Neonazis auf Biohöfen und in veganen Wohngemeinschaften

Print Friendly

Vor Kurzem wurde auf Spiegel Online ein schockierender Aufklärungsartikel veröffentlicht. Die Reporterin Anja Reiter hatte sich auf eine Recherchetour begeben, mit der sie Erschreckendes aufdeckte.

Hassbotschaften unter dem Deckmantel Umweltschutz

Aufmerksam wurde Anja Reiter, als sie auf die auf die Zeitschrift „Umwelt & Aktiv“ stieß, herausgegeben unter dem seltsamen Untertitel „Naturschutz – Tierschutz – Heimatschutz“. Zuerst stach ihr die Sprache ins Auge. Da war die Rede von Themen wie „Welche Menschen können und wollen wir uns leisten?“ oder dem „Umweltschutz im deutschen Lied“.

Auf den zweiten Blick fiel ihr auf: Umweltschutz lässt sich gut mit völkisch-nationalen Idealen verbinden. So versuchen immer häufiger rechtsextreme Gruppen ihre rassistischen Botschaften im Namen des Umweltschutzes beispielsweise in veganen Facebook-Gruppen oder auf Bioseiten im Netz zu verbreiten.

Auch unsere Redaktion erreichte unlängst unaufgefordert ein Belegexemplar des stark rechtsgerichteten „Umweltmagazins“, hinter dem laut Reiters Artikel der Verein Midgard aus Traunstein steckt, die Redakteure sind stark mit der rechten Szene vernetzt, zum Teil sogar ehemalige Mitglieder der NPD. Wir sagen dazu nur: Spart Euch Eure Mühe. Bei uns findet Ihr keine Plattform!

Eine Spiegelreporterin deckt auf

Anja Reiter traf bei Ihrer Recherche unter anderem auf braune Ökolandwirte, die „echten deutschen Honig“ und „echte deutsche Kartoffeln“ verkaufen. Die NPD wirbt in ihrem Programm gegen Gentechnik und polnischen Atomstrom. Rechtsextreme tragen Slogans gegen Tierquälerei auf ihrer Kleidung und verteilen Tierschutz-Flyer, um neue Mitglieder zu gewinnen. Dabei setzen sie Slogans wie „Blut und Boden“ oder „Umweltschutz ist Heimatschutz“ ein.

Die sogenannten „völkischen Siedler“ suchen sich gezielt Ortschaften aus, die von der Abwanderung betroffen sind, um sich niederzulassen und dort ihre braunen Gedanken zu verbreiten. Sie kaufen Grundstücke auf, auf denen sie dann ihre Siedlungen gründen, Beispiele sind hier Jamel oder Wibbese.

Einige der Siedlungen gehen zurück bis auf den radikalen, völkischen Bund Artam, der 1926 gegründet wurde, zu dessen Mitgliedern unter anderen Heinrich Himmler und Auschwitz-Kommandant Rudolf Höß zählten.

Trends werden genutzt und gezielt missbraucht

Und auch den „Trend Vegan” versuchen die Nazis für sich zu nutzen. Slogans wie „Kartoffeln statt Döner“ tauchen zur Zeit immer wieder in den sozialen Netzwerken auf. Schon länger fallen Nazis nicht mehr durch ihr Äußeres auf, erst vor Kurzem hörte man das erste Mal die Bezeichnung „Nipster“, eine Kombination aus „Nazi“ und „Hipster“, auch von Frau Reiter in ihrem Artikel bei Spiegel Online erwähnt. Nazis kleiden sich wie Hipster und verbreiten unter dem Hashstag „Nipster“ ihre Hassparolen.

So teilt zum Beispiel eine Gruppe junger männlicher Nipster auf youtube Kochvideos, gespickt mit Nazipropaganda. Sie zeigen ihre vegane Wohngemeinschaft, albern vor der Kamera herum, machen Scherze. Ganz nebenbei sind im Hintergrund Plakate mit rechten Parolen zu sehen. Immer wieder werden Gäste eingeladen, wie in einer TV-Kochshow, die Gastgeber tragen Sturmhauben und T-Shirts mit rassistischen Slogans.

Die Neonazis zitieren Texte beliebter Popmusiker, wie „Wir sind Helden“ falsch und lassen ihre Worte in einem rechten Licht erscheinen. Abgekupfert wird überall, um junge Menschen aus allen Bereichen zu ködern. Man versucht sich Dinge aus der autonomen Szene abzugucken oder bezeichnet sich als Straight Edge. Kulturen und Bewegungen, die ganz klar nichts mit der rechten Ecke zu tun haben, werden ganz bewusst in diese gezogen und für die Zwecke der neuen Nazis missbraucht. Vermischt wird das Ganze dann mit rechter Symbolik wie beispielsweise Runen oder Zahlencodes, man posiert mit der Clubmate unter dem Hitler-Plakat.

Jutebeutel mit Nazi-Slogans

Um ihre Anhängerschaft zu vergrößern, schrecken die Neonazis vor nichts zurück. Körperschmuck wie beispielsweise Piercings und Tattoos, welche früher in der rechten Szene verschrien waren, gehören plötzlich genauso dazu, wie Biosoja und Jutebeutel. Man könnte meinen, dass sich die braune Meute hinter den Merkmalen anderer Gruppen versteckt, um sie zu tarnen. Das ist jedoch nicht der Fall, vielmehr wird hier das Ziel verfolgt, die Grenzen zu verwischen, um den Hass salonfähig zu machen.

Es handelt sich um einen gefährlichen Trend, den es aufzuhalten gilt. Aufklärung ist hier besonders wichtig. Dass es etwas bringt, wenn man hartnäckig bleibt, zeigte sich jüngst bei Facebook. Nach zahlreichen Bitten von Usern, rechtsgerichtete Profile und Seiten endlich mit Konsequenzen für den jeweiligen Verantwortlichen melden zu können, scheint sich dort einiges zu tun. Wenn Parolen oder rassistische Kommentare auftauchen, ist es immer wichtig, diese zu melden und gegebenenfalls auch anzuzeigen. Auch hier konnten in den letzen Wochen immer mehr Erfolge verbucht, Strafen verhängt und „Platzverweise“ für Rechte in verschiedenen sozialen Medien erteilt werden.

Vegan und rechtsradikales Gedankengut passen nicht zusammen

Veganismus bedeutet nicht-menschliches und menschliches Leben jeder Couleur und Ausprägung gleichermaßen zu schätzen und zu schützen. Somit stehen Veganer_Innen per se rechtem Gedankengut entgegen. Wir sollten uns wann immer möglich klar gegen rechtsradikale Propaganda und Vereinnahmung abgrenzen. Aufmerksam sein und bei Demos gegen Rechts auf die Straße gehen lautet die Devise.

Den Artikel von Anja Reiter findet Ihr hier.

Artikel: Anne Reis, cardamonchai.com

Kommentare

  1. Sol meint

    Danke für den Hinweis auf diesen aussagekräftigen, informativen Artikel!

    Aauch bei uns gab es komisches Intermezzo in nem veganen Shop mit nem Typen,
    der ein bestimmtes Logo auf seinem Shirt trug, welches seine Ideologie in die Welt tragen sollte.
    Während sich die Kassiererin weigerte ihn zu bedienen, hat sie leider hinterher ne Kritik einstecken müssen,
    dass „alle Kunden gleich zu behandeln seien“.
    So etwas müßte viel lauter in der veganen Öffentlcihkeit diskutiert werden!
    In diesem Sinne also vielen Dank für diesen informativen Artikelhinweis.
    LG Sol

    • meint

      Danke für Deinen Kommentar und Deinen Hinweis! Wir sind auch der Meinung, das viel lauter diskutiert werden muss! Erschreckend die Geschichte mit dem Shirt. Es spielt sich eben nicht alles „nur“ im Netz ab.
      Viele Grüße!

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *