Das tägliche Leiden der Schweine – Wie weit darf Billig gehen?

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Die Tierärztliche Fakultät an der Ludwig-Maximilians-Universität in München hat kürzlich das Ergebnis einer neuen Studie präsentiert. Daraus ergibt sich, dass 9 von 10 Schweinen, die in süddeutschen Schlachthöfen getötet werden, an schmerzhaften Entzündungen der Beingelenke leiden. Ein erschreckendes Ergebnis, wenn man bedenkt, dass Deutschland im internationalen Vergleich relativ „strenge“ Haltungsrichtlinien besitzt. Tierschützer und Tierärzte sprechen von einem Skandal und fordern schnellstmögliche Verbesserungen der Haltungsmethoden.

Schockierende Ergebnisse einer Studie zur Massentierhaltung

Am Institut von Prof. Dr. Dr. habil. Manfred Gareis, Inhaber des Lehrstuhls für Lebensmittelsicherheit der Tierärztlichen Fakultät in München, wurden vor wenigen Tagen aktuelle Zahlen zur Massentierhaltung in Schweinezuchtbetrieben in einer repräsentativen Studie präsentiert. Diese besagt, dass 91,8% aller Schweine aus konventioneller Haltung an Deformationen der Beine litten. Die Mastschweine weisen bis zu tennisballgroße Geschwülste an den Gelenken der Vorder- und Hinterläufe auf. Dies ist das Resultat aufgrund der Haltung auf Vollspaltböden. Die mit knapp 2 Zentimeter breiten Spalten führen zu einer enormen Mehrbelastung der Gelenke. Zudem werden die Schweine während ihrer 6-monatigen Lebenszeit auf ein Gewicht von rund 110kg gemästet. Deshalb werden in Bayer nun bereits Stimmen laut, die eine Abkehr vom klassischen Spaltboden fordern.

Die Schweinemast in Deutschland

Schwein sein in Deutschland bedeutet für viele Tiere nichts Gutes. Im Jahr 2014 galt dies für 28,3 Mio. Schweine, die in rund 27.000 deutschen Betrieben eingestellt waren. Innerhalb einer 6-monatigen Mastzeit liegt das Zielgewicht eines jeden Tieres bei etwa 110-125kg. Laut aktueller Rechtsprechung steht jedem Schwein dabei ein Platzangebot von 0,75m² zu (<110kg). Die hochgezüchteten Tiere legen täglich knapp 1kg an Körpergewicht zu und sind auf schnelles Wachstum gezüchtet – ganz nach den „Wünschen“ der Konsumenten. Dicht auf Spaltböden gedrängt und prophylaktisch mit Antibiotika behandelt führt diese enorme Besatzdichte zu den oben genannten Erkrankungen sowie zusätzlich zu Verhaltensstörungen. Da die Verbraucher aber ständig nach Billigfleisch suchen, sind die meisten Betriebe rein wirtschaftlich ausgerichtet. Im Februar 2015 lag der Preis pro KG Schweinefleisch in Deutschland bei EUR 1,44. Eigentlich müsste spätestens hier einem jeden klar sein, dass somit absolut kein Handlungsspielraum, rein wirtschaftlich betrachtet, für das Wohl der Tiere möglich ist.

Ist Bio das „bessere“ Fleisch?

Als Konsument fragt man sich oft, ob nun Bio-Fleisch tatsächlich das „bessere“ Fleisch ist. Die Erzeugung von Bio-Produkten ist in der EG-Ökoverordnung geregelt. Hierbei geht es vor allem um die Futterauswahl bzw. Zuchtzeit der Tiere. Dies resultiert grundsätzlich in einer höheren Fleischqualität. Während man in der herkömmlichen Zucht davon ausgehen kann, dass Futtermittel aus gentechnisch veränderter Form zum Einsatz kommen, sind die Regulationen im Bio-Landbau strenger geregelt. Jedoch ist laut dem Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) Bio nicht der allseits testierte Klimaretter. Da die Aufzucht der Tiere länger dauert, werden unterm Strich teilweise sogar mehr Ressourcen verbraucht. So forderte bereits 2008 der Foodwatch-Report eine nachhaltigere Verankerung der Klimapolitik in der Landwirtschaft.

Wer nun aus ethischen, ökologischen oder gesundheitlichen Gründen tierische Produkte ablehnt, wird auch im Bio-Fleisch keine Alternative finden. Zwar sind die Haltungsmethoden minimal „besser“, geschlachtet werden die Tiere aber dennoch in denselben Betrieben wie jene aus konventioneller Haltung.

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