green-eating – Ernährungsberaterin und Bloggerin Anja Lee im Interview

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Anja Lee von Green Eating
Vom veganen Foodblog zur zertifizierten Ernähungsberaterin mit Schwerpunkt pflanzliche Ernährung. 

Die dreifache Mutter Anja Lee gründete vor fast 3 Jahren den Blog „The vegan Foodnerd” und setzte sich, in erster Linie aus gesundheitlichen Gründen, zunehmend mit der pflanzlichen, vollwertigen, glutenfreien Ernährung auseinander. Als Tochter der „Ghostköchin” von Alfredissimo kam sie schon früh mit der abwechlungsreichen Zusammenstellung eines Speiseplans in Berührung. Anja ernährte sich Ewigkeiten vegetarisch und lebt seit 2013 vegan. Heute berät sie vegane Neueinsteiger sowie alte Hasen aber auch alle, die gerade erst anfangen, sich für gesunde Ernährung zu interessieren.

Interview mit Anja Lee von „The vegan Foodnerd” + „green-eating”

Sabine: Anja, wie kam es von The vegan Foodnerd zu deiner Ernährungsberatung  green-eating?



Anja: Daran ist wohl meine ständig wachsende Neugier schuld und der Wunsch, alles ganz genau zu wissen und zum anderen mein Gesundheitszustand: Ich war von dem, was mir Ärzte rieten, enttäuscht und wusste: Ich muss mir selbst helfen. Einfach nur vegan zu essen hat nicht ausgereicht und deshalb wollte ich dazulernen. Erst als ich dann schon mitten in der Ausbildung war reifte der Entschluss, dieses Wissen nicht nur für mich zu verwenden. Ich wollte auch anderen damit helfen und so kam es zu „Green Eating“.

Sabine: Du bist eigentlich Diplom-Sozialpädagogin. Hilft dir die Berufserfahrung dieses Jobs bei deiner Arbeit als Ernährungsberaterin?

Anja: Ja, auf jeden Fall. Natürlich lernt man zunächst theoretisch im Studium und dann in der Berufspraxis Beratungstechniken, den Umgang mit Menschen, die wegen eines Problems zu dir kommen und z. B. das Erstellen von Förder- und Hilfeplänen. Nichts anderes ist im Prinzip eine Ernährungsberatung, es geht nur um ein anderes Thema. Ich bin froh über diese Ausbildung, denn Ernährung ist ein sehr komplexes Thema und wie mir wohl jeder zustimmen wird auch eine psychische Angelegenheit.

Sabine: Du hast mir erzählt, dass du Menschen dort abholen möchtest, „wo sie stehen”. Du stellst dich auf jeden Kunden/Klienten individuell ein und berücksichtigst seine/ihre Wünsche. Was bedeutet das und welchen Service bietest du noch an?

Anja Lee von The vegan Foodnerd

Anja Lee

Anja: Genau, Sabine, und damit habe ich bewusst eine Phrase aus der Sozialpädagogik gewählt (die ich im Studium ganz furchtbar fand) – es passt einfach: Ich meine damit, dass egal wie deine Ernährung im Augenblick ist, ob du schon vegan isst oder nicht, dich sehr gesund ernährst oder von Fastfood oder gerade die X-te Diät durchziehst – ich möchte genau dort bei dir ansetzen mit meiner Beratung und mit dir gemeinsam die Veränderungen erarbeiten. Ein Beispiel: Jemandem, dessen aktuelle Gewohnheit es ist, zwei Mettbrötchen zu frühstücken, schlage ich nicht vor, ab jetzt morgens einen grünen Brennesselsmoothie zu trinken. Dazwischen liegen viele kleine Schritte, der springt mir doch spätestens am dritten Tag ab und verfällt wieder in seine alten Muster. Das möchte ich vermeiden. Ich biete, wie du schon geschrieben hast, allen Menschen, die gesünder essen wollen, meine Unterstützung an und das beschränkt sich nicht auf Veganer. Auch  wer abnehmen will oder in einer besonderen Situation ist (Schwangerschaft zum Beispiel) bekommt von mir einen individuellen Ernährungsplan. Die Grenze ist da, wo Heilung anfängt – ich bin Ernährungsberaterin und setze auf Prävention. Wer eine Krankheit heilen möchte, sollte sich an professionelle Ernährungstherapeuten wenden, Diplom-Oecotrophologen, deren Kosten dann ggf. auch die Krankenkasse bezuschusst. Heilung kann und will ich mir nicht anmaßen, trotzdem schließe ich nicht aus, dass die Besserung einiger Symptome von z. B. Heuschnupfen oder anderer Beschwerden als positiver Nebeneffekt auftreten kann :)

Sabine: Dir ist vor allen Dingen die GESUNDE Ernährung wichtig. Kurz gesagt, was bedeutet für dich gesund?

Anja: Gesund bezogen auf die Ernährung bedeutet für mich: Ursprüngliche und unbearbeitete Lebensmittel, Abwechslungsreichtum, keine Zusatzstoffe, keine Nahrungsmittel oder Kombinationen, die nachweislich krank machen, Krankheiten fördern oder die Gesundheit beeinträchtigen. Und das sind natürlich auch tierische Produkte, was durch aktuelle und reliable Studien bewiesen ist. Für die vegane Ernährung bedeutet es aber auch: Ich werde dir keine künstlich hergestellten Ersatzprodukte empfehlen. Für eine gewisse Umstellungszeit finde ich diese allerdings ganz praktisch.

Sabine: Ich habe in deinem Blog gesehen, dass du aus Blumenkohl einen Schokoladenpudding zubereitet hast. Du experimentierst gerne mit Gemüsesorten? Was war bisher das wahnsinnigste Rezept, welches dich geschmacklich total überzeugt hat?

Anja: Ja der Blumenkohl-Schokopudding ist wirklich der Knaller und ich glaube, damit haben wir auch schon das wahnsinnigste Rezept. Ich experimentiere zwar gerne und probiere gerne neues aus – so war es auch mit dem Blumenkohlpudding, denn den habe ich in einem englischsprachigen Blog entdeckt und modifiziert.

Wichtiger als exotische Kreationen sind mir mittlerweile die Nährstoffe, denn ich habe am eigenen Leib erfahren, was für grandiose Auswirkungen es hat, wenn man viel mehr darauf achtet als beispielsweise auf die Kalorien. Kalorien zählen geht gar nicht. Nährstoffdichte ist angesagt und danach entstehen auch meine neueren Rezepte. In Deutschland sind zwar viele Menschen überernährt, aber gleichzeitig gibt es eine Menge Mangelerscheinungen. Zink, Eisen, Folsäure und Selen sind da ganz weit vorne und das hat natürlich seine Auswirkungen.

Sabine: Du organisierst das Veganski Dinner. Was ist das und wer kann da mitmachen?

Anja: Das ist mein kleiner Wohnküchen-Supperclub, der 2013 ganz spontan entstanden ist und den ich seitdem ungefähr alle 2 Monate veranstalte. Ich liebe es, verschiedene Leute einzuladen und zu bewirten (ich koche meistens ein 5-Gänge Menü zu einem Thema, es gab schon koreanisches Seoulfood, vegriechisch, Street Food, ein Weihnachtsessen usw.) und es ist jedes Mal großartig, denn alle gehen als Freunde, haben sich untereinander vernetzt und man hat einen tollen, leckeren Abend gemeinsam verbracht. Jeder kann da mein Gast sein, er sollte nur keine Katzenallergie haben. Infos poste ich auf Facebook oder über einen Newsletter, den ich leider nicht so pflege (also ruhig anmelden, ich bombardiere euch nicht mit Mails).

Sabine: Du motivierst Menschen zu einem gesünderen Leben auch in deiner Green Eating Challenge. Erkläre mir bitte kurz, was das genau ist.

Anja Lee in Aktion

Anja Lee in Aktion

Anja: Ach, du spielst auf die Herausforderung an, die ich Jan von www.umsturzvegan.de gestellt habe. Er klagte bei einem meiner Dinnerabende über einige Beschwerden und sang gleichzeitig ein Loblied auf die Weizenmehlprodukte. Das konnte ich so nicht stehen lassen und bot ihm an, ihn zu coachen wenn er 21 Tage nach meinen Green Eating Grundlagen isst. Er hat diese Challenge nicht nur angenommen, sondern auch darüber gebloggt und so kamen mittlerweile 100 Leute zusammen und haben mitgemacht. Wir hatten dazu eine Facebookgruppe gegründet. Ich habe vor, die Gruppe etwas umzustrukturieren und einen Austausch gesunder Rezepte dort anzubieten und ab und an mal wieder eine Challenge auszurufen. Ich propagiere die schrittweise Ernährungsumstellung, aber es gibt eine Menge Leute, die Spaß daran haben, es mal 3 Wochen lang drauf ankommen zu lassen und ganz krass durchzuziehen. Finde ich auch gut, das kann einen wieder „back on track“ setzen.

Sabine: Du lebst in Düsseldorf, könntest du auch Kunden in Hamburg oder Münster betreuen/coachen oder ist dein Wirkungskreis örtlich begrenzt?

Anja: Ja natürlich, lustigerweise habe ich nur eine Düsseldorfer Kundin. Andere kommen aus der Umgebung, aus dem Ruhrgebiet und ich habe auch eine Kundin in Leipzig. Es geht also auch ohne persönliche Treffen über Facetime, Mails und das Telefon. Ins Ruhrgebiet kann ich natürlich auch kommen und auch Münster etc. ist noch realistisch. Das müsste man dann so organisieren, dass sich die Anfahrt lohnt und man plant z. B. direkt einen tollen Coaching-Tag mit gemeinsamem Einkaufen und Kochen, denn das biete ich natürlich auch an!

Mehr zu Anja erfaht ihr hier:

Bildnachweis: ejaugsburg, pixabay; Portraits von Fotografie Ute Brandau

Kommentare

  1. meint

    Vorbidliche Ernährungsberatung. Sehr gut finde ich den Aspekt, weg von Kalorien hin zu Nährstoffen. Denn so bekommt man wirklich, was man braucht.
    Schön, wenn auch Veganer eine vielseitge und individuelle Ernährunsgberatung machen können. Hilft vielen, denke ich, die „Angst“ vor Mängel und co. zu nehmen. Ein Coach an der Seite und der Start in die vegane Ernährung ist nicht mehr weit.
    Danke für das schöne Interview :)

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