Ein Ensemble für den Tierschutz – Interview mit Kathrin Eva Schmid vom Tierschutztheater

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„Schauspielerin, Moderatorin, Tierschützerin, vegan“, so steht es auf Kathrin Evas Visitenkarte. Ich habe mich mit dem Multitalent zum Interview verabredet. Beim Münchener Tierschutz-Theater handelt es sich um ein bisher einmaliges Projekt. Idealismus und darstellende Kunst sollen verbunden und damit Fakten visuell und emotional zum sprechen gebracht werden. Die Stücke tragen Namen wie „Stumme Helden“ (Theater gegen Tierversuche), „Roses Memories“ (Die Geschichte einer alten Frau), „Manche sind gleich“ (Aber andere sind gleicher) und „4 Hours On Escape“.

Interview mit Kathrin Eva Schmid Vorsitzende des Tierschutz-Theaters München

Kathrin Eva Schmid

Kathrin Eva Schmid

Unterstützt wird das Theater unter anderem durch die Ärzte gegen Tierversuche e. V., ANIMAL PEACE e. V. und Animal 2000. Nicht nur im Theater, sondern auch auf der dazugehörigen Homepage klärt Kathrin Eva auf. Das Thema Tierschutz und die Rechte der Tiere liegen ihr sehr am Herzen.

Das Ensemble bietet auch außerhalb des Theaters Auftritte an, gebucht werden kann zu jedem Anlass, lediglich die Fahrtkosten, sowie Kost und Logis für die Schauspieler müssen übernommen werden.

Anne: Hallo Kathrin Eva! Vielen Dank, dass du dir die Zeit für das Interview nimmst! Ich freue mich wirklich sehr, deine Bekanntschaft zu machen!

Kathrin Eva: Die Freude ist ganz meinerseits.

Anne: Das Tierschutz-Theater ist ein unabhängiger Verein, der sich 2009 gegründet hat, wenn ich richtig informiert bin. Wie seit ihr auf die Idee gekommen?

Kathrin Eva: Das Projekt Tierschutztheater gibt es seit 2009. Ein eingetragener Verein (e.V.) sind wir erst seit März 2014. Das Bündnis tie.re, das damals mehrere Münchner Initiativen vereinte, plante den Tierrechtstag 2009. Es sollte eine Bühne geben und man überlegte, was man darbieten könnte. Es war unter anderem die Rede von Kochshows, Reden und Vorträgen. Ganz spontan kam mir die Idee, man könne auch ein Theaterstück aufführen und ich platzte völlig unüberlegt damit heraus.

Ich war damals noch ganz neu in diesem Bündnis und plötzlich waren alle Blicke auf mich gerichtet. Man fand die Idee gut und fragte, ob ich mich darum kümmern wolle. Tja und schon hatte ich das an der Backe und dachte mir erstmal „Oh Gott, was hab ich mir da jetzt aufgehalst?“. Ich fragte dann in dem Theater, in dem ich zu der Zeit spielte ein paar Leute. Schnell waren wir zu siebt und es entstand ein Fünfzehnminüter gegen Tierversuche.

Eigentlich war es niemals geplant, mehr als eine Vorstellung zu geben, das hat sich einfach so entwickelt, wir wurden immer wieder gefragt, irgendwann auch speziell zu einem Auftritt an einem ökumenischen Kirchentag. Da ich unser Tierversuchsstück nicht mit Kirche verknüpfen konnte, schrieb ich dann nochmal ein Stück, in dem Gott bzw. ein Engel vorkommt.

Nach und nach kamen immer mehr Stücke dazu. 2014 zu unserem fünfjährigen Jubiläum, überlegten wir uns dann, dass es Zeit ist für „mehr“. Ich gründete den Verein und schrieb mein erstes professionelles, zweistündiges Stück für eine richtige Theaterbühne, zuvor hatten wir nur Kurzstücke auf der Straße aufgeführt. Unser Ensemble bestand inzwischen aus 19 Leuten.

Das Stück war ein voller Erfolg, wir waren nicht nur ausverkauft, sondern sogar hoffnungslos überbucht. Das Theater bat uns spontan um eine Zusatzvorstellung, die genauso voll war. Die Zuschauer waren restlos begeistert und seither bin ich vor Ideen und Tatendrang nicht mehr zu bremsen.

Kathrin Eva mit ihrem Kater

Kathrin Eva mit ihrem Kater

Anne: Wer waren die Gründungsmitglieder?

Kathrin Eva: Felicitas Sragalj, Sabrina Burghart, Elvan Dogan, Murat Öztürk, A. J. Gimbel, Denis Gülbay und ich.

Anne: Wie viele Mitglieder hat der Verein heute?

Kathrin Eva: Leider sind noch nicht so viele dazugekommen, wir zählen heute elf Mitglieder. Es ist aber auch kaum jemand Mitglied, der sich für das Projekt engagiert. Im Laufe der letzten Jahre haben bei uns sicher über 30 Leute mitgespielt, wovon lediglich vier zu den Vereinsmitgliedern zählen. Auch ehrenamtliche Helfer (Grafiker, Webdesigner etc.) helfen uns, ohne dem Verein beizutreten.

Anne: Was ist euer Motto?

Kathrin Eva: Puh, wir haben keins. Ehrlich nicht.

Anne: Wann finden eure Auftritte statt?

Kathrin Eva: Wann immer wir irgendwo angefragt werden, auf Tierrechtsveranstaltungen hier in München und seit der Vereinsgründung sind wir nun auch zum zweiten Mal selbst Veranstalter.

Anne: Welches Thema liegt dir, wenn es um Tierschutz geht besonders am Herzen?

Kathrin Eva: Tierversuche. Was mich an ihnen besonders mitnimmt ist ihre Grenzenlosigkeit. Hier gibt es gar keine gesetzliche Reglementierung. Die sogenannte Grundlagenforschung muss gar keinen wissenschaftlichen Nutzen erzielen, bei ihr geht es um den reinen Erkenntnisgewinn an sich. Wenn also den Forscher interessiert, wie lange Affen schwimmen können, bis sie ertrinken oder ob man einem Hund die Beine amputieren und anstelle dessen, die Pfoten einer Katze annähen kann, so darf er das.

Den Forschern fallen da viele, sehr perverse Dinge ein und die Vorstellung, dass sie alles, was immer sie wollen, mit diesen Tieren tun dürfen, ist sehr gruselig. Richtig abartig wird es auch in der Erforschung von psychischen Krankheiten oder Medikamenten gegen Schmerz. Meerschweinchen werden in kochendes Wasser getaucht, um anschließend Brandsalben an ihnen zu testen. Um bei einem Tier künstlich eine „Depression“ zu erzeugen, die mit der menschlichen Depression gar nicht vergleichbar ist, wird dieses Tier einfach auf unvorstellbare Weise, über einen sehr langen Zeitraum außerordentlich gequält. Den Forschern fallen dann solche fiesen Dinge ein, wie zum Beispiel den Futternapf zu elektrisieren.

Anne: Du lebst selbst vegan. Seit wann? Hattest du besondere Vorbilder?

Kathrin Eva: Ehrlich gesagt noch nicht all zu lange, also im Verhältnis dazu, wie lange ich schon vegetarisch lebe und mich für Tierrechte einsetze. Ich kann auch keinen genauen Zeitpunkt nennen. Hier sollte ich vielleicht etwas ausholen. Also vegetarisch hätte ich, wenn es nach mir ginge, schon immer gelebt. Schon als ganz kleines Mädchen mit vier, fünf Jahren, als ich zum ersten Mal verstanden habe, dass das was da auf meinem Teller liegt, ein eigens dafür getötetes Tier ist, wollte ich kein Fleisch mehr essen.

Leider komme ich aus einem sehr strengen Elternhaus. Da hat es keine Rolle gespielt, was ich wollte und meine Eltern waren der Ansicht, Fleisch sei wichtig für den Körper. Mit 12 Jahren wurde ich dann von einem Auto angefahren und lag eine Woche im Krankenhaus. Dort wurde ich von selbst gefragt, ob ich „normales“ Essen oder vegetarisches haben möchte. Dass mir sogar ein Krankenhaus die Wahl lies, war das entscheidende Argument, mit dem ich meine Eltern dann letztendlich umstimmen konnte.

Vegetarisch war dann also geschafft, dank eines Autounfalls. Aber vegan? Keine Spur, nicht mal ansatzweise kam mir das in den Sinn. Vermutlich habe ich lange Zeit kein höheres Ziel angestrebt, weil es für mich so schwer war, mir den Vegetarismus zu erkämpfen. Ich hatte auch ehrlich gesagt ziemlich naive Vorstellungen, wie Milch und Eier produziert werden. Erst etwa eineinhalb Jahrzehnte später wurde mir bewusst, welch großes Leid ich tatsächlich damit verursache und damit den Entschluss gefasst, auf vegan umzusteigen.

Leider habe ich sehr lange dafür gebraucht, es vergingen rund zwei bis drei Jahre, ganz genau kann ich es gar nicht sagen. Zuerst ließ ich die Milch weg, später die Eier, von Käse konnte ich mich am längsten nicht trennen und selbst als ich alles aus dem eigenen Kühlschrank verbannt hatte, war ich immer noch nicht konsequent, wenn ich unterwegs oder irgendwo eingeladen war. Ich schätze mal, dass ich jetzt seit vier oder fünf Jahren richtig vegan lebe.

Anne: Was war für dich der Auslöser, vegan zu leben?

Kathrin Eva: Mein Gewissen. Als ich erstmal begriffen habe, dass der Verzehr von Milch und Eiern schlimmer ist, als der Verzehr von Fleisch, da die Tiere, die diese „Produkte“ liefern, am Ende ebenfalls im Schlachthof landen, davor nur einen wesentlich längeren Leidensweg hinter sich haben, konnte ich es moralisch nicht mehr rechtfertigen.

Anne: Du bist Schauspielerin, Moderatorin und aktive Tierschützerin. Ich stelle mir vor, dass dein Alltag mitunter ganz schön stressig sein kann. Wie schaffst du das alles unter einen Hut zu bringen?

Kathrin Eva: Das hört sich nicht nur stressig an, das ist es auch. Ich kann mich gar nicht mehr erinnern, wann ich zuletzt mal einen Abend lang nichts getan habe.

Erwähnen sollte ich vielleicht auch noch, dass ich von alledem nicht leben kann, das heißt, ich gehe auch nebenbei noch als Sekretärin jobben. Mit der Schauspielerei und Moderation verdiene ich zu wenig und viel zu unregelmäßig, um meine Miete bezahlen zu können. Den Tierschutz mache ich ehrenamtlich, verdiene also gar nichts damit. Ich komme in der Woche selten auf weniger als 60 Stunden. Geld verdiene ich nur knapp mit einem Drittel dieser Zeit, was mir aber nichts ausmacht, da ich sowieso viel zu beschäftigt bin, um welches auszugeben.

Wie ich das schaffe, das alles unter einen Hut zu bringen? Gute Frage, dass frage ich mich oft selbst. Manchmal weiß ich selber gar nicht, wie ich alles schaffen soll, was zum Beispiel bis zu einem bestimmten Termin erledigt werden muss. Aber irgendwie klappt es dann doch immer, auch wenn ich dafür oft tagelang nicht mehr als 3 Stunden Schlaf pro Nacht bekomme.

Irgendwie kann ich aber auch nicht kürzertreten, ich brauche die Dauerbeschäftigung. Nichts ist für mich anstrengender, als nichts zu tun. Davon werde ich sogar aggressiv. Das merke ich zum Beispiel ganz besonders, wenn ich mit einer Grippe oder etwas Ähnlichem flachliege. Das Rumliegen macht mir dann mehr zu schaffen, als die Krankheit selbst. Genauso wenn ich im Büro nicht vollständig ausgelastet bin, also weniger zu tun ist, als ich an vereinbarten Stunden noch abzusitzen habe, ich kann sowas nicht genießen, für mich ist das pure Qual.

Anne: Ihr tretet ja auf Wunsch auch bei diversen Veranstaltungen und Demos auf. Was war für dich der bisher interessanteste Auftritt?

Kathrin Eva: Der erste. Das war schon ein starkes Gefühl, eine Geschichte, die man sich ausgedacht hat, zum Leben zu erwecken und einem öffentlichen Publikum zu präsentieren, das am Ende auch noch klatscht.

Inzwischen ziehe ich mich ja auch weitestgehend zurück. Es ist schwierig, Regie zu führen, wenn man selbst auf der Bühne steht. Man sieht die Szene nicht aus dem Blickwinkel des Zuschauers. Außerdem hat man den Kopf so voll, bei den Proben kommen ständig alle an mit Fragen wie: „Wo ist mein Kleid?“, „Darf ich zum Rauchen gehen?“, „Können wir nicht eher Schluß machen?“, „Ich hab dieses oder jenes Requisit verlegt und finde es nicht mehr, was soll ich tun?“. Da schwirrt einem der Kopf ganz schön und man hat weder die Konzentration noch die Ausgeglichenheit um sich in seine Rolle zu versetzen. Als ich die Videoaufnahmen von „4 hours on escape“ gesehen habe, war ich über meine eigene Spielleistung entsetzt, das war grauenvoll. So schlecht bin ich sonst nicht. Einfach nicht richtig bei der Sache. Regie und Spiel das geht einfach nicht. Zumindest für mich. Insofern übernehme ich nach Möglichkeit nur noch kleine Nebenrollen in meinen eigenen Stücken. Was auch den Vorteil hat, dass ich quasi ein „Joker“ bin, falls jemand krank wird oder abspringt. Ich kenne den Text und die Handlungen von allen Figuren und kann spontan für jede Rolle einspringen.

Anne: Deine Lieblingsrolle?

Kathrin Eva: Hannelore aus unserem Vegan-Sketch „Die Wirtsstubn“. Hannelore sagt alle Sachen, die mich immer an die Decke bringen, wenn ich sie von anderen höre. Sie möchte ihrem Sohn erklären, wie dumm es doch ist, vegan zu sein und verweist dabei auf die menschlichen Eckzähne oder erörtert eine drastische Szenerie, was passieren würde, wenn plötzlich alle Menschen auf einmal gleichzeitig Vegetarier würden. Gerade die dummen Argumente zu parodiesieren, über die ich mich knapp 30 Jahre lang immer wieder geärgert habe, macht wahnsinnig Spaß.

Anne: Im Tierschutz-Theater setzt ihr euch ja aktiv gegen Pelze ein. Wie erklärst du dir die wieder aufkeimende Pelzmode? Wie kann es überhaupt sein, dass so viele Leute mit einer Pelzkapuze herumlaufen und zum Teil nicht mal wissen, was sie da tragen.

Kathrin Eva: Witzig, dass Du das gerade ansprichst. Wir planen derzeit eine kleine Kampagne dagegen. Ich habe mich in einem Kunstpelz ablichten lassen. Die Bilder erscheinen am Ende auf unserem Blog und werden in den sozialen Netzwerken geteilt.

Wie ich mir das erklären kann? Ehrlich gesagt gar nicht. Ich verstehe es nicht und werde es nie verstehen. Besonders, weil so viele Menschen Pelz tragen, die sich sonst total rücksichtsvoll und umsichtig verhalten. Pelzkragenträger halten mir in der U-Bahn die Tür auf, oder lassen mich an der Kasse vor, sie stehen im Bus auf und überlassen älteren Leuten ihren Sitzplatz oder werfen Geld in den Hut eines Bettlers. Ich versteh es nicht und habe keine Erklärung dafür.

Anne: Was kann man für eine bessere Aufklärung tun?

Kathrin Eva: Ich fürchte, die Leute sind eigentlich genug aufgeklärt. Ich höre das auch ständig, wenn ich welche anspreche: „Ja, ich weiss, aber das ist mir egal“ oder „Na und?“.

Ich glaube, das Einzige was da hilft, ist dauerndes Ansprechen. Wenn diese Leute schon kein Mitgefühl mit den Tieren haben, dann sollten sie wenigstens spüren, dass man sie dafür schief anschaut. Meine Hoffnung ist, dass solche Leute, wenn sie jedes, oder jedes zweite Mal, wenn sie das Haus mit so einem Ding verlassen, angepöbelt werden, so dass sie die Freude an ihrer modischen Errungenschaft verlieren. Insofern ansprechen, ansprechen, ansprechen. Bis es ihnen schlichtweg zu blöd wird.

Anne: Thema Speziesismus: Ein Hund oder eine Katze wird als Haustier gehalten und darf im Bett schlafen, ein Schwein ist hingegen ein Nutztier, wird geschlachtet und gegessen, Kühen werden die Kälber entzogen, damit Menschen ihre Milch trinken können. Wie erklärst du dir dieses Phänomen? Wie ist es zustande gekommen?

Kathrin Eva: Da geht es mir genauso wie mit der Frage nach dem Pelz. Ich verstehe es nicht und werde es nie verstehen. Für sind schon seit meiner frühesten Kindheit alle Tiere gleich. Selbstverständlich habe ich „Lieblingstiere“ gehabt. Aber auch die, nach denen ich weniger verrückt war, hätte ich nie schlecht behandelt, ihnen Leid zugefügt oder die Schulter gezuckt, wenn ihnen vor meinen Augen jemand Leid zugefügt hätte. Ich verstehe es nicht, wie man da unterscheiden kann. In meinen Augen ist das rassistisch. Zu unterscheiden ist für mich genauso verwerflich, wie beispielsweise Menschen mit einem bestimmten Hautton über andere zu stellen.

Anne: Wie konnte es zu der heutigen Intensivtierhaltung kommen?

Kathrin Eva: Das ist ganz einfach. Die Menschen wollen so viel Fleisch, wie nur irgendwie möglich essen und gleichzeitig aber so weit wie möglich von der Tierhaltung entfernt sein. Also müssen die Tiere auf wenige Sammelplätze zusammengepfercht werden.

Anne: Wann hast du dich das erste Mal mit dem Thema Tierschutz beschäftigt?

Kathrin Eva: Bereits im Alter von 10 Jahren habe ich mich aktiv für die Rechte der Tiere eingesetzt, z.B. Unterschriften gegen Tierversuche gesammelt, Referate in der Schule gehalten, Artikel in der Schülerzeitung veröffentlicht usw.

Anne: Wie kann man euch buchen?

Kathrin Eva: Am besten einfach bei uns anfragen. Wenn es irgendwie möglich ist, richten wir es ein. Falls der Auftritt außerhalb Münchens ist, würden wir uns wünschen, dass die Fahrtkosten für alle Darsteller und gegebenenfalls auch die Verpflegung übernommen werden, falls wir für den Auftritt den ganzen Tag unterwegs sind. Das kommt auch drauf an, was wir wann spielen sollen. Wenn wir nochmal eine Auffrischungsprobe benötigen, ist es auch möglich, dass Kosten für die Raummiete des Proberaums anfallen. Aber das lässt sich alles absprechen. Wir kommen da sehr entgegen und machen möglich, was uns möglich ist.

Anne: Kann man eure Auftritte auch im Internet bewundern? Gibts es Links?

Kathrin Eva: Ja, hier sind alle Links zu allen Aufnahmen zu finden.

Anne: Euch ist es besonders wichtig, Informationen weiterzugeben, ohne dabei als Moralapostel zu erscheinen. Wie schafft ihr diese Gratwanderung?

Kathrin Eva: Das ist jedes Mal eine knallharte Herausforderung. Hier gilt: Weniger ist mehr! Je mehr Fakten ich also im Stück zulasse, umso besser. Oft ist es richtig schwierig, zu entscheiden, was gekürzt werden muss. Am Anfang ist immer mehr drin als gut ist. Mir ist es außerdem sehr wichtig, dass zwischen den Figuren niemals Aussagen fallen wie „Das darfst Du nicht“, weil das auch ein „Das darfst Du nicht“ an den Zuschauer wäre, ihn negativ stimmt und somit seine Aufnahmebereitschaft für das Thema stoppt.

Anne: Ihr werdet von diversen Tierschutz-Organisationen unterstützt. Bist Du selbst Mitglied in einer?

Kathrin Eva: Derzeit nur noch bei den Ärzten gegen Tierversuche. Früher war ich bei noch anderen, aber das  habe ich alles wegen der Mitgliedsbeiträge reduziert. Mein Geld stecke ich jetzt lieber in meinen eigenen Verein, also das Tierschutztheater, das im Moment noch jeden Cent nötig hat.

Anne: Wie schafft man es, dass sich Leute für den Tierschutz interessieren, denen das Thema bislang egal war?

Kathrin Eva: Dafür gibt es keine Geheimformel, weil einfach jeder Mensch unterschiedlich ist. Jeder spricht auf etwas anderes an. Manche Menschen, sind einfach gefühlskalt und werden sich niemals überzeugen lassen. Beim Großteil besteht aber Hoffnung. Einige erreicht man durch gute Argumente und Fakten. Andere durch grausame Bilder/Videoaufnahmen.

Wieder andere, dürfen gar nicht zu extrem mit der Thematik konfrontiert werden, weil sie dann komplett abblocken, vermutlich aus Selbstschutz, weil sie die Schuldgefühle nicht ertragen und sich selbst nicht eingestehen wollen, wofür sie verantwortlich sind. Gerade diese, sind die Zielgruppe unseres Vereins. Sie müssen aufgeklärt werden, ohne sich schuldig zu fühlen. Die Informationen erhält der Zuschauer also nicht direkt, sondern er darf stattdessen miterleben, wie eine fiktive Figur diese Informationen erhält und damit umgeht, wie eine fiktive Figur ihr Verhalten ändert. Der Zuschauer fühlt sich in diesem Moment nicht selbst angesprochen, stimmt der Entscheidung der fiktiven Figur aber aus vollem Herzen zu. Der Wunsch, sich selbst so zu verhalten, keimt dann von ganz alleine auf. Das klappt natürlich nicht bei allen Zuschauern, aber wenn wir pro Vorstellung nur 1 Menschen „anstupsen“, dann haben sich alle Kosten und Mühen schon gelohnt.

Der gleiche Trick funktioniert übrigens auch mit den Darstellern, die am Projekt teilnehmen. Fast alle, die sich auf unsere Projekte bewerben, leben zu Beginn noch Omnivor, sie machen nur mit, weil sie gerne auf der Bühne stehen. Doch dann haben sie plötzlich das Textbuch in der Hand und lesen Dinge, die sie vorher nicht wussten. Doch sie lesen sie nicht nur einmal, nein sie müssen sie duzende Male lesen, beim Lernen des Textes, bei den Proben werden die Szenen ja dutzende Male wiederholt. Man kann nichts verdrängen oder vergessen, das man schon hunderte Male ausgesprochen hat, die Reaktion der Figur, die die Fakten erfährt, immer und immer wieder gespielt und dem Publikum gezeigt hat, wie betroffen und traurig es einen macht. Außerdem gibt es bei unseren Proben und Veranstaltungen ausschließlich veganes Essen. Erst wird es gegessen, weil nichts Anderes da ist und dann stellt man fest: „Oh, das schmeckt ja und ich bin sogar satt!“

Anne: Im Oktober wurde das Tierschutz-Theater in das BBT (Bündnis Bayerischer Tierrechtsorganisationen) aufgenommen. Herzlichen Glückwunsch noch dazu. Was bedeutet das im Einzelnen für Euch?

Kathrin Eva: Stärker aufgestellt und besser vernetzt zu sein und erfahrene Kontakte zu haben. Beim zweiten Treffen des Bündnisses, hat sich z.B. eine Dame angeboten, uns bei der Buchhaltung zu unterstützen. Damit hatte keiner von uns zuvor Erfahrung. Die Dame hat uns wirklich sehr geholfen und ist jetzt auch Mitglied.

Zum August treten wir noch einem weiteren Bündnis, dem „Verband Bayerischer Amateurtheater“ bei, wodurch wir diverse Vergünstigungen (z. B. bei Versicherung und GEMA), sowie ein umfangreiches Fortbildungsangebot, Beratung, Rechtsbeistand und vieles mehr erhalten.

Anne: Bist du ausgebildete Schauspielerin? Oder hast du vorher was anderes gemacht? Erzähl uns ein Bisschen was von deinem Werdegang.

Kathrin Eva: Leider nicht und ich kann es auch nicht werden, da ich bin zu alt bin, die Schauspielschulen haben knallharte Altersgrenzen. Außerdem sind sie ziemlich teuer, zwischen dreihundert und fünfhundert Euro drückt man da im Monat für Vollzeitunterricht ab. Wie soll ein junger Mensch, der die Altersgrenzen noch nicht erreicht hat, eine solche Gebühr auftreiben und zugleich Miete zahlen, ohne ausreichend arbeiten zu können? Ich wurde von meinen Eltern nicht unterstützt, musste schon während meiner Ausbildung (zur Versicherungskauffrau) für Miete und Lebensunterhalt selbst aufkommen. Geld für eine Schauspielschule hätte ich nicht gehabt.

Außerdem benötigt man für die Ausbildung zum Schauspieler Abitur. Das habe ich erst über den zweiten Bildungsweg, die Berufsoberschule, nachgeholt. Nach Erreichen des Abiturs war ich für einige Schauspielschulen schon zu alt, durfte nicht mal vorsprechen. Die Schauspielschulen, bei denen ich mich zu diesem Zeitpunkt noch bewerben konnte, waren allerdings noch teurer und auch nach dem Abitur hatte ich noch kein Geld. Nach ein paar Jahren Vollzeitarbeit im Büro hätte ich das angespart gehabt, doch dann war ich für alle schon zu alt.

Leider wird auf dieses Diplom hier in Deutschland unglaublich viel Wert gelegt. Unabhängig davon wie viel Talent und Erfahrung man hat, keine professionelle Schauspielagentur nimmt einen ohne Diplom überhaupt in der Kartei auf, nicht mal die Künstlervermittlung vom Arbeitsamt. Nur in Komparsenagenturen kommt man unter. Die vermitteln aber nur Kleindarstellerrollen, so bis 20 Sätze etwa. Doch auch wenn man schon 50 oder 100 solcher Rollen hatte und wirklich gut gespielt hat, ersetzt das kein Diplom.

Anne: Hast du Haustiere?

Kathrin Eva: Aber ja, einen Kater, einen kleinen türkischen Herzensbrecher. Und er hat mich voll im Griff. Das kleine Miststück weiß leider ganz genau, wie es mich dazu bringt, alles zu tun, was es will. Ich komm da irgendwie nicht dagegen an. (Lacht)

Anne: Wie stehst du im Allgemeinen zur Haustierhaltung?

Kathrin Eva: Ich mag das Wort nicht. „Haustier“. Mein Kater ist für mich mein Kind, das ich unendlich liebe. Solange es ihm gut geht, geht es mir gut und so sollte es auch sein. So ein Tier ist hilflos, wenn es auf einen Menschen angewiesen ist. Der Mensch, der ein Tier bei sich zu Hause aufnimmt, muss sich zuerst um das Tier kümmern und dann um die eigenen Interessen, weil es selbst seine Interessen nicht wahrnehmen kann. Genauso wie man Frauen und Kinder zuerst ins Rettungsboot einsteigen lässt. Nur wer ein Tier als Familienmitglied oder Kind betrachtet und nicht als „Haustier“, wird es auch wirklich gut behandeln.

Anne: Kochst du gerne?

Kathrin Eva: Au ja! Für mein Leben gerne.

Anne: Dein liebstes veganes Gericht? Magst du uns das Rezept verraten?

Kathrin Eva: Das Einfachste ist am besten: Spaghetti mit Tomatensauce. Ich mache die Sauce komplett selber, die Tomaten werden frisch püriert. Das macht die Soße zwar sehr wässrig, eher wie eine Suppe, aber dafür eine unendlich köstliche, frisch-tomatig schmeckende Suppe.

Anne: Eine Sache, die jeder für den Tierschutz tun sollte?

Kathrin Eva: Vegan sein. Ganz ehrlich, das ist das Mindeste.

Man kann von niemandem erwarten, dass er/sie sich aktiv für Tiere oder gegen Tierausbeutung einsetzt. Denn es gibt vieles auf dieser Welt, wo Engagement nötig ist. Alte Menschen zum Beispiel oder Behinderte, kranke Kinder, Krieg, Unterdrückung von Frauen. Kein Mensch kann sich überall engagieren, dennoch sind alle diese Themen wichtig. Da gibt es auch keine „Wichtigkeitsskala“. Wenn sich jemand beispielsweise gegen Zwangsehen von kleinen Mädchen einsetzt, ist das absolut genauso wichtig und notwendig, wie sich gegen Tierversuche zu engagieren. Ich habe das aber nie getan, also ich habe mich in diesem Bereich nie engagiert. Wie könnte ich also fordern, dass irgendjemand seine Zeit ausgerechnet für Engagement für die Rechte der Tiere aufwendet? Das steht mir nicht zu.

Aber ich kann an jeden Menschen appellieren, wenigstens kein Tierleid selbst zu verursachen. Genau das tut man aber, wenn man Tierqualware konsumiert. Nur vegan zu sein, ist jeder Mensch den Tieren schuldig.

Anne: Vielen Dank für das nette Interview! Ich wünsche weiterhin viel Erfolg mit dem Tierschutz-Theater!

Wer das Tierschutz-Theater gerne unterstützen möchte, kann das hier tun.

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