Erosion unserer Böden – nur noch 60 Ernten, dann ist Schluss?

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Erosion - nur noch 60 Ernten
Nur noch 60 Ernten, dann ist Schluss. Davor warnte 2014 am Welttag des Bodens eine Vertreterin der Weltagrarorganisation FAO. Die Erosion des weltweiten Ackerbodens hat dramatische Folgen für den Menschen. Immerhin beziehen wir 95% unserer Nahrung aus dem Boden, so die stellv. Generaldirektor für Ressourcen der FAO Maria-Helena Semedo. Wenn die Erosion in der Form weitergeht, so prognostiziert Semedo in einem Vortrag, dann haben wir nur noch 60 Ernten zu erwarten. Diese Zahl ist allerdings nicht wissenschaftlich bestätigt und stammt ursprünglich von einem Workshop aus Australien. Auch wenn sich die Bodenproblematik nicht an einer Zahl festmachen lässt, steckt dahinter ein gravierendes Problem. Der Verlust wertvollen Bodens durch Erosion und anderen Einflüssen.

Was ist der Grund dafür, dass immer mehr wertvoller Boden verloren geht?

Zum einen, so die FAO, sind es aggressive und chemielastige Anbautechniken und die Abholzung von Waldgebieten die Erosionen mit sich bringen. Zum anderen trägt der Klimawandel zu Erosionen bei. Immer stärkere Stürme und Niederschläge, sowie wasserreiche Schneedecken, führen in verschiedenen Gebieten der Erde zu Wind-, Wasser-, bzw. Schneeerosionen.

Opfer der Erosion – 30 Fußballfelder pro Minute

Jede Minute gehen dreißig Fußballfelder Boden verloren, und das aufgrund von zu intensiver Landwirtschaft, erklärt Volkert Engelsman von der Internationalen Vereinigung der ökologischen Landbaubewegungen.

Doch hat auch Deutschland ein Problem mit den Ackerböden? Definitiv, meint Christian Rehmer (Leiter Agrarpolitik des BUND). In Deutschland spielen neben den natürlichen Ursachen der Bodenerosionen, zum Beispiel die Erosionsanfälligkeit des Bodens und das Gefälle des Untergrunds, auch menschliche Faktoren eine Rolle. Hier sind vor allem die Art der Bewirtschaftung der Böden, die Bestellweise und die angebauten Kulturarten beeinflussbare Faktoren. Eine schlechte Fruchtfolge zum Beispiel und wenig Vielfalt in den Kulturarten erhöht das Risiko der Erosionen und laugt die Böden gleichzeitig aus.

Nitratwerte neben Erosionen eine weitere Gefahr

Aber nicht nur Erosionen schaden unseren Böden. In Deutschland haben wir durch eine immer intensivere landwirtschaftliche Nutzung ein massives Problem mit den Nitratwerten. Die expandierende Massentierhaltung produziert enorm viel Gülle. Der Anbau von Energiepflanzen wie Futtermais erfordert eine intensive Düngung. Das Nitrat aus dem in der Landwirschaft eingesetzten Stickstoffdünger gelangt durch den Boden ins Grundwasser. Vor allem in Regionen mit viel industrieller Landwirtschaft verzeichnet fast jede zweite Messstelle steigende Nitratwerte, bestätigt sogar das Agrarministerium. Und weil der Nitratgehalt in deutschen Böden so hoch ist, wie kaum anderswo, droht die EU-Kommission nun mit einer Klage beim Europäischen Gerichtshof.

Auch der 2015 erschienene Bodenatlas der Heinrich Böll Stiftung warnt:

Durch die landwirtschaftliche Nutzung haben 45 Prozent von Europas Böden deutlich an organischer Substanz – dazu gehören Humus und Bodenlebewesen – verloren.

Das Problem von Bodenerosionen ist, dass wir sie kaum wahrnehmen. Das macht diese Gefahr aber nicht weniger akut, denn neuer Boden entsteht langsamer als sein Verlust. Die Generierung von 3 Zentimeter Bodenschicht braucht ganze 1.000 Jahre.

Rehmer vom BUND empfiehlt, sich wieder einer Landwirtschaft mit guter Fruchtfolge zuzuwenden. Als Verbraucher sollte man vor allem auf Regionalität und ökologisch erzeugte, sowie wenig verarbeitete Lebensmittel zurückgreifen, rät Ursula Hudson, Vorsitzende von Slow Food Deutschland.

Quellen:

Bildnachweis: pixabay, Unsplash

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