Du grillst diesen Sommer Fleisch? Dann solltest du das hier lesen.

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Fleisch
Liebe Ich-esse-ja-nur-ganz-wenig-Fleisch-und-wenn-dann-vom-Metzger-nebenan-Fraktion, die ihr gerade zur EM bei dem Wetter im Schnitt zwei Kilogramm Fleisch auf den Grill schmeißt: Ich nehme mal an, ihr betreibt gerade nur so etwas wie einen Anti-Ramadan? Ich meine, den Rest des Jahres esst ihr ja kein Billiger-geht-nicht!-1,49€-Discounter-Fleisch, welches ihr auf euren 600€-Weber-Grill werft (Man gönnt sich ja sonst nie was), um dann auf so eine harmlose Zahl wie – OH SHIT! – 60kg Fleisch pro Jahr und pro Kopf zu kommen.

Bestimmt wieder so grüne Meinungfaschisten!!

Aber jetzt kommen bestimmt wieder die ersten angerannt und wollen uns unsere älteste Tradition – grunzend mit einem Stück toten Tier um die Feuerstelle herumstehen – schlecht reden! Bestimmt wieder so grüne Meinungfaschisten!! Oh nein, doch nur die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, die empfiehlt, wir sollten unseren Fleischkonsum halbieren bis vierteln.

Pah! Als ob Fleisch krebserregend wäre! Was? Ist es? Was weiß denn schon die WHO…

Na und?! Es geht doch nur um meine Gesundheit, mit der darf ich doch machen, was ich will!

Naja, es geht auch um die Gesundheit unserer Kinder. Fast 10% unserer Kinder sind bereits übergewichtig (im Erwachsenenalter steigt diese Zahl auf über 50%!).

Und, es tut mir leid, den Gutmenschen raushängen zu lassen, aber: Wisst ihr, um wessen Gesundheit es auch geht? Um die Gesundheit und die körperliche Unversehrtheit von Milliarden von Tieren. Einmal natürlich die abartigen Bedingungen, unter welchen sie gehalten werden – das muss ich euch nicht erzählen, das wisst ihr doch schon – und dann noch Schweinegrippe, Rinderwahn, etc.

Und dann halt… keine Ahnung. Solche Sachen wie, dass wir ihnen noch in Kindesalter die Kehlen durchschneiden. Würde ich halt auch nicht als gesund bezeichnen.

Aber gut, hey, wenn du beim ethischen Thema nur den Kopf schütteln kannst, lassen wir das mal an dieser Stelle sein. Von mir aus.

Was hat der ganze Scheiß jetzt mit meinem Steak auf dem Grill zu tun?!

Wenn dich nicht deine Gesundheit interessiert und du auch kein Mitgefühl gegenüber nichtmenschlichen Tieren hast, von mir aus. Aber ist dir das Schicksal unseres Planeten ebenso egal? Klimawandel? Regenwald? Und egal, wie du zu Migration und Flüchtlingen stehst: Aber dass wir bis 2050 schätzungsweise 200 Millionen Menschen haben werden, die aufgrund der Folgen des Klimawandels fliehen müssen, will sicher keiner haben.

Ja ok, schön und gut, Laschyk, aber was hat der ganze Scheiß jetzt mit meinem Steak auf dem Grill zu tun?!

Naja, Massentierhaltung trägt den größten Beitrag zu Treibhausgasen bei, mehr als der weltweit gesamte Verkehr zusammengenommen! Selbst wenn alle Menschen der ganzen Welt mit dem Fahrrad zum Grillplatz fahren, sparen wird damit ein paar Promillchen Treibhausgase ein. Massentierhaltung macht halt 18% (manche sagen noch mehr!) davon aus.

Massentierhaltung verbraucht 2/3 aller landwirtschaftlich verfügbaren Flächen weltweit, ist für 2/3 der Abholzung des Regenwaldes verantwortlich, kostet uns fast die Hälfte des gesamten Süßwassers und vergessen wir nicht noch die Verschmutzung des Grundwassers, die Erosion der Böden, Antibiotika, Hormone.. und so weiter.

Der Grillgutmensch, will nur dein leckeres Essen schlecht reden… klar!

Also, das alles liegt auf deinem Grill gerade. Jaja, ich scheiß Grillgutmensch, will nur dein leckeres Essen schlecht reden usw. Macht mir auch keinen Spaß, glaub mir. Aber du musst ehrlich nicht auf den Genuss verzichten, dir einen Proteinbrocken in der Sonne zu brutzeln bis es genauso braun ist wie die Gesinnung Gaulands.

Ich bin nicht Veganer, weil ich so auf gegrilltes Gemüse stehe. (Tue ich wirklich nicht. Ich sehe dich an, Aubergine!) Wir kriegen es inzwischen richtig gut hin, rein pflanzliche Steaks herzustellen, die den Originalen von der Textur und dem Geschmack in nichts nachstehen. Klar gibt es da auch… gewöhnungsbedürftigere Varianten, aber ihr findet in fast jedem Discounter inzwischen etwas.

Und wenn schon nicht für die Tiere oder den Planeten, dann tut doch euch wenigstens etwas Gutes und grillt mal eines der Seitansteaks diesen Sommer. Nur mal so zum Ausprobieren. Niemand will euch euer heiliges Fleisch wegnehmen und euch zum Veganismus „konvertieren“, aber die erschreckend lange Liste an negativen Dingen, die mit dem Leichenteil da auf dem Grill zusammenhängen solltest du wirklich mal ernst nehmen. Du kannst gerne weiterhin Bier trinkend, Fußball schauend und am Grill sitzend weiter machen wie bisher. Aber wenn es dir vorher egal war, wie die Proteine auf deiner Kohle in die Form kamen, die sie jetzt hatte, warum sollte es dich jetzt stören, dass sie aus Weizen, Soja oder Lupinen gemacht sind?

Bildnachweis: pixabay

Kommentare

  1. Marianne meint

    Ich habe die alternative Steaks ausprobiert: Es ist keineswegs dasselbe, höchstens optisch ähnlich.

    Grundsätzlich ist das Grillen von Fleischalternativen deshalb unsinnig, weil man sie dabei nicht vom Zustand „roh“ in „gegrillt“ überführt, sondern lediglich bereits Gekochtes nochmal grillt. Dabei muss man dann auch extrem aufpassen, dass es nicht anbrennt, denn es handelt sich ja bereits um Gekochtes! Der gewohnte Grillgeruch entwickelt sich natürlich auch nicht.

    Die ganze Art, wie du hier rumschimpst, empfinde ich als wenig motivierend, vom Fleisch ganz abzulassen. Du ignorierst komplett, dass es eine alternative artgerechte Tierhaltung gibt, die gutes Weidefleisch erzeugt.

    • Thomas meint

      Der ganze Text ist humorvoll gemeint – Fleischesser meinen doch immer, Veganer verstehen keinen Spaß. Und sind dann beleidigt, wenn wir es tun 😉

      Und nein, ich ignoriere nicht dass es eine „alternative artgerechte Tierhaltung“ gibt. Denn die gibt es nicht. Jedes Fleisch ist ein Leichenteil von einem gewaltsam und vor seiner Zeit getötetem Tier. Wäre es legitim, deinen Hund zu töten, nur weil er bisher glücklich war und es ihm gut ging? Alle Tiere landen im gleichen Schlachthaus, egal woher sie kommen.

      Der Mythos vom ethisch korrektem Fleisch, von „gutem“ Fleisch ist eine Marketing-Kampagne. 99% allen Fleisches stammt aus der Massentierhaltung. Die bloße Existenz von hypothetisch ethisch korrektem Fleisch wird lediglich als Rechtfertigung dafür genommen, Fleisch in den abartigen Mengen zu konsumieren, wie das bisher getan wird. Wer nur das Fleisch von Tieren essen möchte, die wirklich den ganzen Tag freudig auf der Wiese herumspringen, der lebt sowieso die meiste Zeit vegan und gönnt sich so ein seltenes Exemplar mal zu horrenden Preisen an Weihnachten.

      DAS ist unrealistisch.

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