Rüsselheim e. V. – Da darfst du Schwein sein in dieser Welt!

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Rüsselheim e.V.

Wie ihr am Titel meines Artikels bereits erahnen könnt, wird‘s bei uns heute schweinisch hergehen. Eine besondere Freude ist es mir, den folgenden Artikel von Doris Rauh, Vorsitzende des Vereins Rüsselheim e. V., vorzustellen. Vor ein paar Wochen bereits telefonierte ich mit Doris, die mich unter anderem über den damaligen Stand der Umbaumaßnahmen eines ehemaligen Mastbetriebes, zu Gunsten Ihrer Schweine, in Oberfranken, in Kenntnis setze. Auf diesem großflächigen Gelände sollen in Zukunft freigekaufte – also vor der Schlachtung bewahrte – Schweine, Rinder und Schafe ein Leben in Freiheit genießen können.

Rüsselheim e.V. will den Menschen die sogenannten „Nutztiere“ näher bringen, ihren Status den vom Menschen geliebten Heimtieren, wie Hund und Katze, gleich setzen.

Dieser Gedanke und die unermüdliche Arbeit für die vor dem Tod geretteten Lebewesen finde ich äußerst unterstützenswert und ich möchte die Vegan-News-Leser darauf aufmerksam machen, dass noch ca. 40 Patenschaften der geretteten Schweine „offen“ sind. Zum kommenden Osterfest, als Geburtstagsgeschenk oder einfach, weil man das Gefühl hat, „mitmachen und etwas Gutes tun“ zu wollen, sind diese Patenschaften in meinen Augen ein wunderbar sinnvolles Geschenk. Und nur zu Doris Artikel über Rüsselheim e. V.

Gast-Artikel von Doris Rauh von Rüsselheim e. V.

Was ist Rüsselheim e. V.?

Rüsselheim e.V. ist ein gemeinnütziger Verein der unter der Regie von Doris Rauh im Dezember 2012 einen gesamten Mast- und Zuchtsauenstall gegen „Lösegeld“ befreit hat.

Der Verein unterhält heute 3 Pflegestellen, an denen die Tiere von Landwirten bzw. Tierrechtlern in enger Zusammenarbeit mit Tierärzten professionell versorgt werden. Am Ammersee leben 12 ehemalige Ferkel und Mastschweine sowie ein Muttertier. Auf dem Reiter- und Gnadenhof Lemuria in Waldbröl leben 15 ehemalige Muttertiere in Freilandhaltung. Und das Gros der Tiere steht auf einem frisch bezogenen Hof in Oberfranken, der vorher für weit über 1.000 Mastschweine konzipiert war. Der erste Stall dort ist bereits komplett umgebaut. Der 2. Stall befindet sich momentan noch in den letzten Umbaumaßnahmen und wird bis spätestens Ende Januar finalisiert.

Zu den knapp 200 Vereinsschweinen zählen auch inzwischen 7 Rinder, 4 achtjährige Rinder , von denen die drei Ochsen rund  1.300 kg auf die Waage bringen, ein ca. einjähriges inzwischen Ochsenkalb und eine kürzlich vor dem Schlachttod gerettete  17-jährige Kuh mit ihrem 14. und letzten Kälbchen sowie eine steinalte ausgemergelte Schaf-Oma, die bereits am Schlachthof gestanden hat und die bei einer Tierärztin vorübergehend während der Behandlungsphase als sogenanntes „Flur“schaf untergekommen ist.

Was ist die Mission des Vereins?

Rüsselheim e.V. will den Menschen die sogenannten Nutztiere nahe bringen. Tiere, die weggesperrt werden, ein gnadenloses und unwürdiges Leben fristen, sollen dort ein Leben in Freiheit und ohne Aberkennung Ihrer Rechte als denkende, fühlende und hoch-sozial entwickelte Lebewesen führen können und ohne jegliche Bedrohung ihres Lebens. Dieses Projekt von Rüsselheim e.V. geht über den Schutz dieser vergleichsweise geringen Anzahl  von rund 200 Tieren hinaus, da über diese Tiere auf das grenzenlose Leid unserer „Nutztiere“  aufmerksam machen sollen und gleichzeitig soll über die Nähe zu den Tieren den Menschen bewusst gemacht werden, welch wundervolle Tiere Schweine, Rinder, Schafe – eben alles was mit dem Titel „Nutztier“ gebrandmarkt wird – eigentlich sind und dass sie es definitiv nicht verdient haben in der Wursttheke und Pfanne zu landen. Ziel ist es, ihren Status dem von Heimtieren wie Hund und Katze anzugleichen.

Diesen Tieren, die in den Ställen und Schlachthöfen in rechtlosem Raum leben, soll  ein Gesicht verliehen werden. Der eigentlich nicht allzu anspruchsvolle intellektuelle Sprung vom entpersonifizierten in Zellophan verpacktem Stück Fleisch zum fühlenden, Angst, Schmerz und Einsamkeit empfindenden Lebewesen, das wie wir Menschen auch soziale Strukturen unterhält, soll erreicht werden und es den Menschen dadurch unmöglich machen, diese liebenswerten Geschöpfe weiter zu quälen, hinzurichten und letztendlich zu verspeisen.

Wer sind die geretteten Tiere?

Unter den geretteten Tieren befinden sich auch knapp 30 Mutterschweine, von denen die Älteste, Oma Lotti, über 10 Jahre im Kastenstand verbracht hat. 10 Jahre in einem Metallkäfig unwesentlich größer als ihre Körpermaße, in einem langen, schmalen Gang mit Kastenstand an Kastenstand, ohne natürliches Licht. Das Neonlicht war fast nur zu den Fütterungszeiten angeschalten. Wenn die Tiere in der Rausche (Anm. d. Red.: Die Tage, in denen ein Schwein trächtig werden kann.) und noch jünger waren, haben sie oft versucht, sich durch die Käfigstangen oben durch zu zwängen , um aufreiten zu können. Dabei haben sie die benachbarten Sauen oft mit ihren Klauen verletzt. Manche haben sich gewehrt, die hilflosen alten, waren dankbare Opfer und hatten ein Hautbild, das wie Pergament und mit vielen Schwielen und Striemen übersät war. Viele hatten pilzähnliche Wucherungen. Alle hatten sie Liegeschwielen an den Knien vom harten, kalten, rauen Betonboden ohne einen einzigen Strohhalm. Beraubt jeglicher Beschäftigungsmöglichkeit haben sie tagaus tagein auf die gleiche Wand gestarrt. Sie wurden vom „diensthabenden“ Eber gedeckt, waren trächtig, hatten fast 3 x im Jahre ihre Würfe, die ihnen nach spätestens 6 Wochen entzogen wurden. Nach 1 Woche waren sie wieder „rauschig“ und wurden erneut gedeckt. Man stelle sich vor wie ausgemergelt Oma Lotti´s geschundener Körper nach über 10 Jahren Kastenstand war. Dass sie das überlebt hat und bis in dieses Alter fertil geblieben ist, war ein Wunder. Sie hat nun einen grandiosen Sommer in Freilandhaltung hinter sich und wird derzeit wegen ihrer Alterswehwehchen zurück im Reitstall gepäppelt, damit sie noch viele Sommer draußen auf der Weide mit Sonnenstrahlen, Suhle, Licht, Wind, Regen und vielen Streicheleinheiten hat. Sie soll wenigstens eine kleine Entschädigung haben für die sinnlosen, unwürdigen und endlos langen Jahre im Stehsarg aus Stahl.

Der diensthabende Deckeber „Poppy“  wurde freilich nach der Kastration auch mitgenommen und lebt heute mit rund 160 Tieren in einer 42 Schwein-starken Gruppe auf dem Hof in Franken. Er ist mit seinem immer noch vorhandenen Eber-Gehabe und seinen rund 330kg Gewicht der unbestrittene Chef in seiner Gruppe. Seine Risthöhe reicht weit über die Hüfte der meisten aktiven Helfer vor Ort! Er hat einen Teil seines früheren Harems wie Bella, Fanni, Miss Ugly und Oma Rosa um sich. Die meisten anderen sind alles seine Kinder. Poppy ist übrigens eines der wenigen Schweine, die einen Flunsch ziehen können, das tat er damals fast immer als er noch im 3m² großen Eberstall rein auf Spalte stand.

Rüsselheim e. V. hält sich trotz aller Unkenrufe tapfer

Vor einem Monat hatte Rüsselheim e. V. Jahrestag der Rettung dieser großen Anzahl an Tieren. Wider der allgemeinen Erwartungen hat  es dieser kleine Verein mit deutlich mehr Schweinen als Mitgliedern geschafft seinen Tierbestand tatsächlich finanziell über Wasser zu halten. Nach wie vor wird aber alle Energie daran gesetzt, auch die verbleibenden gut 40 patenlosen Schweine abzusichern.

Anmerkung der Redaktion: Hier kannst du eine Patenschaft für eines der Schweine übernehmen.

Die anderen Tiere haben wunderbare Menschen gefunden, die ausnahmslos zu diesem Projekt und ihren Tieren stehen. Ihnen ist die Bedeutung dieser verhältnismäßig klitzekleinen Anzahl an Schweinen gegenüber rund 158.000 Schweinen, die tagtäglich nur bei uns in Deutschland in die Tötung geschickt werden bewusst. Wenigstens diese paar Schweine sollen überleben, damit Menschen erkennen, dass auch sie Tiere sind und nicht Schnitzel, Wurst oder Lendchen.

Unsere Nutztiere sind die Ärmsten unter den Armen in unserer Hemisphäre und genau dort will Rüsselheim e. V. ansetzen, damit auch die Welt für die ein wenig heller wird, die in die falsche Haut hineingeboren wurden. Dass die Menschen kein Fleisch mehr essen, wird keiner von uns, der dies liest erleben, aber Doris Rauh ist sich sicher, dass der Zeitpunkt kommen wird.

Jedes Unrecht und jedes Verbrechen wird irgendwann erkannt oder aufgedeckt. Das wird auch bei diesen Tieren so sein. Wir alle sind am Weg, aber wir sind sehr langsam und noch viele dieser kleinen und großen Gefährten wird sein Leben geben müssen, bevor die Menschen das Unrecht erkennen, das sie seit Dekaden und Jahrhunderten Schutzbefohlenen antun! – Doris Rauh

Kommentare

  1. Alexandra Neumann meint

    Halli Hallo…
    Ich habe heute per Zufall etwas von Ihrem Verein gelesen und auch,dass Ferkel gerettet werden sollen.
    Hut ab vor dieser Arbeit und dem Mut.
    Ich komme gerade von einem Protestmarsch gegen Schlachthöfe(Vion in Bad Bramstedt)und hatte im Internet nach Fotos geguckt.Da stieß ich auf Ihren Verein.
    Ich werde mich auf jedenfall noch weiter informieren und lasse von mir hören.
    Wo sind die Ferkel,die zum Glück noch am Leben sind??Sind alle bisweilen gerettet?
    Viel Erfolg weiterhin bei Ihrer Arbeit!!!
    Gruß Alexandra Neumann

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