Jan Peifer – Agrarlobby und Unercoverjournalismus

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Jan Peifer Journalist

Im Rahmen der Vortragsreihe Umweltbildung des Jugendinformations- und Bildungszentrums fand am 15.09. der letzte Vortrag dieses Jahres „Agrarlobby und Undercoverjournalismus” mit Jan Peifer statt. Bezugnehmend auf diesen Vortrag möchte ich euch den vortragenden Journalisten Jan Peifer und einige Inhalte des Vortrages näherbringen.

Jan Peifer

Der Journalist Jan Peifer, der sich selbst aber lieber als Tierfilmer bezeichnet, berichtete an diesem Abend sehr eindrucksvoll und fesselnd von seinen Recherchen und seiner Aufklärungsarbeit über die verheerenden Zustände und Methoden in der Massentierhaltung.

Seit 1998 ist Jan Peifer als freier Journalist tätig. Er hat in den letzten Jahren an diversen Fernseh- und Zeitungsreportagen mitgearbeitet. Zu seinen Kunden zählten in der Vergangenheit alle bekannten Zeitschriften wie der Spiegel, BILD und Stern sowie die öffentlich-rechtlichen und privaten Fernsehanstalten wie ARD, ZDF, RTL und SAT1. In den letzten 10 Jahren hat er an ca. 250 TV-Ausstrahlungen und etwa 1.000 Zeitungsartikeln mitgewirkt.

Er berichtete, wie er durch seine schon in der Jugend aufgetretene Unverträglichkeit von tierischem Eiweiß den Zugang zur Tierrechtsarbeit fand.

Für ersten Wirbel sorgte er, zusammen mit „Animal Peace“, durch das Einsteigen in Legebatterien, Tierbefreiungen und Protestaktionen wie z. B. eine „Nacktdemonstration gegen Pelz“. Nach einiger Zeit, so schilderte Jan Peifer uns weiter, wollte er mehr erreichen als einzelne Tierbefreiungen. So entstand seine Vision, durch Aufklärungsarbeit das Konsumverhalten der Menschen zu ändern. Er begann Befreiungsaktionen durch Film- und Fotomaterial zu dokumentieren. Indem er Tierschutzorganisationen dieses Material zur Verfügung stellte, fanden die schockierenden Bilder, die sich tagtäglich in Schweinemastanlagen, auf Pelzfarmen etc. ereignen, die Aufmerksamkeit von vielen Menschen. Mit den Aufwandsentschädigungen, die er für sein Dokumentationsmaterial bekam, finanzierte er seine weiteren Recherchen. Er deckte schreckliches Tierleid in Schweine- und Kaninchenmastanlagen auf, für die er in 600 Anlagen im In- und Ausland recherchierte, auf Pelzfarmen, in Zirkussen, in Schlachthäusern sowie in Privathaushalten, in denen Animalhording betrieben wurde u.v.m.

Das deutsche Tierschutzbüro

Als er von der Agrarlobby immer häufiger angefeindet und angezeigt wurde und dann auch noch der Staatsschutz wegen der Gründung einer kriminellen Vereinigung gegen ihn ermittelte, gründete Jan Peifer das „Deutsche Tierschutzbüro“. Unter diesem Namen veröffentlicht er seitdem seine Bilder und Filme. Mittlerweile hat das Deutsche Tierschutzbüro sechs Mitarbeiter/innen. Mit der festen Überzeugung „Wir sind da, wenn Tiere uns brauchen!“ retten sie Tiere aus unzumutbaren Haltungsbedingungen, suchen ihnen ein neues Zuhause und betreiben eine intensive Öffentlichkeitsarbeit.

Auf der Webseite kann man unter dem Punkt „Mitmachen“ durch das Ausfüllen eines Formulars selbst beobachtetes Tierleid melden. Das Tierschutzbüro wird dann, so möglich, dem Fall nachgehen und ggf. vor Ort aktiv werden.

Schlimme Zustände in deutschen und ausländischen Massentierhaltungsbetrieben

An dieser Stelle werde ich nur einen kurzen Ausschnitt von den Missständen wiedergeben, von denen Jan Peifer an diesem Abend berichtete: bei seinen Recherchen deckte er auf, dass Ferkel in zahlreichen Betrieben ohne Betäubung kastriert, Kaninchen ohne Betäubung geschlachtet wurden und Puten in vielen Betrieben tot zwischen zigtausend anderen, dicht aneinander gedrängten Artgenossen lagen. Er zeigte Bilder von Hühnern aus der Massentierhaltung, deren Beine stark zur Seite gespreizt sind, da ihr noch junger Körper das starke, angemästete Gewicht nicht tragen kann.

Über Jan Peifers intensive Recherchen auf vielen Pelzfarmen könnt ihr euch hier informieren: http://www.nackte-wahrheit.com.

Keine der Hunderten von Anlagen, die ich gesehen habe, bietet Tieren auch nur im Ansatz eine artgerechte Haltung – Jan Peifer

Dieser überaus beeindruckende und unter die Haut gehende Vortrag endete dann mit der Beantwortung einiger Fragen. Souverän ging Jan Peifer auch mit sehr kritischen und provozierenden Fragen einiger angehender Junglandwirte um.

Die für mich völlig unnötige Frage eines Gastes, ob er seine Arbeit auch dann machen würde, wenn er kein Geld dafür bekäme, beantwortete Jan Peifer schon mit seinem Vortrag an sich, dann aber auch nochmal ganz deutlich mit :“Ja, natürlich!“

Aufnahmen aus dem Arbeitsalltag von Jan Peifer

Dieser Gastartikel wurde von Verena Schulz verfasst. Bildnachweis: Jan Peifer

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