Schlachthofskandal – VGT spricht vom größten Tierschutzskandal Österreichs

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Schlachthofskandal
David Richter vom VGT (Verein gegen Tierfabriken) spricht vom größten Tierschutzskandal Österreichs. Von Januar bis Oktober 2015 wurde in 20 österreichischen Schlachthöfen verdeckt gefilmt. Die Ergebnisse sind schockierend und verstörend zu gleich, denn alle getesteten Betriebe wurden wegen schwerwiegender Übertretungen angezeigt.

Erschreckende Ergebnisse aus Österreichs Schlachthöfen

Sieht man sich die Zustände in Österreichs Schlachthöfen an, mag so manch einer an einen schlechten Scherz denken. Der VGT (Verein gegen Tierfabriken) hat in den letzten Monaten die unfassbare Menge von 3.000 Stunden Videomaterial ausgewertet und nun an die Öffentlichkeit gebracht. Die Aufnahmen stammen aus 20 heimischen Schlachtbetrieben (STMK: 9, NÖ: 4, OÖ: 2, K: 3, VBG: 1, BGLD: 1), wobei in allen Fällen Anzeigen wegen gesetzeswidriger Zustände erbracht wurden. Zudem sollen in den nächsten Tagen Weitere wegen Tierquälerei folgen. Allen voran gibt es in allen Betrieben schwerwiegende Übertretungen im §3 der Grundsatzbestimmungen: „Beim Verbringen, Unterbringen, Ruhigstellen, Betäuben, Schlachten und Töten, müssen die Tiere von ungerechtfertigten Schmerzen, Leiden, Schäden und schwerer Angst verschont bleiben.“ Aber auch unnötig erzeugtes Tierleid durch schlechte Betäubung bzw. bewusste Misshandlungen wurden hart an den Pranger gestellt.

Die Reaktion der Schlachtbetriebe

Seit Veröffentlichung der Ergebnisse lässt eine fundierte Stellungnahme der angezeigten Betriebe auf sich warten. Der Schlachthof Ramsauer in Heiligenkreuz am Waasen (Steiermark) fällt wegen verheerender Zustände bei der Tierquälerei besonders auf. Die Videos zeigen unter anderem einen Mitarbeiter, der mit einem Stock minutenlang aggressiv auf verängstigte Tiere einprügelt. Weiters werden verletzte sowie kreischende Tiere mit Elektroschockern traktiert. Hans-Peter Ramsauer, Geschäftsführer vom Schlachthof Ramsauer hat sich wie folg geäußert: „Die Stöcke, die man im Video sieht sind aus Plastik und tun den Tieren nicht weh […] die Elektrotreiber haben wir sofort eingezogen, das darf so nicht gemacht werden.“ Aus dem Grazer Schlachthof Marcher, in dem ähnlich horrible Zustände herrschen, gibt es bisher keine Stellungnahmen. Trotzdem wirbt das Unternehmen auf seiner Homepage prominent mit den Worten „Unsere Verantwortung sind Lebensmittelsicherheit und der ethisch korrekte Umgang mit Mensch und Tier.“

Die Politik mit in die Verantwortung nehmen

Der VGT hat mit seiner Arbeit bereits die Politik erreicht. Größtenteils zeigt man sich bestürzt. So fordert Landesrat Christoph Drexler (ÖVP) eine lückenlose Aufklärung der Anklagefälle. Auch Tierschutzlandesrat Jörg Leichtfried (SPÖ) fordert harte Konsequenzen und ist um Verbesserungen in der Zukunft bemüht. Er appelliert besonders an das generelle Kaufverhalten der Konsumenten.

Die Konsumenten sind gefragt

Am Ende sind es immer die Kunden, die tierische Produkte kaufen und somit das Quälen von Tieren indirekt unterstützen. Ein Leserin der Kleinen Zeitung ließ in einem Leserbrief folgende Zeilen verlauten: „Ich war wirklich so naiv zu glauben, dass Zustände, wie sie z.B. am Klagenfurter Schlachthof herrschen, nur in Schlachthöfen in Süd- oder Osteuropa möglich sind. Anscheinend ist Österreich auch hier keine rühmliche Ausnahme […]. Bewusstes Einkaufen kann bereits ein Schritt in die richtige Richtung sein. Allerdings ist es für Konsumenten nur schwer möglich, reelle Informationen über Herkunft, Qualität sowie dem Umgang mit den Tieren zu erhalten. Ob die Bio-Haltung angesichts der schockierenden Schlachtergebnisse eine Alternative sein kann, bleibt fraglich.

Die angezeigten Sachverhalte im Überblick

Der VGT hat die 20 Betriebe zu verschiedensten Punkten Anklage erhoben:

  • Schmerz und Leid: Laut gesetzlicher Bestimmung dürfen den Tieren bei Unterbringung, Betäubung sowie Schlachtung keine ungerechtfertigten Schmerzen zugefügt werden. Hier wurden alle 20 Betriebe angezeigt!
  • Elektroschocks und Schläge: Der VGT hat 94% der Betriebe wegen unsachgemäßer Verwendung von Elektroschockern bzw. Schläge gegenüber Tiere angezeigt.
  • CO2 Betäubung: Hier gab es in 29% der Fälle schwere Beanstandungen. Die Tiere waren meist zu kurz in der Gaskammer und beim Schlachten nur unzureichend betäubt.
  • Betäubung durch Elektroschocks: Der VGT hat mehr als 50% aller Betriebe angezeigt. Entweder wurden die Tiere nur unzureichend betäubt oder auch die Elektroschocker aktiv zur Tierqual eingesetzt.

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