Fady Maalouf – darum wurde er vegan

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Fady Maalouf vegan geworden

Fady Maalouf ist seit einem Dreiviertel-Jahr Veganer und wurde kürzlich zum „German’s Sexiest Vegan“ gewählt. Neben tierrechtlichen Aspekten hat der Wechsel vom Vegetarier zum Veganer Fady Maalouf auch gesundheitliche Vorteile gebracht. Die Hintergründe dazu und mehr erfahrt Ihr im Interview mit dem extrem sympathischen Multi-Talent.

Veganer Fady Maalouf im Interview

Sabine: Wie geht´s dir mit dem kürzlich erworbenen Titel „attraktivster/sexiester Veganer Deutschlands“ ?

Fady: Hi :) hmmm, ehrlich gesagt, habe ich mich am Anfang sehr gefreut und nicht damit gerechnet, dass ich der Sieger werden kann. Ich gewinne nie etwas, und schon garnix bei einem Wettbewerb, aber als ich sah, dass meine Votes langsam aber sicher stiegen, dachte ich mir, oh vielleicht klappt das diesmal :). Und das hat es tatsächlich! Aber meine Freude hat nicht lange gehalten. Da ich auf der PETA Seite mit so viele Hass Kommentaren konfrontiert wurde, war ich sehr enttäuscht! Hat mich an meine Kindheit erinnert, als ich jedes mal dachte, ich gehöre irgendwohin, zu einer Community, aber fühlte mich danach zurückgewiesen … es lässt eine gewisse Leere im Herzen! Ich polarisiere schon immer, was auch ok ist, allerdings hatte ich eine naive Vorstellung von der veganen „Gemeinde“, wo alle sich bedingungslos lieben und respektieren. Es tat weh, zu realisieren, dass die Realität anders ist! Das ich nicht der „typischr Macho-Kerl“ bin, ist mir klar und das ich ein androgyner Mann/Kind Typ bin auch, aber das viele sich davon so bedroht fühlen, war mir eine Überraschung! Allerdings feiere ich weiterhin mein „Anders-Sein“, ich liebe mich genauso wie ich bin, und fühle mich wohl in meinem Körper und das ist es, was ich unter „sexy“ verstehe! Selbst-Akzeptanz! Trotz allem bin ich PETA weiterhin sehr dankbar für die Gelegenheit und bleibe ein begeisterter Unterstützer.

Sabine: Wie kam es zu deiner „Bewerbung“? Bist du selbst auf die Idee gekommen mitzumachen?

Fady: Ich habe einfach die Meldung von PETA auf der Facebook-Seite gesehen und meine ersten Gedanken waren, oh jeh, nix für mich! Wer würde so eine Mickey Mouse wie mich sexy finden, aber nach ein paar Minuten dachte ich mir, ich mache mit. Nur für Fun, und nehme das als Übung, um meinem Selbstbewusstsein zu stärken und vielleicht bekäme ich eine Plattform, um zu erzählen wie der vegane Lebensstil mein Leben positiv verändert hat, und meine bisherige Erfahrung mit anderen teilen zu können !

Sabine: Hat sich für dich etwas geändert durch deinen Sieg?

Fady: Ich gebe zu, seitdem esse ich etwas weniger Bananen und jogge mehr hahaha ! Ansonsten, bekomme ich die Chance ein cooles Interview so wie jetzt mit euch zu machen! Ich singe gerne aber ich mag reden sogar mehr !

Es hat Klick im Kopf gemacht – Vor 9 Monaten wurde Fady vom Vegetarier zum Veganer

Sabine: Seit wann und warum bist du vegan geworden?

Fady: Ich bin Veganer seit jetzt fast 9 Monaten, ich war vorher lange Vegetarier! Ich habe ein Video auf PETA’s Facebook-Seite gesehen wie Milch und Eier produziert werden und habe danach 2 Stunden geweint! Ich war wütend, dass ich so dumm war und dachte, ich hätte ein sauberes Gewissen! Ich bin aus dem Brainwashing zum Glück plötzlich aufgewacht! Manchmal braucht man eine Klatsche! Ich war wirklich schockiert! Zumal, ich nach einer Lösung suchte, um meine chronische Erschöpfung und anderen mysteriösen Symptomen, woran ich lange gelitten habe, zu lindern und bin wieder und wieder auf die Rohkost-vegane-Diet gestoßen. Dann bin ich auf dem Youtube-Kanal von ‚ fullyrawkristina‚ gelandet und das hat es wie Klick in meinem Kopf gemacht, als ob das Puzzle vollendet war! Ich habe mich für 5 Monate 100% raw vegan ernährt, aber irgenwann hatte ich die Nase voll und da ich ein leidenschaftlicher Koch bin, fehlte mir etwas! Ich habe dann entschieden nur die Lebensmittel gekocht zu verzehren, die man nicht gerne und gut roh essen kann, wie Bohnen, Aubergine, Kartoffeln usw! Ich experimentiere und entdecke immer noch, aber ich fühle mich schon wohler, wenn ich von den beiden Welten , roh und gekocht profitiere! Um das perfekte Gleichgewicht zu finden, brauche ich allerdings noch etwas Zeit! Was aber unverändert bleibt, ist der Fakt, dass ich Veganer für’s Leben bin!

Sabine: Ernährst du dich nur vegan oder lebst du vegan?

Fady: Ich lebe vegan, ich machte es vor allem für die Tiere! Ich würde selbstverständlich nicht die dämonische (Tier-)Sklaverei unterstützen! Ich habe alles umgestellt! Ich verzichte komplett (soviel ich weiß) auf tierische Produkte bei Klamotten, Schuhen und Kosmetik! Es gibt tolle Fakeleder-Produkte zum Beispiel – man kann kaum den Unterschied sehen. Obwohl ich Stoffe bevorzuge! Ich nutze verschiedene Apps und scanne die Sachen, um zu wissen, ob sie leidfrei sind. Bei der Kosmetik hole ich mir die Marken, die nicht an Tieren getestet wurden! Aber heutzutage hat man so eine grosse Auswahl, dass es auch überhaupt keine Umstände macht! Bleibt mir nur ein Problem und zwar, was mache ich ich mit den Jacken und paar Sachen die Leder enthalten und die ich damals, als ich noch ignorant war, gekauft hatte oder geschenk bekam? Ich möchte sie nicht in den Müll werfen, dann wäre das Leid umsonst gewesen, und das fände ich schlimmer! Also habe ich schon viel verschenkt und ersetze nach und nach alles mit veganen Stoffen und Materien! (Anm. der Redaktion: Wie wäre eine Versteigerung deiner nicht-veganen Sachen zu Gunsten veganer Projekte?)

Er liebt es vegan zu kochen, schätzt aber auch die Roh-Vegane-Küche

Sabine: Hast du einen veganen Coach? Woher hast du deine Informationen bekommen? Welche Bücher hast du gelesen?

Fady: Ich hole mir alle Infos im Internet, u.a. über Google oder Youtube! Aber das kann manchmal verwirrend sein, weil jeder Zweite etwas anderes erzählt, besonders, wenn es um die Gesundheit geht! Aber ich möchte gerne mein eigener Guru sein und selber experimentieren und betrachten, was meinem Körper gut tut, und was nicht! Ich glaube, so sollte es jeder machen. Jeder Mensch ist anders, was für den einen funktioniert, floppt bei dem anderen! Bücher habe ich 80/10/10 und The China Study gelesen !

Sabine: Worauf legst du bei der pflanzlichen Ernährung besonders wert (ausgewogen, vollwertig, abwechslungsreich)?

Fady: Es soll auf jeden Fall immer Spaß machen und meine Regel ist, alles muss hervorragend schmecken! Voll Genuss und null Schuld! Ich möchte nie wieder Frust und Deprivation erleben! Ich fange meinen Tag immer mit Smoothies an! Viel Grün ist immer dabei. Alles bio, 0hne Chemie (das hoffe ich)! Abends esse ich einen großen Salat mit Bohnen oder Quinoa zu Beispiel! Ich versuche es so abwechlungsreich wie möglich und versuche auch Gluten zu vermeiden. Ich probiere weiter aus. Es gibt noch viel zu entdecken. Zum Glück. :)

Sabine: Kochst du selber? Welches Gericht isst du besonders gerne?

Fady: Ich koche sehr gerne! Ich erfinde immer neue Rezepte! Ich koche leckere mediterrane Gerichte! Vegane Lasagne, Linsen-Suppe, Hummus, Auberginenpüree, Spinatpizza und viel mehr ….und beim Backen mag ich das vegane banana bread zum Beispiel! Allerdings ist meine vegane Eiscreme orgasmisch, damit kann ich wirklich angeben. :)

Sabine: Du lebst in Berlin, welche veganen Adressen gefallen dir dort am besten?

Fady: Ich war schon mehrmals bei la mano verde und fand es einfach lecker und beim Kopps, die haben einen sehr coolen Brunch dort!

Sabine: Wie gehen die Menschen in deinem persönlichen Umfeld mit deiner Ernährung um?

Freunde & Familie begrüßen Fadys Schritt zum Veganismus

Fady: Einfacher als ich dachte, weil sie merken,dass es mir gut tut. Ich fühle mich wohler, habe mehr Energie, bin nicht mehr immer erschöpft. Bin einfach fröhlicher! Meine Freunde und Famile sind aber sehr neugierig, und mögen gerne meine Zubereitungen probieren! Ich bin allerdings was Tierrechte angeht etwas „dogmatisch“ geworden. Versuche aber nicht „zuviel zu nerven“ !

Sabine: Du hast Modedesign studiert und bei Elie Saab gearbeitet. Hast du schon mal darüber nachgedacht im Bereich „vegane Mode“ tätig zu werden?

Fady: Ich habe mich von der Modebranche sehr entfernt, da ich mit meiner Musikkarriere und mit der Malerei bisher beschäftigt war! Um ehrlich zu sagen, die Modewelt ist mir zu fake und dafür habe ich momentan keine Energie! Ich würde lieber etwas mit Kunst und Möbeln nebenbei ausprobieren! Jetzt, wo du Elie Saab erwähnt hast, fällt mir ein, dass ich kürzlich sehr enttäuscht war, dass er Pelz in seiner Kollektion benutzt hat! Allerdings ich bin mir nicht sicher ob es fake oder echt war!

Sabine: Was sind deine Zukunftspläne? Möchtest du dich für Tierrechte einsetzen? Was hast du musikalisch geplant?

Fady: Ich bin eher ein Einzelgänger und mag nicht gerne Gruppenaktivitäten. Von daher ist es schwer, mir vorzustellen, dass ich irgendwann bei einer Aktion auf der Straße mitmache! Ich teile so viel wie möglich die Videos und Stories, die ich über das Leid der Tiere im Netz finde mit meinen Fans und unterstütze PETA weiterhin. Was meine Pläne angeht, habe ich nicht mehr das Gefühl unbedingt die Welt erobern zu müssen, sondern setze mir kleine Ziele! Weiter malen, Musikproduktion lernen, vielleicht eine Single in November! Es wäre ein Traum eine eigene vegane Kochsendung zu haben. :)

Sabine: Welche weiteren Überraschungen und Veränderungen dürfen wir von Fady Maalouf erwarten? :)

Fady: Ich glaube die größte Veränderung nach einer gewisse Zeit ist, dass ich grün werde vom vielen Chlorophyll! Also eine Verwandlung in Hulk oder Shrek ist möglich! Haha! Nee, aber im Ernst, ich lebe in der Gegenwart und mag nicht gerne über die Zukunft nachdenken! Wer weiß, was demnächst kommt :) ich lasse mich überraschen!

Sabine: Lieber Fady, ich danke Dir für deine Zeit und wünsche dir von ganzem Herzen alles Gute für die Zukunft! Vielleicht kreuzen sich in Zukunft ja wieder einmal unsere Wege.

Kommentare

  1. meint

    Das Interview gefällt mir ausgezeichnet . Gratuliere herzlichst dazu !!! ich lebe selbst vegan seit einem Jahr , war vorher Vegetarierin …Ich kann alles zu 100% nachvollziehen was Fady Maalouf beschreibt , ich sehe es genauso wie er . Ich schätze ihn seit 2008 als begnadeten sehr vielseitigen Künstler und dass ihm jetzt die Ehre zuteil wurde besagten Wettbewerb zu gewinnen finde ich ganz wunderbar . Ich freu mich extrem , dass er darüber erzählen kann und darf !!! die negativen Kommentare die ich zu seinem Gewinn auch gelesen habe, sagen im Grunde nichts über ihn aus , sondern verraten nur , dass es leider viele missgünstige Menschen gibt, die mit ihrem Zorn nicht gut umgehen können ……liebe Grüsse aus Wien

  2. Frank meint

    Das Interview hat mir inhaltlich recht gut gefallen, die Wahl zum „German Sexiest Vegan“ finde ich jedoch ziemlich dämlich. Dazu kommt, dass der Junge auf dem Bild eher wie das männliche Pendant zu Lara Croft aussieht, also eher wie eine Computeranimation und weniger wie ein gesunder, natürlich lebender Mensch. Insofern halte ich diesen Zusammenhang eher für kontraproduktiv und alles andere als ein Musterbeispiel für einen Veganer!

    • meint

      Hallo Frank! Schön, dass dir das Interview inhaltlich gefällt und vielen Dank für Deinen Kommentar. Ich finde Deine Annahme, dass ein sich vegan ernährender Mensch gleichzeitig auch ein „Musterbeispiel für einen Veganer“ sein müsse dämlich (ich benutze das Wort bewusst, da Du es auch genutzt hast). Mit welchem Recht stellst du so eine Forderung/Erwartung, die so tief in die persönlichen Vorlieben/Privatspähre eines Menschen eingreift? Wo bleibt denn da bitte die individuelle Freiheit sein eigenes Leben so führen und gestalten zu dürfen, wie es einem beliebt? Gebe ich als Mensch mit meiner Hinwendung zum Veganismus mein Recht auf Individualität ab? Ich glaube nicht, dass du das Wesen eines Menschen hinsichtlich seiner Produktivität und Effizienz in Bezug auf die Durchsetzung des Lebensstiles Veganismus beurteilen solltest. Ganz im Gegenteil halte ich diese Forderung, welche Pluralismus negiert für kontraproduktiv, weil sie hochgradig unsympathisch (weil engstirnig und anmaßend) ist und niemand Lust haben wird so einem Weg zu folgen.

      Außerdem gefällt mir Deine Wortwahl „…der Junge auf dem Bild…“ nicht. Du diskriminierst damit bewusst einen erwachsenen Menschen, weil er nicht in das Raster Deiner Vorurteile passt.

      Übrigens: Das Bild eines „Veganers“, welches Du hier darstellst, ist genau das Bild, für welches Vegan News nicht steht.

  3. Petra meint

    Mir gefällt dieses informative Interview sehr. Frau Kampmann hat präzise Fragen gestellt und aufschlussreiche Antworten erhalten. Ich befasse mich schon seit längerer Zeit sowohl mit der vegetarischen Kost als auch mit dem Tierschutz und bin nun neugierig auf die vegane Lebensweise geworden. Offenbar hat der Künstler sich vollends mit dem Thema auseinander gesetzt und gibt sicherlich Anstoss zum Umdenken. Meines Erachtens würde sein Wunsch hinsichtlich einer Kochsendung großes Anklang finden. Ich wünsche ihm gutes Gelingen bei all seinen Vorhaben.

  4. Doris meint

    Ein sehr aufschlussreiches, interessantes Interview zu diesem wichtigen Thema, vielen Dank! Fadys konsequentes Handeln und seinen Mut, sich an diesem Wettbewerb zu beteiligen um seine Einstellung zu Ernährung und Tierschutz öffentlich zu thematisieren, finde ich bewundernswert. Man merkt, dass ihm dieses Thema extrem wichtig ist, schon aus diesem Grund hat er die Wahl zu recht gewonnen, ganz abgesehen davon, dass er ein schöner, charismatischer Mann mit einem großen Herzen und ein multitalentierter Künstler ist. Auch wenn er polarisiert, na und? Damit kann er sicherlich leben, das geht jedem so, der in der Öffentlichkeit unbeirrt seine Meinung vertritt und sich nicht verbiegen lässt. Wenn durch diese Wahl und die daraus entstandenen Diskussionen einige Menschen zum Nachdenken angeregt wurden, hat er viel bewirkt.

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