Dr. Hanno Platz – Interview mit dem veganen Internisten

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Dr. Hanno Platz Internist Hauptstraße 9, 86850 Fischach

„Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du!“ (Mahatma Gandhi) – So steht es in dicken Lettern auf der Homepage der Praxis von Dr. Hanno Platz, seines Zeichens Internist mit einer Praxis in Fischach bei Augsburg. Ich habe mich mit dem vegan lebenden Arzt zum Interview getroffen.

Dr. Hanno Platz aus Fischach im Interview

Anne: Hallo Herr Dr. Platz, vielen Dank, dass sie sich Zeit für dieses Interview nehmen!

Dr. Platz: Gerne! Ich bin sehr gespannt auf Ihre Fragen!

Anne: Seit wann leben sie vegan? Hatten sie dabei ein besonderes Vorbild? Was war für sie der Auslöser?  

Dr. Hanno Platz

Dr. Hanno Platz aus Fischach

Dr. Platz: Ich lebe seit ca. 3 Jahren, mit täglich zunehmender Freude und Begeisterung, vegan. Zuvor habe ich mich jahrzehntelang vegetarisch ernährt.

Für mich war die Erkenntnis und Einsicht ausschlaggebend, dass ich als Mensch nicht das Recht habe, meine gleichberechtigten Mitgeschöpfe auf dieser Erde zu töten, um mich zu ernähren oder zu bekleiden. Zumal es ja auch wesentlich bessere Möglichkeiten der Ernährung und auch der Bekleidung gibt. Besser nicht nur für die eigene Gesundheit und das eigene Wohlergehen, sondern besser für unseren gesamten Globus und alle, die darauf leben dürfen.

Ein besonderes, einziges, menschliches Vorbild habe ich hierbei nicht, die Gedanken und die Lebenseinstellungen von Albert Schweitzer und Mahatma Gandhi haben mich jedoch wesentlich geprägt. Albert Schweitzers Satz „Ehrfurcht vor dem Leben“, sowie die Gedanken zur Gewaltfreiheit Gandhis sind zu den Leitlinien in meinem Leben geworden, Schweitzers Satz ergänze ich gerne noch um den Begriff „Respekt“. „Ehrfurcht und Respekt vor dem Leben“, diesen Satz habe ich zur Maxime meines Handels gemacht.

Besonders unerträglich ist für mich die industrielle Kommerzialisierung und der dementsprechende Umgang dabei mit den Lebewesen, denen durch solche industrielle, also generalstabsmäßige Ausbeutung und letztendlich qualvolle Tötung, jegliche Berechtigung eines würdevollen Lebens, sowie jeglicher Respekt völlig aberkannt wird.

Ehrfurcht und Respekt vor dem Leben

Anne: Drei Hauptgründe für sie, vegan zu leben?

Dr. Platz: Gründe, vegan zu leben gibt es für mich sehr viele und jeder stellt in sich einen Hauptgrund dar. Drei davon sind für mich:

  1. „Ehrfurcht und Respekt vor dem Leben“, wie schon gesagt,
  2. Die vegane Ernährung ist erwiesenermaßen die gesündeste und bester Form der Ernährung.
  3. Nichts würde unseren gesamten Globus mehr schonen und erhalten, als wenn die Menschheit sich entsprechend ihren Möglichkeiten, die sie ja zu 100% hat, vollständig vegan leben würde.

Anne: Sie vertreten als Mediziner die Meinung, dass eine rein pflanzliche Ernährung das Gesündeste ist, was wir für unseren Körper tun können. Eine Einstellung, die nicht mit allen Ärzten teilen. Nahezu jeder Veganer hat hier sicherlich schon mal den ein oder anderen Tipp erhalten, doch besser auch Tierisches zu sich zu nehmen. Wie ist das bei ihnen? Stoßen sie auf Unverständnis oder gar Ablehnung unter Kollegen? Oder holen die sich eher Infos von ihnen ein?

Dr. Platz: Soweit ich informiert bin, ist bis heute das Thema vegane Ernährung im Medizinstudium überhaupt kein studienrelevantes Thema, allenfalls wird es von engagierten Studentinnen und Studenten in Seminaren eingefordert. Daher kann ich es zunächst keinem Mediziner übelnehmen, dass er sich mit diesem Thema auf dem Boden seines Studiums nicht auskennen kann. Aber, der menschliche Geist sollte sich ja im Laufe des Lebens weiter entwickeln und nicht stumm und starr verharren. Das ist ja eigentlich ein ganz physiologischer Vorgang, der jeden Menschen betrifft.

Man muss nur daran denken, dass wir alle am Anfang unseres Lebens weder reden, laufen noch schreiben konnten. Erfreulicherweise sind wir dort nicht stehengeblieben, sondern haben uns weiterentwickelt. Erst recht muss ein wissenschaftlich geschulter Arzt sich selbstverständlich ständig durch das Erkennen neuer Sachverhalte weiter entwickeln.

Dadurch zu neuem Verhalten und Entscheidungen zu kommen, bezeichnet man als Intelligenz, die nicht nur eine menschliche Fähigkeit ist, denkt man z. B. nur mal an Tiere, die gelernt haben, Werkzeuge zu benutzen. Ja, sehr häufig begegnet mir die Ablehnung der veganen Ernährungsform bei Ärzten. Wobei ich dann im Gespräch mit ihnen sehr oft, sehr schnell feststellen muss, dass sich die Kollegin oder der Kollege noch nie mit diesem Thema beschäftigt hat, sondern, wie meist alle anderen auch, nur in allgemeinen Vorurteilen agiert wird, fußend auf Nichtkenntnis. Das stimmt mich jedes Mal sehr traurig.

Im Wartezimmer liegen vegane Rezepte statt Boulevardblättern

Anne: Sie betreiben eine Praxis in Fischach, einem kleinen Ort nahe Augsburg. Sicher kommen zu ihnen nicht nur Veganer, sondern auch viele, die es mal werden könnten. Sprich: Alle Bewohner der Ortschaft, vom Metzgerlehrling bis zum Hofbetreiber. Wie sprechen Sie sie auf das Thema vegan an?

Dr. Platz: Da es ja die Aufgabe eines Arztes ist, sich um die Gesundheit seiner Patienten zu bemühen, ist es für mich natürlich besonders wichtig, hier den ersten Kontakt zu meinem Patienten herzustellen. Das erste Ansprechen auf dieses, für mich als Arzt besonders wichtige Thema, habe ich gelöst, indem ich in meinem Wartezimmer nicht die üblichen Boulevardblätter auslege, sondern ausschließlich Infomaterial zum Thema vegane Ernährung, die Folgen der Umweltzerstörung bei nicht veganer Lebensweise, sowie vegane Kochrezepte, um gleich auch noch ein bißchen Appetit zu machen.

Vegane Infos im WartezimmerAls ich diese Infos zum ersten Mal ausgelegt hatte, war ich sehr gespannt auf die Reaktion meiner Patienten. Ich kann dabei eine sehr erfreuliche Entwicklung beobachten. Anfangs hat mich kein Patient im Sprechzimmer darauf angesprochen und ich konnte sehen, dass die Hefte, kaum zur Hand genommen, auch schon wieder weggelegt wurden. Ich hatte häufig das Gefühl, als wenn sich so mancher Patient hier etwas beschämt selbst erkannte. Was hatte er da als Auftraggeber in der Metzgerei und an der Ladentheke da nur angerichtet, ohne dass es ihm bewusst war?

Zuerst hatte ich sogar befürchtet, Patienten würden die Praxis verlassen. Das Gegenteil war der Fall. Es dauerte nicht lange und ich wurde immer häufiger auf vegane Ernährungsmöglichkeiten angesprochen. Eine große Überraschung auch für mich, manch einer war froh, dass dieses Thema endlich angesprochen wurde. Mehr und mehr Patienten erzählten mir, dass sie selbst Veganer seien, sich aber nie getraut hatten, das anzusprechen, da sie bei anderen Ärzten daraufhin durchaus schon mal barsch gemaßregelt wurden.

Noch schöner ist es natürlich, dass mittlerweile sehr viele meiner Patienten Veganer aus Überzeugung geworden sind. Inzwischen sehen ich und meine Helferinnen nicht selten, wie Patienten mit ihren Smartphones Rezepte aus meinen Broschüren abfotografieren, toll, oder? (lacht)

Anne: Das führt mich zu meiner nächsten Frage, die mich ganz besonders interessiert: Gibt es viele Menschen, die aufgrund ihrer Beratung auf vegan umgestellt haben?

Dr. Platz: Ja, und es werden in Laufe der Zeit immer mehr meiner Patienten vegan und das mit großer Begeisterung und Enthusiasmus. Sie erzählen mir dann, dass es ihnen jetzt so gut geht, wie selten in ihrem Leben und sie deshalb ihrerseits nun Botschafter für die vegane Lebensform geworden sind. Oft konnten sie ihr unmittelbares Umfeld, wie z. B. die eigene Familie, auch von den vielen Vorteilen der veganen Ernährung überzeugen. Das alles macht mir natürlich große Freude und bestätigt mich in meinem Bemühen.

Anne: „Was isst du denn dann überhaupt noch?“, „Was sollen wir denn dann mit den ganzen Tieren machen, wenn wir plötzlich alle vegan leben?“ und „Aber die Steinzeitmenschen haben doch auch Fleisch gegessen!“ sind Standartphrasen, die gedroschen werden, sobald man als Veganer den Raum betritt. Bekommen sie die in ihrer Praxis auch gelegentlich zu hören? Ihre Lieblingsphrase und ihre Antwort darauf, bitte!

Dr. Platz: Natürlich bekomme ich diese Phrasen auch in meiner Praxis zu hören, nur wissen, dank konsequenter Aufklärungsarbeit, mittlerweile immer mehr Menschen Bescheid über die verheerenden Folgen des Fleisch- und Milchkonsums, und manchmal habe ich schon den Eindruck, dass ein Umdenken, wenn auch noch in viel zu kleinem Umfang, begonnen hat. Das macht Hoffnung, auch wenn mir persönlich dieser Prozess viel zu langsam erscheint.

Auf den Satz „Aber die Steinzeitmenschen haben doch auch Fleisch gegessen!“, oder anders ausgedrückt, „Das war doch schon immer so“ kann man sicher sehr gut mit Vergleichen antworten. Der Mensch hat schon immer Kriege geführt, Misshandlungen an Menschen und Verbrechen gibt es schon immer; nur wird etwas erhaltenswert, dadurch, dass es schon immer da ist?

Wenn der Mensch für sich in Anspruch nimmt, ein intelligentes Wesen zu sein, dann muss er doch auf dem Boden des Erkennens von Fehlern und Falscheinschätzungen Konsequenzen ziehen können, andernfalls wäre er nicht intelligent. Man könnte auch noch vergleichend argumentieren, „Geraucht hat der Mensch auch schon immer“. Das ist zwar falsch, aber selbst, wenn der Mensch schon immer geraucht hätte, wäre Rauchen immer noch nicht gut.

Meine Lieblingsphrase? OK, die knüpft an das eben Gesagte an: „Früher haben wir doch auch ohne Bedenken Fleisch gegessen, Milch getrunken und Käse gegessen“. Dann antworte ich meist ein wenig zynisch: „Ja, das ist wahr, aber früher haben wir auch in die Hose gemacht, konnten nicht reden und nicht laufen, aber sind wir deshalb auf diesem Niveau stehen geblieben?“ Dann kommt zwar trotzig die Antwort: „Aber das ist doch ganz etwas anderes“, dennoch glaube ich, dass dieser Satz, wenn auch verzögert, zum Nachdenken führt.

„Was sollen wir denn dann mit den ganzen Tieren machen, wenn wir plötzlich alle vegan leben?“ Wenn jemand diese Frage stellt, dann zeugt das natürlich nur von unendlicher Dummheit des Fragenden und bedarf keines weiteren Kommentars.

Fleischesser leiden häufiger unter Vitamin B12-Mangel

Anne: Warum müssen Veganer Vitamin B12 substituieren? Können Fleischesser auch einen B12- Mangel haben?

Dr. Platz: Für diese Frage bin ich sehr dankbar. Ja, Fleischesser haben sehr häufig einen Vitamin B12-Mangel. In meiner Praxis untersuche ich ja sehr oft u. a. diesen Blutwert sowohl bei Veganern, als auch bei Omnivoren. Ich habe zwar keine Statistik darüber geführt, aber mir scheint, dass Fleischesser häufiger einen Vitamin B12-Mangel haben, als Veganer. Die Erklärungen dafür sind relativ leicht. Fleischesser haben in der Regel ein weitaus weniger ausgeprägtes Gesundheitsbewusstsein und Wissen über Ernährung, als Veganer. Die Folgen von Schnitzel, Salami-Pizza und Bratwurst (Hier wird mir gleich aus mehreren Gründen übel) sind u. a. Übergewicht, Zuckerkrankheit, Bluthochdruck und viele andere sogenannte Zivilisationskrankheiten.

Das heißt im Klartext: Die Fleisch- und Milchindustrie macht zuerst den Menschen krank und verdient sich daran dumm und dämlich, damit anschließend die  Pharmaindustrie den krankgemachten Menschen mit Medikamenten wieder helfen kann, die schlimmsten Folgen der Fehlernährung wieder aufzufangen. Das Problem dabei ist nun, dass genau diese Medikamente sehr häufig z. B. den Vitamin B12-Haushalt empfindlich stören, z. B. Medikamente gegen zu viel Magensäure, sog. Säureblocker, oder auch bestimmte Medikamente gegen die Zuckerkrankheit, wobei sich die Liste noch fortsetzen ließe. Dazu kommt, das Fleischesser auf der Grundlage des mangelnden Gesundheitsbewusstseins, weitaus häufiger Raucher sind und zu viel Alkohol konsumieren, was zusätzlich zu einem erhöhten Homocysteinspiegel führt, der wiederum als Korrektivum Vitamin B12 benötigt und diesen dadurch senkt.

Ob Veganer Vitamin B12 wirklich substituieren müssen, ist meines Erachtens nicht abschließend geklärt, da in der Wissenschaft diskutiert wird, ob Vitamin B12 überhaupt von Tieren oder Pflanzen gebildet wird, sondern es vielmehr ausschließlich ein Produkt von Mikroorganismen ist, welche sich auch auf Pflanzen befinden. Das ist aber mit Vorsicht zu betrachten, da hier die Erkenntnisse nicht abschließend vorliegen. Indirekt kann ich aber auf Grund meiner persönlichen, nicht statistisch relevanten Beobachtungen sagen, dass es mir so erscheint, das gerade Fleischesser häufiger unter Mangelerscheinungen, darunter auch Vitamin B12-Mangel leiden.

Anne: Ist es überhaupt notwendig, Vitamine von Haus aus zu substituieren, oder reguliert sich der Körper ganz von selbst? Welche Supplemente empfehlen Sie?  Vitamin B12 haben wir schon kurz angesprochen, außerdem werden besonders für den Winter immer wieder Vitamin D-Präparate empfohlen. Irritierend ist, dass man zu nahezu jedem Supplement etwas Negatives im Netz findet.

Dr. Platz: Das ist genau das Problem mit den Antworten auf Fragen im Internet. Jede und Jeder schreibt einfach seine Meinung, ohne dass der Inhalt qualifiziert sein muss. Man nimmt dann einfach das wahr, was man hören möchte und fühlt sich dadurch bestätigt. Grundsätzlich muss man bei ausgewogener Ernährung nicht substituieren.

Bei Vorsorgeuntersuchungen sollten allerdings neben anderen Untersuchungen auch Blutanalysen vorgenommen werden und dabei neben den „Routinebestimmungen“ auch z. B. der Vitamin B12- und Vitamin D-Spiegel untersucht werden. Ebenso wichtig sind dabei auch die Bestimmung von Folsäure, Vit- B-6 und Homocystein.

Das gilt aber nicht nur für Veganer, sondern für alle Patienten. In meiner Praxis sehe ich sehr oft, dass gerade Fleischesser deutlich schlechtere Blutwerte zeigen, was ja nun aber auch nicht verwunderlich ist. Je nach Patient, müssen evtl. auch weitere Untersuchungen vorgenommen werde, das kann man aber immer nur im Einzelfall entscheiden und beantworten. Eine pauschale Antwort, welche Blutwerte individuell untersucht werden sollten, ist hier nicht möglich, weil jeder Mensch als Individualperson gesehen werden muss.

Interessenfreie Informationsmöglichkeiten sind wichtig

Anne: Thema Mangelerscheinungen. Als Veganer bekommt man von allen Seiten immer wieder eingeredet, pflanzliche Ernährung würde über kurz oder lang zu Mangelerscheinungen führen, man solle doch Fleisch und Milchprodukte, Eier und Fisch zu sich nehmen. In Wirklichkeit ist ja eher das Gegenteil der Fall und wie wir eben auch gehört haben, achten viele Veganer auch viel genauer auf die richtige Zusammensetzung der Nährstoffe in ihrem Essen. Wie kann man hier noch besser aufklären? Und wie wurde dieses Vorurteil in unserer Gesellschaft geprägt?

Dr. Platz: Um die notwendige Aufklärung bzw. den Informationsfluss noch wesentlich zu steigern, müssen interessenfreie Informationsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Genau das ist das Problem bei der Information über gesunde Ernährung. Denn hier kommen die „Informationen“, besser Desinformationen, öffentlichkeitswirksam meistens von den Krankheitsverursachern selbst, nämlich der Fleisch- und Milchindustrie.

Slogans wie „Die Milch macht’s“, oder „Die kleinen Helfer zur Stärkung des Immunsystems“ oder „Milch ist gut für die Knochen“ sorgen für alltägliche, an Gehirnwäsche erinnernde Desinformation. Das für dumm Verkaufen gipfelt in dem an Falschheit nicht mehr zu überbietenden Angebot der „Milchschnitte für Kinder“, die dadurch ihre „Extraportion Milch“ bekommen sollen, es gibt wohl fast nichts ungesünderes auf dem Markt.

Selbst vor der gesundheitlichen Schädigung von Kindern macht diese „Aufklärung“ also nicht halt. Ja, bessere Information bzw. Aufklärung ist mehr als wichtig. Hier ist denke ich die Schule in die Pflicht zu nehmen, diese Institution, die unsere Kinder auf die Zukunft vorbereiten soll. Solange aber in Schulen häufig noch Schulessen in Form von Schnitzel und Co. angeboten wird, sind wir noch weit davon entfernt.

Anne: Gibt es Unterschiede zwischen veganen und nicht veganen Patienten?

Dr. Platz: Ihre Frage berührt genau den Kern des Veganismus. Na, klar! (lacht)

Vegan lebende Menschen sind viel gesundheitsbewusster und denken über die Zusammensetzung der Nahrung und deren Herkunft nach. In der Praxis sehe ich jeden Tag, dass sich Omnivoren oft nur sehr ungern geistig bewegen wollen, was ihre Ernährung betrifft. Jeder Arzt weiß, wie schwierig es ist, einen übergewichtigen Bluthochdruckpatienten mit Diabetes und Fettstoffwechselstörung zu einer Ernährungsumstellung und Änderung des Lebensstils zu bewegen. Den Meisten ist leider die sprichwörtliche Tablette oder Spritze lieber, weil das einfach viel bequemer ist, als über die selbst verursachten Erkrankungen nachzudenken und entsprechende Umstellungen vorzunehmen. Nur werden dadurch nicht die Grundprobleme der Erkrankungen gelöst, im Gegenteil, weil viele Medikamente natürlich auch wieder Nebenwirkungen haben, actio est reactio. So gibt es zum Beispiel in der Diabetes-Behandlung Medikamente, die auf Dauer, wie vorhin schon kurz erwähnt, den Vitamin B12-Haushalt negativ beeinflussen.

Anne: Neulich bekam ich mal zu hören, als Veganer sei man gefährdet, an Diabetes zu erkranken. In der Fachpresse las ich das Gegenteil. Habe ich als Veganer ein erhöhtes Risiko, läuft es auf das Gleiche hinaus, wie beim Omnivoren oder habe ich sogar bessere Karten?

Dr. Platz: Sie als Veganerin haben viel bessere Karten, gesund zu bleiben, denn besonders durch Fehlernährung wie oben erwähnt, besagte Pommes und Co., Zucker und Übergewicht, wird ja gerade der Diabetes Typ II wesentlich gefördert und wird heute stetig zunehmend bei Kindern und Jugendlichen gesehen. Früher wurde Diabetes Typ II auch als Altersdiabetes bezeichnet, weil dieser eigentlich erst mit zunehmenden Jahren, bei sich dann gelegentlich zeigender, nachlassender Funktion der Bauchspeicheldrüse entstand. Heute ist bei vielen Kindern durch eklatante Fehlernährung, die als äußeres Kennzeichen zu Fettleibigkeit führt, die Bauchspeicheldrüse schon in früher Kindheit überfordert und bereits die Kinder werden zuckerkrank. Übrigens entsteht durch diese Fehlernährung nicht nur der Diabetes bereits bei Kindern und Jugendlichen, sondern als Folge des Diabetes und Übergewichtes u. a. auch Fettstoffwechselstörungen, Bluthochdruck, Nierenschädigungen, Fehlentwicklungen der Wirbelsäule und der großen Gelenke.

Die Milchindustrie verdient ihr Geld ohne Rücksicht auf die Gesundheit

Anne: Ein großes Thema ist bei vielen Veganern in der Diskussion mit Nichtveganern immer wieder die Milch. Jahrzehntelang wurde uns eingebläut, Milch sei überlebensnotwendig, für den Aufbau der Knochen und Zähne verantwortlich und wer auf Milch verzichte, sei von vornherein schon mal krankheitsanfälliger. Laktoseintoleranten Kleinkindern wird heute noch eher Medizin gegen die Unverträglichkeit verschrieben, als dass den Eltern einfach zu Pflanzenmilch geraten wird. Hier haben Medien und Lobby ganze Arbeit geleistet. Erst langsam sickert durch, dass der Genuss von Milchprodukten im Zusammenhang mit schwerwiegenden Erkrankungen wie Diabetes, MS und Krebs steht und dass Milchkonsum das Osteoporose-Risiko um ein vielfaches steigert. So viel schon mal zum Thema gesunde Knochen. Was ist ihre Meinung hierzu?

Dr. Platz: Sie haben die Frage bereits selber bestens beantwortet, dem ist Nichts hinzuzufügen.  (lacht)

Anne: Ein Patient (Fleischesser, Milchtrinker, Gelegenheitsraucher) wurde am Herzen operiert und ihm wurde von seinem Arzt näher gelegt, sich in Zukunft gesünder zu ernähren, um erneute  Komplikationen zu vermeiden. Was würden sie ihm sagen, wozu würden sie raten?

Dr. Platz: Nichts einfacher als das. „Ernähren Sie sich vegan, stellen Sie jeglichen Nikotinkonsum ein, betreiben Sie Ihrem Herzbefund entsprechenden Sport, also körperliche Bewegung. Sorgen Sie nach Möglichkeit für ein ausgewogenes Seelenleben, denn auch seelischer Stress ist für die körperliche Gesundheit nicht förderlich.

Anne: Gerade von Personen mittleren/fortgeschritteneren Alters hört man ja, wenn’s um’s Vegane geht immer wieder mal die Worte „Das ist alles ganz toll, ich würde das auch mal probieren, aber es ist mir einfach viel zu kompliziert. Da muss ich mich an so viele fremde Lebensmittel gewöhnen.“ Was raten sie hier?

Dr. Platz: Was soll daran kompliziert sein? Als Veganer lasse ich doch nur ungesunde, schädliche Substanzen, die in der Ernährung nichts zu suchen haben ,weg. Obst, Gemüse, alles, was Mutter Erde uns gibt, ist vorhanden. Leider, das ist aber die Folge des industriellen Nahrungsangebotes, auch bei der pflanzlichen Nahrung, gibt es heutzutage nicht mehr dieses Angebot an Obst- und Gemüsesorten, wie noch vor hundert Jahren. Dennoch ist genügend pflanzliche Nahrung überall erhältlich. Einem älteren Menschen, der in der Nachkriegszeit aufgewachsen ist und der damit in diesem industriellem Nachkriegs-Fleischkonsum-Wirtschaftwunderwahnsinn sozialisiert wurde, kann ein Umdenken hier durchaus etwas schwer fallen, durch logisches Denken sollte aber auch hier die Erkenntnis siegen. Man muss sich eigentlich gar nicht an fremde Lebensmittel gewöhnen.

Impfen – pro und kontra

Anne: In einigen Vegan-Foren im Internet kommt immer wieder das Thema „Impfen – pro und kontra“ auf. Wie stehen sie dazu? Gibt es Impfungen, die lebensnotwendig sind oder solche, auf die man besser verzichten sollte?

Dr. Platz: Hier kommen Sie zu einem sehr schwierigen, aber dennoch sehr wichtigen Thema in der Medizin. Grundsätzlich bedeutet Impfen ja, schwere oder sogar tödlich verlaufende Krankheiten zu verhindern, bevor diese überhaupt entstehen. Also eigentlich die schönste Form der Medizin, nämlich Prophylaxe oder Vorsorge betreiben, damit es gar nicht erst zu Krankheiten kommt. Wunderbar, wenn für die Herstellung dieser Vorsorgebehandlungen, sprich Impfungen, nicht das Leben anderer Lebewesen zerstört oder schwer beeinträchtigt würde, also andere Lebewesen ihr Leben verlieren oder selber krank würden. Das ist in keiner Weise zu tolerieren und kann und darf nicht die Ausgangsbasis für die Herstellung von Impfstoffen für den Menschen sein! Ich kann nicht die eigene Gesundheit auf dem Leid oder Tod eines anderen, gleichberechtigten Lebewesens aufbauen. Aus diesem Grund bin ich auch Mitglied in der Vereinigung „Ärzte gegen Tierversuche“, die sich u. a. zum Ziel gesetzt hat, Medikamente, und auch Impfstoffe sind Medikamente, ohne jegliche Versuche an anderen Lebewesen zu entwickeln. Hier ist es, denke ich, wieder die Profitgier der Pharmaindustrie, die solchen Entwicklungen zunächst aus rein finanziellen „Überlegungen“ entgegensteht. Auf diesen Industriebereich muss weiterhin konsequent, sowohl von Ärzten, als auch von der Bevölkerung eingewirkt werden. Bei unaufhörlicher Nachfrage, wird auch die Pharmaindustrie irgendwann neue Wege gehen müssen.

Anne: Bei Kosmetik- und Haushaltsprodukten hat man als Veganer heutzutage keine Probleme mehr, vegane Alternativen zu finden, die nicht an Tieren getestet wurden. Medikamente hingegen werden, bis heute an Tieren getestet, viele enthalten außerdem tierische Inhaltsstoffe. Ihre Meinung hierzu? Ist das derzeit noch die Grenze?

Dr. Platz: Bei dieser Frage kann und will ich mich direkt an das zum Impfen Gesagte beziehen. Das, was für das Impfen gilt, gilt natürlich für alle Medikamente. Außerdem weiß man schon lange, dass die Erkenntnisse aus schrecklichen Tierversuchen nicht oder nur sehr eingeschränkt auf Menschen übertragbar sind. Dadurch sind natürlich allein gemessen an dem Ziel der Tierversuche, nämlich gut verträgliche und wirksame Medikamente für Menschen zu finden, sämtliche Tierversuche von vornherein ohne signifikante Aussagekraft und damit im wahrsten Sinne des Wortes sinnlos und das auf dem Boden grausamster Misshandlungen und Tötungen.

Anne: Gibt es Vereine oder Organisationen, die sie außer „Ärzte gegen Tierversuche besonders unterstützen?

Dr. Platz: Ja, z. B. die „Albert-Schweitzer-Stiftung“ und die wunderbare Plattform des Kollegen Dr. med. Ernst Walter Henrich (ProVegan, Anm. d. Red.), die ich jedem wärmstens empfehlen kann. Gerade die unermüdliche Arbeit von Dr. Henrich hat bereits unendlich viel bewegt und Bewusstsein für die vegane Lebensweise geschaffen, wofür ich ihm mehr als dankbar bin. Des Weiteren die Schweizerische Vereinigung für Vegetarismus, Peta, den Vegetarierbund, der sich allerdings besser bald umbenennen sollte in Veganerbund. die Organisation Foodwatch, leider keine vegane Organisation, aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Anne: Ist Soja wirklich ungesund? Irgendwie hört man das in letzter Zeit immer häufiger. Ich kann das gar nicht glauben, bisher konnte ich auch noch keine negativen Effekte beobachten. Ist das nur wieder ein Versuch, uns Pflanzenessern das Essen madig zu machen, oder ist da wirklich was dran?

Dr. Platz: Die vegane Ernährung ist ja keine Ernährung bei der nur noch Sojaprodukte gegessen werden, um das gleich mal voranzustellen. Vegane Ernährung bedeutet für mich primär, sich von dem zu ernähren, was Mutter Erde möglichst aus unserer unmittelbaren Umgebung bereitgestellt hat. Alles, was man zu einseitig betreibt oder zu sich nimmt, ist nicht gesund, weil unausgewogen.

Würde man plötzlich nur noch Kartoffeln oder Spinat essen, wäre das sicherlich auch alles andere als gesund, auch wenn es vegan wäre. Vielfältigkeit und Ausgewogenheit ist wichtig.

Hier jetzt auf die biochemischen Strukturen und Unterschiede von sog. Phytoöstrogen und Östrogenen und deren jeweiligen Wirkungen einzugehen, würde sicherlich den Rahmen dieser Frage weit überspannen, denn darum geht es bei den immer wieder zu lesenden Bedenken. Dennoch will ich ganz kurz darauf eingehen.

In der Sojapflanze befinden sich Phytoöstrogene. Das sind pflanzliche Stoffe, die in der chemischen Struktur dem Hormon Östrogen ähneln, aber kein „wahres“ Östrogen sind. Die Phytoöstrogene können den Kontaktstellen für Östrogene im menschlichen Körper vorgaukeln, „Sieh her, ich bin ein Östrogenhormon“, und somit eine Besetzung der Kontaktstelle für Östrogen bewirken. Das kann wie der Druck auf einen Klingelknopf wirken und eine entsprechende hormonelle Reaktion auslösen, wenn auch meist schwächer. Andererseits kann aber auch eine normale Östrogenreaktion dadurch verhindert werden, da durch das Phytoöstrogen nun die entsprechende Kontaktstelle blockiert ist und somit das Östrogen nicht mehr abdocken kann um seine Reaktion zu initiieren. Klingt schwierig, ist es sicherlich auch.

Aus Studien in Asien, wo traditionell viel Soja gegessen wird, ging hervor, dass dort östrogenabhängige Krebserkrankungen wie Brustkrebs und Prostatakrebs geringer seien. Andere Studien besagen genau das Gegenteil, so dass es auch für mich letztendlich sehr schwierig ist hier zum jetzigen Zeitpunkt eine abschließende Festlegung zu geben. Positive Wirkungen der Phytoöstrogene sind bekannt in der Verminderung der Beschwerden in den Wechseljahren wie Hitzewallungen und wohl auch Stimmungsschwankungen, des Weiteren ist eine Verminderung der Osteoporose-Raten zu erwarten. Leider gesellen sich in der nun erfreulicherweise deutlichen Zunahme der veganen Ernährung in der Bevölkerung auch knallharte Geschäftsinteressen, so dass ich befürchte, dass von der Soja verkaufenden Industrie die guten Seiten des Sojas aus finanziellen Gründen sicherlich verstärkt dargestellt werden. Außerdem kommt dann noch die Problematik des gentechnisch veränderten Soja. Diese eventuellen Folgen gentechnisch veränderten Sojas betrifft allerdings eher die Omnivoren, da gentechnisch verändertes Soja besonders als Futtermittel für die Massentierhaltungsfütterung erzeugt wird. Es ist beim Soja wie mit der Ernährung überhaupt, sie soll abwechslungsreich sein, dann erhält der Körper auch alle notwendigen Substanzen, die er braucht und wird nicht einseitig überfüttert, bzw. bekommt keine Mangelerscheinungen.

Vegane Kinderernährung

Anne: Eine Frage kommt von meiner Redaktionskollegin Johanna: Vegane Kinderernährung – ja/nein? Was spricht dafür? Gibt es echte Argumente dagegen?

Dr. Platz: Es gibt nur Gründe für die vegane Ernährung von Anfang an, also auch für Kinder, weil ja dadurch die ganzen bekannten schädigenden Substanzen, die wir in der tierischen „Nahrung“ haben, dem Kind erspart bleiben. Also der ganze Cocktail aus Antibiotika, Hormonen, Anreicherungen von Stoffen jedweder Art, die den Tieren in der Futterbeimengung zur vermeintlichen Gesunderhaltung dienen sollen, in Wahrheit aber nur deshalb verabreicht werden, weil die Tiere sonst in der Massentierhaltung nicht überleben würden.

Anne: Nach meinem ersten Besuch in ihrer Praxis wurde ich von vielen Veganern gefragt, wo diese ist und ob es auch in ihrer näheren Umgebung einen veganen Arzt gibt. Wo muss ich nachsehen, wenn ich in meiner Stadt einen finden möchte?

Dr. Platz: Der VEBU bietet eine Suchmaschine an, in die man  nur die Postleitzahl eingeben muss. Sehr viele wirklich vegane Ärzte gibt es aber leider noch nicht.

Anne: Sie haben in Erlangen/Nürnberg an der Friedrich-Alexander-Universität studiert. Wie hat es sie nach Fischach verschlagen und woher stammen sie gebürtig?

Dr. Platz: Ja, ich habe sehr gerne an der wunderbaren Uni Erlangen mein Studium der Medizin absolviert und es zieht mich auch heute noch immer wieder dorthin, um zu sehen, wie es „meiner Uni“ geht. (grinst) Erlangen ist ein sehr schöner Ort zum studieren, besonders für Medizin. Nach dem Studium kommt man im Rahmen der weiteren Ausbildung in der Medizin meist an verschiedene Orte, so auch ich. Irgendwie bin ich dann hier im bayerischen Schwaben gelandet, zwischendurch auch in Hessen, um dann in Fischach meine Praxis zu eröffnen. Wie ich nun gerade auf Fischach gekommen bin, weiß ich heute gar nicht mehr. Ich erinnere mich aber, dass ich an einem Tag mit schönem Wetter auf der gegenüberliegenden Straßenseite stand. Das Haus selbst gab es noch gar nicht. Ich spielte in dieser Zeit mit dem Gedanken, eine Praxis zu eröffnen. Der Ort und die schöne Landschaft gefielen mir einfach sehr gut, und ich hatte mir selbst dort auf der Straße stehend die Frage gestellt, ob ich mir vorstellen könnte, hier eine Praxis zu eröffnen. Die Antwort war „Ja“. Letztendlich war es eine echte Bauchentscheidung, wie so oft im Leben nicht die schlechteste Art der Entscheidung. Aufgewachsen bin ich im Rheinischen, in der Nähe von Düsseldorf. Ich denke, die rheinische Leichtigkeit hilft mir manchmal durchaus weiter, wenn es mal wieder etwas zäher im Leben wird.

Anne: Lebt ihr komplettes Praxisteam vegan?

Dr. Platz: Leider noch nicht ganz, aber das Bewusstsein und das Interesse sind da, das Nachdenken darüber, sich damit zu beschäftigen und die Erkenntnisse umzusetzen, hat schon längst begonnen. Ich denke und hoffe, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist. Mein Team hört und sieht täglich von mir die Wichtigkeit und die Vorteile und ist sehr daran interessiert. Leider, wie so häufig, ist bei einigen das familiäre Umfeld noch nicht so weit, so dass hier wohl die größten Hindernisse in der vollständigen Umsetzung liegen dürften. Es kommen ja sehr viele Veganer zu mir und auch von denen sehen sie, besonders durch die zumeist sehr guten Untersuchungsergebnisse, wie gut und wichtig die vegane Lebensweise für die Gesundheit ist.

Anne: Und ihre Familie?

Dr. Platz: Da gibt es zu Glück überhaupt keine Dissonanzen, meine Frau ist genau wie ich Veganerin. Das Schönste an den freien Wochenenden, ist für uns immer die Kocherei, weil es so viel Freude und Spaß macht, sich zu überlegen welches gute, interessante und immer bestens schmeckende Essen wir uns zusammenstellen und genießen. Wir denken uns einfach intuitiv etwas aus, meist jede Menge Gemüse und zusätzlich Salat, und fangen mit dem Kochen an. Meine Liebste bezeichnet mich immer als Anarcho-Koch, weil ich eigentlich nie nach Rezepten koche, sondern dabei einfach meinen Ideen freien Lauf lasse und wir zwei dann loslegen. Bis jetzt hat es uns immer gut geschmeckt und ist uns bestens bekommen. Es ist so einfach vegan zu kochen, man braucht nur Lust und Freude an gutem Essen, und wie immer im Leben Fantasie und Kreativität.

Die „China Study“ und „Tiere essen“

Anne: Als das erste Mal in ihre Praxis kam, hatte ich das Buch „Tiere essen“ von J. S. Foer unter dem Arm, was ihnen glaube ich positiv aufgefallen ist. Einen veganen Literaturtipp hätte ich gerne von ihnen.

Dr. Platz: Mittlerweile gibt es zum Glück so viel, meist auch gute Literatur zu dem Thema, dass ich eigentlich gar keinen speziellen Tipp geben möchte, zumal ich selbst meist in der wenigen Zeit, die neben der Praxis bleibt, Fachliteratur lese und weniger Belletristik. Aber ansonsten natürlich die „Klassiker“, wie die „China Study“, aber natürlich auch „Tiere essen“ von J. S. Foer und „Peace Food“ von Rüdiger Dahlke.

Anne: Man hat sie in Augsburg schon auf der ein oder anderen Tierrechtsdemo gesehen, sie betreiben aktiv Aufklärung und schreiben selbst auf ihrer Homepage über das vegane Leben. Sie sind also mit vollem Einsatz dabei. Bleibt ihnen da überhaupt noch Freizeit? Wenn ja, wie verbringen sie diese?

Dr. Platz: Freie Zeit ist wirklich ein kostbares, weil sehr rares Gut für mich. Die „Lieblingsbeschäftigung“, das gemeinsame Kochen mit meiner Frau, erwähnte ich ja bereits, dazu gehört auch der gemeinsame Einkauf davor. Außerdem höre ich gerne Musik und fotografiere und filme gelegentlich. Der Sport kommt momentan leider viel zu kurz, ich gelobe Besserung für das neue Jahr! (lacht)

Anne: Ein Tipp, den sie jedem Veganer mit auf den Weg geben möchten?

Dr. Platz: Sich niemals von Quacksalbern beirren lassen! Vegan zu leben ist die gesündeste Art zu leben; gesund für den Globus, ehrlich zu den Mitgeschöpfen und gesund für das eigene leibliche Wohl!

Anne: Vielen Dank für das tolle Interview und die überaus aufschlussreichen Informationen!

Dr. Hanno Platz schreibt auf seiner Homepage immer wieder zu veganen Themen, er engagiert sich u. a. Für „Ärzte gegen Tierversuche“ und die „Albert Schweitzer Stiftung“. Eine Liste mit veganen Ärzten ist auf der Seite des VEBU zu finden.

Kommentare

  1. meint

    Ein schöner Artikel, vielen Dank! Sehr schade, dass viele Ärzte diesem Thema noch immer desinfomiert oder gar vernagelt gegenüber stehen. Vegan leben – nicht nur essen – ist so einfach!

  2. meint

    Supertoller Arzt.. schade, dass er soweit weg ist.. ich gehe nur zum Arzt, wenn es wirklich nicht mehr geht. Und als ich meine vegane Lebensweise mal angesprochen habe, wurde ich belächelt und es wurden Witze vom Arzt gerissen. Seit dem meide ich diese Praxis…
    Wunderbar, solche Menschen brauchen wir.. ich freu mich immer und es gibt Mut und Hoffnung, wenn man solche Dinge liest.
    DANKE an Dr. Hanno Platz

    • meint

      Für diesen Arzt ist mir kein Weg zu weit. Habe ihn bereits mehrfach empfohlen und meine Kunden – auch aus München – fahren zu ihm! Wenn er weiter weg ist, dann bietet sich ein Tag an, den man mit einem Spaziergang in Augsburg/Innenstadt wunderbar kombinieren kann….

  3. meint

    Ein super Interview, das Hoffnung macht! Vielen Dank dafür!
    Man kann nur hoffen, dass sich ihm viele seiner Kollegen anschließen werden.
    Viele Grüße,
    Dominique

  4. VITESHA BENDA meint

    Sehr interessantes Interwiev. Danke! Es ist gar nicht so einfach immer konsequent vegan zu bleiben, wenn das Umfeld, sprich Familie, es nicht „wirklich“ mitmachen will. Dennoch habe ich es schon ein Jahr geschafft und es geh mir seh gut damit.

    Mit lieben Grüssen
    Vitesha Benda

    • meint

      Ich finde, dass man „Kritiker“ oft mit Kreativität überzeugt bekommt.
      Ich liebe die Gerichte von Atilla Hildmann und Jerome Eckbert. Die haben so coole und leckere
      Rezepte, dass in der Regel auch die Fleischesser überrascht sind.

      Viele meiner Patienten konnten gerade durch Hildmann zu Hause einiges erreichen, woran
      sie vorher nie geglaubt hatten.

  5. meint

    Sehr schönes Interview. Vielen Dank dafür.
    Ich selbst bin Heilpraktiker, und nach langer Zeit vegetarischer Ernährung mit gelegentlichen tierischen Ausrutschern leben wir nun auch seit dem Sommer vegan.
    Ich finde es nur schade, dass wir Heilpraktiker in vielen Bereichen immer noch nicht voll und ernst genommen werden, wo gerade wir mit der Zeit, die wir uns für die Patienten nehmen können, wichtige Aufklärungs- & Beratungsdienste leisten können.
    Natürlich gibt es auch in unserem Berufsstand die unter Hochdruck stehenden, rauchenden Fleischesser, aber von einer Suchmaschine für vegane Heilpraktiker habe ich noch nie etwas gehört…

    • Dr. Hanno Platz meint

      Lieber Herr Schlimpen,
      Danke für Ihren freundlichen Kommentar zu dem Interview. Ich bin sehr, sehr froh, dass gerade auch viele Heilpraktiker sich für die vegane Lebensweise sehr engagiert mit einsetzten. Ich selber kenne und schätze Heilpraktiker die sehr fundiert und mit großem Wissen hier auf der gleichen Ebene arbeiten und wundervolle Dienste leisten. Nochmal Danke dafür.
      Vom VEBU gibt es auch für Heilpraktiker eine Suchmaschine um veggie- oder veganfreundliche Heilpraktiker zu suchen. Ich füge hier den Link zu diesem Suchdienst mit ein:

      https://vebu.de/themen/gesundheit/veggiefreundliche-heilpraktiker

      Ganz herzliche und freundliche Grüße an Sie,
      Dr. Hanno Platz

  6. Nicole Sonnberger meint

    Auch mir war der Weg nicht zu weit von Altötting zu diesem liebevollen, herzlichen Arzt, bei dem ich mich sofort gut aufgehoben, beraten wie verstanden gefühlt habe. Nachdem ich selbst einige Jahre als Krankenschwester Einblicke hatte, muß ich einfach sagen, dass es uns grundsätzlich an solchen leidenschaftlichen Menschen fehlt, die sich ihre Arbeit zur LEBENSAUFGABE machen. Was sie, Herr Dr. Platz allein durch ihre Aura versprühen ist eine Wohltat für jeden Patienten! Ich hoffe, Sie vermögen noch viele Menschen zu inspirieren!
    Herzliche Grüße

    Nicole Sonnberger

  7. sol meint

    Vielen Dank für dieses lesenswerte, ermutigende Interview!
    Leider sind vegane Ärzte oft nur mit viel Glück zu finden, oder über Empfehlung.
    Wir als vegane Insider wissen um vegan-dienliche Informationsquellen, andere meist nicht.
    Kenne keinen Arzt oder HP, der den Begriff „vegan“ als Zusatz auf dem Schild zu stehen hat
    (was nachvollziehbar ist!)
    Deshalb gehe ich (vegane Ernährungsberaterin) in jede Beratung mit Copien aller relevanter Infoquellen, die dankend genommen werden und empfehle gern, so ich Infos habe,
    gern an „vegane Beratungsinstanzen“ weiter.
    Zudem verfolge auch ich von Anbeginn kritisch die Diskussionen unterschiedlicher Interessensgruppen (Qui bono?!) bzgl.:
    Nahrungergänzungsmittel, Vitamine, Sojaprodukte etc.
    Diese empfehle ich immer nur sehr differenziert und individuell (Vitaminstatus, bisherige Ernährunsvorlieben etc.)
    Meine Einbeziehung des „ayurvedisch- veganen“ Ernährungsstils richtet zusätzlich den Blick auf die kostengünstige, nachhaltige Heilkraft von speziellen Gewürzen, Gewürzmischungen, die m.E. bei der Diskussion und „Hype“ um NahrungsErgänzungsMittel leider oft außer Acht gelassen werden.
    Abschließend noch zum Thema Soja:
    wir organiserten vor vielen Jahren einen internationalen Frauengesundheitskongress; die Aussage einer chinesischen Gynäkologin auf dem Podium beschäftigte mich, (damals noch Vegetarierin) nachhaltig:

    „Alle Frauen in Kulturen, in denen KEINE Milchprodukte verzehrt werden, sondern stattdessen Soyaprodukte, kennen kaum Wechseljahresbeschwerden, zudem existiert
    das Wort ‚Hitzewallungen‘ (oder ein Synonym) schlichtweg nicht“.
    (Wobei sie allerdings m.E. Sojasprossen und eher „fermentierte“ Sojaprodukte meinte.)

    Gern weise ich aktuell eher auf die wohlschmeckenden heimischen Lupinenprodukte hin, die es mittlerweile auch in fast allen Bioläden gibt…
    Veggigrüße Sol :-))

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