Moses Pelham – seit 2014 vegan – „Ich glaube, ich fühle mehr Liebe.”

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Moses Pelham Interview vegan
In den 90ern kam man nicht um ihn und Schwester S herum. Mit „Keine ist“ und „Du liebst mich nicht“ heulte ich meinen ersten Liebeskummer weg. „Wenn es nicht hart ist“ hörte ich mit kleinen Kopfhörern, aber dickem Walkman im Bus, wenn ich auf dem Weg zu Freunden (Grüße an Martina :)) war. Bis ich die Gitarrenmusik für mich entdeckte, war u. a. das Rödelheim Hartreim Projekt der musikalische Begleiter meiner Jugend. Als Produzent von Xavier Naidoo, Sabrina Setlur und Glashaus sollte sein Name auch heute jedem Zweiten ein Begriff sein. Die Rede ist von Moses Pelham. Nach über 15 Jahren vegetarischer Ernährung schlug er Anfang 2014 den rein pflanzlichen Lebensweg ein. Ich freue mich sehr, dass er sich heute Zeit für ein Interview genommen hat.

Interview mit Moses Pelham

Sabine: Lieber Moses, vorab vielen Dank für das Interview. Nach einer langen vegetarischen Zeit hast du dich vor gut zwei Jahren dazu entschlossen rein pflanzlich zu leben. Was war für dich damals der ausschlaggebende Grund? Gab es eine bestimmte „Begegnung“, ein Buch oder eine Anekdote, die dich hat „noch weiter denken lassen“?

Moses: Naja, ich weiß schon seit 2012, dass das, was ich mit vegetarischer Ernährung verfolgte, nämlich mich tierleidfrei zu ernähren, nicht machbar ist, aber ich redete es mir immer wieder schön, ich schaffte die Kuhmilch ab, verzichtete eine Weile auf Eier, aß aber noch Käse und eierte halt so herum. Mir half Patrik Baboumians „Vegan ganz anders“, die Fotos, die ich im Netz sah, und letztlich folgendes knapp 1000 Jahre alte Gedicht von Abu l-‚Ala al-Ma’arri:

Begehre nicht das Fleisch geschlachteter Tiere zu essen. Oder die weiße Milch der Mütter, die doch zugedacht ist ihren eigenen Jungen, nicht wohlhabenden Damen. Und betrübe den arglosen Vogel nicht, indem du ihm die Eier nimmst; denn Ungerechtigkeit ist das schlimmste Verbrechen.

Irgendwann war es einfach gut.

Moses PelhamSabine: Du hast 2014 in einem Interview erzählt, dass dir der Käse aus Kuhmilch schon arg fehlen würde. Wie ist es heute? Greifst du auf pflanzliche Käsealternativen zurück oder bist du geschmacklich total weg vom Thema? Was hat dir damals geholfen, Käse in Gänze abzulehnen?

Moses: Naja, wenn Du tierleidfreien Halloumi hast, der schmeckt, nehm´ ich drei Kilo. Käse abzulehnen ist doch keine Frage des Geschmacks, sondern eine Frage der Gerechtigkeit. Ich hab´ auch schon tollen Käse aus Nüssen gegessen, aber die Idee für alles ein Substitut zu brauchen, ist jetzt für mich etwas um die Ecke.

Sabine: Wie sieht ein durchschnittlicher Ernährungstag im Leben des Moses Pelham aus? Bist du ein Raw Foodie mit viel frischem Gemüse und Obst oder eher der Junkfood-Veganer mit Pommes und Burger?

Moses: Rate mal.

Sabine: :) Was ist deine vegane Leib- und Magenspeise?

Moses: Das thailändische Gericht Dtaow Hu Pad Khing: pfannengerührter Tofu mit Ingwer, Schalotten, Peperoni und chinesischen Morcheln auf Reis

Sabine: „Nichts verändert sich, bis man sich selbst verändert und plötzlich verändert sich alles.“ Was hat sich für dich verändert seit du pflanzlich lebst?

Pelham PorträtMoses: Ich glaube, ich fühle mehr Liebe. Es ist ein bisschen schwierig Ursache und Wirkung auseinanderzuhalten, aber da sind einfach mehr Liebe und mehr Vernunft.

Sabine: Du sagst, durch positives Vorleben lassen sich die Menschen erreichen bzw. so wurdest du „erreicht“. Konntest du schon in deinem näheren Umfeld, privat und beruflich, Menschen inspirieren den veganen Weg einzuschlagen?

Moses: Ich glaube schon, dass auch mein Vorleben, mittlerweile dem einen oder anderen in meinem Umfeld nochmal etwas mehr vegane Power gegeben hat, was toll ist, ein bisschen wie das Glücksprinzip.

Sabine: Inwieweit nimmt das Thema Veganismus Einfluss auf deine Musik und Kreativität?

Moses: Ich glaube, wer konzentrierter ist und klarer denkt, kann auch seine kreativen Ziele besser verfolgen. Auch glaube ich, dass alles irgendwie mit allem zu tun hat, aber außer dem Stück „Ich will leben“ auf dem neuen Xavier-Album kann ich natürlich nicht so richtig mit dem Finger darauf deuten.

Sabine: Aus wessen Feder stammt der Song?

Moses: Technisch gesehen aus meiner, aber natürlich ist das unser Lied. Das Thema beschäftigt Xavier, der im Gegensatz zu mir viel Zeit auf der Autobahn verbringt, sehr.

Auszug aus den Lyrics von „Ich will leben”

Solang mein Fleisch und Blut für euch ein Gut ist, sie uns essen, tragen, morden.
Und du denkst, dass ich nicht fühle werd´ ich fühlen wie es ist, dass du nicht denkst.
(Aber das weißt du doch längst.)
Ich will leben, Ich will leben,
mit allen Mitteln leben,
Gott weiß ich will leben.

Sabine: Lebt Xavier Naidoo vegan und falls nicht, wie gelingt ihm dann eine so authentisch-emotionale Präsentation des Themas „Leidensweg Tiertransport“?

Moses: Xavier ist ein sehr emphatischer Mensch, den das Thema „Tierrechte“ und das Vermeiden von Leid im Allgemeinen sehr beschäftigen. Wie gesagt sieht Xavier viel öfter Tiertransporte als ich. Dass Xavier sich dieser Sache annimmt und unseren Mitlebewesen seine Stimme leiht, ist für mich unvergleichlich wichtiger als die Frage, ob es ihm derzeit gelingt, immer auf Käse zu verzichten.

Sabine: Was ist eigentlich „Das Zentrum der Veränderung“ ?

Moses arbeitet

Moses Pelham bei der Arbeit

Moses: Das Zentrum ist ein Ort der Kontemplation und Transzendenz. Hier wurde ich vegan, hier kann ich in Frieden zu mir kommen.

Sabine: Warum hat Veganismus deiner Meinung nach in der Subkultur Hip-Hop keinen so großen Platz wie in Punk und Hardcore, wo er schon in den späten 80er Jahren in den Texten thematisiert wurde, wie z. B. bei Youth of today mit „No more“?

Moses: Das kann ich überhaupt nicht einschätzen.

Sabine: Abschließend noch: Wann dürfen wir den/die erste/n vegane/n Künstler/in bei 3p erleben?

Moses: Na haben wir doch mit meiner Wenigkeit, übrigens dem einzigen exklusiven 3p-Künstler, schon längst.

Sabine: Wir wünschen dir für die Zukunft alles Gute und weiterhin viel Erfolg.

Moses: Selba, Sabine! <3

Kommentare

  1. meint

    Toll, wenn die vegane Ernährung immer mehr Menschen begeistert. Sehr schön zu sehen, wie die pflanzlcihe Ernährung und Musik einander ergänzen können :)
    Gerade dem Punkt „erst vorleben, dann die Veränderung genießen“ kann ich 100 % zustimmen. Jetzt darf Moses nur noch seine Ernährung ein wenig bekannter machen, damit die vegane Sezene und ihre Vorbilder immer mehr in die Gedanken aller kommen. Make a vegan change!

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