LUSH – Interview mit Tanja Umbach

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Wer LUSH nicht kennt hat viel nachzuholen. In den letzten Jahren scheint das in Großbritannien gegründete Kosmetikunternehmen selbst größten Konkurrenten wie Body Shop den Rang abgelaufen zu haben. Und dies, meiner Meinung nach, zu Recht.

Ich betrete den LUSH Laden und fühle mich im „Wellness-Alice-Wunderland“ angekommen. Es glitzert, duftet und ich möchte die Produkte am liebsten in den Mund nehmen, möchte davon kosten. Was mir besonders imponiert, ist das Konzept hinter der Marke. Es wird vom Gedanken der Nachhaltigkeit, Wahrung von Menschenrechten und dem Schutz von Tieren geprägt. Zukunftsweisend! Im Gespräch mit Tanja Umbach erfahre ich viel Wissenswertes zu den Produkten und ebenfalls zur Mission des Unternehmens. Selbst meine letzten Kritikpunkte scheinen neutralisiert.

Aber lest selbst.

Interview mit Tanja Umbach von LUSH

Sandra: Liebe Tanja, vielen Dank für deine Zeit! Bevor wir loslegen, stell dich unseren Lesern und Leserinnen bitte mal kurz vor und verrate uns mehr über deine Motivation bei LUSH zu arbeiten.

Tanja UmbachTanja: Ich bin 32 Jahre alt, wohne in Berlin, liebe Yoga, Reisen und gutes Essen – dabei teste ich liebend gerne all diese kulinarischen Köstlichkeiten, die Berlin zu bieten hat, koche aber genauso gerne selbst. Seit 15 Jahren lebe ich vegetarisch und seit etwa 3-4 Jahren vegan, maßgeblich aus ethisch-moralischen Gründen. Als strikt vegetarisches, ethisches Unternehmen ist Lush für mich daher ein wunderbarer Arbeitgeber, inzwischen seit 8 Jahren und zuletzt als Brand Managerin für Deutschland. Ich stehe voll und ganz hinter dem, was wir als Unternehmen verkörpern und kann mir heute nicht mehr vorstellen, im Job und privat nicht der gleiche Mensch sein zu können.

Die Arbeit an den Kampagnen ist für mich immer einer der bedeutendsten Bereiche meiner Arbeit gewesen und ich bin ziemlich stolz auf das, was wir als Team in den letzten Jahren erreicht haben. Vom Einsatz für ein Verbot von Wildtierbörsen oder Delfinarien über Kampagnen für Flüchtlingsrechte bis hin zu internationalen Aktionen gegen Tierversuche in der Kosmetikbranche, an denen weltweit über 800 Shops beteiligt waren: Für Lush zu arbeiten bedeutet, ein Engagement für solche Zwecke nicht auf die Freizeit beschränken zu müssen, sondern gemeinsam im Team daran zu arbeiten und wirklich etwas zu bewegen.

Sandra: Ihr setzt euch sehr vehement für ein Ende von Tierversuchen ein. Woher kommt dieses Engagement? Sind die Gründer von LUSH auch abseits ihrer beruflichen Laufbahn im Bereich Animal-Rights aktiv?

Lush gegen Tierversuche

LUSH setzt sich stark gegen Tierversuche ein

Tanja: Die Firmengründer, 5 überzeugte VegetarierInnen mit etlichen Jahren Erfahrung in der Kosmetikbranche, sind alle auch heute noch aktiv. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, hochwertige Produkte zu erzeugen, bei denen in keinem Handels- oder Produktionsschritt auch nur im Entferntesten Tierversuche im Spiel sind. Und genau das ist einer unserer Grundwerte, seit der Gründung von Lush 1995.

Unser Ethics Director, Hilary Jones, ist das beste Beispiel für den „Lush way of work“: Sie begann ihre Arbeit bei Lush einen Monat nach Firmengründung und hat das Wachstum des Unternehmens all die Jahre über miterlebt und begleitet. Sie war und ist Teil der Vegan-Bewegung in England und kann ein Lied davon singen, wie es sich in den 60ern und 70ern als Vegetarierin und in den 80ern als engagierte Veganismus-Aktivistin gelebt hat. Sie weist den internationalen Teams, die sich mit ethischen Kampagnen und dem Engagement gegen Tierversuche befassen, die Richtung.

Das Thema „Fighting Animal Testing“ begleitet Lush seit Anbeginn und ist in der Firmenphilosophie und in der Arbeit aller Bereiche fest verankert.

Sandra: Kannst du uns ein wenig zum LUSH PRIZE erzählen? Richtet sich dieser an Wissenschaftler alleine? Und was ist das Ziel?

Tanja: Der Lush Prize wurde 2012 ins Leben gerufen und ist Teil einer auf Dauer ausgelegten Kampagne, die den Kampf gegen Tierversuche endlich einen gewaltigen Schritt voranbringen soll. Das Konzept entstand in Zusammenarbeit mit der britischen Verbraucherorganisation „Ethical Consumer“. Mit der Ausschreibung richten wir uns an Organisationen und wissenschaftliche Einrichtungen, die sich gezielt mit der Alternativenforschung und der Aufklärungsarbeit im Bereich Tierversuche beschäftigen.

Lush PrizeDieses gemeinsame Projekt vereint das Beste aus beiden Welten – die Leidenschaft und die Ressourcen von Lush und seinen Mitarbeitern sowie die Forschung und die Expertise im Campaigning auf Seiten von Ethical Consumer.

Wir wollten unbedingt ein bereichsübergreifendes Konzept schaffen, das nicht nur Wissenschaftler anspricht, sondern auch echten Aktivismus einbezieht – etwa in Form von Sensibilisierungskampagnen und Lobbyarbeit für ein Ende von Tierversuchspraktiken.

Dotiert mit jährlich £250.000 ist der Lush Prize der höchste Preis im Bereich der Alternativenforschung zu diesem Thema. Die Jury, bestehend aus Mitgliedern von Ethical Consumer sowie von Lush, vergibt insgesamt fünf Preisgelder in Höhe von £50.000 für folgende Bereiche:

  • Wissenschaft (Entwicklung von tierversuchsfreien Ersatzmethoden)
  • Bildung (Schulung der Forscher in tierversuchsfreien Methoden)
  • Lobby (politische Einflussnahme zur Förderung der Ersatzmethoden)
  • Öffentlichkeitsarbeit (Aufklärungsarbeit über aktuelle Testmethoden)
  • Junge Forscher (Auszeichnung von fünf Nachwuchsforschern, die sich direkt nach dem Studium auf Ersatzmethoden spezialisieren)

Sandra: Nun wurde ja im letzten Jahr endlich das europäische Gesetz gegen Tierversuche verabschiedet. Allerdings muss man als Konsument dennoch vorsichtig sein bei der Wahl von Kosmetika, da viele Firmen im Ausland auf Tierversuche zurückgreifen. Als Konsument fühle ich mich da komplett veräppelt. LUSH ist aber weltweit „clean“, nicht wahr?

Tanja: Die EU-Kosmetikdirektive, die im März 2013 verabschiedet wurde, war ein riesiger Schritt nach vorne. Das neue Gesetz verbietet die Vermarktung und den Vertrieb von an Tieren getesteter Kosmetik in der EU. Dabei geht es konkret um Tests von Endprodukten, also den fertigen Kosmetika. Komplizierter wird es da bei einem genaueren Blick auf die Inhaltsstoffe.

Ältere Stoffe, zu denen eigentlich schon genügend Resultate vorliegen, müssen gar nicht mehr getestet werden. Von der neuen Regelung betroffen sind also maßgeblich solche Produkte, die sogenannte „neuartige Stoffe“ enthalten, also solche, die chemisch neu kreiert wurden und häufig als Wunderzusätze in den neusten Anti-Faltencremes oder Ähnlichem zum Einsatz kommen. Denn diese müssen in langwierigen, ausführlichen Verfahren auf ihre Sicherheit getestet werden.

Im Grunde zwingt das neue Gesetz die Kosmetikindustrie, endlich mehr Geld und Mühe in alternative Testmethoden zu stecken. Denn ohne echte Alternativen zu den grausamen Tiertests können diese ihre neuen Mittelchen nicht auf den Markt bringen.

Ein Punkt, den man dabei weiter im Blick behalten muss, ist folgender: Viele große Kosmetikunternehmen sind nicht nur auf dem EU-Markt ansässig. Sobald ein Unternehmen auch in China verkauft, ist klar, dass es Tierversuche durchführt, denn dort ist das für Kosmetika gesetzlich vorgeschrieben. Gemäß der Kosmetikrichtlinie darf dieses Produkt für den chinesischen Markt nicht in Europa verkauft werden.

Außerdem ist nicht ganz klar, inwiefern das neue Gesetz Tests an Inhaltsstoffen (also den Zutaten für das Endprodukt) auf früheren Produktionsebenen registriert und ahndet. Denn diese lassen sich leicht verschleiern.

Leider sind die Wege hier vor allem für den Endverbraucher aber alles andere als transparent und nachvollziehbar.

Du siehst, ein kompliziertes Endlosthema… aber wir versichern, dass jedes Lush Produkt und jeder Inhaltsstoff, den wir verwenden – sei es natürlich oder synthetisch – zu 100% frei von Tierversuchen ist. Zum einen sind alle Zutaten für unsere Kosmetik bewährt und sicher, entsprechend müssen sie nicht getestet werden. Zum anderen arbeiten wir konsequent nicht mit Firmen zusammen, die in irgendeiner Weise mit Tiertests in Verbindung stehen oder mit Dritten involviert sind, die Tests durchführen. Jeder unserer Rohstoff-Partner muss vor Vertragsunterzeichnung alle Handelswege offenlegen, bevor wir uns auf den Handel mit ihm einlassen.

Und unsere Endprodukte testen wir bekanntlich an Menschen, und die finden das ziemlich gut :)

Sandra: Ich finde eure Produkte super, war allerdings lange im Glauben dass LUSH auch eine Naturkosmetiklinie wäre. Das ist aber nicht der Fall, oder? Warum ist z. B. Methylparaben in euren Produkten? Ich lese immer wieder ziemlich beunruhigende Dinge über solch synthetische Stoffe und blicke nicht mehr ganz durch. Kannst du uns da etwas Licht ins Dunkel bringen?

Tanja: Lush-Produkte stecken voller „echter“ Zutaten – Obst und Gemüse in allen Farben und Formen, natürliche Buttern, Öle und ätherische Essenzen sowie sichere synthetische Stoffe in niedriger Konzentration, um das von uns gewünschte Ergebnis zu erzielen. Zu diesen sicheren synthetischen Stoffen gehört wie du richtig erkannt hast auch Methylparaben, ein bewährter Konservierungsstoff, der wegen seiner antimikrobiellen Wirkung schon seit sehr langer Zeit eingesetzt wird, um Kosmetik haltbar zu machen. Alle synthetischen Stoffe in unseren Produkten haben eines gemeinsam: Ihre Verwendung in Kosmetika hat sich während der letzten 100 Jahre als sicher herausgestellt, wir greifen also auf ein ganzes Jahrhundert an Erfahrungswerten zurück. Hinzu kommt, dass der Anteil der synthetischen Zutaten in Lush-Produkten wesentlich geringer ist, als bei konventioneller Kosmetik, das erkennt man auch bei einem Blick auf unsere Inhaltsstofflisten.

Aber nochmal zurück zu den Parabenen. Grundsätzlich gelten diese als ungefährlich, sie sind von allen Gesundheitsbehörden der Welt genehmigt (in der Vergangenheit wurden über 500 unabhängige Studien zur Sicherheit von Parabenen durchgeführt) und sie sind nachweislich ungiftig. Die Skepsis gegenüber ihrer Auswirkung auf die Gesundheit liegt einer Studie aus dem Jahr 2004 zugrunde, deren Ergebnisse jedoch in anderen Studien nicht bestätigt werden konnten. Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, dann empfehle ich den Artikel „We’re the Self-Preservation Society“ von Ceri Roberts in der aktuellen Lush Times (Auch online: http://www.lush-shop.de/lush-times_28.html).

Sandra: Ihr habt eine Produktlinie die sich „Nächstenliebe“ nennt. Als Konsument finde ich generell den Gedanken schön, mit meinem Konsum auch etwas Gutes zu tun. Was beinhalten eure „Nächstenliebeprojekte“ genau, welche Unternehmen unterstützt ihr?

Tanja: „Nächstenliebe“ heißt jetzt „Charity Pot“ und es handelt sich dabei um eine Hand- und Körpercreme, in der wir zum einen eine ganze Reihe fair gehandelter Zutaten aus unseren SLush Fund Projekten verarbeiten und obendrein wechselnde gute Zwecke, die sich für Menschenrechte, Umwelt- oder Tierschutz engagieren.

Der Netto-Erlös aus dem Verkauf des Charity Pots fließt zu 100% in unseren Spendentopf.

Die Förderung richtet sich an Aktivisten, kleine Vereine, Bürgerinitiativen und Campaigner, die unsere Welt Tag für Tag ein Stückchen besser machen. Jeder kann sich bewerben und wir wählen dann monatlich verschiedene Graswurzelprojekte aus, die sich für eine Förderung qualifizieren. Der Gedanke dahinter ist ganz einfach: Wir möchten diejenigen unterstützen, die wirklich etwas bewegen wollen, dabei aber auf Hilfe angewiesen sind. Entsprechend richtet sich das Charity Pot Programm an die „Kleinen“ – Vereine, Initiativen und Aktionsgruppen, die konkrete Projekte und Vorhaben verfolgen und denen wir nicht nur finanziell unter die Arme greifen können, sondern über unsere Lush-Kanäle auch als Plattform zur Verbreitung ihrer Idee dienen können.

Einen Einblick bekommst du unter www.lush.de/charitypot, dort haben wir eine Auswahl der geförderten Projekte verlinkt.

Sandra: LUSH verwendet kein Palmöl. Viele wissen nicht um diese Thematik, daher meine Frage, warum nicht?

Tanja: Palmplantagen sind eine der Hauptursachen für das zunehmende Verschwinden der Regenwälder auf der Erde. Die Urwälder werden mittels Trockenlegung, Abholzung oder Brandrodung zerstört, um Platz für die Plantagen zu schaffen.

Die Hauptanbaugebiete sind Malaysia und Indonesien. Jährlich werden allein durch die Urwaldzerstörung in Südostasien ca. 2 Milliarden Tonnen CO² freigesetzt. Allerdings ist nicht nur das Klima durch die Abholzung bedroht – in Sumatra und Borneo verschwinden jedes Jahr 1000 Orang Utans. Sie sind vom Aussterben bedroht und wenn die Urwaldzerstörung sich im gleichen Maße weiterentwickelt, werden sie in einigen Jahren ausgestorben sein.

Zu Beginn haben auch wir in unseren Seifen Palmöl verwendet. Aber 2006 ist es uns gelungen, eine alternative Seifenbasis zu entwickeln, die es uns ermöglicht hat, auf Palmöl zu verzichten. Die Rezeptur für diese Seifenbasis haben wir öffentlich zugänglich gemacht, um allen Seifenherstellern zu ermöglichen, ihre Produktion umzustellen.

„Die Rezeptur für diese Seifenbasis haben wir öffentlich zugänglich gemacht, um allen Seifenherstellern zu ermöglichen, ihre Produktion umzustellen.“

Sandra: Eine für uns wichtige Frage, wieviele Produkte von LUSH sind komplett vegan?

Tanja: 80% unseres Sortiments sind vegan. Unser Standardsortiment besteht derzeit aus 280 Produkten, davon sind etwa 230 garantiert ohne Tier. Hinzu kommen unsere saisonalen Ranges, die wir zeitlich begrenzt verkaufen und die in der Regel zu 95% vegan sind.

Mehr Infos unter:

In Kürze könnt ihr bei uns ausgewählte LUSH Produkte gewinnen! Schaut dafür immer mal wieder auf VEGAN-NEWS vorbei.

Einige Impressionen aus der Welt von LUSH

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