Nini Lapointure – das Interview

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Nini Lapointure

Die Fotoserie „Animal“ der französischen Künstlerin Nini Lapointure haben wir euch schon vor ein paar Wochen vorgestellt. Jetzt wollten wir mehr über Nini, ihre Kunst und die französische Tierrechtsbewegung wissen. Nini stand Ollie für ein Interview zur Verfügung und ließ uns Einblick in ihre Gedanken um Kunst und Veganismus haben.

Nini Lapointure steht Rede & Antwort

OLLIE: Hi Nini, wir haben unseren Lesern schon von Dir und deiner Kunst berichtet, aber stell dich doch einfach selbst vor.

NINI: Wenn ich mich in wenigen Worten beschreiben müsste wären das Mutter, Ehefrau, Frau, Künstlerin, vegan und militant (in beliebiger Reihenfolge). Ich bin sehr emphatisch und mag es, anderen zu helfen, Tieren so wie Menschen, so viel und so gut ich kann. Ich versuche immer voller Leidenschaft zu leben und optimistisch zu sein, auch wenn das oft schwierig ist. Ich begeistere mich für Musik und Tanz und übe seit ich ein kleines Mädchen war. Bei der Musik hab ich am liebsten die Oper und beim Tanz den modernen Jazz-Tanz.

OLLIE: Das Du sehr viele Dinge machst, hab ich schon auf Deiner Website gesehen. Sehr beeindruckend! Aufmerksam bin ich auf Dich durch deine Fotoserie „Animal“ geworden. Die hat bei Facebook große Wellen geschlagen. Woher kam die Idee oder die Inspiration zu diesen Bildern?

NINI: Ich denke die Inspiration zu „Animal“ bekam ich durch Bilder und Zeichnungen zum Thema „Rollentausch“ aus der Tierrechtsbewegung, die ein paar befreundete Veganer auf Facebook und in ihren Blogs zeigten. Auch hier waren die Menschen das Opfer und Tiere ihre Peiniger. Mir war es aber wichtig beide Seiten durch Menschen darzustellen, da es realistischer wirkt, einfacher zu planen ist und dem Betrachter die eigene Rolle auch besser verdeutlicht. Ich wollte die Menschen auf eine andere Art als den Dialog und öffentliche Proteste für Tierrechte sensibilisieren, da ich festgestellt habe, das jeder Mensch anders auf Argumente reagiert. Wer zum Beispiel „EARTHLINGS“ sieht könnte anfangen den Veganismus zu unterstützen, könnte aber genauso militanter Tierschützer werden. Andere wiederum werden „EARTHLINGS“ nicht mal bis zum Ende sehen, da sie es für zu brutal halten. Aus diesem Grund halte ich es für sehr wichtig zu versuchen die Menschen auf unterschiedliche Art und Weise anzusprechen. Kunst ist ein guter Weg den Geist der Menschen für die Sache zu öffnen. Dazu kam das ich mit NICOTOULOUSE (Fotograf der Serie Anm. des Red.), der wirklich ungewöhnliche Themen auf ganz andere Art angeht, zusammenarbeiten wollte. Glücklicher Weise sagte er sofort zu. Die Planung dauert allerdings noch 7 Monate bis zu den ersten Ergebnissen „Gavage“ und „Zoo“.

OLLIE: Das klingt nach einer Menge Leidenschaft für dieses Projekt und viel Arbeit. Hast Du nach all dem Aufwand und der Hingabe viel Feedback bekommen und hat es auch die Aufmerksamkeit auf dich als Künstlerin verändert?

NINI: Seit wir „Animal“ veröffentlicht haben, bekommen wir viele neue Freundschaftsanfragen bei Facebook. Aus Ländern wie Italien, Spanien und Deutschland, aber auch aus Mexiko und Russland. Bei Facebook wurden zwar auch Bilder geblockt ( „Gavage“ und „Zoo“ Anm. des Red.) aber eben auch viele geteilt und geliked. Insbesondere „Vache à lait“. Ich bekomme Nachrichten aus verschiedenen Bereichen. Fotografen, Veganer und Tierrechtler schreiben mir und beglückwünschen mich zur Serie. Dieser Support ist toll, denn einige Themen sind hier bei uns in Frankreich und speziell hier im Süden (Nini lebt in Toulouse Anm. des Red.) ein Tabu. So zum Beispiel „Gavage“, denn der Süd-Westen Frankreichs ist die Wiege der Stopfleber. Die Kommentare zu den Bildern waren sehr unterschiedlich. Stillende Mütter fühlten sich mit Kühen verglichen, andere fanden die Jagdszene sähe zu sehr nach Krieg aus. Bei „Gavage“ fanden manche die Unterdrückung der Frau durch den Mann zu schlimm. Ich wurde gefragt warum es immer eine Frau sei, die die Tiere symbolisiert. Ich antwortete das es nicht immer eine Frau sondern immer ICH sei, da es meine Serie ist. Natürlich wurde von vielen, denen ich unterstelle das sie sich die Einleitung zu den Bildern nie durchgelesen haben, die gesamte Serie als provokant, abscheulich und brutal bezeichnet. Meiner Meinung nach zeigen diese Bemerkungen oft das fehlende Verlangen die Dinge so zu verstehen und zu sehen wie sie wirklich sind und die eigentliche Bedeutung der Bilder zu erkennen. Nach einigen Erläuterungen konnten die Kritiker den Inhalt dann doch wenigstens begreifen, wenn auch nicht gut finden.

OLLIE: Wow, das ist ja teilweise echt heftig. Dann kann man ja gespannt sein was die Zukunft bringt. In unseren Vorgesprächen sagtest Du ja schon das Du die Serie fortsetzen willst. Hast Du schon konkrete Vorstellungen?

NINI: Absolut! „Tonte“ ist nicht das letzte Bild. Wir möchten im nächsten Jahr weitermachen. Um die Spannung aufrecht zu erhalten verrate ich aber noch nichts Konkretes, aber es sind bereits 4 Bilder in der Planung. Unter anderem auch zum Thema Labortests.

OLLIE: Ich bin gespannt Nini!! Verrate uns was zur französischen Tierrechts und Veganismus-Szene. Ist dort eine Entwicklung und ein Wachstum zu sehen?

NINI: Ich lebe jetzt etwas über 2 Jahren vegan und war vorher Fleischesser. Bis zu meinem Wechsel zur rein pflanzlichen Lebensweise wusste ich noch nicht mal das wir überhaupt ohne tierische Produkte leben können. Ich habe also keine jahrelange Einsicht in die französische Szene. Dazu komme ich noch aus der Provinz. Es gibt aber einige Organisationen hier bei uns in Frankreich, mindestens drei hier in Toulouse. Es gibt viele organisierte Proteste gegen die Ausbeutung der Tiere, Labortests, Zoos, Zirkustiere und Stopfleber. Es gibt auch vegane Veranstaltungen wie das „Veggie Pride“ und „New Year’s Eve vegan dinner“ auf einem Schiff in Paris. Es gibt noch einige andere Veranstaltungen und ich habe in diesem Jahr an dem veganen Kunstfestival „NoCageArtFestival“ mit dem Bild „Vache à lait“ und als Sängerin teilgenommen.

In Frankreich besteht eine große Kluft zwischen der Tradition wie zum Beispiel den Zoos, der Stopfleber und Käseproduktion und auf der anderen Seite einem bewussteren und gesünderem Leben mit weniger Fast-Food und dem Wissen wo das Essen herkommt und so. Es gibt allerdings eine große Gruppe überzeugter Veganer die daran arbeiten, dieses zu ändern.

OLLIE: Das wirkt auf mich wie eine recht engagierte Bewegung. Wie siehst Du dort Deine Position und wirst Du den Veganismus auch in andere Bereiche deiner Kunst einfliessen lassen, wie zum Beispiel den Gesang?

NINI: Das kombiniere ich bereits. Wie vorher schon erwähnt nehme ich an vielen Protesten teil. Gegen Stierkämpfe oder Tierversuche zum Beispiel. Neulich habe ich zum Beispiel auf einer Tierrechtsdemo auch a capella mit Megaphon gesungen. Ausserdem bin ich Backgroundsängerin bei „Twinbird“, der Band meiner Freundin Tilla Weevers. Eine Band die sich auch der Thematik Pro-Vegan widmet. Mit Twinbird bin ich auch auf dem NoCageArtFestival aufgetreten.


(Nini ist der weisse Vogel. Anm. des Red.)

Es gibt viele tolle vegane Musiker in Frankreich und ich hoffe sehr das ich mit einigen von ihnen mal zusammenarbeiten kann.

OLLIE: Na dann werden wir ja in Zukunft noch einiges von Dir hören und sehen! Ich drücke dir Die Daumen das Du das alles so hinbekommst und Danke Dir für das Interview!

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