No Meat Athlete – Interview mit Matt Frazier

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Matt Frazier ist Ausdauersportler und Gründer von No Meat Athlete (www.nomeatathlete.com). Auf seiner Website schreibt er unter dem Motto “Runs on Plants” über seine Erfahrungen als fleischfreier Läufer, gibt Trainingstipps und motiviert andere Sportler, ihre Ziele zu verfolgen. Sein erstes Buch ist bereits auf dem amerikanischen Markt erschienen und eine deutschsprachige Übersetzung wird bald über compassion media in Deutschland erhältlich sein.

Meinen ersten Ultramarathon habe ich stolz in meinem No Meat Athlete-Shirt gefinished. Grund genug, Matt einmal zu interviewen. Zwischen seinen Promo-Terminen im Rahmen seiner Buchvorstellung kreuz und quer durch die USA hat er sich Zeit für VEGAN NEWS genommen.

Das Interview mit Matt Frazier von No Meat Athlete

Joerg: Matt, du hast 2009 den ersten Artikel in deinem Blog veröffentlicht. Damals ging es um deinen ersten Versuch Vegetarier zu werden – was nicht allzu lang vorhielt. Nun gut, man läuft ja auch keinen Marathon ohne Training. Ebenso dauert es eine Weile, bis man seine Ernährung komplett ändert. Hast du damals bereits ein konkretes Ziel verfolgt? Hast du vielleicht sogar schon über Veganismus nachgedacht als du aufhörtest Fleisch zu essen?

Matt Frazier von No Meat Athlete

Matt Frazier, No Meat Athlete

Matt: Als ich mich dazu entschloss kein Fleisch mehr zu essen, wusste ich im Prinzip nichts über Veganismus. Ich wusste lediglich, dass es eine extremere Variante des Vegetarismus ist. Ich kannte keine Einzelheiten und hätte auch niemals gedacht, dass ich je mehr machen würde als mich vegetarisch zu ernähren. Anfangs hatte ich sogar Bedenken, wie sich der Fleischverzicht auf mein Laufen auswirkt. Ich dachte, dass es ungesund ist und sich überhaupt nicht mit dem Marathon-Training vereinbaren lässt wenn man alle tierischen Produkte verbannt. Als ich jedoch Vegetarier wurde und mit meinem Blog startete, habe ich über diese Community zahlreiche Leute kennengelernt und so auch mehr über Veganismus erfahren. Das war im Prinzip mein Weg in diese Richtung. Etwa zwei Jahre nachdem ich Vegetarier wurde, traf ich die Entscheidung komplett vegan zu leben – und ich habe mich nie besser gefühlt als jetzt!

Joerg: Es gibt viele Gründe für eine pflanzliche Ernährung: ökologische, gesundheitliche oder gar religiöse Aspekte. Was war deine Motivation? Gab es ein Schlüsselerlebnis, das dich zum Nachdenken angeregt hat?

Matt: Meine Motivation ist ethisch bedingt – ich fühle mich einfach nicht okay dabei Tiere oder tierische Produkte zu essen, da ich weiß, dass dies eine Industrie unterstützen würde, die Tiere in einem so großen Maße misshandelt. Es gab wirklich kein einzelnes Schlüsselerlebnis. Es hat zwei Jahre gedauert bis ich mich vegetarisch ernährte: Zuerst fand ich es falsch, Kühe und Schweine zu essen – also habe ich damit aufgehört. Dann habe ich mehr darüber erfahren, wie Geflügel für die Lebensmittelindustrie behandelt werden und auch darauf verzichtet. Das gleiche galt letztendlich auch für Fisch.

Joerg: Vor einigen Jahren konnte kaum jemand was mit dem Begriff “vegan” anfangen. Heute ist er sehr populär. Glaubst du, dass es sich um einen Trend handelt der bald wieder vorüber geht oder denkst du, dass Veganismus seinen festen Platz in der Mitte der Gesellschaft findet?

Matt: Ehrlich gesagt weiß ich es nicht. Für mich fühlt es sich auch so an, als würden sich mehr und mehr Menschen mit Veganismus auseinandersetzen. Aber vielleicht werde ich auch nur aufmerksamer was die Thematik angeht. Selbst wenn Veganismus nicht vom Mainstream komplett angenommen wird glaube ich, dass der ökologische und wirtschaftliche Druck die Leute auf Dauer dazu bewegen wird, ihre Ernährung mehr auf pflanzliche Kost umzustellen als es aktuell der Fall ist.

Joerg: Anfangs hast du in deinem Blog eine Vielzahl an Rezepten für nahrhafte Mahlzeiten und Getränke veröffentlicht. Heutzutage ist es nicht mehr schwer komplett pflanzlich zu leben – vor allem nicht in großen Städten. Selbst die großen Lebensmittelkonzerne haben gemerkt, dass es einen Markt für veganes Essen gibt. Glaubst du, dass viele Leute weiterhin auf Convenience-Produkte zurückgreifen, die ja mittlerweile zum Teil vegan sind, anstatt selbst zu kochen? Oder bist du der Ansicht, dass Leute die sich für eine pflanzliche Ernährung interessieren auch mehr über die Herkunft und Qualität ihrer Lebensmittel interessieren?

Matt: Mir scheint es, als kümmern sich Veganer mehr um die Herkunft ihres Essens. Oftmals resultiert die Motivation jedoch eher aus dem Mitgefühl als aus der Sorge um die eingehen Gesundheit. Natürlich legen viele Veganer wert auf die Qualität ihres Essens – das machen omnivore Menschen jedoch auch. Ich glaube, dass der entscheidende Faktor das hohe Tempo der modernen Zeit ist: Dieser „To-Go“-Lifestyle. Daher denke ich, dass es einen großen Markt für vegane Convenience-Produkte geben wird.

Darum ist es besser ein „No Meat Athlete“ zu sein

Joerg: Als „No Meat Athlete“ hast du dich selbstverständlich auf die Vorteile deiner Ernährung fürs tägliche Training fokussiert. Kannst du einige Beispiele nenne, die du so nicht erwartet hättest?

Matt: Das erste was mir auffiel nachdem ich Vegetarier wurde, war die Tatsache, dass ich abends mehr Energie hatte. Ich vermute es lag daran, dass ich beim Abendessen weniger Kalorien zu mir genommen habe, da ich mich noch immer gesättigt fühlte (die Kaloriendichte von Pflanzen ist häufig geringer als die von tierischen Produkten). Die Belastung für die Verdauung war geringer, was zu mehr Energie führte. Gleichzeitig hatte ich in den sechs Monaten nachdem ich Vegetarier wurde das beste Marathon-Training. Innerhalb kürzester Zeit lag ich zehn Minuten unter meiner bisherigen Marathon-Bestmarke. Ich möchte jetzt nicht sagen, dass die Ernährung der einzige Grund für diesen Erfolg war aber sie spielt sicherlich eine große Rolle dabei. Ich habe 3 oder 4 Kilogramm an Gewicht verloren – das macht sich auf der Marathon-Distanz schon bemerkbar. Zudem glaube ich, dass ich mich durch die pflanzliche Diät besser und schneller erhole als ich es vorher getan habe. Das liegt daran, dass ich jetzt mehr Vollwertkost in größerer Vielfalt zu mir nehme als zuvor.

Joerg: Was sind deine Pläne für die Zukunft? Gibt es einige besondere Langstreckenläufe die du mal laufen möchtest?

Matt: Der Badwater Ultramaraton (135 Meilen durchs Death Valley) wäre unglaublich – und ist mein langjähriges Traumziel. Aber es ist keines, auf das ich jeden Tag hin arbeite. Es ist mehr ein Plan, der eines Tages akut werden könnte. Aktuell gibt es bei dem Rennen ein paar Probleme mit der Lokalbehörde. Die Erlaubnis muss verlängert werden – aus Sicherheitsgründen. Und das obwohl der Lauf ein sehr gutes Sicherheitskonzept hat. Ich hoffe, dass er weiter bestehen wird.

Joerg: Matt, vielen Dank für das Interview und ich hoffe, dass wir uns irgendwann einmal auf der Strecke treffen!

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