Interview mit Franz Preihs – Der vegane Extremsportler aus Österreich

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Franz Preihs Interview
Franz Preihs
ist ein veganer Ausnahmeathlet. Er bestreitet unfassbare Langdistanzrennen mit dem Fahrrad. Und nicht nur optisch sticht er aus der Menge hervor. Der tätowierte Bike Rock ‘n Roller ist ein sympathischer, mitfühlender und idealistischer Sportler, der unbeirrt seiner eigenen Passion folgt. Dem Extremradsport. Für uns hat er sich Zeit genommen um in 15 Fragen ausführlich über sich zu erzählen.

Der vegane Extremsportler aus Österreich

ALR2014Seit seiner Geburt am 14. Februar 1978 in Bruck/Mur (Österreich), gehörten sportliche Höchstleistungen zum Alltag von Franz Preihs. Im Alter von nur 4 Jahren fasste er im Leistungssport Fuß und konnte bereits damals einige Meistertitel im Skisport erringen. Über den Laufsport und unzählige Ausdauerwettbewerbe ist er schließlich zum Radsport gekommen.

Seit 2002 lässt ihn die Faszination von extremen Ausdauerleistungen in dieser Disziplin nicht mehr los. Neben erfolgreichen Teilnahmen an allen großen Radrennen dieser Welt erreichte er als erster vegane Solo-Racer bereits 2 Mal das Ziel beim Race Across America.

Die eigene Ideologie als Passion

Franz Preihs ist in Österreich bereits zur eigenen Marke avanciert. Schon in Jugendjahren kam er mit der Straight-Edge-Szene in Berührung. Diese definiert sich besonders durch den Verzicht auf Alkohol, Tabak und andere Drogen. Franz Preihs hat diese Ideologie mit seiner ethisch-moralischen Gesinnung, dem Veganismus, erweitert. So lebt er bereits seit vielen Jahren vegan und kann dennoch körperliche Spitzenleistungen erbringen. Für ihn ist ein respektvoller, nachhaltiger und sensibler Lebensstil mehr als nur leere Worte. Es ist eine Gesinnung, ein Dogma, eine Passion.

Mein Interview mit Franz Preihs

IMG_1002Bereits vor einigen Jahren durfte ich den veganen Extremradfahrer Franz Preihs persönlich kennen lernen und sogar als Betreuer beim bekannten Glocknerman begleiten. Dies ist ein Non-Stop Radrennen über mehr als 1.000 km und 16.000 hm. Schon damals war ich fasziniert von seinen Leistungen und seinem Willen. Gestern hat er sich ausführlich für mich Zeit genommen, um mir für ein Interview für Vegan-News.de Rede und Antwort zu stehen.

Mike: Lieber Franz. Vielen Dank, dass du dir Zeit für mich nimmst. Was bedeutet vegan für dich und wie bist du zur veganen Lebensweise gekommen?

Franz: Veganismus hat sich für mich über die Jahre hin „eingeschlichen“. Als ich 1999 das erste Mal nach Wien gegangen bin, bin ich mit der Straight Edge Szene in Kontakt gekommen und wurde da etwas „resozialisiert“. Schon damals war Veganismus, gemixt mit Straight Edge ein sehr großes Thema. Die Bands, die ich damals bewundert habe, wie zum Beispiel Shelter, waren damals schon vegan, lange bevor es ein Main-Stream Trend geworden ist. Am Anfang habe ich nicht wirklich darüber nachgedacht. Mit den Jahren war es dann so, dass ich mich immer mehr mit den Rechten von Tieren auseinandergesetzt habe und aufgrund der Tatsache, dass ich damals auch selbst Tiere hatte, ist das ganze dann ein Prozess geworden. Es ist ein Prozess des Umdenkens entstanden. Aus einer Subkultur heraus bin ich dann zur moralisch-ethischen Überzeugung gekommen, dass der einzig respektvolle Umgang mit anderen Lebewesen der ist, dass ich sie nicht esse. Mittlerweile ist aus dieser ursprünglich subkulturellen Ideologie eine ethische Grundhaltung entstanden.

Mike: In den Medien wird vegane Ernährung und sportliche Höchstleistung oftmals noch kritisch betrachtet. Wie hat die pflanzliche Ernährung deine Leistung beeinflusst?

Franz: Bei mir ist es so, dass die pflanzliche Ernährung meine Leistung nicht beeinflusst hat. Hätte ich, würde ich, wäre ich….Erstens bin ich schon sehr lange vegan. Die zweite Sache ist die, dass ich der absoluten Überzeugung bin, dass Veganismus weder einen Vorteil, noch einen Nachteil bietet. Du wirst dadurch nicht gesünder, nicht schlanker, nicht besser, nicht langsamer, nicht schneller, nicht leichter, nicht schwerer. Als Sportler musst du grundsätzlich darauf achten, was du zu dir führst, was du zu dir nimmst. Du musst schauen, dass deine Mikronährstoffe gut ausbalanciert sind. Somit hängt die Leistung besonders von der Disziplin des Sportlers an sich ab.

Mike: Welche sportlichen Erfolge konntest du als veganer Ausnahmeathlet für dich verzeichnen?

Franz: Danke, das ehrt mich sehr, dass du mich so nennst. Ich war jetzt nie der große Siegfahrer oder bin es auch nach wie vor nicht. Was ich sehr gut kann, ist besonders lange Rad zu fahren. Ich habe zwei Mal das Race Across America als Veganer gefinished, ich war zwei Mal bei der Crocodile Trophy in Australien, ich habe rund um den Globus extreme Ausdauerleistungen und Distanzen mit veganer Ernährung absolviert. Ich bin 2006 die Tour de France nonstop gefahren, die Alpentour in Bad Goisern über 220 km und über 7000 hm. Also auch Distanzen, die ein großes Maß an Kraftausdauer verlangen.

Intensiv leben setzt voraus, dass man weiß wofür man lebt! (Franz Preihs)

Mike: Wie stehen deine Sponsoren zum Veganismus bzw. ist es als veganer Sportler schwieriger, Sponsoren zu finden?

NAG_9554Franz: Das ist eigentlich kein großes Thema. Natürlich gehe ich jetzt nicht zu Firmen, die mit Fleisch arbeiten oder mit dem Leid von Tieren ihr Geld verdienen. Den Sponsoren die ich habe, geht es vor allem darum, dass ich Sportler bin, sportliche Projekte abwickle, dass ich Testimonial und Unternehmer bin, dass ich Blogger und Netzwerker sowie Social Media Experte bin und dadurch sehr fruchtbare Kooperationen entstehen, unabhängig von meiner Ernährungsgewohnheit.

Mike: Du bist nicht nur erfolgreicher Extremsportler, sondern gibst auch Vorträge und setzt dich für den Tierschutz ein. Welche Projekte gibt es in deinem Leben noch bzw. was sind deine nächsten Ziele?

Franz: Es gibt noch sehr viele Projekte. Ich werde 2016 zum Race Across the West fahren (eine verkürzte Form des RAAM mit knapp 2000 km). Aufgrund der Streckenführung sowie Temperaturen ein sehr schwieriges Rennen. Weiters steht noch eine dritte Teilnahme bei der Crocodile Trophy in Australien im nächsten Jahr an. Was mich schon seit Jahren fasziniert und fordert sind Besteigungen von Bergen. Hier schwirren einige Besteigungsprojekte gepaart mit den anschließenden Abfahrten in meinem Kopf herum, die ich gerne realisieren möchte. Gleichzeitig habe ich das RAAM nochmals auf meiner Agenda. Ich war jetzt bereits 4 Mal dabei, 2 Mal hat mich das Rennen abgeworfen, 2 Mal hatte ich das Glück, das Rennen zu beenden. Es steht also 2 gegen 2 und ich würde gerne das Kapitel RAAM mit einem Vorsprung meinerseits abschließen.

Mike: Du bist Teil von Animal Liberation Racing. Worum geht es in dieser Vereinigung?

Franz: Das ist ein Zusammenschluss von veganen Radsportlern weltweit, die sich zum Ziel gesetzt haben, über ihre sportlichen Leistungen und Social Media Präsenzen die vegane Ernährung zu verbreiten und zu zeigen, dass man sich auch über eine pflanzliche Ernährung behaupten kann. Es gibt in Utah (USA) einen Teamkern, mit dem ich sehr eng zusammenarbeite. Weiters haben wir spezielle Trikots, deren Reinerlös ausschließlich an caritative Aktionen geht. Das heißt, es bereichert sich niemand am Verkauf. Diese Jahr ging der Erlös an den Virunga National Park, für den Schutz von Berggorillas. Jedes Jahr gibt es eine neue Kollektion dieser Bekleidungslinie und somit gibt es jährlich eine eigene Tierschutzaktion.

Mike: Wie sieht ein typischer Tag im Leben des Franz Preihs aus?

Franz: Er beginnt mit dem Aufwachen und den ganz banalen Dingen des Lebens. Zähneputzen, Morgenhygiene, Frühstück. Dann hängt es davon ab, welcher Wochentag es ist. Ich bin ja nicht nur Profi, sondern auch Unternehmer. Ich betreibe mit einem Pharmazeuten aus Graz eine kleine Firma und besitze zudem die Studiokette BixPack. Auch bin ich als Testimonial tätig und halte unterschiedliche Vorträge. Ich habe also einerseits eine Business-Schiene und andererseits die sportliche Schiene. Also je nachdem beginnt mein Tag ganz banal mit Büro- und Projektarbeiten oder eben mit Sport. Die größte Challenge dabei ist es, Beruf und meinen Sport unter einen Hut zu bringen.

Mike: Wie verbringst du deine Abende, wenn es gerade mal nicht um Sport und Job geht?

NAG_9134Franz: (lacht) Sehr, sehr, sehr ruhig und simpel. Ich bin in der glücklichen Lage, dass meine Gattin Michaela kein wirklicher Partytiger ist. So sind die Abende sehr beschaulich. Ich lese sehr viel, schaue mir Dokumentationen an, ich geh sehr früh zu Bett, denn ich brauche mein tägliches Pensum an Schlaf, also mindestens 8 Stunden. Wir essen und kochen auch gerne selbst und genießen gemütliche Abende auf der Couch. Das ist für mich auch ein echter Luxus, nämlich eine gewisse Art von Einfachheit. Ich habe in Alltag und Leben so viel Action und genieße daher die Ruhe und wenn ich das Telefon mal abdrehen kann. Wenn man den nötigen Mut und Ehrgeiz hat, etwas zu verändern, und auch bereit ist, für diese Veränderung etwas zu investieren, kann man sehr viel schaffen. (Franz Preihs)

Mike: Ein Tag ohne Radfahren. Für dich denkbar?

Franz: Für mich jederzeit denkbar und auch ganz wichtig. Wie ein Schüler seine Ferien braucht um die Akkus wieder aufzuladen oder jeder Berufstätige seinen Urlaub um abzuschalten und die Arbeit Arbeit sein zu lassen, brauch auch ich als Sportler diese Regenerationsphasen. Der wöchentliche Ruhetag gehört also genauso dazu, wie die saisonalen Pausen, in denen ich meine Freizeit genieße.

Mike: Wer ist der Mensch hinter dem tätowierten Bike Rock ‘n Roller?

Franz: (lacht herzlich) Tja, hinter dem tätowierten Bike Rock ‘n Roller ist er ein tätowierter Bike Rock ‘n Roller J. Na, Spaß beiseite. Das Eine hat mit dem Anderen nichts zu tun. Ich liebe Sport, ich liebe es, mich körperlich zu belasten. Die Tattoos sowie der Musikgeschmack, was nicht unbedingt dem Stereotyp des Athleten entspricht, sind für mich ein wichtiger Bestandteil meiner Persönlichkeit und meines Lebens, genauso wie der Sport auch. Beides hat de facto nichts miteinander zu tun. Ich sehe mich einfach als Konglomerat aus extrovertiertem Menschen, der zusätzlich noch sehr gerne und sehr lange Rad fährt.

Mike: Als Kind warst du ja ein ziemlicher Rebell wie du mir einmal erzählt hast. Was hat die Wende zur Entwicklung zum veganen Extremsportler ausgelöst?

Franz: Ich bin mit dem Leistungssport (Skifahren) aufgewachsen und hatte dann zwischen meinem 17 und 19 Lebensjahr meine Sturm und Drang Zeit. Rebell ist aber ein unpassender Ausdruck. Damals am Land, also am Anfang der 90er Jahre, wurden einfach Tattoos und auffallende Frisuren mit Aufstand assoziiert. Letztlich ist dieses unkonventionelle Auftreten ein Teil meines Charakters. Trotzdem hat das Sportlerherz tief in mir immer geschlagen. Was manch Anderer vielleicht das ganze Leben macht, hab ich quasi in 2 Jahren erledigt.

Mike: Mit deiner Frau Michaela teilst du ja schon seit langem die Passion für den Langzeitausdauersport. Denkt ihr neben Beruf und Hobby eigentlich auch über Nachwuchs nach?

Franz: (lacht) Also wir haben einen Hund (Anm. d. Red.: Murphy, ein American Stafford Terrier), der ein bisschen Kindersatz für uns ist. Allerdings wäre es unverantwortlich, in der Situation in der wir leben, ein anderes Lebewesen in die Welt zu setzen. Das hat auch ein bisschen mit Egoismus zu tun und der Meinung, dass die Welt momentan nicht unbedingt der beste Ort für ein Kind ist, aufgrund der Entwicklungen, denen wir möglicherweise entgegensteuern. Andererseits hab auch ich ein sehr unkonstantes Leben und noch sehr viele Projekte in meinem Kopf. Darum ist das momentan einfach kein Thema.

Mike: Was war dein prägendstes veganes Erlebnis?

sportograf-51718867Franz: Ich hab immer wieder prägende Erlebnisse mit Veganismus bzw. im Umgang mit Tieren. Ich bin immer wieder erstaunt, egal wie klein ein Tier auch sein mag, wie empfindsam diese Lebewesen sind. Sei es die Winkelspinne, die einfach nur Angst hat oder jedes andere, fühlende Geschöpf. Aber ein wirklich klassisches Erlebnis, so wie du es ansprichst, fällt mir jetzt keines ein. Ich geh mit sehr offenen Augen durch die Gegend. Deshalb ist das bewusste Erleben anderer Lebewesen das Erlebnis an sich. Wenn ich in den Bergen zum Beispiel durch eine Kuhherde durchgehe, ist das für mich etwas Spezielles. Das sind einfach Momente in denen ich mich wohl fühle, aber was ich auch einer Leserschaft nur schwer mit Worten erklären kann.

Mike: Dein veganes Lieblingsgericht?

Franz: Grundsätzlich alles Hausgemachte und Bodenständige. Michaela kocht sehr gut. Ich mag sehr gerne Reisgerichte mit leicht indischem Touch. Aber einfach Alles was meine Frau kocht und dazu mit Lebensmittel aus dem Gemüsegarten meiner Eltern. Da werden einfach die leckersten Dinge gezaubert. Das spiegelt für mich auch eine gewisse Wertigkeit wieder.

Mike: Mit welcher Lebensweisheit möchtest du gerne andere Menschen inspirieren?

Franz: Wenn man den nötigen Mut und Ehrgeiz hat, etwas zu verändern, und auch bereit ist, für diese Veränderung etwas zu investieren, kann man sehr viel schaffen. Ich bin von meiner Konstitution her sicher nicht der beste Radfahrer oder Läufer. Ich bin eher klein und massig-muskulös. Trotzdem bin ich über 80 Marathons gelaufen, mit einer Bestzeit von 2h52’. Mir wurde immer gesagt, warum ich etwas nicht kann. Zum Beispiel auch 2008, als ich mir beim RAAM nach 2000km das Schlüsselbein gebrochen hatte. Trotzdem habe ich es am Ende geschafft, das Rennen zu finishen. Wenn man an das glaubt, was man tut, und dies auch mit Beharrlichkeit tut, dann wird das Ziel erreicht. Scheitern ist dabei ein wichtiger Aspekt. Die Menschen müssen auch wieder lernen zu scheitern und spüren, wie es ist, „auf die Goschn’ zu fallen“. Das gehört genauso dazu, denn genau hier macht man die notwendigen emotionalen Sprünge nach vorne. Denn wenn immer alles geschmiert laufen würde, würde man schon bald die Freude am eigenen Tun verlieren. Das ist genau das Spannende am RAAM und warum es mich immer wieder dort hinüber zieht. Weil wie Forrest Gump schon gesagt hat: „Wie eine Schachtel Pralinen. Man greift rein und weiß nie was man kriegt.“ Beim RAAM weiß man einfach nicht was passiert und ob man ins Ziel kommt. Es ist eine unglaublich lange Distanz.

Zusammenfassend kann ich einem jedem Menschen folgendes mitgeben:

  • Das Glauben an sich selbst
  • Das Scheitern zu akzeptieren
  • Eine gewisse Risikobereitschaft zu haben

Mike: Franz, ich danke dir nochmals sehr herzlich für dieses offene, sympathische und ehrliche Gespräch. Ich hoffe, dass auch 2016 ein erfolgreiches Jahr für dich wird und würde mich sehr freuen, wenn wir uns wieder sehen.

Kontakt zu Franz Preihs

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