„Mein ganzes Leben ist eine Reise” – Interview mit Conni Biesalski von Planet Backpack

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Conni von Planet Backpack
Vegan auf Reisen: Ein sehr interessantes Thema, das auch hier bei Vegan News schon heiß diskutiert wurde. Für viele ist es eine Herausforderung, mit dem Rucksack durch die Welt zu reisen, dabei Länder und Kulturen kennen zu lernen und natürlich auch kulinarisch immer wieder neue Entdeckungen zu machen.

Ich habe mich heute mit der veganen Reisebloggerin Conni von Planet Backpack unterhalten. Unser Gespräch war sehr aufschlussreich und hat in mir die Lust geweckt, selbst mal wieder den Rucksack zu packen.

„Ich bin mit Planet Backpack komplett ortsunabhängig”

Anne: Hallo Conni, wie geht es dir heute? Wie war dein Tag bis jetzt? Ich freue mich echt total, das Interview mit dir machen zu dürfen, ich folge dir schon sehr lange auf Instagram1 und bewundere jedes Mal deine farbenfrohen, tollen Bilder! Wie lange liegt Deine letzte Reise denn jetzt zurück und wo ging es hin?

Namasté, Conni!

Namasté, Conni!

Conni: Mein ganzes Leben ist eine Reise. Ich bin komplett ortsunabhängig. Meine Homebase ist derzeit auf Bali. Gerade komme ich aus Thailand zurück, wo ich 10 Tage verbracht habe, um Freunde zu besuchen und einen Health Check in Bangkok zu machen.

Anne: Wie lange bist du schon unterwegs?

Conni: Mein nomadisches Leben hat in meinen Teenagerjahren begonnen – als digitale Nomadin bin ich seit 2012 unterwegs. Das letzte Mal war ich für ein paar Wochen im Juli diesen Jahres in Deutschland.

Anne: Hast du Lieblingsreiseziele?

Conni: Bali und Mexiko. Zwei ganz besondere Länder für mich.

Anne: Du lebst ja selbst auch vegan, seit wann denn? Gab es für dich einen besonderen Auslöser?

Conni: Ich bin schon mein Leben lang Vegetarierin. Schon als Kind mochte ich nie Fleisch oder Fisch essen und habe nie verstanden, warum Menschen Tiere essen. Nach einigen Versuchen hat es meine Mutter dann auch irgendwann aufgegeben (lacht).

In den letzten Jahren hatte ich dann immer mal wieder vegane Episoden, aber voll und ganz übergetreten bin ich im Januar diesen Jahres und es war die wohl beste Entscheidung meines Lebens. Es war während eines einmonatigen Yogaretreats in einem kleinen Ashram in Mexiko. Es gab auf Basis der Yoga-Philosophie (u.a. Gewaltfreiheit) nur veganes Essen dort und schon währenddessen war mir klar, dass ich auch danach mein Leben weiterhin komplett vegan ausrichten würde. Je mehr ich mit der Thematik befasst habe und je tiefer ich in mein Leben als Yogi eingetaucht bin, desto klarer wurde mir, dass eine vegetarische Ernährung nicht viel besser ist, als Fleisch zu essen. Entweder ganz oder gar nicht.

„Vegan auf Reisen kann eine Herausforderung sein”

Conni spricht über ihre Reisen

Conni spricht über ihre Reisen

Anne: Einige von uns haben das ja auch schon erlebt, vegan auf Reisen, das kann zu einer ganz schönen Herausforderung werden, erst vor Kurzem habe ich zum Beispiel ein Interview mit einem Yakutien- und Sibirienreisenden2 gemacht, der ist wirklich an seine Grenzen gekommen. Gab es für dich auch schon solche Grenzsituationen?

Conni: Die gab es am Flughafen in Casablanca in Marokko dieses Jahr, generell war es sehr schwierig in dem Land. Da bin ich manchmal ein wenig verhungert.

Aber meistens bedeutet für mich die Herausforderung nicht veganes Essen zu finden, sondern gesundes. Man findet ja immer irgendwie Brot oder Reis oder ungesundes veganes Essen.

Anne: Kam es schon mal vor, dass dir absolut nichts anderes übrig geblieben ist, als die vegane Ernährung zu vernachlässigen, weil es einfach nur noch darum ging, endlich was in den Magen zu bekommen?

Conni: Ich denke, dass es am Ende des Tages immer eine bewusste Entscheidung ist. Und ja klar, das habe ich auch schon ein paar Mal erlebt oder aber Sachen gegessen, bei denen ich mir einfach nicht ganz sicher war, ob nun Produkte tierischen Ursprungs enthalten waren. Es geht mir nicht um Perfektionismus, solche Situationen kommen vor und dann ist das eben so. Abhaken und weitermachen. Mein Ekel vor tierischen Milchprodukten wird allerdings immer größer, sodass ich dann häufig lieber eine Zeitlang hungere.

„Es geht nicht um Hundertprozentigkeit”

Yoga Food Happiness

Yoga Food Happiness

Anne: Kannst Du mir einen Tipp geben, wie man solche Situationen umgehen bzw. überstehen kann?

Conni: Wie gesagt, es ist nichts Verwerfliches – es geht nicht um Hundertprozentigkeit, sondern um den generellen Lifestyle. Ausnahmen gehören besonders in „Extremsituationen“ unterwegs auf Reisen dazu. Seitdem ich aber dieses Jahr eine Woche Wasserfasten gemacht habe, weiß ich, dass ich mit dem Gefühl Hunger gut einige Stunden oder einen Tag umgehen kann, wenn ich unterwegs bin.

Anne: Was sollte man auf Reisen immer dabei haben?

Conni: Kleine Snacks! Nüsse, Trockenfrüchte, vegane Schokolade und Müsliriegel.

Anne: Was ist unterwegs dein Lieblingssnack?

Conni: Nüsse!

Anne: Ich habe zum Beispiel festgestellt, dass man in Sri Lanka, Indonesion und England als Veganer unglaublich gut zurechtkommt. Gibt es weitere Länder, die Du mir empfehlen kannst?

Conni: Thailand, Bali und Australien sind fantastisch.

Anne: Wie kam es dazu, dass du zur Reisenden wurdest. Hattest du schon immer vor, durch die Welt zu jetten und Deine Erlebnisse aufzuschreiben?

Conni: Das ging wie gesagt schon ziemlich früh los. Mit 15 war ich für ein Highschool-Jahr in den USA und im Anschluss für zwei Jahre in England auf der Schule für mein Abi. Von da an ging es immer weiter. Meine erste richtige Backpack-Fernreise, die selbstorganisiert und ganz unabhängig war, ging mit 20 nach Thailand. Da war dann auch der Bann gebrochen, die Welt immer weiter zu erkunden und das mache ich seitdem auch. Mein Reiseblock Planet Backpack3 habe ich erst nach vielen Jahren Reise gegründet.

„Ich bin eine digitale Zen Nomadin”

Conni in ihrem minimalistischen Office

Conni in ihrem minimalistischen Office

Anne: Du bezeichnest Dich selbst als Zen Nomadin. Was muss ich mir darunter vorstellen?

Conni: Ein digitaler Zen Nomade ist jemand, der ortsunabhängig lebt und arbeitet und dabei Yoga, Meditation, gesunde Ernährung und eine bewusste, achtsame und holistische Lebensweise in seinen ortsunabhängigen Lifestyle integriert. Das digitale Zen Nomadenleben geht weg von purem Sightseeing und traditionellem Fast Food Tourismus, hin zu Slow Travel als Digitaler Nomade und Reisen als spirituelles Erlebnis. Ich persönlich würde noch hinzufügen, dass das Business eines digitalen Zen Nomaden von Herzen kommt, nicht nur zahlen- und geldorientiert ist, sondern wirklich das Leben anderer Menschen positiv verändern möchte.

Anne: Was bedeutet Spiritualität für dich? Gehörst du einem Glauben an?

Conni: Spiritualität hat für mich nichts mit Religion zu tun. Ich glaub an etwas Größeres als mich, an das Universum. Spiritualität bedeutet für mich, meiner Seele und mir selbst auf den Grund zu gehen und mich auf die Suche nach meinem wahren Selbst zu begeben. Es bedeutet, das Leben in all seinen Tiefen zu erforschen und mich auf meiner tiefsten Ebene kennenzulernen, meine Gefühle voll und bewusst zu fühlen und im täglichen Leben achtsamer zu sein.

Anne: Jemand möchte gerne für eine Zeitlang aus seinem Alltag ausbrechen und auf Reisen gehen, traut sich jedoch nicht richtig, diesen Schritt zu gehen. Was würdest du ihm/ihr raten?

Conni: Angst ist ein großes Thema wenn es darum geht zu Reisen. Sei es Angst vor dem Unbekannten, Angst vor fremden Kulturen, Angst vor Einsamkeit oder ganz reale Ängste, wie die Angst überfallen zu werden, im Ausland krank zu werden oder zu Hause nach der Rückkehr keinen Job mehr zu bekommen.

Im besten Fall hilft es, sich mit Menschen zu umgeben, die das Selbe schon mal gemacht haben oder vorhaben. Außerdem hilft es sehr, viel über das Thema Langzeitreisen zu lesen.

„Man sollte nicht damit warten, sich seine Träume zu erfüllen”

Conni unterwegs

Conni unterwegs

Wichtig ist auch, sich immer wieder vor Augen zu halten, dass man nur ein Leben hat und es wichtig ist, nicht zu lange damit zu warten, sich seine zu Träume zu erfüllen. Das Leben ist so viel mehr als nur ein Job und ein Zuhause.

Anne: Welche Hürden muss man nehmen, wenn man ortsunabhängig leben und arbeiten möchte?

Conni: Ich würde es nicht Hürden nennen, sondern Voraussetzungen:

  • Du musst viel lernen wollen – Zum Beispiel alles zum Thema Online-Business und Marketing.
  • Ein minimalistischer Lifestyle und ein minimalistisches Office sollten für dich kein Problem sein.
  • Du brauchst ein unglaublich hohes Level an Motivation, Entschlossenheit und Durchhaltevermögen, denn das Ganze ist kein Kindergeburtstag, sondern ein Marathon.
  • Du musst bereit sein, Risiken einzugehen und das Ungewisse zu umarmen.
  • Du brauchst ein stetes Level an Produktivität besonders unterwegs und damit viel Disziplin

Anne: Wie entscheidest du, wo es dich als Nächstes hinzieht, machst du das ganz spontan, lässt dich treiben, oder planst du?

Conni: Ich suche meine Destinationen nie willkürlich aus oder nur weil sie günstig sind oder gerade “hip”. Meine wichtigsten Bedürfnisse und Kriterien bei der Auswahl eines Ortes, besonders wenn ich vorhabe längere Zeit dort zu verbringen sind:

  • Angebot an Yogaunterricht
  • Zugang zu gesundem, veganen Essen
  • Coworking Space oder gute Working Cafes
  • Meer und Natur
  • Warme, heiße, tropische Temperaturen
  • Community kreativer, digitaler Nomaden
  • Spirituelle Community und Yogis

Außerdem reise ich auch für Yoga-Retreats, Workshops und Kurse, Events, Konferenzen und um Freunde oder Familie irgendwo auf dieser Welt zu besuchen. Ich versuche dabei oft zeitliche und geographische Verbindungen herzustellen.

Ich plane sehr wenig, oft buche ich meinen Flug nur ein paar Wochen oder selbst Tage vorher.

Anne: Was ist dein nächstes Ziel, wo wird deine Reise dich hinführen?

Conni: Im Februar geht es voraussichtlich nach Neuseeland auf das Wanderlust Festival und auf einen kleinen Roadtrip im Campervan!

Anne: Dann wünsche ich dir viel Spaß, liebe Conni und weiterhin gute Reise! Vielen Dank für das überaus interessante Interview!

Conni: Liebend gerne!

Fußnoten

Interview: Anne Reis, cardamonchai.com

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