Galerie des Entsetzens – Die ungeschminkte Wahrheit über Mensch-Tier-Verhältnisse

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Galerie des Entsetzens

Die Tierrechtsbewegung wird seit ihren Anfängen auch von Künstler_innen begleitet. Bildwerke, Texte und Musik bringen die Ohnmacht des Menschen zum Ausdruck, der machtlos und aufgewühlt dem Terror und den Grausamkeiten gegenübersteht, die seinesgleichen nichtmenschlichen Tieren tagtäglich antut. Ob diese Kunst nun kalt und sachlich die Brutalität der Tötungsmaschine ‚Schlachthaus‘ den Betrachter_innen ins Gesicht schreit oder aber im Detail die Schrecken schildert, die hinter den verschlossenen Türen der Versuchslabore vor sich gehen – Tierrechtskunst ist immer emotional und politisch, sie berührt und klärt auf, öffnet Augen und Ohren. Und ein ebenso künstlerisches wie politisches Buch liegt mit Galerie des Entsetzens vor.

Galerie des Entsetzens ist keine bloße Mitleidskunst

Dem Buch ist ein Zitat von Ernst Toller vorangestellt, in dem es unter anderem heißt: „Unsere Kunst will keine bloße Mitleidskunst sein, sie ist geboren aus Mitkämpferschaft. (…) Kunst gehört zu jenen seltenen geistigen Mitteln, verschüttete Instinkte zu erhellen, tapfere Haltungen zu schulen, spontanes Gefühl für Menschlichkeit, Freiheit und Schönheit zu vertiefen.“ Und um nichts anderes geht es hier.

Der Vorhof der vom Menschen geschaffenen Tierhölle

Im Vorwort legt Andre Gamerschlag, 1. Vorsitzender von die tierbefreier e.V., die Quintessenz des Buches dar: „Die Darstellungen in Wort und Bild sind daher geprägt von tödlicher Gewalt, Ausbeutung und Herrschaft. Gleichzeitig ist er [der Band] auch Ausdruck der Auffassung, dass wir Tieren Rechte zugestehen und sie gesellschaftlich befreien müssen.“ Die folgenden 20 Doppelseiten bilden den Hauptteil und führen direkt in den Vorhof der menschengeschaffenen Tierhölle. Auf der linken Seite sind jeweils die in trostlosem Grau und blutigem Rot gehaltenen Zeichnungen Chris Mosers zu sehen, denen die Texte Tobias Hainers auf der rechten Seiten gegenüberstehen. Eine Kurzbiographie beider Künstler schließt den Band ab.

Die Bilder erschüttern und werfen die Frage nach der eigenen Verantwortung angesichts dieser Brutalität auf

Die Bilder von Chris Moser rütteln auf, sie zeigen die blutige mörderische Realität vieler Ausbeutungsverhältnisse in denen nichtmenschliche Tiere unter die Herrschaft des Menschen gezwängt werden. Episodenhafte Szenen aus Tierversuchen, Massentierhaltung und Schlachthäusern wechseln einander ab. Gezeigt werden tote, gequälte, gefolterte und aufgeschlitzte Tiere sowie die Schauplätze dieser Verbrechen. Viele Bilder sind Menschen, die sich mit der Thematik bereits befasst haben und entsprechende Fotos oder Videoaufnahmen kennen, wohl vertraut. Chris Moser schafft es, durch seine starke Linienführung und dem Einsatz der Farbe Rot in Farbflächen und Sprenkeln, diese statischen Bilder mit unheimlicher Lebendigkeit zu füllen. Die noch lebenden, aber sterbenden oder gefolterten Tiere, blicken die Betrachter_innen direkt an und ziehen sie damit mitten Hinein in das Geschehen. Mosers Grafiken sind von unglaublicher Kraft, die bei längerer Auseinandersetzung die Imagination anregen und mit der Frage nach der eigenen Verantwortung gegenüber dieser Gewalt konfrontieren.

Tod & Verzweiflung sind allgegenwärtig in den Texten der Galerie des Entsetzens

Die Texte von Tobias Hainer lesen sich wie Szenen aus Alpträumen. Worte und Teilsätze folgen aufeinander, wie aus weiter Ferne an das Ohr herangetragen, werden sie dem Geist eingeimpft und erzeugen einen Strudel, einen Sog, dem sich die Leserschaft nicht entziehen kann. Naturräume werden angedeutet, die jedoch voller Finsternis sind und den noch weitaus schlimmeren sterilen Umgebungen der Versuchslabore und Schlachthäuser gegenübergestellt werden. In Hainers Texten dominieren die Farben rot und grau, schwarz und weiß und die Allgegenwart von Tod, Verzweiflung, Angst und Ohnmacht unterstreichen damit die gegenüberliegenden Grafiken.

Die Arbeiten von Moser und Hainer ergänzen sich in einer entsetzlichen Symbiose und gewähren einen ganz persönlichen und berührenden Einblick in den alltäglichen Wahnsinn, den unsere sogenannte Zivilisation in millionenfachem Leid anderen Tieren als dem Menschen antut – mit welchem Recht?

Die Galerie des Entsetzens werde ich noch oft aus dem Regal nehmen und den einzelnen Bildern und Texten nachspüren, als Mahnmal, als Erinnerung daran, was nicht unsichtbar bleiben darf und als Ausdruck der wahren menschlichen Hybris. Ich spreche dem Band eine uneingeschränkte Kaufempfehlung aus.

Band 2 aus der Schriftenreihe von die tierbefreier e.V. versteht sich als Solidaritätsprojekt der Tierrechts- und Tierbefreiungsbewegung. Sämtliche durch den Verkauf erzielte Einnahmen kommen dem Tierrechtsaktivismus und Tierrechtsprojekten zugute. Bestellen könnt ihr das Buch im tierbefreier-shop oder in jeder Buchhandlung (52 Seiten, farbig kartoniert, ISBN 978-3-86747-066-7, SeitenHieb Verlag, 1. Auflage 2014, 9,90 Euro).

Impressionen rund um das Buch „Galerie des Entsetzens“

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