Tierrechtsbewegung – Grundbegriffe, Daten & Gedanken

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Die folgenden Gedanken zur Tierrechtsbewegung sind ein Flickenteppich aus ein paar historischen Fakten, Grundbegriffe der Bewegung werden angesprochen und aktuelle Entwicklungen aufgezeigt. Das alles soll und kann an dieser Stelle keinen Anspruch auf Vollständigkeit haben, so dass ich interessierte Leser_innen auf eine Auswahl an weiterführende Texte am Ende des Artikels aufmerksam machen möchte. Dieser Artikel ist zugleich der Beginn einer Sparte zu Tierrechten und Tierbefreiung sowie zu Mensch-Tier-Verhältnissen, die hier in die vegan-news Eingang gefunden hat.

Mein Bezug zur Tierrechtsbewegung

Seit einigen Jahren lebe ich nun vegan, vorausgegangen war eine Phase, in der ich mich vegetarisch ernährt habe. Der Wandel kam, als mir bewusst wurde, dass eine vegetarische Lebensweise nicht konsequent genug ist, um die Ausbeutung von Tieren zu minimieren. Seit etwas mehr als einem Jahr bin ich Mitglied im Verein der „tierbefreier“, auch hier ist eine Phase vorausgegangen, in der ich mich aktiv im Tierschutz einsetzte, diesen Aktivismus ebenfalls als nicht ausreichend angesehen habe. Die „tierbefreier“ setzen sich für die Rechte der Tiere und für ihre gesellschaftliche Befreiung ein, beide Aspekte sind Teil einer Bewegung, die herrschaftskritisch, emanzipatorisch und links ist, so dass ich mich vollkommen damit identifizieren kann.

Der Ursprung der Tierrechtsbewegung liegt im 18. Jahrhundert

Die Geschichte der Tierrechtsbewegung wird noch immer geschrieben, denn sie ist ein fortschreitender Prozess, der sich an die gesellschaftlichen Verhältnisse anpasst. Ihren Ursprung, zumindest was unsere westliche Philosophietradition betrifft, liegt im 18. Jahrhundert. Die Annahme, dass sich der Mensch durch sein Sprachvermögen und sein Bewusstsein von den Tieren abhob und dadurch als Krone der Schöpfung galt, wurde bereits seit der Antike immer wieder diskutiert. Dem Philosophen Jeremy Bentham (1748–1832) ging es seinerzeit allerdings nicht darum, ob Tiere denken oder sprechen können, sondern ob sie die Fähigkeit haben zu leiden. Durch die Berücksichtigung des Leids wurde ein völlig neuer Aspekt in die Diskussion um die Mensch-Tier-Grenze eingebracht. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts entwickelte sich daraus, durch die zunehmenden medizinischen Experimente an Tieren, insbesondere in Großbritannien eine Anti-Tierversuchsbewegung. Als öffentliche Reaktion darauf ist Herbert George Wells Roman The Island of Dr. Moreau (1896)  zu verstehen. In seiner Geschichte geht es darum, dass ein Schiffbrüchiger auf einer Insel im Pazifik Zeuge von grausamen Experimenten wird, die besagter Dr. Moreau an Tieren durchführt.

Ryder prägt den Begriff des Speziesismus

Mit der Entwicklung in Großbritannien war zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine Basis für eine bürgerliche Tierschutzbewegung geschaffen, deren Protagonistinnen häufig Frauen waren. Durch die Protestbewegungen in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde auf vielerlei soziale Missstände aufmerksam gemacht, die auch zu einem vermehrten Nachdenken über den moralischen Status von Tieren führte. Richard Ryder machte 1970 auf einem Flugblatt gegen die Diskriminierung nichtmenschlicher Spezies aufmerksam und bezeichnete seine Kritik als Anti-Speziesismus. Speziesismus versteht Ryder analog zu Rassismus, Sexismus und anderen Diskriminierungsformen einer Gruppe gegenüber einer anderen.

Aus der im entstehen begriffenen modernen Tierrechtsbewegung ist ein grundlegendes Buch zu nennen, das bereits 1975 vom australischen Philosophen Peter Singer verfasst wurde und den Titel trägt: Animal Liberation (dt. Tierbefreiung). Von nun an breitete sich der Protest gegen die Unterdrückung, Ausnutzung und Tötung nichtmenschlicher Tiere aus und Tierversuche, Massentierhaltung, Pelzzuchten und andere Ausbeutungsmechanismen rückten in den Fokus der Aktivist_innen.

Gleiche, passive Rechte für Tiere und uns Menschen

Die Rechte, die Tieren zugesprochen werden sollen, sind als passive Rechte zu verstehen, denn die Tiere können freilich nicht selbst dafür eintreten, wie wir beispielsweise für die Pressefreiheit oder die Religionsfreiheit eintreten können. Aber auch wir Menschen haben passive Rechte, wie ein Recht auf Leben und auf die Unversehrtheit unseres Körpers garantiert, gerade auch für diejenigen, die nicht für diese Rechte eintreten können, wie beispielsweise Neugeborene, an einer Demenz erkrankte Menschen oder Menschen mit einer Behinderung. Genau diese Rechte, auf ein Leben in Freiheit, ohne Folter und auf Unversehrtheit des Körpers, sollen ohne Ausnahme für alle nichtmenschlichen Tiere erreicht werden.

Deutsche Tierrechtsbewegung entstand ethisch motiviert

Die deutsche Tierrechtsbewegung ist Mitte der 1980er Jahre aus Protesten gegen Tierversuche hervorgegangen. Zu dieser Zeit wurde die vegane Lebensweise immer mehr zum kleinsten gemeinsame Nenner der Aktivist_innen. Frühe Aktionsformen beschäftigten sich daher, neben Protesten und direkten Aktionen gegen die Tierausbeutungsindustrie, den Veganismus bekannt zu machen. Dies drückte sich in einer Ablehnung all dessen aus, was aus tierlichen Produkten hergestellt ist, tierliche Bestandteile enthalten oder in Versuchen an Tieren getestet wurden: von der Fleischwurst über Milchprodukte und Eiern zu lederner Kleidung und Pelz bis hin zu Kosmetika oder Putzmitteln und anderen Dingen. Im Gegensatz zu dem gegenwärtigen Lifestyle- und Diäten-Hype um Veganismus, lag der ursprüngliche Sinn in einer ethischen und moralischen Motivation.

Veganismus und Tierrechte müssen Hand in Hand gehen

Sich für Tierrechte einsetzen, dass kann jeder Mensch, jedoch sollte eine vegane Einstellung zum Leben dabei ebenso Grundbedingung sein, wie ein herrschaftskritischer und emanzipatorischer Blick auf die Gesellschaft. Für das Recht der nichtmenschlichen Tiere eintreten zu wollen aber andere Gruppen diskriminieren – das passt nicht zusammen.

Das oft falsche Bild der Tierbefreiung

Neben dem Eintreten für Tierrechte geht es vielen Menschen in der Bewegung aber auch um die Tierbefreiung. Bei dem Wort Tierbefreiung denken die meisten zunächst daran, dass vermummte Gestalten nachts in Mastanlagen oder Versuchslabore einbrechen, um Tiere aus den Käfigen zu retten. Diese Art der illegalen Aktion, die meist aus einer Ohnmacht der Aktivist_innen heraus geboren wird, die sie gegenüber dem Tierleid verspüren, wird von vielen Tierrechtler_innen begrüßt. Die eigentliche Tierbefreiung, um die es den Tierrechtler_innen geht, soll jedoch auf gesellschaftlicher Ebene stattfinden und die Menschen aufklären, dass Tiere fühlende, denkende und leidende Wesen sind, denen der Mensch verantwortungsvoll und mit Respekt gegenübertreten muss und die keinesfalls gefangengehalten, gemästet, gefoltert und ermordet werden dürfen.

Aktuelle weiterführende Texte zur Tierrechtsbewegung

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