Interview mit Dr. med. Ernst Walter Henrich

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Dr. med. Ernst Walter Henrich

Im Gespräch mit vegan-news.de, räumt Dr. Henrich mit diversen Mythen zum Thema Veganismus auf. Ohne Umschweife präsentiert er knallharte Fakten, die für eine vegane Ernährung sprechen.

Über Dr. med. Ernst Walter Henrich

An der Universität in Köln studierte und promovierte Dr. med. Ernst Walter Henrich an der medizinischen Fakultät. 1988 erhielt er, nach abgeschlossener Fortbildung im Bereich Naturheilkunde, die Genehmigung zum Führen der Zusatzbezeichnung „Naturheilverfahren“. Die Gesundheitsvorsorge, speziell durch gesunde Ernährung, ist sein Spezialgebiet.

Dr. med. Henrich im Interview:

Nichts könnte weiter von der Realität entfernt sein, als dass eine vegane Ernährung „ungesund“ und „extrem“ sei!

VEGAN NEWS: Vegan lebende Menschen werden oft mit der Meinung konfrontiert ihre Ernährungsweise sei ungesund, extrem und führe zu Mangelerscheinungen. Wie stehen Sie als praktizierender Arzt diesem „Glauben“ gegenüber, und was können Sie, aus Ihrer medizinischen Erfahrung heraus, darauf entgegen?

DR. HENRICH: Nichts könnte weiter von der Realität entfernt sein, als dass eine vegane Ernährung „ungesund“ und „extrem“ sei. Wenn man einmal darüber nachdenkt, kommt man zu dem Ergebnis, dass im Gegenteil eine nicht-vegane Lebensweise „extrem“ ist. Denn „extrem“ ist es, durch eine nicht vegane Lebensweise dafür verantwortlich zu sein,

  • dass der Konsum von Fleisch, Milch und Eiern für mindestens 51% der weltweiten von Menschen ausgelösten Treibhausgasemissionen verantwortlich ist und somit den Klimawandel bzw. die Klimakatastrophe auslöst,
  • dass jeder Tod eines Tieres und die systemimmanente Tierquälerei in der Tierhaltung wegen eines banalen ungesunden Geschmackerlebnisses ein unerträgliches und „extremes“ zum Himmel schreiendes Unrecht darstellt,
  • dass täglich zwischen 6.000 und 43.000 Kinder an Hunger sterben, während ca. 40% der weltweit gefangenen Fische, ca. 50 % der weltweiten Getreideernte und ca. 90 % der weltweiten Sojaernte an die „Nutztiere“ der Fleisch- und Milchindustrie verfüttert werden, was zum grossen Teil sogar aus den „Hungerländern“ stammt, (80% der hungernden Kinder leben in Ländern, die einen Nahrungsüberschuss produzieren, doch die Kinder bleiben hungrig und verhungern, weil der Getreideüberschuss an Tiere verfüttert bzw. exportiert wird.)

Es ist „extrem“, sich durch den Konsum von Fleisch, Milch, Milchprodukten, Eiern und Fisch die schwersten und tödlichen Erkrankungen wie Krebs, Herzinfarkt, Bluthochdruck, Schlaganfall, Diabetes, Alzheimer, Demenz, Adipositas usw. anzuessen. Auf meiner Website ProVegan sind zahlreiche Studien angegeben, die die krankmachende Wirkung von Tierprodukten belegen:
http://www.provegan.info/index.php?id=221&L=0
http://www.provegan.info/de/infothek/kategorie/china-studyprof-campbelldr-esselstyn/

Wenn sich jemand gegen die eigene Gesundheit entscheidet, mag das noch ok sein, auch wenn es über die Krankenkassen alle Versicherten belastet und ein eher unsoziales Verhalten auf Kosten aller darstellt. Wenn aber jemand dabei mitmacht, den Hungertod von Kindern und Erwachsenen zu verursachen, Tiere zu quälen und zu töten, die Erde für die nächsten Generationen unbewohnbar zu machen, dann ist das ein „extremes“ (moralisches) Verbrechen, das völlig inakzeptabel ist.

VEGAN NEWS: Ein großes und wichtiges Thema in der Auseinandersetzung mit der pflanzlichen Ernährung, und seiner gesundheitlichen Aspekte, ist das Vitamin B12. Sind Menschen die sich vegan ernähren höher gefährdet einen B12 Mangel zu erleiden? Falls ja, warum und wie kann man diesem Schicksal entgegenwirken?

Dr. med. Ernst Walter Henrich

Dr. med. Ernst Walter Henrich VEGAN GESUND leben

DR. HENRICH: Die Gefahr eines B12-Mangels besteht immer, unabhängig von der Ernährungsform. Die seriöse wissenschaftliche Ernährungsforschung stimmt überein, dass eine Supplementierung von B12 bei einer veganen Ernährung sinnvoll und notwendig ist. Wichtiger noch ist aber die Tatsache, dass man bei einem Verzicht auf Supplementierung nicht einmal eine Aussicht auf einen winzigen Vorteil hat, während die gesundheitlichen Risiken enorm sind. Fatal ist, dass viele Menschen auch dadurch in die Irre geleitet werden, dass die B12-Speicher im Körper 5-10 Jahre reichen können, so über viele Jahre hinweg keine Mangelerscheinungen auftreten und so sich die Menschen in falscher Sicherheit wiegen. Die neurologischen Schäden durch einen B12 Mangel sind irreversibel (nicht mehr rückgängig zu machen). Deshalb ist aus meiner Sicht jede Aufforderung oder Empfehlung nicht zu supplementieren, der Versuch einer fahrlässigen oder vorsätzlichen Körperverletzung. Dies gilt insbesondere bei Schwangeren und Kindern und übrigens auch für die Haustierernährung! Ich kann alle veganen B12 Präparate empfehlen!

VEGAN NEWS: Sind ihrer Meinung nach auch andere Nahrungsergänzungsmittel für eine vegane Lebensweise nötig um sich ausreichend mit Nährstoffen zu versorgen? Falls ja, können Sie eine generelle Empfehlung aussprechen oder variiert diese je nach gesundheitlicher Konstitution der Person?

DR. HENRICH: Notwendig ist nur Vitamin B12 als Nahrungsergänzungsermittel, wenn man sich an die 7 Regeln der gesunden veganen Ernährung hält. Nur wenn es an einem Nährstoff mangelt, muss man zusätzlich zu B12 supplementieren.

VEGAN NEWS: Ich habe festgestellt dass in den Köpfen der meisten Menschen tierisches Protein höher klassifiziert und als wertiger eingestuft wird. Vor allem bei Männern scheint der Glaube vorzuherrschen, eine vegane Ernährung enthielte nicht genug Protein.  Wie sehen Sie das von einem wissenschaftlichen Standpunkt aus? Können Sie uns hier etwas „Licht ins Dunkel“ bringen?

DR. HENRICH: Mit veganer Ernährung ist es kein Problem, genügend Protein aufzunehmen. Seit Jahrzehnten ist bekannt, dass tierliches Protein Krebs entstehen und wachsen lässt. Die China Study von Professor Dr. Campbell hat dies noch einmal eindrucksvoll wissenschaftlich belegt. Jetzt weiss man auch warum nur tierliches Protein karzinogen wirkt, nicht aber pflanzliches Protein. Die Aufnahme von Tierprodukten und damit tierlichem Protein verursacht einen enormen Anstieg des Wachstumshormons IGF-1 im Körper, während pflanzliches Protein den IGF-1 Spiegel sogar sinken lässt. Dass dieses Wachstumshormon IGF-1 Krebszellen wachsen lässt, ist seit langem bekannt.

Aus wissenschaftlicher und medizinischer Sicht ist der Verzehr von Tierprodukten ein hoch effektives „Förderprogramm“ zur Entwicklung der schwersten Krankheiten wie Krebs, koronare Herzkrankheit, Bluthochdruck, Diabetes, Schlaganfall, Demenz, Alzheimer usw. Wie effektiv dieses absurde „Förderprogramm“ ist, zeigen die katastrophalen Erkrankungsraten gerade dieser Erkrankungen in den Industrienationen mit ihrem gewaltigen Tierproduktekonsum.

VEGAN NEWS: Welchen Ratschlag hinsichtlich einer optimalen Nährstoffversorgung können Sie Menschen geben, die mit dem Gedanken spielen, ihre Ernährung auf rein pflanzliche Lebensmittel umzustellen?

DR. HENRICH: Wenn man die 7 Hauptregeln der gesunden veganen Ernährung befolgt, ist man optimal mit Nährstoffen versorgt.

VEGAN NEWS: Ernähren Sie sich selbst rein pflanzlich? Falls ja, wie lange und was gab für Sie den Ausschlag ihre Ernährung entsprechend umzustellen?

DR. HENRICH: Ich ernähre mich seit etwa 17 Jahren aus ethischen und gesundheitlichen Gründen vegan. Insgesamt habe ich bisher nur Gründe gefunden, die für eine vegane Ernährung sprechen, aber nicht einen einzigen Grund, der dagegen spricht.

Die von Dr. Henrich benannten „7 Hauptregeln der gesunden veganen Ernährung“ lauten wie folgt:

  1. Am wichtigsten: So abwechslungsreich wie möglich ernähren
  2. Vitamin B12 als Nahrungsergänzung nehmen, im Winter eventuell Vitamin D (Entweder veganes Vitamin D2 oder Vitamin D3 aus veganer Quelle)
  3. Vitamin-C-haltige Getränke zu den Mahlzeiten, um die Eisenaufnahme zu optimieren
  4. Raffinierten Zucker und Weissmehl/Auszugsmehl meiden
  5. Zusätzliche Fette/Öle nur in geringen Mengen (Herzkranke sollten auf zusätzliche Fette/Öle völlig verzichten), dies gilt aber nicht für vegane Kleinkinder
  6. Industriell verarbeitete Nahrungsmittel eher selten konsumieren
  7. Frische Früchte, Gemüse, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte bevorzugen

Weitere sehr interessante Informationen zur Thematik, findet ihr auf Dr. Henrichs Webseite
www.provegan.info

und auf folgenden Seiten:

Kommentare

  1. meint

    Vielen lieben Dank für das spannende und sehr informative Interview, Frau Schmid. Es ist immer noch erschreckend wie viele Menschen Fleisch nahezu verschlingen und die Konsequenzen nicht erkennen können. Wie man hier sehen kann geht es nicht nur um Tierleben, sondern auch längst um das eigene. Die koronare Herzkrankheit frisst sich weiterhin durch unsere Gesellschaft und fordert immer mehr Opfer.
    Es bleibt jedem selbst überlassen Fleisch zu essen, vegetarisch oder vegan zu leben. Aber der übermäßige Konsum muss gestoppt werden – doch das muss wohl jeder für sich herausfinden…

  2. Josef Maus meint

    Seit 1972 ernähre ich mich ohne Fleisch,Fisch,Eier und Wurst. Vor jeder Mahlzeit esse ich Rohkost – zum Beispiel:

    Rote Beete, Sellerie, Möhren, Brokkoli und noch viele andere saisonbedingte Gemüse und Kräuterprodukte.

    Der Rest sind Vollkornprodukte. Durch diese Ernährung bin ich mit 81 Jahren der gesündeste in der ganzen Familie.

    Mit den verbindlichsten Grüßen, Josef Maus.

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