Ganzheitlich vegan übernachten – Interview mit der Gründerin des Green Haven Bed & Breakfast in Hamburg

Print Friendly

Ganzheitlich vegan übernachten im Green Haven in Hamburg

Vor Kurzem eröffnete mit dem Green Haven Hamburgs erste rein vegane Unterkunft. Der grüne Hafen bietet Übernachtungen in gemütlicher Atmosphäre und veganes Frühstück. Bei der Einrichtung kamen unter anderem gebrauchte Materialien und Gegenstände vom Flohmarkt und vom Sperrmüll zum Einsatz. Betten wurden aus Holzpaletten gefertigt, Omas alte Lampe wurde aufgehübscht und auf den Tischen stehen Teller aus den verschiedensten Services.

Und nicht nur Upcycling ist ein großes Thema im Green Haven. Alles, was neu angeschafft werden musste wie Bettwäsche, Handtücher, Reinigungsmittel usw. ist bio, fairtrade und aus natürlichen, veganen Materialien hergestellt.

Vegane Kochkurse und Tauschpartys

Christiane Bors vom Green Haven in Hamburg

Christiane Bors vom Green Haven in Hamburg

Die hauseigene Solaranlage versorgt das Haus bei Sonnenschein mit Strom, wenn das Wetter schlecht ist, wird Ökostrom bezogen. Das Green Haven ist ein Bed & Breakfast der besonderen Art. So werden z. B. auch in regelmäßigen Abständen Veranstaltungen wie Kochkurse und Tauschpartys angeboten.

Natürlich sind nicht nur Veganer unter den Gästen, Neugierige sind jederzeit willkommen und welcher Ort eignet sich besser zum Kontakte knüpfen, als ein gemütlicher Treffpunkt an dem Gleichgesinnte bei einem leckeren Frühstück zusammenkommen?

Ich habe mich mit Christiane, der Gründerin des Green Haven sehr nett unterhalten.

Anne: Guten Morgen, liebe Christiane, wie geht es dir? Schön, dass du dir die Zeit für das Interview nimmst!

Christiane: Hallo Anne, Danke für dein Interesse am Green Haven.

Anne: Was gab es bei dir denn heute zum Frühstück?

Christiane: Heute gab es unser „English Deluxe“, ein dem English Breakfast nachempfundenes Frühstück: Scrambled Tofu mit Tomate, gebratenen Soja-Seitan Würstchen und Vollkorntoast. Es ist wegen des hohen Eiweißanteils sehr sättigend und schmeckt dank des Kala Namak Salzes sogar ein Bisschen nach Ei. Dazu ein Soja-Latte mit Espresso vom Hamburger Kaffee Kollektiv Aroma Zapatista.

Anne: Was gehört im Green Haven zu einem Standard-Frühstück dazu?

Christiane: Ein Standard-Frühstück gibt es nicht, die Gäste können am Vorabend individuell aus der Karte auswählen, z.B. Chiapudding, das oben genannte English Breakfast, Frühstücksbrei, verschiedene Brotaufstriche, Obstsalat und so weiter…

Anne: Was würdest du besonders empfehlen?

Christiane: Ich persönlich esse selbst fast täglich den „Low carb Frühstückbrei“ mit Apfel, Kleie, Walnüssen, Zimt und Kokosöl. Lecker und gesund – und dank des niedrigen Kohlehydratanteils nachhaltig sättigend.

Anne: Seit wann gibt es das Green Haven nun schon?

Das Green Haven gibt es seit 2014

Blumenpalette im Green Haven

Blumenpalette im Green Haven

Christiane: Ich habe am 06. Dezember 2014 eröffnet. Da war zwar noch nicht alles perfekt, aber so nach und nach ist nun alles so wie ich es haben möchte. Wobei, es gibt immer noch kleine Dinge, die verändert oder verbessert werden sollen. Zum Beispiel möchten wir noch einen Bauwagen im Hinterhof als weitere außergewöhnliche Übernachtungsmöglichkeit anbieten.

Anne: Was genau bedeutet der Name? Wie seid ihr darauf gekommen, bzw. wer hat sich den ausgedacht?

Christiane: Der Name bedeutet „Grüner Hafen“, aber auch Zufluchtsort. Die Gäste, die es ja als Veganer oft ernährungstechnisch nicht so leicht haben, sollen hier einen Zufluchtsort finden, wo sie sich keine Gedanken um ihr Essen machen müssen. Letzten Herbst hatte ich einen Wettbewerb für die Namensfindung ausgeschrieben und letztlich ist der Name aus unterschiedlichen Vorschlägen und meinen eigenen Vorstellungen entstanden.

Anne: Welchen Aufgaben stellst du dich täglich im Green Haven?

Christiane: Als Inhaberin mache ich eigentlich alles hier! Gäste betreuen, Marketing, Zimmer reinigen, Buchhaltung, Frühstück zubereiten, Handwerkertätigkeiten, also alles, was so anliegt.

Anne: Das ist ganz schön viel, wie sieht es denn mit Mitarbeitern aus?

Christiane: Im Moment habe ich ein Aushilfe, die mich ein paar Stunden in der Woche unterstützt. Alles andere schaffe ich derzeit noch alleine.

Anne: Wo bezieht ihr eure Lebensmittel?

Christiane: Haltbare Lebensmittel kommen von einem Naturkosthändler aus dem Hamburger Umland. Frische Lebensmittel vom Biosupermarkt um die Ecke oder vom Markt. Die Lebensmittel sollen nach Möglichkeit regional, bio und fair gehandelt bzw. hergestellt sein.

Anne: Was unterscheidet das Green Haven von anderen Bed & Breakfasts?

Koje im Green Haven

Koje im Green Haven

Übernachten in persönlicher Atmosphäre

Christiane: Zum einen haben wir eine sehr persönliche Atmosphäre dadurch, dass wir nur 3 Zimmer haben. Da kommt man schnell beim Frühstück ins Gespräch. Zum anderen können Veganer ohne Bedenken, dass tierische Inhaltsstoffe in Essen, Bettdecken, Reinigungsmitteln usw. sind, bei uns unterkommen und hinterlassen mit ihrem Aufenthalt nur einen geringen CO2-Fußabdruck.

Anne: Wie sind die Zimmer ausgestattet?

Christiane: Derzeit haben wir ein Einzelzimmer, ein Doppelzimmer und eine Suite für bis zu 4 Personen.

Anne: Du bietest auch Kurse für deine Gäste an? Was für welche genau?

Christiane: Als nächstes findet Ende August ein Workshop zum Thema „Rohkost-Pizza“ statt. Im Herbst geht es dann weiter mit einem veganen Menu-Kochkurs von Regina von Luxuskost1. Ansonsten berate ich sowohl meine Gäste als auch Locals persönlich zum Umstieg auf eine vegane Ernährungs- und Lebensweise. Das kann in Form eines Coachings sein oder ganz praktisch anhand eines individuellen Kochkurses.

Anne: Wie lange im Voraus sollte man reservieren, wenn man im Green Haven übernachten möchte?

Christiane: Bis Ende September sind wir jetzt Ende August schon sehr gut gebucht, also so ein, zwei Monate im Voraus ist sicher sinnvoll. Manchmal gibt es aber auch Lücken zwischendurch, dann geht es auch spontan. Nur die Übernachtungen von Freitag bis Sonntag sind immer schnell weg.

Anne: Kommst du aus der Hotellerie, oder hast du vorher was anderes gemacht?

Christiane: Ich selbst habe nach dem Abitur Hotelfachfrau gelernt, ein paar Jahre in dem Bereich gearbeitet und dann auf der Hotelfachschule meinen Betriebswirt für Hotel- und Gastronomiemanagement gemacht. Danach habe ich dann aber zwischenzeitlich im Gesundheitsbereich gearbeitet. Meine Aushilfe studiert Ernährungswissenschaften, hat aber auch bereits Erfahrung in der Gastronomie mitgebracht.

Anne: Lebst du selbst auch vegan?

Christiane: Ja, sonst könnte man das Konzept sicher nicht so gut verkaufen.

Anne: Seit wann?

Christiane: Seit etwa 2011.

Anne: Was war der Auslöser?

Kajüte im Green Haven

Kajüte im Green Haven

„Vegan ist für mich die einzige ethisch korrekte Lebensweise“

Christiane: Einen konkreten Auslöser gab es nicht. Ich bin schon seit 2002 Vegetarierin und habe mich dann 2011 wieder intensiver mit dem Thema beschäftigt. Dabei bin ich zu dem Schluss gekommen, dass die vegane Lebensweise die einzig ethisch korrekte Lebensweise für mich ist. Eine Ausnahme mache ich allerdings, wenn auch sehr selten, bei gerettetem Essen. Ich hole über Foodsharing2 Lebensmittel bei Läden ab, die diese sonst entsorgen werden würden, weil sie z. B. abgelaufen sind. Wenn ich diese Lebensmittel nicht weiter verteile, kommt es auch mal vor, dass ich ein Stück Butter oder was Ähnliches im Kühlschrank liegen habe. Fleisch oder Fisch werde ich aber sicherlich nie wieder essen können.

Anne: Hamburg ist vegan. Und das ist in aller Munde. Die veganen Cafés schießen wie Pilze aus dem Boden, im Supermarkt ist das Angebot breit gefächert, die Verkaufszahlen veganer Foodtrucks lassen die Pulled Pork Verkäufer vor Neid erblassen. Einige tun das ja als momentanen Trend ab. Wie siehst du das? Ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis Tierisches komplett aus den Ladenregalen verschwindet?

Christiane: Das wäre natürlich wünschenswert, ist aber wohl Utopie… Eine komplett vegane Gesellschaft ist nicht vorstellbar, auch wenn sich damit mühelos die Weltbevölkerung ernähren ließe und sich neben dem verhinderten Tierleid noch viele weitere (Umwelt-)probleme lösen ließen. Aber die heutige Politik in der westlichen Welt sieht keine Ernährungsgerechtigkeit vor und die Fleischindustrie hat eine zu große Lobby…

Dennoch ist es schön, dass sich immer mehr Menschen für diese Lebensweise einsetzen und auf diese Nachfrage eingegangen wird. Wenn der nächste Ernährungstrend kommt, springt der eine oder andere sicher wieder ab, aber die, die mit dem Herzen dabei sind, werden auch dabei bleiben.

Anne: Ist Hamburg da ein Vorreiter und Vorbild für andere Städte?

Christiane: Generell scheint Deutschland ein Vorreiter in Europa zu sein. Ich höre viel von meinen Gästen, die aus ganz Deutschland und den umliegenden Ländern kommen. Gegen Berlin kommt Hamburg mit seinem Angebot für Veganer noch nicht an, aber an Platz zwei in Deutschland stehen wir vermutlich schon.

Anne: Wie sieht es denn bei Euch aus, das Green Haven ist ja die erste komplett vegane Unterkunft in Hamburg. Habt Ihr schon Nachahmer gefunden?

Christiane: Auf der Seite veggiehotels.com3 findet man alle vegetarisch-vegan ausgerichteten Unterkünfte in Deutschland und auch weltweit. Es gibt mittlerweile schon ein paar rein vegane. In Hamburg gibt es zwar zwei, drei Hotels, die auch ein veganes Frühstück anbieten, aber keins mit einem ganzheitlich vegan-nachhaltigem Konzept wie bei uns.

Green Haven - Vegan Bed & Breakfast

Green Haven – Vegan Bed & Breakfast

Verpackungsfrei einkaufen

Anne: Was hat es mit deinem Projekt „Verpackungsfrei einkaufen“ auf sich?

Christiane: Wir haben eine Projektgruppe gegründet, die daran arbeitet, einen verpackungsfreien oder zumindest verpackungsarmen Laden in Hamburg zu eröffnen. Es gibt bundesweit mittlerweile schon einige solcher Läden und in Hamburg ist schon längst einer überfällig!

Anne: Ein Blick in die Zukunft: Wie geht es mit dem Green Haven weiter? Welche Projekte sind geplant? Wird es weitere Standorte geben?

Christiane: Expandieren möchte ich eigentlich nicht, denn dann ginge das Persönliche, das den Charme des Green Haven ausmacht, schnell verloren. Ich habe schließlich nicht umsonst beruflich damals Abstand von der Kettenhotellerie genommen (lacht). Wenn sich jedoch eine günstige Immobilie in der Nähe fände, könnte man zumindest um ein paar Zimmer erweitern. Die Nachfrage ist auf jeden Fall da!

Anne: Ein Tipp von Dir: Wo gehst Du am liebsten abends essen in Hamburg?

Christiane: Da ich öfter in St Pauli bin, gehe ich gerne in die „Kombüse“ auf einen veganen Potato-Burrito – alternative Atmosphäre, günstig, lecker!

Anne: Liebe Christiane, ich danke dir für das nette Gespräch! Es hat mir sehr großen Spaß gemacht! Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg mit dem Green Haven!

Christiane: Sehr gerne und auch vielen Dank an Dich!

Wer gerne mehr über das Green Haven erfahren möchte, kann sich jederzeit auf der Homepage des Bed & Breakfast informieren.

Artikel von Anne Reis cardamonchai.com

Bilder im Header: Anne Reis privat
Bilder im Text: Green Haven

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *