Freivon Schuhe – vegan, nachhaltig und aus Deutschland

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Frei von Schuhe

Sarah und Paul sind zwei Leute, die sich eine Vision teilen – Freivon Schuhe. Die Vision von fairem, veganem Schuhwerk, das in Deutschland produziert wird. Auf der Suche nach veganen Schuhen stellten die beiden immer wieder fest, dass immer irgendeine Komponente nicht passte. Entweder stammten die Schuhe aus dem Sweatshop oder sie waren aus Leder. Irgendwie haute das nie ganz hin.

Sie kamen auf die Idee, einen eigenen Schuh herzustellen. Vegan und umweltfreundlich sollte er sein und natürlich auch noch fair. Sie machten sich auf die Suche nach einer Schuhmanufaktur, die sie bei ihrem Vorhaben unterstützen würde und wurden schließlich mit der Firma Zarini Design in Deutschlands Schuhhauptstadt Pirmasens fündig.

Sarah und Paul möchten gerne Schwung in die Schuhbranche bringen. Um das notwendige Kleingeld für ihre Idee aufzubringen, haben sie ein Crowdfunding-Projekt ins Leben gerufen, das heute noch 38 Tage online ist. Was die Schuhvisionäre sonst noch so planen, haben sie mir im Interview erzählt.

Interview mit Sarah Pollinger und Paul Stüssel von FreiVon

Anne: Hallo, ihr Lieben! Vielen Dank, dass ihr euch die Zeit für das Interview nehmt!

Sarah: Hallo Anne! Wir freuen uns über das Interesse an unserem Projekt!

Anne: Wie lange wart ihr auf der Suche nach fairen, veganen Schuhen, bis ihr euch dazu entschlossen habt, selbst welche herzustellen?

Sarah: Ich hatte schon ca. 1 Jahr lang gesucht und bin dabei immer unzufriedener geworden. Es gibt ja schon einige vegane Schuhe auf dem Markt, aber entweder sind sie eher sportlich oder werden irgendwo in Asien produziert. Ich wollte aber einen schicken Schuh, der nachhaltig ist und mit Sicherheit unter vernünftigen Bedingungen hergestellt wird. Das schränkte die Auswahl ziemlich ein.

Anne: Kommt ihr aus der Schuhbranche? Was habt ihr beide ursprünglich gemacht?

Anne und Paul von Freivon Schuhe

Sarah und Paul von Freivon Schuhe

Paul: Nein, wir kommen beide nicht aus der Schuh- oder Modebranche. Sarah hat International Business studiert und ich bin Musiker.

Anne: Ihr lebt beide vegan. Wie lange schon? Hattet ihr dabei ein besonderes Vorbild? Habt ihr euch zunächst vegetarisch ernährt, oder habt ihr gleich den harten Schritt von Omni auf vegan gewagt?

Paul: Also ich habe zuerst aufgehört, Eier zu essen, nachdem ich einen Bericht über die Tötung von Küken gesehen habe, ich fand das alles völlig pervers. Das ist jetzt ziemlich genau vier Jahre her, der Rest kam nach und nach.

Sarah: Ich wurde von der Fleischesserin direkt zur Veganerin. Um die selbe Zeit habe ich auch noch aufgehört zu rauchen. Das war nicht einfach. (lacht)

Anne: Was war der Auslöser? Warum habt ihr euch für ein veganes Leben entschieden?

Sarah: Auch wenn es Paul nicht hören will, war er für mich der „Auslöser“, denn erst durch ihn habe ich mich mit der Thematik näher auseinandergesetzt.

Paul: Wie gesagt, am Anfang war es bei mir eine Doku über Legehennen. Einen ordentlichen Ruck hat mir dann noch der Film Earthlings verpasst.

Anne: Wie lange kennt ihr euch schon? Habt ihr früher schon zusammengearbeitet?

Paul: Wir kennen uns seit zweieinhalb Jahren. Das ist unser erstes gemeinsames Projekt. Außer natürlich unserer Beziehung. (grinst)

Anne: Wie habt ihr euch denn kennengelernt?

Sarah: Ganz klassisch, über gemeinsame Freunde.

Anne: Eure Schuhe sollen in Pirmasens hergestellt werden. Kommt ihr aus dieser Gegend?

Sarah: Ich komme aus Karlsruhe. Pirmasens kannte ich vor unserem Projekt noch nicht.

Anne: Was macht Pirmasens zur Schuhmetropole?

Paul: In Pirmasens gibt es alles, was das Herz eines Schuhherstellers begehrt. Von Textilfirmen über Leisten-, Schnürsenkel-, Kartonagenhersteller und natürlich auch das Prüf- und Forschungsinstitut. Es ist ein wahr gewordener Traum.

Anne: Im Internet gibt es inzwischen ja schon einige Shops, die vegane Kleidung und auch Schuhe im Angebot haben. Wie wollt ihr euch von der Masse abheben?

Sarah: Wir möchten durch Qualität, Engagement und Transparenz ein gutes Produkt herstellen. Wir zeigen unsere Lieferanten und Materialien ganz offen und im Anschluss können die Leute selbst entscheiden, ob sie unseren Schuh wollen oder nicht. Dadurch heben wir uns schon von sehr vielen Herstellern ab. Leider! In der Schuhbranche gibt es wenig Transparenz und Nachhaltigkeit, das möchten wir gerne ändern.

Anne: Wie kann man euer Projekt unterstützen?

Sarah: Einfach auf unserer Startnext-Seite auf „unterstützen“ klicken. Wir freuen uns über jede Unterstützerin und jeden Unterstützer. Im Gegenzug haben wir viele tolle Dankeschöns vorbereitet, darunter natürlich auch unseren Schuh.

Anne: Was für Schuhe tragt ihr heute?

Sarah: Ich habe natürlich unseren Protoypen an. Ich trage die Schuhe, so oft es geht, um sicher zu gehen, dass wir auch wirklich halten, was wir versprechen.

Paul: Meine MacBeth-Sneaker.

Anne: Habt ihr Lieblingsschuhe? Ein Lieblingsmodell?

Paul: Ich nicht.

Sarah: Unseren Prototypen natürlich!

Die Schuhe von Freivon

Anne: Was zeichnet einen guten Schuh aus? Welche Eigenschaften sollte er haben?

Sarah: Ein guter Schuh sollte zunächst natürlich gut aussehen, er sollte bequem sein, das heißt der Fuß muss sich darin wohlfühlen, hinzu kommen natürlich das Material und die Produktion.

Anne: Welche Materialien verwendet ihr für die Herstellung eurer Schuhe? Woher bekommt ihr sie?

Paul: Beim Obermaterial handelt es sich um nachhaltiges, hochwertiges Kunstleder, das Innenfutter besteht zu 80 % aus Bambus und zu 20 % aus Polyester. Die Sohle besteht aus Thunit, einem Gummi. Innenfutter, Obermaterial und Sohle stammen aus Italien, die Schnürsenkel sind aus Baumwolle und werden in Deutschland gefertigt. Die Innensohle ist aus Pflanzenfasern, hauptsächlich recycelten Maisfasern, die wir direkt von einer Firma in der Nähe von Pirmasens beziehen, die ihre Fertigungsstellen in Deutschland und in Rumänien hat. Wir legen alle Informationen zu unseren Lieferanten und über die Materialien in aller Ausführlichkeit auf unserer Homepage offen dar.

Anne: Euer erster Schuh ist ja bereits fertig, Sarah, Du hast ihn an, es handelt sich um ein wirklich hübsches Damenmodell. Kann man es schon käuflich erwerben?

Sarah: Nein, wir sind damit noch nicht in die Produktion gegangen. Im Moment machen wir die Crowdfunding-Kampagne bei Startnext, um damit die Herstellung zu finanzieren, man kann dort den Schuh das erste Mal „kaufen“.

Anne: Wie plant ihr, eure Schuhe zu vertreiben. Wird es einen Online-Shop geben? Einen festen Laden?

Paul: Es wird auf jeden Fall einen Onlineshop geben. Wir denken auch darüber nach, einen Vertrieb über Shops wie z. B. Zündstoff, Avesu und Fairmondo aufzubauen. Einen festen Laden wird es erstmal nicht geben. Aber wir halten Augen und Ohren nach Kooperationen mit kleinen Boutiquen offen und auch Pop-up-Stores wären durchaus eine Idee.

Anne: Was haltet ihr allgemein vom derzeitigen veganen Angebot, Lebensmittel, Kosmetik und Kleidung betreffend? Ist es gut? Schlecht? Was sollte sich ändern?

Sarah und Paul: Also, hier in Berlin können wir uns echt nicht beschweren. Gerade im Bereich der Lebensmittel gibt es echt viel Auswahl. Nicht nur im veganen Supermarkt, auch in Bioläden, Drogerien und Reformhäusern findet man inzwischen ein breit gefächertes veganes Angebot. Auch im Bekleidungsbereich hat sich einiges getan.

Anne: Was ist davon zu halten, dass sehr viele Menschen gegen das Tragen von Pelz sind, aber ganz selbstverständlich Lederwaren kaufen. Wie kommt es zu diesem Phänomen?

Sarah: Da bin ich überfragt. Vielleicht denken sie, dass Leder ein Abfallprodukt der Fleischindustrie ist und somit nicht schlimm, wenn man es verwendet. Und bei Pelz denken sie an die niedlichen Tiere, die extra für ihren Pelz getötet werden? Logisch wäre das allerdings auch nicht.

Paul: In den Medien werden weniger Bilder und Filme gezeigt, die zeigen, wie mies die Lederproduktion abläuft und was dahinter steckt. Lebendig gehäutete Pelztiere sieht man dagegen häufiger.

Anne: Euer Schuhprojekt ist ein tolles Statement in Richtung veganes Leben und Tierschutz. Setzt Ihr euch sonst noch im Tierschutz ein?

Sarah: Im Moment haben wir eine Raupe bei uns und kümmern uns um sie. Zählt das schon als Tierschutz?  Spaß beiseite, außer unserer veganen Lebensweise setzen wir uns noch nicht aktiv für den Tierschutz ein. Das wollen wir in Zukunft aber auf jeden Fall tun. Es wäre z. B. auch denkbar, einen Teil der Einnahmen von FreiVon zu spenden.

Anne: Wie viele Personen arbeiten derzeit an eurem Projekt?

Sarah und Paul: Nur wir beide.

Anne: Derzeit habt ihr sicher sehr viel mit FreiVon zu tun. Mit was beschäftigt ihr euch sonst noch so? Wie verbringt ihr eure Freizeit?

Sarah: Wir sind leider relativ langweilig. Gerade im Winter sind wir gerne zu Hause, trinken Tee und schauen uns Reportagen und Filme an. Eher unspektakulär, also.

Paul: Ich kümmere mich neben FreiVon noch um meine Musik. Mit meiner Band Hans Super sind wir gerade im Studio.

Anne: Eine Sache, die wirklich jeder Mensch tun sollte, um die Welt ein Bisschen fairer und tierfreundlicher zu machen?

Sarah: Wir mögen keine erhobenen Zeigefinger, jeder sollte für sich selbst wissen, was er tun möchte und was nicht. Ich persönlich halte es für sehr wichtig, nicht mit verschlossenen Augen durchs Leben zu gehen, denn davon wird die Welt mit Sicherheit nicht besser.

Paul: Ich glaube, es wäre super, wenn sich jeder Mensch einfach eine schlechte Sache raussuchen würde, um in Zukunft darauf zu verzichten, so wären wir sehr schnell ein ganz schönes Stück weiter.

Anne: Das Label „Fairtrade“ ist in den letzten Jahren etwas in die Negativschlagzeilen gerutscht. Was haltet ihr von der Auszeichnung? Was ist generell von derartigen Labels zu halten?

Paul: Ich finde Labels prinzipiell gut, weil sie sensibilisieren. Dass damit am Ende Schindluder getrieben wird, ist ja keine Zwangsläufigkeit. Durchdachte Labels, die gut umgesetzt werden, sind durchaus sinnvoll.

Anne: Das Projekt ist geglückt, ihr habt euer Crowdfunding-Ziel erreicht. Was werden eure nächsten Schritte sein?

Sarah: Sofort die Produktion starten, damit all unsere tollen Unterstützer, so schnell wie möglich, ihre Dankeschöns bekommen. Weiter nach nachhaltigerem Kunstleder suchen und dafür Kooperationspartner gewinnen. Das Schuhrecycling in Deutschland verbessern.

Anne: Die Schuhe stehen in den Läden und sind ein Verkaufsrenner. Was kommt als nächstes? Vegane Oberbekleidung?

Sarah: Erstmal bleiben wir bei Schuhen. Der nächste Schritt ist ein Herrenmodell.

Paul: Bei Oberbekleidung gibt es schon echt viele tolle Marken. Da ist die Not nicht so groß, wie bei Schuhen.

Anne: Wenn ihr FreiVon mit drei Worten beschreiben solltet. Welche wären das?

Sarah: Tierfreundlich, menschenfreundlich und umweltfreundlich.

Anne: Vielen Dank für das tolle Interview, es hat mich sehr gefreut, zwei so interessante Menschen kennenzulernen! Ich wünsche euch viel Erfolg für FreiVon! Alles Gute!

Sarah bzw. Paul: Wir haben zu danken! Es freut uns riesig, dass so viel Interesse an unserem Projekt besteht. Wir wünschen auch euch alles Gute für Vegan News!

Wer das Projekt FreiVon von Sarah und Paul unterstützen möchte, kann dies auf ihrer Crowdfunding-Seite tun. Natürlich freuen sich die beiden auch über jedes „Gefällt mir“ auf ihrer Facebook-Seite.

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