The End of Meat – Marc Pierschel über seinen 2016 erscheinenden Dokumentarfilm

Print Friendly

The End of Meat
Hast du dir schon einmal vorgestellt, wie unsere Gesellschaft aussehen würde, wenn die Rechte und Bedürfnisse der nichtmenschlichen Tiere vollständig respektiert würden? Eine Gesellschaft also, die vollständig vegan lebt. Der Darstellung dieser großartigen Vision möchte Marc Pierschel in seinem Ende nächsten Jahres erscheinenden Dokumentarfilm „The End of Meat” nachgehen und die vielen interessanten Teilaspekte beleuchten. Um dieses Projekt umsetzen zu können, ist der passionierte Filmer, welcher bis vor kurzem noch im roots of compassion Kollektiv tätig war, auf deine Hilfe angewiesen. Marc Pierschel möchte die initiale Finanzierung für seinen Film via Crowdfunding lösen.

Da mich das Thema des neuen Dokumentarfilmes von Marc Pierschel absolut fesselt, habe ich Marc um ein Interview gebeten. Nachfolgend gibt Marc ein wenig Einblick in Fragen, die so oder in ähnlicher Form auch in seinem Film gestellt werden könnten.

Interview mit Marc Pierschel zu seinem Dokumentarfilm „The End of Meat”

tagged4Sabine: Du zitierst Harald Welzer (Selbst denken: Eine Anleitung zum Widerstand), der sagt, wenn 3-5% der Gesellschaft einer Bewegung folgen, sei eine kritische Masse erreicht, so dass diese Bewegung zum Mainstream werden kann. Bei derzeit geschätzten 1,2 Mio Veganer_innen in Deutschland und einer Wachstumsrate von 100% in den letzten Jahren können wir davon ausgehen, dass bei gleichbleibender Wachstumsrate in gut 3 Jahren diese kritische Masse erreicht sein wird. Wird das ein Meilenstein zum „End of Meat“ in Deutschland sein?

Marc: Nach den Zahlen Harald Welzer’s könnte dies in der Tat der Fall sein. Ein wichtiger Faktor bei seiner These ist allerdings, dass es sich dabei um 3-5 % aus allen gesellschaftlichen Schichten handelt. Und das ist eine Entwicklung, die in den vergangenen 3 Jahren defintiv zu beobachten war. Also, dass sich das Nischenthema Veganismus aus einer Subkultur heraus gelöst hat und plötzlich in aller Munde war. Während vor 10 Jahren Veganer*innen noch belächelt wurden, bekommt man heutzutage immer öfter Sätze wie „Ich esse auch kaum Fleisch, und wenn dann nur Bio“ zu hören.  Vegan ist defintiv sein Stigma los und wird zunehmend vom Mainstream akzeptiert. Wohin diese Entwicklung führt und ob es wirklich nur „Das neue Bio“ ist oder ob mehr dahinter steckt, wird sich zeigen. Welche Faktoren genau für diese Veränderung verantwortlich waren, ist auf jeden Fall eine Frage, die ich versuchen will in „The End of Meat“ zu beantworten.

wiesenhofSabine: Du erwähnst, dass in den USA bereits 4% der Gesamtbevölkerung vegan leben. Steht dort der Schritt des Veganismus in den Mainstream bereits kurz bevor? Warum sind die Amerikaner bzgl. des Veganismus weiter als wir?

Marc: Ich denke dass dort eine ähnliche Veränderung wie in Deutschland stattgefunden hat. Veganismus wurde dort schon vor ein paar Jahren sehr stark mit gesundheitlichen Vorteilen assoziiert. Maßgeblich durch den Film Gabel statt Skalpell & das Buch Die China Study, die beide auf die gesundheitlichen Folgen der „American Diet“ eingegangen sind und Veganismus als Lösung präsentiert haben. Das hat so erstaunlich gut funktioniert, dass das Thema Celebrities erreicht hat, die dort nochmal eine größere Vorbildfunktion ausüben als hier. Wenn Jay-Z, Beyonce und Bill Clinton sich öffentlich für Veganismus aussprechen, dann hat das eine ungemeine Signalwirkung.

dummy_IGG_small

Das Cover zum Film

Sabine: Wenn Veganismus den Sprung in den Maistream schafft, wird es sich dann um eine „ethisch ausgedünnte Veganismus-Variante“ handeln, die auf Aspekte wie u.a. Kapitalismuskritik, verzichten wird?

Marc: Eine spannende Frage. Ich würde fast sagen, dass das Thema Veganismus hier nur den Sprung in den Mainstream geschafft hat, weil es als Diät/Lifestyle verkauft wurde. Da bleiben natürlich die Inhalte auf der Strecke. Fraglich auch, wie lange Menschen, die sich aus diesen Motiven für den Veganismus entscheiden, beim Veganismus bleiben.

Sabine: Wenn Veganismus Mainstream wird, wird der vegane Konsumgütermarkt dann von Konzernen und Discountern erschlossen? Werden derzeit etablierte, alternative vegane Anbieter in diesem Markt weiterhin eine Rolle spielen können?

Marc: Ich denke, wir erleben bereits eine ähnliche Entwicklung wie sie die Bio-Bewegung noch vor einigen Jahren erfahren hat. Die Nachfrage nach veganen Produkten steigt rasant und viele Konzerne springen auf den Zug auf, um sich ihren Marktanteil frühzeitig zu sichern. Der Effekt ist hier zunächst positiv – vegane Produkte werden verfügbarer und mehr Konsumenten, die sich sonst nie in einen Bioladen oder Reformhaus verirren würden, probieren sie aus. Da die Discounter die Produkte aber zu einem viel geringeren Preis anbieten können, werden es kleinere Läden und Produzenten schwerer haben zu bestehen. Dies ist auch eine der Fragen, die ich im Film versuchen will zu klären.

Sabine: Ist das Szenario zahlreicher Lebenshöfe realistisch? Bei stetig sinkender Nachfrage nach tierischen Produkten würde die „Nutztierproduktion“ ebenso kontinuierlich heruntergefahren, so dass beim Übergang in die Post-Meat-Ära kaum noch „Nutztiere“ existieren würden, für die eine Unterbringung überhaupt notwenig werden würde. Was ist deine Meinung dazu?

Marc: Der Theorie stimme ich zu. Aber bei 65 Milliarden Tieren, die jährlich getötet werden, geht schnell die Tatsache verloren, dass es sich dabei um Individuen handelt, von denen ein jedes das Recht auf ein unversehrtes Leben hat. Da die Welt nicht von heute auf morgen vegan wird, denke ich, dass Lebenshöfe ein zentraler Bestandteil des Wandels sind. Zum einem um denjenigen Individuen, die wir aus diesem System retten können, ein besseres Leben zu ermöglichen, und zum anderen, um Menschen vor Ort dafür zu sensibilisieren, dass wir keinen Unterschied zwischen Katzen, Hunden, Schweinen und Hühnern machen sollten. Wer schon einmal auf einem Lebenshof war, wird mir sicher zustimmen, dass es ein einzigartiges Erlebnis ist den Tieren zu begegnen und zu wissen, dass sie dort dem Tod entkommen konnten.

Sabine: Du sprichst in deinem Video den/die Zuschauer_in an, seine/ihre Vision einer veganen Welt zu posten. Inwieweit werden diese Ideen Berücksichtigung in deinem Film finden?

parismcdonaldsMarc: Zum einen möchte ich einfach erfahren, wie sich Menschen eine vegane Welt vorstellen, weil es dazu bisher noch nicht allzu viele Ideen und Konzepte gibt. Zum anderen möchte ich andere Menschen dafür sensibilisieren, dass die Idee einer veganen Welt vielleicht einfach die beste Werbung für den Veganismus ist, sofern wir eine konkretere Vostellung davon haben, was sich für uns, die Tiere und den Planeten ändern könnte.

Sabine: Was oder welches Ereignis markiert für dich den Auftakt zur Post-Meat-Ära? Wird die Post-Meat-Ära rechtzeitig eingeläutet, um unseren Planeten zu retten?

Marc: Puh, keine Ahnung. Aber ich drücke natürlich die Daumen!

Sabine: In wieweit ist das Drehbuch bereits fertig gestellt? Wer hat bisher daran mitgearbeitet?

Marc: Ich arbeite bei meinen Filmen ohne Drehbuch. Ich möchte während des Filmens flexibel bleiben, insbesondere, wenn sich bei Interviews neue, spannende Themenstränge ergeben, die ich dann verfolgen möchte. Ich habe ein grobes Konzept, wie der Film strukturiert sein soll – welche Themen behandelt werden sollen, mit welchen Menschen ich darüber sprechen kann. Alles weitere lasse ich einfach auf mich zukommen.

Sabine: Wie du auf deiner Crowdfunding-Seite erklärst, wirst du, außer den hoffentlich aus dem Crowdfunding erzielten 30.000€, noch weitere Geldmittel benötigen. Insgesamt sprichst du von 80.000€. Wie planst du die Beschaffung der restlichen Geldmittel, um dein Projekt zu verwirklichen?

Marc: Der klassische Weg ist natürlich die Filmförderung, dann gibt es noch die Möglichkeit der Privatdarlehen. Der Worst Case wären Kredite. Ein andere Option wäre noch eine weitere Crowdfunding Kampagne. Wir werden sehen.

Sabine: Wer sind für dich die derzeit wichtigsten Protagonisten des „veganen Wandels“ in Deutschland und welche Rolle spielen sie in der Entwicklung zur Post-Meat-Ära?

newyorkbillboardMarc: Die wichtigsten Protagonisten sind defintiv diejenigen, die tagtäglich noch immer das meiste Leid erfahren und in Ställen, Farmen, Laboren, Zirkussen, Zoos dahinvegitieren und auf ihren Tod warten. Ich hoffe, dass ich mit meinem Film einen Beitrag dazu leisten kann, mehr Menschen davon zu überzeugen, dass wir es mit Lebewesen zu tun haben, die ein Recht auf Unversehrtheit und ein Leben in Freiheit haben. Wie wir mit Ihnen in einer Post-Meat-Ära zusammenleben können, ist definitiv eine der zentralen Fragen von The End of Meat.

Sabine: Wirst du dich bis zum Abschluss von „The End of Meat“ ausschließlich um dieses Projekt kümmern? Oder hast du noch weitere Projekte in Planung?

Marc: Ich bin vor kurzem beim roots of compassion Kollektiv ausgestiegen um mich Vollzeit auf das Filmemachen zu konzentrieren. Ich habe das Gefühl mehr Menschen mit diesem Medium zu erreichen und ich mag es mit der Kamera spannende Geschichten und Themen festzuhalten und zu erzählen. The End of Meat ist defintiv erstmal das größte meiner nächsten Projekte, aber ich habe auch noch ein paar kürzere Filme, Trailer und Dokus in Planung.

Sabine: Viel Erfolg mir deiner Crowdfunding-Kampagne und der Umsetzung deines neuen Films. Wir freuen uns schon sehr auf die Premiere.

Weitere Infos zum Film

Kommentare

  1. Wolfgang aubel meint

    In der welt in der ausschließlich vegan gelebt wird gibt es viel mehr happiness und Zufriedenheit.
    Weniger gesundheitliche Probleme. Mehr Entspannung.
    Ich bin Jahrgang 1952 und hoffe es bald noch in dieser Inkarnation zu erleben.
    2028 werden sehr viele tierleidfrei speisen laut vorhersagen. Ich hoffe sehr.

    Wolfgang
    Tierkreis Fische ac jungfrau
    Reisebürokaufmann und Rentner
    Astrologe und Esoteriker

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *