Tierkörperaktion Karlsruhe – Ein Bericht der Aktion

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Tierkörperaktion in Karlsruhe

13.12.2014. Stephanplatz Karlsruhe. Nach tagelangem Nieselregen und grauem Wetter lässt sich die Sonne an diesem Tag endlich wieder einmal blicken. In der Mittagszeit füllt sich der Stephanplatz hinter dem Einkaufszentrum Postgalerie mit Menschen. TierrechtsaktivistInnen des Aktivistenbündnis Karlsruhe versammeln sich in aufgeregter Erwartung. Die Stimmung ist hinsichtlich des bevorstehenden Ereignisses sichtlich angespannt. Einige Fotografen und ein Kamerateam richten die Gerätschaften, andere AktivistInnen proben die Aufstellung der 25 Frauen und Männer auf dem Platz. Es soll ein Dreieck gebildet werden. An der Spitze ein Podest mit Mikrofon.

Tierkörperaktion in Karlsruhe prangert das sinnlose Leiden und Sterben der „Nutztiere” an

Es ist 13:00 Uhr und der Platz füllt sich weiter mit neugierigen Passanten. Eine halbe Stunde später stehen 25 AktivistInnen bereit. SchülerInnen, StudentInnen, Junge und Alte. Normale Menschen. Einige zittern, andere sind hochkonzentriert. Die Musik beginnt und beschallt den Platz mit trauriger Klaviermusik. Sie scheint sehr zu berühren, denn schon jetzt sieht man erste Tränen rollen. Es werden nun 25 tote Tierkörper auf 50 Menschenhänden verteilt, langsam und andächtig, im Schritt der Musik. Tiere, die in unserer vom Speziesismus geprägten Gesellschaft als „Nutztiere“ bezeichnet werden. Ferkel, Hühner, Puten, Fische, ein Rehkitz, ein Marder, ein Fuchs und weitere Tierarten. Manche klein und unscheinbar, manche groß und majestätisch, wie der Fuchs, der ein jähes Ende bei der Jagd fand. All diese Tiere wurden in Kadavertonnen der Tierproduktindustrie, weggeworfen bei der Jagd oder verendend in großen Mastanlagen gefunden und mitgenommen. Weggeworfen, weil wertlos. In der Tierproduktindustrie ist eine Legehenne im Schnitt nicht mal mehr 10 Cent wert, nachdem sie „profitabel“ ausgebeutet wurde. In Karlsruhe gibt man ihrem sinnlosen Ableben heute eine zweite Bedeutung und nimmt es zum ersten Mal als Individuum war.

Die Musik erlischt. Die erste Rede eines Aktivisten beginnt auf dem Podest. Der Redner erklärt, prangert an, kritisiert und gibt Hoffnung:

Erst wenn wir lernen zu erkennen, dass keine Tierschutzgesetze und keine Tierschutzlabels die Tiere schützen, sondern nur wir selbst das können.

Erst wenn wir lernen zu erkennen, dass der Begriff Heimat und Zuhause, für jeden Zirkuselefanten, für jeden Tiger und für jeden Löwen, die gleiche Bedeutung hat wie für uns selbst.

Erst wenn wir lernen zu erkennen, dass hinter jedem Pelzkragen und jeder Pelzbommel einmal ein Wesen gelebt hat, dessen Nase genauso kalt und feucht war, wie die unserer geliebten Katzen und Hunde.

Erst wenn wir lernen zu erkennen, dass in jedem Stück Fleisch einmal ein winziges Herz schlug, dessen Freude und Glück auch über den kleinsten Sonnenstrahl im Frühling genauso groß gewesen wäre wie unsere Freude.

Erst wenn wir lernen zu erkennen, dass hinter jeder Flasche Milch, der Trennungsschmerz einer liebenden Mutter zu ihrem Kind, genauso schmerzhaft ist, wie für unsere eigenen liebenden Mütter.

Erst dann werden wir erkennen, dass uns alle, Tiere wie Menschen, eines verbindet… Mitgefühl und Liebe.

Damit endet die erste Rede. Es herrscht Totenstille. Betroffenheit macht sich breit. Blickt man in die Runde und schaut in die Gesichter der Zuhörer sieht man vor allem zwei Dinge: Ehrlichkeit und Empathie. Tiefste Trauer um die Ignoranz unserer Gesellschaft gegenüber den Mitgeschöpfen.

Die zweite Rede schildert die Sicht eines Schweins, die Sicht eines Kalbs und die Sicht eines Zirkuslöwen und dessen trauriges Schicksal. Danach setzt wieder Musik ein. Musik die einen allein beim Zuhören zu Tränen rührt.

Ein berührendes Video zur Tierkörperaktion Karlsruhe

Eines steht fest

Die AktivistInnen auf dem Platz setzen sich einer gewaltigen emotionalen Belastung aus. Sie tun dies, um den Schleier der Unwissenheit über Tierprodukte und ihre Opfer für ein paar Minuten zu entfernen, auf dass jeder die Möglichkeit bekommt eine Entscheidung mit Herz und Verstand zu treffen – eine Entscheidung für oder gegen das Leben.

Jeder, der sich vorstellen kann wie schwer es ist in einer Gesellschaft zu leben, die das sinnlose Töten von Millionen fühlender Lebewesen legitimiert und als normal erachtet, muss sich einmal verdeutlichen wie unsagbar berührend 30 Minuten sind, in denen man die unschuldigen Opfer leibhaftig in den eigenen schützenden Händen hält.

Impressionen der Tierkörperaktion Karlsruhe

Weitere Fotos der Aktion findet Ihr hier.

Dieser Artikel wurde verfasst von Daniel Schneider.

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