John Joseph – Interview mit dem Rebell und Autor

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Jon Joseph Cro-Mags Sänger

Er zählt zu den Ikonen der amerikanischen Hardcore-Punk-Bewegung und ohne Zweifel zu den polarisierendsten Figuren der Musikwelt. Mit seiner Band Cro-Mags hat John Joseph Geschichte geschrieben und oft die Gemüter erhitzt, dasselbe gelingt ihm regelmäßig mit seinen Äußerungen zu den Themen Veganismus und Spiritualität.

John Joseph – alles andere als ein Weichei

Mit Glaubwürdigkeit, Bescheidenheit und einer bewundernswerten Unerschrockenheit hat John Joseph es über die Jahre geschafft, auch hart gesottene Fleischliebhaber und neue Zielgruppen für eine vollwertige pflanzliche Lebensweise zu begeistern. Das gelang ihm auch mit seinem Buch „Meat Is For Pussies“ (zu Deutsch: Fleisch ist für Weicheier), das innerhalb kürzester Zeit vergriffen war.

Als Triathlet und praktizierender Hare Krsna, findet man in John Joseph einen facettenreichen und hoch interessanten Gesprächspartner, der die Dinge gerne rasch und ohne Umschweife auf den Punkt bringt. Wer seine Autobiografie „Evolution of a Cro-Magnon“ kennt, weiß um die Transformation des Amerikaners vom draufgängerischen Straßenjungen zum aufstrebenden Schriftsteller dem alle Lebewesen am Herzen liegen.

John habe ich den Schritt hin zu einem pflanzlichen Leben zu verdanken. Von ihm habe ich gelernt dass man nicht perfekt sein oder handeln muss um sein Leben positiver zu gestalten und dazu beizutragen, unseren Planeten für alle Lebewesen gleichermaßen zu erhalten. Er hat mir damals Mut gemacht die nötigen Veränderungen ohne Druck in mein Leben zu integrieren, nach und nach. So gehe ich auch heute noch mit Leichtigkeit den „veganen“ Weg.

Thank You, Johnny :-)

Interview mit John Joseph

Sandra: John, du hast vor gut zwei Jahren ein neues Buch in den USA veröffentlicht. Gibt es aktuelle Projekte von welchen wir noch nichts wissen?

John: Ja, im Sommer soll mein aktuelles Buch in den USA und Kanada auf den Markt kommen. Das ist quasi eine weiterentwickelte Version von „Meat is for Pussies“. Ich wurde letztes Jahr von ICM unter Vertrag genommen, eine der größten Agenturen in den USA für Talente aus den Bereichen Literatur und Drehbuch. Mein Agent hat prompt einen Deal mit Harper Collins klar gemacht und geplant sind auch Buchveröffentlichungen in Europa. Deutschland ich komme!

Sandra: Also ist es dasselbe Werk das schon in den USA auf den Markt kam?

John: Ja, aber mit drei neuen Kapiteln wie z. B. einem 30-Tage Programm, neuen Rezepten etc. Die erste Ausgabe von „Meat Is For Pussies“ habe ich damals mit meinem Partner Todd selbst vertrieben. Ich habe die Kapitel des „alten“ Buches dann begonnen neu zu strukturieren und zu aktualisieren, denn in den letzten zwei Jahren hat sich so vieles weiterentwickelt. Rich Roll hat außerdem das Vorwort geschrieben! Eigentlich wenn man’s genau nimmt ist es jetzt fast ein komplett neues Buch, haha.

Sandra: Ich erinnere mich dass es damals eine Menge Rummel um den Buchtitel „Meat is For Pussies“ (was auf Deutsch übersetzt soviel wie „Fleisch ist für Weicheier“ heißt, aber auf Englisch auch als sexuelle Anspielung verstanden werden kann) gab, vor allem auf der feministischen Front, richtig?

John: Ja. Der Titel wurde von gewissen Personen ganz einfach aus dem Zusammenhang gerissen. So ging es auch schon anderen Autoren wie z. B. Rory Freedman mit ihrem erfolgreichen Buch „Skinny Bitch“. Idiotisch, ich meine sie hat so vielen Mädels damit geholfen.

John JosephAber direkt Vorweg, „Meat Is For Pussies“ hat auch einen Untertitel der eigentlich direkt alles klar stellt: „for dudes who wanna get fit, kick ass and take names“ (was übersetzt soviel bedeutet wie: für alle Typen die fit, heiß und erfolgreichen werden wollen). Seltsamerweise wurde der größte Teil der über 10.000 Bücher die wir damals auf eigene Faust verkauft haben von, ich würde sagen, 70% Frauen gekauft die es ihren Männern schenken wollten. Da bekam ich nicht selten Feedback wie „Mein Mann hörte auf niemanden…..dachte immer alle Veganer seien Weicheier….hat dein Buch gelesen und seinen ganzen Schei* zum positiven geändert“.

Nun, um auf deine Frage zurückzukommen. Weißt du was ich den vermeintlichen Feministinnen sage? Ihr aber dürft Menschen mit der umgangssprachlichen (Anm. Red.: englischen) Bezeichnung für „männliches Geschlecht“ beleidigen? Ist klar. Im New Yorker Straßenjargon bedeutet das Wort „Pussy“ soviel wie Weichei. Das hat nichts mit der Anatomie des weiblichen Körpers zu tun und soll für unsere Zwecke niemanden beleidigen. Es stimmt, ich hatte kurz nachdem wir den Titel publik gemacht haben einige Auseinandersetzungen deswegen, aber ich höre mir das mittlerweile gar nicht mehr an. Viele Veganer sind so engstirnig, ich meine die Kritik kam ja quasi aus den eigenen Reihen. Manchmal habe ich das Gefühl da stehen die-hard Sekten-Christen oder so vor dir.

Im Grunde, wie es auch in der Einleitung meines Buches steht, geht es in „Meat Is For Pussies“ darum: wenn du weiter Nahrungsmittel isst die aus Massenproduktion stammen, dich nicht bewegst und blind weiter das konsumierst was dir eine profitgeile Industrie vorsetzt, wirst du über kurz oder lang eben als „Pussy“ (Weichei) enden. Als armseliger Spielball von destruktiven Wirtschaftszweigen wie der Pharmaindustrie, weil du ja doch überleben willst. In den USA kann man das besonders gut beobachten, aber ich schätze bei euch ist das nicht groß anders. Die Menschen werden mit Medikamenten zugedröhnt, unfassbar.

Wer das will, sollte mein Buch auf keinen Fall lesen. Aber all jene die über sich hinauswachsen wollen, gesund bleiben oder werden wollen und ein spirituell geerdetes Leben anstreben, kann mein Buch auf dem Weg unterstützen.

Aber all jene die über sich hinauswachsen wollen, gesund bleiben oder werden wollen und ein spirituell geerdetes Leben anstreben, kann mein Buch auf dem Weg unterstützen.

Sandra: Wie kamst du eigentlich auf den Titel?

John: Ich war mit einem Bekannten im Fitness Studio trainieren und wir unterhielten uns über seinen bevorstehenden Kampf. Ich habe ihm versucht Tips zu geben welche Nahrungsmittel gut für ihn wären um produktiver und fitter zu sein. Weißt du, das war damals so ein typischer Fitness Schuppen in dem sich Typen mit fetten Muskeln in getigerten Sporthosen im Bankdrücken beweisen mussten und nach dem Training heiße Hühnersuppe schlürften, haha. In dem Laden herrschte diese typische Oldschool-Pumper-Atmosphäre. Als dann das Wort vegetarisch fiel reagierte mein Bekannter sofort mit dem bekannten Vorurteil „ahh die sehen alle aus wie Schwächlinge, dünn, krank, oh Gott“ … und darauf entgegnete ich „tja, ich esse seit 33 Jahren keine toten Tiere mehr, sollen wir vor die Tür?“ hahaha. Aber selbst er hat sich meine Tips zu Herzen genommen.

Irgendwann jedenfalls habe ich die Story meinem Geschäftspartner Todd erzählt. Wir wollten das Buch eigentlich anders nennen, es sollte irgendwas typisches sein wie „die grünen grünen Wege zum Erfolg“ blabla. Todd war aber sowieso die ganze Zeit der Meinung ein normaler Öko-Titel würde nicht passen, denn ich bin halt ein spezieller Typ und da müsse auch ein entsprechend authentischer Titel her, einer der meiner Persönlichkeit entspricht und auch so klingt wie ich sprechen würde. Wir sind dann sehr schnell auf „Meat Is For Pussies“ gekommen, auch um all jenen den Ball wieder zurückzuspielen die denken ein pflanzlich lebender Mann wäre ein Weichei. Weit gefehlt meine Damen und Herren!

Kontroverse ist was wir wollten, denn so bekommst du die Aufmerksamkeit einer völlig neuen Gruppe von Menschen. Eben fleisch(fr)essende Männer die den Titel lesen und sich erstmal fragen „yo, willst du mir sagen ich bin ne Pussy?“ und dann den Untertitel lesen, sehen von wem das Buch kommt und dem Inhalt dann vielleicht doch Aufmerksamkeit schenken. Also macht der Titel absolut Sinn.

Sandra: Was mich und viele andere die dich auch durch deine Band Cro-Mags kennen interessiert ist, was passiert musikalisch bei dir und hast du auch andere aktuelle Projekte laufen?

John: Nun, wir spielen nach wie vor live mit den Cro-Mags. Ich habe halt auch andere Dinge die mich schwer beschäftigen und die mir sehr wichtig sind, wie z. B. das Drehbuch für meinen ersten Film. Ein paar Produktionsfirmen haben Interesse und meine Agentin versucht das Script zu platzieren. Das läuft gerade richtig gut. Außerdem arbeite ich auch noch an einem weiteren Buch, einer TV Show und trainiere für meinen nächsten Ironman. Langweilig wird mir nicht. Mit den Cro-Mags läuft es soweit, wir spielen weltweit eine handvoll Konzerte, auch auf Festivals und haben ne gute Zeit zusammen. Jeder einzelne von uns ist auch in andere Projekte involviert und wir wollen die Band nicht gegen die Wand fahren indem wir immer wieder dasselbe liefern und überpräsent sind. Das passt so. Ach, übrigens könnt ihr uns am 01. Mai live in Berlin auf einem Straßengig sehen. Das sollte cool werden.

Sandra: John, du hast es ja gerade angeschnitten, du hast bereits zwei Ironman Rennen hinter dich gebracht. Hut ab! Mega Leistung, gerade wenn man bedenkt wieviel Disziplin und Willen man benötigt das durchzuziehen. Was ist in deinen Augen das größte Hindernis gewesen auf dem Weg zum ersten Rennen?

John JosephJohn: Ja genau, zwei Ironman und eine olympische Distanz waren das bisher. Das größte Hindernis für mich ist das Training im Winter. Fällt mir erheblich schwerer. Man muss sich eben konsequent die Zeit nehmen zu trainieren, Raum dafür schaffen, sich vollkommen mit Herz und Seele dem Sport verschreiben, wenn man das durchziehen will. Wesentlich ist vor allem auch die richtige Ernährung. Dr. Fred Bisci hat mir viel geholfen auf dem Weg, mir Rohkost näher gebracht, mir beigebracht welche Lebensmittel helfen den Körper auf zellulärer Ebene zu heilen, nach dem Training wieder auf Vordermann zu bringen. Eine Kombination aus optimaler pflanzlicher Ernährung und sportmedizinischen Verfahren hilft den Körper leistungsfähig zu halten und auch im Nachgang bei der Regeneration. Das ist vor allem bei einer Sportart wie dem Triathlon und bei Ironman Distanzen mit extrem hoher Belastung für Körper und Geist mega essentiell, denn man möchte ja im Besten Fall auch gesund bleiben und nicht als Wrack enden. Und mit das Wichtigste ist PMA, die sogenannte „Positive Mental Attitude“ (auf Deutsch: positive mentale Einstellung). Es ist doch so, das Umfeld versucht dich doch immer wieder mit ihren eigenen Zweifel von deinen Zielen abzubringen. „Wie Ironman? Du hast das doch noch nie gemacht, mach doch zuerst mal nen halben…“ und all dieses Zeug. Du brauchst Entschlossenheit in allem was du tust! Aufgeben ist keine Option! Ich meine, ich arbeite mittlerweile über 20 Jahre am selben Film und jetzt nimmt das langsam richtig Zug an. Hätte ich da irgendwann aufgegeben wäre ich niemals an den Punkt gekommen wo ich jetzt bin. Das gilt für alles was ich tue. Der Sport hilft mir auch in anderen Lebenslagen zielstrebig zu sein. Und ich bin ja auch kein Pro-Athlet mit 51 Jahren. Ich mache das um körperlich und geistig fit zu bleiben und meinen mentalen Fokus zu erhalten.

Sandra: Wow, dazu gehört ne ziemliche Disziplin! Ich meine wie schafft man das auf Dauer? Hast du Tipps?

John: Nun, das wichtigste in meinen Augen ist die Ablenkungen des Alltages für sich herauszufiltern, all das aus dem täglichen Leben zu eliminieren was nicht nützlich ist auf dem Weg. Sehr wichtig ist es dabei Prioritäten zu setzen und fokussiert zu sein. Ohne den klaren Fokus zerfällt jeder schöne Traum, jedes tolle Ziel sehr schnell zu Asche. Sofern kein Notfall eintrifft lasse ich mich von nichts stoppen. Wenn ich mir vornehme zu schreiben, gibt es nichts was mich davon abbringen könnte. Das gilt auch für die Bereiche Ernährung und Gesundheit.

Sandra: Wo wir wieder beim Thema wären. Wie hat dein persönlicher veganer Weg eigentlich begonnen?

John: Hmm, das war glaube ich Anfang 81′ als ich mit den Bad Brains arbeitete. Die Jungs haben schon damals vegetarisch und vegan gelebt, viel Rohkost gegessen, sich mit dem Thema auseinandergesetzt. Mega visionär. Ich wurde dann sozusagen von der Band erzogen, haha. Die Motivation für mich am Anfang war definitiv die ethische und spirituelle Dimension des Ganzen. Aber je mehr Zeit vergangen ist desto mehr habe ich auch über die politischen Zusammenhänge gelernt, erkannt wie sich der Fleischkonsum auf unsere Umwelt auswirkt.

Wenn du also für dich analysierst und dann irgendwann in der Gänze erfasst hast in welchem Ausmaß all diese Industrien (übrigens auch diese ganze Biofleischlobby – dieser bullsh**) den Planeten zerstören, die Gesundheit der Menschen aus Profitgier auf’s Spiel setzten, völlig sinnlos Tiere töten, geht die Veränderung sehr rasch über die Bühne.

Ich habe die Bad Brains damals schon so sehr bewundert und respektiert, dass ich ihnen eben auch zugehört habe. In den vedischen Lehren wird gesagt: „was großartige Männer tun, dem werden gewöhnliche Männer folgen.“
Ich habe den Typen auf der Bühne zugeguckt und war so weggeblasen von dieser Gruppe, das war krass. Ich meine die hätten mir sagen können ich soll Twinkies verehren und ich hätte das gemacht. 😉

Sandra: Was sind Twinkies?

John: Ach das war ein Junkfoodkuchen. Aber ohne Witz, zum Glück waren die Bad Brains schon damals auf dem richtigen Dampfer und haben mich mit ihrem Wissen und vor allem mit ihrem Dasein regelrecht wachgerüttelt. Als nächstes kamen dann Philosophie-Bücher und ich habe mich stetig weitergebildet. Außerdem habe ich mich ohne Fleisch auch sehr schnell sehr viel wohler und besser in meiner Haut gefühlt.

Nachdem ich aufgehört hatte tierische Produkte zu konsumieren kam so eine eigentümliche harmonische Stimmung über mich. Alles fühlte sich irgendwie friedlicher an. Na ja, nicht dass ich damals nicht jemandem der es verdient hatte in die Fresse geschlagen hätte, aber tja. 😉 Ich hatte eben als junger Mensch sehr viele Probleme meine Wut in Zaum zu halten die sich durch viele viele Jahre in Heimen, Pflegefamilien oder auf der Straße angestaut hatte. Schlechte Erfahrungen in meiner Kindheit und Jugend haben mich eben sehr sehr zornig gemacht und mein Fleischkonsum hat da definitiv nicht geholfen.

Was die wenigsten Leute realisieren ist der Fakt dass ein Tier sehr wohl spürt das es gleich sterben muss. Bevor man es tötet stößt es Adrenalin aus, was sein gesamtes System überflutet. Ich meine wenn jemand versuchen würde dich zu töten, würdest du nicht um dein Leben kämpfen? Ein Tier macht dasselbe und seine Angst wandert in jede einzelne Zelle des Körpers, in jedes Organ. Wenn das Fleisch also dann konsumiert wird, hat das definitiv einen Effekt auf den Menschen der es isst. Das aber nicht nur physisch sondern vor allem auch metaphysisch.

Eigentlich ist das sowas von logisch, aber weil in diese Industriezweige so viel Geld fließt werden uns diese Fakten natürlich nicht auf dem Teller präsentiert.

Mein persönlicher Weg zu mehr Frieden hat durch die Erfahrung begonnen auf Fleisch zu verzichten und nach und nach auch auf alle anderen tierischen Produkte. Ich habe dann 81′ auch direkt mit Yoga begonnen, mir die Zeit genommen zu meditieren. Plötzlich hat sich für mich eine völlig neue Seite des Lebens aufgetan, das war wirklich schön.

Ich habe nie wieder zurück gesehen und bin den Weg der Freiheit, des Friedens weitergegangen so gut es ging. Das heißt nicht, dass ich über die Jahre nicht auch meine Kämpfe auszutragen hatte, unter anderem mit Drogen. Aber ich hätte nie wieder daran gedacht Tiere zu essen. Abends hab ich mir Crack reingezogen und am nächsten Morgen Weizengrassaft getrunken, hahahaha. Scherz beiseite!

Sandra: Ein schönes Beispiel für die Kraft der Transformation! Vom Dunkel zum Licht…

John: Ja. Ich war wirklich schon an sehr sehr dunklen Orten in meinem Leben. Ich meine ich bin im New York der 70iger auf der Straße groß geworden. Da sieht man Menschen sterben, Menschen töten. Als Kind alleine auf der Straße ohne irgendjemanden, das war nicht immer leicht. Deshalb schreibe ich auch den Film über meine eigene Story, denn jeder Mensch geht durch dunkle Phasen, egal in welchem Ausmaß.

Mein erstes Buch „Evolution of a Cro-magnon“ hat wohl vielen Leuten geholfen, auch manchen die einen ähnlichen Leidensweg hatten wie ich. Hoffentlich wird der Film dasselbe erreichen können. Deshalb habe ich auch „Meat Is For Pussies“ geschrieben. Wenn ich damals nicht mein Konsumverhalten verändert hätte und somit einen positiveren Weg eingeschlagen wäre, würde ich nie und nimmer hier sitzen und diese Geschichten erzählen.

Ein elemanter Schritt auf meinem Weg war, alles zu hinterfragen was ich in meinen Körper tat, ob das Lebensmittel oder Drogen waren. Nach und nach alles Gift aus meinem Leben zu verbannen hat mich weitergebracht und mir geholfen. Das gilt auch für Zwischenmenschliches!

Sandra: Zurück zu deiner Ironman „Karriere“. Vor kurzem habe ich mit Brendan Brazier für ein Interview auf vegan-news.de gesprochen. Ihr kennt euch ja relativ gut, wo hast du ihn kennenglernt?

John JosephJohn: Ich habe Brendan über unsere gemeinsame Freundin Chloe Jo von Girlie Girl Army kennengelernt. Er ist über die Jahre ein Freund geworden. Brendan ist ein großartiger Typ, sehr klug, erfolgreich und trotzdem zugänglich. Vor einem Ironman Rennen sollte man sein Trainingspensum runterfahren und auch die Ernährung entsprechend anpassen und Brendan hat mir immer geholfen wenn ich Hilfe, Tips brauchte. Er ist wirklich sehr sehr hilfsbereit. Auch mit Rich Roll (Anmerkung: amerikanischer Ultramarathonläufer und Autor von „Finding Ultra“) habe ich mittlerweile viel zu tun, auch er hilft mir oft. Mit am meisten inspiriert hat mich Dr. Fred Bisci. Ein wunderbarer Mensch und grandioser Arzt. Checkt seine Webseite www.anydoubtleaveitout.com – genau so ist es, es kommt darauf an was du weglässt!

Das Besondere an all diesen Menschen wie Rich Roll oder Dr. Bisci ist, dass es für sie nicht bei Ernährung und Veganismus als solches aufhört. Sie alle wissen dass diese Lebensweise ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung ist aber es hört da eben nicht auf, im Gegenteil. Sie alle sind sehr spirituelle Menschen, meditieren, machen Yoga. Es geht doch nicht immer nur um Essen, Essen, Essen! Ich kann es zum Teil schon nicht mehr hören dieses ganze Gerede über Nahrungsmittel, über’s Essen. Bei manchen Leuten hat man das Gefühl sie seien besessen vom Thema. Ok, sprich über gekeimten Salat und mach verdammt nochmal weiter, ich meine es gibt auch so viele andere wichtige Dinge im Leben.

Ok, sprich über gekeimten Salat und mach verdammt nochmal weiter, ich meine es gibt auch so viele andere wichtige Dinge im Leben.

Ich habe mein erstes Buch „The Evolution of a Cro-Magnon“ genannt, klar aufgrund meiner eigenen Story, aber wir alle stecken in einem Evolutionsprozess. Ich glaube jeder Mensch bekommt im Laufe des Lebens all die Herausforderungen gestellt die nötig sind um sich selbst immer wieder zu hinterfragen und um zu wachsen. Bei manchen geschieht das Erwachen durch tragische Ereignisse, bei anderen durch unglaubliche Dinge, aber es passiert.

Jeder Mensch sollte tief in sich hineinblicken um herauszufinden was das Leben für ihn bereithält, welch konkreter Sinn in seinem Dasein steckt.

Ich meine wir sind keine Tiere die nur fressen, schlafen, sich fortpflanzen und verteidigen. Das ist nicht das Ziel des menschlichen Lebens. Der Sinn ist doch die Entwicklung des Bewusstseins, das Streben hin zu Bewusstheit. Deshalb sind wir doch Menschen. Es geht im Leben nicht nur um die schlichte Befriedigung unserer Sinne. Leider ist unsere Gesellschaft dahin verkommen uns schnell „satt“ zu machen. Dazu kommt die schlechte Ernährung der meisten Menschen, dann Depression und dafür Pillen schlucken. Ich meine, der Großteil der Menschen verzehrt giftige Lebensmittel die nicht genügend Nährstoffe enthalten und wundert sich warum ihr Körper und Geist negative Ergebnisse bringt. All die Gifte in der Nahrung hemmen obendrein die spirituelle Entwicklung, das kann man heute ganz gut beobachten.

Es ist so unfassbar! Unsere Gesellschaft wird immer materialistischer. Ich meine wir haben doch alles, einfach alles und trotzdem geht es den Leuten immer schlechter. Depression und Trauer, allseits bekannt. Wie kann das sein? Ganz einfach, der Großteil ignoriert eben die spirituelle Dimension des Lebens. Ich meine wir sind alle auf einem tieferen Weg. Die härtesten Typen auf diesem Planeten die ich kenne sind spirituelle Krieger und alles andere als Schwächlinge. Jemand der über den Status Quo hinausgeht ist doch keine schwache Person. Für deine Werte einzustehen obwohl andere dich dafür verspotten ist doch nicht schwach, so jemand ist ein wirklich starker Mensch.

Ich persönlich vermeide mittlerweile Diskussionen mit Leuten die die Wahrheit schlichtweg nicht hören wollen. Es gibt da diesen berühmten Spruch: „Du kannst ein Pferd zum Brunnen bringen aber du kannst es nicht dazu zwingen das Wasser zu trinken.“

Wenn mich Leute nach mehr Informationen fragen, sei es über Ernährung oder Spiritualität, dann gebe ich sehr gerne Hilfestellung. Alles andere ist Zeitverschwendung. Ich sehe mich als Botschafter. Aber nur jene die hören wollen, werden auch zuhören.

Sandra: Zum Schluss darf eine wichtige Frage nicht fehlen. Welches vegane Restaurant kannst du als New Yorker empfehlen bzw. welches ist dein persönliches Lieblingsrestaurant?

John: Uh, ich kann da gar nicht nur eines nennen, also verrate ich dir meine Top 3.

  1. Angelica Kitchen. Dort bekommst du gutbürgerliche, sehr leckere und gesunde vollwertige Küche. Der Großteil der biologischen Lebensmittel kommt direkt vom Bauern aus der Region und liegt innerhalb von 48 Stunden nach Ernte auf deinem Teller. From Farm to Table. Ich wohne da um die Ecke also bin ich dauernd dort haha
  2. Als nächstes empfehle ich euch die Candle Restaurants. Candle 79 und Candle CafeDie Gerichte auf der Speisekarte sind der absolute Wahnsinn! Candle 79 ist das noblere Restaurant der beiden. Mit entsprechend exklusiver Atmosphäre ist es auch ein super Ort für ein date! Die Macher der Restaurants, Joy, Bart und Benay sind wundervolle Menschen. Ein Teil der Einnahmen geht an wohltätige Schulprojekte. Das Team zieht regelmässig durch ärmere Viertel der Stadt um den Kindern und ihren Eltern gesunde, leckere, vegane Vollwertküche zu servieren und näher zu bringen. Da wird auch gesunde vegane Ernährung unterrichtet. Toll! Auch Leslie von Angelica Kitchen spendet sehr viel für wohltätige Zwecke, vor allem um Biobauern in den USA zu helfen, die es ja bekanntlich nicht leicht haben. Wenn ihr also in diesen Restaurants esst, so fließt ein Teil eures Geldes wunderbaren Projekten zu. Perfekt!
  3. Und last but not least, Pure Food & WineEin Rohkostrestaurant. Am meisten gehe ich zu dem kleinen Laden um die Ecke, „One Lucky Duck“. Dort bekommt man dieselben Gerichte wie im Restaurant aber zu günstigeren Preisen, denn man bezahlt dann nicht das noble Ambience, haha.

Oh was auch gut ist, ist ein kleiner Saftladen namens Juice Press. Die haben mittlerweile mehrere Filialen in der Stadt eröffnet und bieten die leckersten Gemüse- und Obstsäfte, Chia Seed Puddings und andere gesunde Rohkostsnacks. Unbedingt probieren!

Sandra: mmhhh, hach ja, New York hat wirklich eine unfassbar gute pflanzliche Küche zu bieten. Wie ich das vermisse.

John: Ach weißt du was, iss um zu Leben aber leb nicht um zu essen, haha.

Sandra: So sieht’s aus! Danke Johnny.

Wer mehr über John Joseph wissen möchte, dem lege ich folgende Videos und weiterführende Weblinks an Herz!

Weblinks:

Kommentare

  1. Chris meint

    John ist wirklich ein bemerkenswerter Mensch mit einem unglaublichen Werdegang. Abgesehen von der besten Hardcore-Scheibe die jemals in Vinyl geritzt wurde ist er wirklich pure Inspiration in seiner Lebensweise. Klasse!

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