der Veganismus. Sich vegan zu ernähren bedeutet, auf tierische Erzeugnisse aller Art zu verzichten. Ethisch motivierte Veganer verzichten auch bei der Kleidung auf Baumwolle, Seide oder Lederwaren.

Laut der jüngsten Studie des Marktforschungsinstituts YouGov haben sich in Deutschland bereits rund 900.000 Menschen für eine vegane Lebensweise entschieden, Tendenz steigend. Die Universität hat in ihrer aktuellen Online-Umfrage nach den Gründen geforscht. Die Beweggründe reichen von „ethisch-moralisch“ über „Klimaschutz“ bis hin zu „vegan lebende Freunde“. Der Trend geht also eindeutig zur pflanzlichen Ernährung hin.

Die Fachliteratur ist vielfältig und auch das Internet bietet gute Informationsquellen, wie eine ausgewogene vegane Ernährung aussehen sollte. Auf der Homepage von PETA kann die vegane Ernährungspyramide eingesehen werden. Sie dient als Leitfaden und gibt einen guten Überblick über den Aufbau der einzelnen Lebensmittelgruppen. Sie ist nicht nur für Neueinsteiger, sondern auch für „alte Hasen“ interessant. Des Weiteren stellt die Internetseite des Vegetarierbunds Deutschland (VEBU) viele weiterführende Informationen und anregende Rezepte bereit. Auch Vegan-News bietet ein breites und vielfältiges Angebot zu veganen Themen an.

Wandel ist möglich

Wie wir uns ernähren, ist eben doch nicht nur Privatsache, sondern geht alle etwas an. Unsere Essgewohnheiten haben ganz konkrete Auswirkungen, an die wir häufig nicht denken. Glücklicherweise gibt es heutzutage immer mehr Menschen, die es nicht als Verzicht empfinden, weniger oder besser kein Fleisch zu essen.

Wir als Endverbraucher können mit einem verantwortungsvollen Konsum die Fleischindustrie dauerhaft beeinflussen und die Lebensbedingungen der Tiere verbessern. Wir haben es in der Hand.

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