Live And Let Live – Das Interview mit Marc Pierschel kurz vor der Premiere

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Live And Let Live Collage

Live And Let Live“ wird der neue Film des veganen Filmemachers, Buchautors und Mitwirkenden beim Vegan-Versand „roots of compassion„, Marc Pierschel (35) heißen. Am 3. November wird der Film im Cinema in Münster Premiere feiern. VEGAN-NEWS wird vor Ort sein und Bericht erstatten. Doch zuvor haben wir Marc, rechtzeitig zu unserem eigenen Launch, noch für ein schnelles und interessantes Interview gewinnen können.

VEGAN-NEWS: Bitte stell dich kurz vor (Tätigkeit, Vita, vergangene Projekte, Websites).

MARC PIERSCHEL: Mein Name ist Marc, ich bin 35 Jahre alt, wohne in Münster und arbeite bei roots of compassion und dem compassion media Verlag. Darüber hinaus bin ich Autor von „Vegan lecker lecker“ und „Vegan! – Vegane Lebensweise für alle“ sowie Regisseur von „EDGE – perspectives on drug free culture“. Aktuell arbeite ich an „Live And Let Live“, einem Dokumtarfilm über die Geschichte des Veganismus und die verschiedenen Gründe, durch die sich Menschen für eine vegane Lebens- oder Ernährungsweise entscheiden.

VEGAN-NEWS: Seit wann ernährst du dich vegan? Gab es ein Schlüsselerlebnis/einen ausschlaggebenden Punkt? Bist du direkt vegan geworden oder warst du vorher Vegetarier?

MARC PIERSCHEL: Vegan lebe ich seit mittlerweile 13 Jahren. Davor habe ich mich 3 Jahre vegetarisch ernährt. Mein Schlüsselerlebnis war eine Szene aus dem Dokumentarfilm „Baraka“, die zeigt, wie Küken bei der „Eierproduktion“ nach Geschlecht „sortiert“ werden – was mich dazu veranlasst hat, mich mehr mit der Thematik auseinanderzusetzen. Als ich dann realisierte, dass ich auch als Vegetarier noch Schuld an der Ausbeutung und dem Tod von Tieren hatte, war Veganismus die einzig logische Konsequenz für mich.

VEGAN-NEWS: Was ist die Entstehungsgeschichte hinter „Live And Let Live“? Wer außer dir wirkt an diesem Projekt mit?

MARC PIERSCHEL: Die Idee zu „Live And Let Live“ kam mir bereits als ich noch mit dem Schreiben meines Buches „Vegan!“ beschäftigt war. Da es noch keinen umfassenden Dokumentarfilm zu dem Thema gab und das Medium Film für viele Menschen wesentlich zugänglicher ist als das Medium Buch, war der Entschluss gefasst, daraus eine Doku zu machen. Verwirklicht habe ich ich den Film mit Hilfe vieler Freunde, die mir beim Dreh und der Produktion geholfen haben.

VEGAN-NEWS: Wie hast du/ihr die Interview-Personen für den Film ausgewählt und nach welchen Kriterien?

MARC PIERSCHEL: Da sich „Live And Let Live“ lose an meinem Buch orientiert, hatte ich bereits eine Vorauswahl an möglichen Protagonisten, deren Theorien oder Forschungsergebnisse ich bereits im Buch vorgestellt habe. Also standen bereits Peter Singer, Tom Regan und Gary Francione zum Thema Ethik fest, weil sie die wesentlichen Theorien entwickelt haben, die als Basis für den ethischen Veganismus dienen. Ebenso natürlich T. Colin Campbell, den Autor der „China Study“, die ein wesentliches Argument für einen gesundheitlich motivierten Veganismus darstellt. Die anderen Menschen, deren Geschichten der Film erzählt, waren Menschen, die mir während der Recherche zum Film begegnet sind. So war ich z.B. 2011 für drei Monate in den USA und habe dort Aaron Adams, Chefkoch in dem veganen italienischen Restaurant Portobello, getroffen. In seiner Laufbahn als Chefkoch hatte er unter anderem auch ein eigenes Restaurant für „New French Cuisine“, wo er Lamm, Gänsestopfleber, usw. angeboten hat und Kaninchen selbst geschlachtet hat. Dass aus ihm mal ein Veganer wird, hätte er sich nie träumen lassen.
Eine andere sehr schöne Geschichte ist die von Jan und Karin von Hof Butenland, einem der wenigen Lebenshöfe in Deutschland, auf dem ehemalige „Nutztiere“ ein neues zu Hause gefunden haben, wo sie bis an ihr natürliches Lebensende leben können.

VEGAN-NEWS: Welche der interviewten Personen war am schwierigsten für „Live And Let Live“ zu gewinnen und warum?

MARC PIERSCHEL: Überraschenderweise hatte ich keine Schwierigkeiten, Menschen zu Interviews für „Live And Let Live“ zu bewegen! Hingegen war, noch einen Platz in deren Terminkalender zu finden schon eine größere Herausforderung.

Der Trailer zu „Live And Let Live“

VEGAN-NEWS: Wie bist du auf Crowdfunding gekommen? Hast du Alternativen ausprobiert? Wie finanziert sich der Film ansonsten? Hast du schon Erfahrungen mit Crowdfunding gemacht?

MARC PIERSCHEL: Zu Beginn der Produktion habe ich Anträge bei den verschiedenen Filmförderanstalten gestellt, die aber leider nicht bewilligt wurden. Dann habe ich den Film größtenteils aus eigener Tasche finanziert und nun für die Postproduktion die Crowdfunding-Kampagne gestartet. Wir hatten bereits für die Lesereise von Melanie Joy zu ihrem Buch „Warum wir Hunde lieben, Schweine essen und Kühe anziehen“ eine erfolgreiche Kampagne durchgeführt, die ich auch betreut habe, also hatte ich schon das notwendige Know-how. Crowdfunding ist der einfachste Weg Projekte direkt mit Hilfe des Zielpublikums zu finanzieren und war somit für das Thema eigentlich ideal.

VEGAN-NEWS: Wie wirst Du das überschüssige Budget aus dem Crowdfunding nutzen bzw. ging die Kalkulation von 15.000 Euro Bedarf für dich auf?

MARC PIERSCHEL: Der Betrag, den wir über die 15.000 € hinaus eingenommen haben, fließt zum einen in die Schulversion des Films. Darin werden die Thematik und die verschiedenen Gründe für eine vegane Lebensweise so aufbereitet, dass sie unterrichtsbegleitend eingesetzt werden können. Zum anderen stecken wir alles Übrige in das Marketing und die Promotion für den Film, damit möglichst viele Menschen die Möglichkeit haben werden, ihn sich anzuschauen, egal ob im Kino, online oder auf DVD.

Einige Impressionen aus dem Film „Live And Let Live“

VEGAN-NEWS: Was ist die Zielgruppe des Films? Wen kannst und möchtest du damit erreichen? Welche Maßnahmen hast du vorgesehen, um (möglicherweise) ein breites Publikum zu erreichen?

MARC PIERSCHEL: Der Film richtet sich hauptsächlich an Menschen, die daran interessiert sind, mehr über Veganismus zu erfahren, also vegan-affin sind. Natürlich möchte ich mit dem Film auch Menschen erreichen, die noch gar nichts mit dem Begriff anfangen können, was aber aufgrund des beschränkten Budgets nicht so einfach sein wird. Ich hoffe aber, dass der Film für viele Menschen so interessant ist, dass sie ihn weiterempfehlen werden und er auch über vegane Kreise hinaus Zuschauer*innen finden wird.

VEGAN-NEWS: Warum sollte ein Mensch, der sich für eine rein pflanzliche Ernährung interessiert deinen Film ansehen?

MARC PIERSCHEL: Gute Frage. Weil der Film alle wesentlichen Argumente aus den Bereichen Ethik, Gesundheit und Ökologie für eine vegane Lebensweise auf den Punkt bringt, einen historischen Blick auf die Geschichte des Veganismus bietet und darüber hinaus viele schöne Geschichten im Film erzählt werden, warum Menschen sich dazu entschieden haben, Tierprodukte von ihrem Speiseplan zu streichen.

VEGAN-NEWS: Was hast du selber aus dem Projekt mitgenommen? Gab es für dich besondere Schlüsselmomente, die für dich das Thema „Vegan“ einmal aus einer anderen Sicht beleuchtet haben?

MARC PIERSCHEL: Abgesehen davon, dass ich natürlich einiges aus dem Bereich Filmproduktion dazugelernt habe, war es im Vergleich zu der Arbeit an „Vegan!“ etwas anderes, über bestimmte Menschen und deren Arbeit zu schreiben, als sie vor der Kamera im Büro oder Zuhause zu interviewen. Das ist wesentlich persönlicher und lässt etwa auch kritische Fragen zu. Momente, die mir neben sehr spannenden Interviews im Kopf geblieben sind, waren unter anderem der Drehtag auf Hof Butenland, weil wir so vielen Tieren direkt begegnet sind, ihre Geschichten kennengelernt haben und es schön war zu wissen, dass sie dort nun in Frieden leben können. Oder aber die Recherche zu den Anfängen der Vegan Society und Donald Watson in England, wo wir viele Fotos und Originaldokumente in den Händen hatten.

Marcs Crowdfounding-Trailer zu „Live And Let Live“

VEGAN-NEWS: Ist es wichtig für dich, dass alle am Projekt Beteiligten selbst vegan sind? Falls ja, warum? Falls nein, warum nicht?

MARC PIERSCHEL: Das ist mir natürlich schon wichtig, weil ich gerne Veganer*innen unterstützen möchte und denke, dass es bei einem Projekt wie „Live And Let Live“ etwas anderes ist, wenn sich jemand mit Überzeugung und Herzblut in das Projekt einbringt.

VEGAN-NEWS: Ab wann ist die DVD erhältlich und was wird sie kosten?

MARC PIERSCHEL: Das kann ich zu diesem Zeitpunkt leider noch nicht sagen, da ich immer noch mit der Post-Produktion beschäftigt bin. Geplant war eigentlich eine Veröffentlichung vor Weihnachten, allerdings haben sich nach den Testscreenings noch einige Probleme ergeben, die den Zeitplan etwas nach hinten verschoben haben. So wird die DVD leider erst Anfang 2014 erscheinen. Der Preis wird zwischen 15 und 20 € liegen.

VEGAN-NEWS: Welche Projekte hast du in Planung und was hält 2014 für dich bereit?

MARC PIERSCHEL: Ich vermute, dass mich auch 2014 „Live And Let Live“ noch eine ganze Zeit beschäftigen wird, aber ich habe auch schon einige Ideen für neue Filme und Bücher. Das ist aber alles noch nicht konkret genug, um darüber zu plaudern…

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