Milch Subventionen – Eine Industrie wird mit Steuergeldern künstlich am Leben gehalten

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Kuhmilch bedeutet Folter und Tod leidensfähiger Tiere, eine enorme Belastung für die Umwelt und der Konsum ist fragwürdig für die Gesundheit. Dennoch unterstützen wir mit milliardenschweren Subventionen diese Industrie – damit diese viel zu viel davon produziert. Dies drückt den Preis, zerstört die kleineren Betriebe und führt zu noch mehr Massentierhaltung. Und über den Export der Überschüsse zu Dumpingpreisen werden Bauern in Afrika wirtschaftlich benachteiligt und ruiniert.

Kuhmilch-Produktion – ein gefährlicher Teufelskreis aus Subventionen und Preisverfällen

Durch die Gemeinsame Agrarpolitik der EU kann man die Milchproduktion in Deutschland nicht unabhängig vom Rest der EU betrachten, weshalb man sich über die Verstrickungen im Folgenden nicht wundern sollte. Diese ist seit Jahren in einem gefährlichen Teufelskreis aus Subventionen und Preisverfällen gefangen.

Die EU und Deutschland unterstützen jeden Landwirt durch Subventionen, die Milchbauern nicht ausgenommen, die fast 30% aller Landwirte in Deutschland ausmachen. Bei der Produktion von Milch und Milchprodukten führt das seit Jahren zu einer Überproduktion und einst zu den berüchtigten „Butterbergen“.

Ein Sterben der kleinen Betriebe

Eine Überproduktion ist nicht allein schon deshalb fatal, weil die Umweltbelastungen und die Tierqual für ein sowieso fragwürdiges Produkt dann völlig unnötig gesteigert wurde, sondern weil dies wiederum den Marktpreis für Milch sinken lässt. Dies führt dazu, dass die Bauern weniger Milch für weniger Geld verkaufen können und dann gerade die kleineren Betriebe nach und nach pleite gehen.

„Jeder Betrieb der dicht macht, ist weg“, sagt Josef Bissinger, Kreisvorsitzender vom Bund deutscher Milchviehalter, „den wird es auch nie mehr geben“. Ist einmal die Anzahl der Milchbauern geschrumpft, steigt sie auch nicht mehr.

Ein Blick in die Statistiken verrät deutlich, dass die Tendenz immer weiter zu immer weniger, immer größeren Ställen geht – zu mehr Massentierhaltung.

Die Zahl der Milchkühe pro Betrieb hat sich zwischen 2003 und 2013 um die Hälfte erhöht, während die Anzahl der Betriebe um ein Drittel geschrumpft ist. Während gleichzeitig die Anzahl der Kühe ungefähr gleich blieb und die Milchmenge aber etwa um ein Achtel stieg.

In immer wenigeren und immer größeren Betrieben müssen die Kühe immer mehr Milch geben.

Bis Mitte 2015 hatte die EU deshalb Milchquoten genutzt, um zu verhindern, dass diese Industrie aufgrund der staatlichen Zuschüsse nicht zu stark überproduziert, doch diese Maßnahme wurde inzwischen abgeschafft, de facto ebenso wie Exportsubventionen.

Wieso? In den letzten Jahren wurden andere Wege gesucht, um der Überproduktion Herr zu werden.

Allen voran: Export. Deutschland exportiert 49% seiner produzierten Milch, die EU insgesamt fast 12%.

Vor allem dadurch gibt es die berühmten „Butterberge“ quasi nicht mehr. Falls der Milchpreis unter 20 Cent/kg fallen sollte, kauft der Staat die nicht abgesetzte Milch auf, um so einen Mindestpreis zu garantieren. Das letzte Mal geschah dies 2009, seit damals wurden diese Interventionsbestände aber größtenteils abgebaut.

Wir exportierten vor allem nach Russland, in die USA, China, Saudi-Arabien und verschiedene Länder in Westafrika. Russland verhängte jedoch ein EU-Embargo und entfiel komplett, in China ging die Nachfrage stark zurück. Zusammen mit den niedrigen Milchpreisen führt das dazu, dass sich die Milchbauern in einer Krise befinden.

Deshalb beschloss die EU jüngst ein erneutes, 500 Millionen Euro schweres Unterstützungspaket für die europäischen Milchbauern, welche den Bauern dabei helfen sollen, mit billigen Krediten über die Runden zu kommen.

40% des Einkommens der Bauern bestehen aus Subventionen und Boni

Zusätzlich zu diesem Geld werden alle Landwirte mit Direktzahlungen gefördert. Das ist EU-Geld, das alle Landwirte abhängig von ihrer landwirtschaftlich genutzten Fläche bekommen, sowie bestimmten anderen Faktoren wie Greening-Maßnahmen (Agrarumweltprogramme) oder besondere Boni für Junglandwirte. Im Durchschnitt machen diese Zahlungen rund 40 Prozent des Einkommens der Betriebe aus.

Umgerechnet bekommt ein deutscher Milchbauer so ein Viertel bis die Hälfte des derzeitigen Milchpreises pro Liter Milch, den er produziert.

Und vergessen wir nicht noch zu Letzt den niedrigen Mehrwertsteuersatz für Milch von 7%, welcher natürlich ebenfalls eine indirekte Subvention darstellt.

Wir finanzieren eine Industrie, die nur Nachteile hat und keiner braucht…

Das Problem? Wir halten die gesamte Milchindustrie künstlich am Leben, in Deutschland wäre sie wohl ohne Subventionen und ohne Exporte halb oder viertel so groß.

Man argumentiert damit, dass man einerseits die Grundversorgung an Nahrungsmitteln aufrechterhalten muss, andererseits dass dies natürlich Arbeitsplätze schaffe. Doch Milch vom Tier ist kein wesentliches Grundnahrungsmittel, was Millionen Veganer und eine zu 75% laktoseintolerante Weltbevölkerung täglich beweisen.

Wenn ohne Exporte oder allein schon ohne die Subventionen die Milchproduktion drastisch einbrechen würde, ist dies doch der beste Beweis, dass der Konsum von Milch ebenfalls künstlich hoch gehalten wird. Unabhängig von dem Punkt, den man machen könnte, dass unsere Gesellschaft über die Jahrzehnte immer mehr an Milchprodukte gewöhnt worden ist, sind Milchprodukte wie beispielsweise Magermilchpulver ganz unnötigerweise in vielen Produkten enthalten, da diese mindestens in der gleichen Qualität auch ohne jene hergestellt werden können und teilweise bereits werden. Prominentes Beispiel sind Oreo-Kekse oder jedes vegane Gebäck.

Wenn man den Markt hier wirklich liberalisieren würde, würde sich herausstellen, dass der Konsum von Milchprodukten deutlich niedriger ausfallen würde, da Angebot und Nachfrage sich normal einpendeln könnten.

Wenn man dann mit Steuergeldern Arbeitsplätze schaffen möchte, kann man ja sinnvollere finanzieren. Welche das sind, kann man ja diskutieren, von Pflanzenmilchproduktion bis hin zu Pflegekräften, die unser Land verdammt dringend braucht.

… und die allen schadet

Denn diesen gesamten Wirtschaftszweig künstlich so groß zu halten, kostet viele Opfer. Das millionenfache Leid der Milchkühe, ihre Zwangsschwängerungen, das Töten ihrer männlichen Kälber und auch ihrer selbst, sobald sie nicht mehr „profitabel“ sind, das Entziehen ihrer Freiheit und ihres Nachwuchses und vieler anderer grausamer Dinge, die sich in dem Trend zu immer größerer Massentierhaltung immer weiter verschlimmern. Abgesehen von diesen ethischen Aspekten sind Milchprodukte nach Rindfleisch die Konsumgüter mit der schlechtesten Klimabilanz aller Nahrungsmittel.

Und die „Nutztier”-Haltung ist Studien zu Folge für zwischen 18% und 51% aller vom Menschen gemachten Treibhausgase verantwortlich – in jedem Fall ist sie der größte Einzelfaktor. Ebenfalls ist die Tierhaltung ein enormer Wasserverschwender – und gerade die Käseproduktion verbraucht nach Rindfleisch das meiste Wasser aller Lebensmittel.

Nicht unerwähnt soll die dramatische Umweltverschmutzung durch Gülle und die Risiken des Einsatzes von Antibiotika bleiben. Ebenso wie der inzwischen mehrfach in Frage gestellte gesundheitliche Nutzen von Milch.

War das alles? Leider noch nicht.

Beispielsweise über Freihandelsabkommen wie das uns drohende TTIP mit der Wirtschaftsgemeinschaft Westafrikanischer Staaten (ECOWAS) ruinieren wir mit unseren Exporten überschüssiger Milch die afrikanischen Produzenten, während wir gleichzeitig den europäischen Markt vor Importen durch hohe Zölle schützen – etwas, das wir ihnen durch solche Verträge und unseren Einfluss in der WTO verweigern, damit wir sie als Absatzmarkt missbrauchen können. Milch ist also ebenfalls ein weiteres Werkzeug in geoökonomischen Machtkämpfen und kann dazu führen, dass die so verarmten Bauern nach Europa fliehen.

Keine Rechtfertigung für Subventionen der Produktion von Kuhmilch

Die Produktion von Milch hat viel zu große Nachteile, als dass man noch Subventionen irgendwie rechtfertigen könnte. Die Regierung ist bestrebt, Maßnahmen einzuführen, die der Umwelt und dem Klima gut tun, während sie jedoch kräftig eine der Hauptursachen finanzieren, die diese bedrohen. Eine sofortige Abschaffung der Subventionen zu fordern würde aber jedoch zu einem noch dramatischeren Hofsterben führen, da kleine Betriebe derzeit überproportional gefördert werden und die ausbleibenden Einnahmen nur die Megabetriebe aushalten könnten.

Die Milchindustrie hat sich über die Jahrzehnte in eine für wenige Menschen finanziell profitable Situation hinein entwickelt, die jedoch für Mensch, Umwelt und Tier enorme Schäden bedeutet. Aus dieser Situation kommt man nicht mit einfachen Lösungsansätzen wieder heraus. Eine andere Gewichtung der Subventionen und ein stetes Fortentwickeln der Tierhaltung sollte unser Zwischenziel sein, und nicht Profitmaximierung auf Kosten so vieler Beteiligten.

Quellen:

  1. BMEL
  2. Brot für die Welt

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