Ohne Menschenrechte keine Tierrechte – Über den Vortrag vom 17.02.2014 im Gleis22 in Münster

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Am Montag den 17.02.2014 fand im Gleis22 in Münster ein weiterer Vortrag der Vortragsreihe Umweltbildung statt. Birgit Schulze vom Tierrechtstreff-Münster war für uns vor Ort und schildert uns hier ihre Eindrücke.

„Ohne Menschenrechte keine Tierrechte“ – Vortrag im Gleis22

Im Rahmen der Vortragsreihe Umweltbildung, die in diesem Jahr den Schwerpunkt Tierschutz/Tierrechte zum Thema hat, lud das Jugendinformations- und -bildungszentrum (Jib) der Stadt Münster ein weiteres Mal ins Gleis22 ein. Dieses Mal zum Vortrag „Ohne Menschenrechte keine Tierrechte“ des Müncheners Uwe Siwek, Vorsitzenden des WEEAC Deutschland.

WEEAC Deutschland ist ein noch junger Verein, der es sich zur Aufgabe macht in Deutschland sowie international Tierquälerei, Missbrauch, Ausbeutung sowie das Töten der Tiere nachhaltig zu bekämpfen. WEEAC steht für World Event to End Animal Cruelty und wird vom Verein als Welttag gegen Tierquälerei bezeichnet.

Den Hauptfokus lege WEEAC Deutschland auf die Bekämpfung des illegalen Tierhandels (Welpenhandel und Handel mit artgeschützten Tieren in Europa), erläuterte Uwe Siwek bei der Vorstellung des Vereins zu Beginn der Veranstaltung. Er sei seit acht Jahren aktiv im Tierschutz tätig und wolle in seinem Vortrag die Zusammenhänge von Menschen- und Tierrechten deutlich machen. Solange gegen Menschenrechte verstoßen werde, werde auch gegen Tierrechte verstoßen, oder anders herum gesagt: Gehe es den Menschen gut, könnten wir davon ausgehen, dass auch die Tiere besser behandelt würden.

Themenbereiche des Vortrags im Überblick

Der Vortrag umfasste viele Themenbereiche, die unterschiedlich intensiv behandelt wurden:

Hundetötungen in Rumänien

Die Regierung habe ein Kopfgeld von 50 Euro für jeden gefangenen Hund ausgesetzt, wodurch Hundefang dort ein lukratives Geschäft sei. Hunde, die nach 14 Tagen nicht vermittelt werden könnten, würden getötet. Dies beträfe den Großteil der Hunde.

Die Heiligen Kühe in Indien

In Indien dürften Kühe nicht getötet werden. Daher würden sie ins Nachbarland Bangladesch geschmuggelt und dort geschlachtet. Bis zur Schlachtung stehe ihnen ein langer, qualvoller Transport bevor. Die Gerbung des Leders erfolge vielfach von Kindern, beim Gerbungsprozess würden viele Giftstoffe eingesetzt.

Palmölgewinnung im Regenwald

Palmöl sei ein billiger Rohstoff und werde als Lebensmittel oder auch als Energiequelle genutzt, z. B.  als Kraftstoff. Für die Gewinnung von Palmöl würden riesige Flächen Urwald durch Rodung abgeholzt. Die dort lebenden Orang-Utans würden vertrieben oder falls ihnen die Flucht nicht gelinge, verbrannt. Auch Ureinwohner würden vertrieben, sie hätten kein Recht auf ihr Land. Gesetze, die zum Schutz der Regenwälder und der Tiere geschaffen wurden, würden ignoriert; die Palmölindustrie sei mächtig. Kein Land produziere mehr Palmöl als Indonesien. Der Lebensraum für die Orang-Utans schrumpfe. Tiere, die von Tierschützern gerettet werden könnten, würden in den Norden des Landes umgesiedelt. Dies sei bisher bei rund 30 Tieren gelungen.

Grausamer Affenhandel in Madagaskar für Tierversuche

Makaken seien international geschützt. Trotzdem würden jedes Jahr Tausende von ihnen per Flugzeug von der Insel Mauritius exportiert. Sie landeten in Tierversuchslaboren, u. a. in Deutschland. Die Affen würden in der Wildnis gefangen und in Zuchtfabriken unter schlechten Bedingungen gezüchtet. Im Jahre 2012 seien allein in Deutschland insgesamt 3,08 Millionen Tiere getötet worden.

„Dies waren einige Beispiele, die deutlich machen, dass Tiere Rechte brauchen“, schloss Uwe Siwek diesen Themenblock ab. Es folgten einige Bilder aus deutschen Betrieben: Tote Hühner aus Bodenhaltung; tote Schweine in einer Mastanlage, LKW-Unfälle mit Tieren, eine Milchkuh mit Klebeband am Schwanz (der Schwanz sei mehrfach gebrochen gewesen), Tiere die im eigenen Kot stehen.

Tierschutz sei in Deutschland im Grundgesetz verankert. Dennoch kümmere sich niemand darum; es werde nicht kontrolliert.

Deutsches Arbeitsrecht ausgehebelt für Billiglöhner aus Osteuropa

Eine zehnminütige Reportage zeigte die Missstände in der Fleischindustrie auf, in der Billiglöhner aus Osteuropa als Lohnsklaven in Deutschland ausgebeutet würden. Die Arbeiter kämen vorwiegend aus Rumänien und Bulgarien, oft aus Geldnot. Angestellt würden sie von ausländischen Arbeitgebern und kämen als Werkvertragsmitarbeiter in deutsche Großbetriebe, z. B. Wiesenhof. Dadurch sei das deutsche Arbeitsrecht ausgehebelt und sie arbeiteten für 4,00 oder 4,50 Euro brutto die Stunde am Fließband. Untergebracht seien sie in heruntergekommenen Unterkünften, in Kasernen oder auf Campingplätzen. Die Gelände seien z. T. mit Stacheldraht umgeben. Den Arbeitern werde unter Androhung der Kündigung verboten über ihre Bedingungen zu sprechen.

In der Fleischindustrie werde im Akkord gearbeitet. Für einen Bolzenschuss blieben gerade mal zwei Sekunden Zeit. Die Folge seien Fehlbetäubungen, d. h. die Tiere wachten während des Schlachtprozesses wieder auf. Jedes elfte Rind und jedes achte Schwein erlebe die Tötung bei vollem Bewusstsein. Aber auch bei Hühnern und Puten seien Fehlbetäubungen an der Tagesordnung.

Die Anbauflächen in Deutschland reichten längst nicht mehr aus, um das Futter für die Intensivtierhaltung sicherzustellen. Soja werde daher auf riesigen Flächen z. B. in Brasilien angebaut. Um die Flächen zu gewinnen würden wiederum Regenwälder abgeholzt, Menschen und Tiere aus ihrer Heimat und von ihren Feldern vertrieben, Heilpflanzen und Tierarten für immer ausgerottet.

In einem Film über die Sojaproduktion in Südamerika wurde über die Zwangsarbeit auf Plantagen berichtet. Menschen, die durch den Einsatz von Pestiziden an Krankheiten und Missbildungen litten sowie vergiftetes Wasser seien die Folgen der Sojaproduktion, mit denen Konzerne wie Monsanto Menschen, Tiere und Umwelt ausbeuteten.

In ganz Europa werde Fleisch nicht so billig produziert, wie es in Deutschland der Fall ist, erklärte uns Uwe Siwek am Ende seines Vortrags. Die Lösung sehe er in einem Fleischverzicht oder zumindest in einer Reduzierung des Fleischkonsums und im Verzicht auf Billigfleisch.

Mein Fazit

Ein gänzlicher oder teilweiser Verzicht auf Fleisch ist sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung, aber nur eine konsequente vegane Lebensweise sichert allen Menschen und Tieren die Rechte, die jedem Individuum gewährt werden sollten: das Recht auf Leben, körperliche Unversehrtheit und Freiheit!

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