Veganer Lifestyle und Designermode – Fashionlabel UMASAN im Interview

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Vegane Mode von UMASAN
Das in Berlin ansässige Modelabel UMASAN zählt zu den Pionieren der veganen High-Fashion-Szene und wird als erstes Label weltweit dem Anspruch einer gesundheitsbewussten Generation gerecht. Die beiden Zwillingsschwestern Anja und Sandra Umann kreieren mit Leidenschaft und erfolgreich avantgardistische Mode aus innovativen, veganen Fasern und nachhaltigen Materialien.

Im Interview mit Modedesignerin und UMASAN Gründerin Sandra Umann erfuhren wir viele interessante Fakten über das Berliner Label und zu alternativen veganen Materialien, die es tatsächlich möglich machen, Geschmack und ethisch-vertretbaren Lifestyle zu kombinieren.

Es scheint nur eine Frage der Zeit zu sein bis sich das Bewusstsein für Ethik auch im Modebereich weiter ausdehnt und neue Standards für Luxusgüter gesetzt werden. Zu hoffen ist es…

Das Interview mit Sandra Umann:

VEGAN NEWS: Der vegane Lifestyle ist derzeit buchstäblich in aller Munde und beinhaltet vor allem im Modebereich das Potential, als eines der ersten Unternehmen auf dem Sektor, sehr erfolgreich zu werden. Hat Veganismus für euch als Vorreiter auch eine monetäre Dimension oder geht es euch bei der Umsetzung ausschließlich um ethische Aspekte?

SANDRA UMANN: In erster Linie geht es uns auf jeden Fall um die ethischen Aspekte und den Umweltschutz. Da wir beide vegan leben, war unser eigener Lifestyle natürlich auch die Basis hinter den Ideen für Umasan. Und zum Zweiten wollten wir auch einfach etwas verändern in der Mode, denn so wie es jetzt in dieser Branche zugeht, oberflächlich und ignorant, entspricht das einfach auch nicht unserer Persönlichkeit. Also haben wir uns vorgenommen, etwas anderes zu machen.

Wir haben uns vorgenommen, auf dem Sektor eine führende Stellung einzunehmen.

Meine Schwester hat ein großes Talent für Mode und hat bereits mit Yohji Yamamoto gearbeitet, was natürlich eine gute Basis ist. Wir haben uns entschlossen etwas Eigenes daraus zu machen und zwar so, dass es uns entspricht. Uns war schnell klar, dass wir ein ganzheitliches und nachhaltiges Konzept umsetzen möchten, und das inkludiert für uns auch den veganen Aspekt. Zugleich haben wir das Potential hinter unserer Idee sofort erkannt, denn in der Mode gab es zuvor noch niemanden der ein solches Konzept umgesetzt hat.

Das hat uns die Entscheidung das Label zu gründen leicht gemacht. Wir haben uns vorgenommen, auf dem Sektor eine führende Stellung einzunehmen.

VEGAN NEWS: Wie habt ihr zu Anfang eurer Arbeit Informationen über alternative Produktionsmethoden beschaffen können? Woher kam z.B. die Idee, aus Soja Seide herzustellen?

SANDRA UMANN: Zu Anfang war es tatsächlich eine Herausforderung, uns nicht nur der konventionellen ökologischen Baumwolle zu widmen, eine Faser, die wir nicht als sonderlich zukunftsweisend sehen, sondern zu versuchen, innovative neue Fasern zu finden. Wir sind in der ersten Saison nicht auf die klassischen Modestoffmessen gegangen, sondern waren viel mehr auf Textilmessen, die sonst eher Automobil- oder Arbeitsbekleidungshersteller im Bereich Feuerschutz und ähnlichem bedienen. Dort haben wir dann das erste Mal Kontakt zu unserem heutigen Garnlieferanten aufgenommen. Auf diesen Messen sind wir auch auf andere tolle innovative Fasern gestoßen, wie beispielsweise Sojaseide, Eukalyptusfasern oder Buchenholzfasern, die zum Teil angereichert sind mit Algen und Zink, was der Haut auch wirklich gut tut.

VEGAN NEWS: Wo produziert ihr?

SANDRA UMANN: In Deutschland. Wir haben drei Produktionsstätten in Chemnitz, Plauen und Bayreuth. Wir haben die Produktion in Produktgruppen aufgeteilt, was auch Sinn macht. Das heißt, der eine produziert nur Hosen, der andere nur Jacken und der dritte nur Shirts.

VEGAN NEWS: Woher kommen die Rohstoffe für eure Materialien, z.B. das verwendete Soja?

SANDRA UMANN: Wir haben natürlich nur Zugang zur ersten Quelle und können uns vor Ort bei unserem Garnlieferanten direkt von der Ware überzeugen und uns erzählen lassen, woher er seinen Rohstoff bezieht. Dem müssen wir vertrauen. Die Sojaproteinfaser, die wir verwenden, ist ein Abfallprodukt der Tofuindustrie, dafür wird kein neues Soja angepflanzt. Wir verzichten gänzlich auf tierische Fasern. Stattdessen werden innovative Cellulosefasern (z.B. aus Buchenholz oder Eukalyptus) eingesetzt, die aus kontrolliertem ökologischem Anbau stammen und mit hautfreundlichen Zusätzen, wie Zink, Chitosan und Algen, angereichert werden.

VEGAN NEWS: Welcher Aspekt in eurer Mode ist euch wichtiger? Design oder Funktionalität?

SANDRA UMANN: In erster Linie steht immer das Design. Denn ohne das Design gewinnst du natürlich keinen Konsumenten. Wir möchten auch in erster Linie nicht diejenigen ansprechen, die offensichtlich Veganer sind, die sich schon seit Jahren mit Umweltschutzthemen und Tierschutz beschäftigen, sondern jene designaffine Menschengruppe, die auch avantgardistisch unterwegs ist, die belesen ist, aber vielleicht bisher von Vegan- und Ecofashion ein wenig abgeschreckt war, weil leider immer noch in sehr vielen Köpfen das klassische Ökoschickbild der 90iger Jahre vorhanden ist. Diese Zielgruppe anzusprechen gelingt uns nur über das Design. In zweiter Linie, quasi als Standard, kommt dann unser ganzheitliches Konzept mit veganen Fasern und ökologisch vertretbarer Produktion.

High-Class-Design statt dem überkommenen „Ökoschickbild der 90er“

VEGAN NEWS: Was ist der Grund dafür, dass der ethisch vertretbare, ökologisch orientierte High Fashion Modemarkt nicht schon größer ist? Warum wurden nicht schon eher alternative Materialien in der Mode verwendet?

SANDRA UMANN: Die Modebranche ist der allgemeinen gesellschaftlichen Entwicklung noch so hinterher, was das Bewusstsein angeht, dass sich bisher noch niemand wirklich Gedanken gemacht hat über solche Sachen, glaube ich.

Die Modebranche ist der allgemeinen gesellschaftlichen Entwicklung noch so hinterher…

Seide und Kaschmir gelten immer noch als Luxusfasern. Bei Leder sieht man schon, dass auch etablierte High End Designer bereits auf Alternativen zurückgreifen, aber weiter geht das Denken eben noch nicht. Das heißt, bei offensichtlichen Materialien wie Pelz und Leder macht man sich eher Gedanken. Aber es geht noch nicht tiefer, dass man sich fragen würde, was steckt hinter Materialien wie Seide oder Wolle. So weit geht es noch nicht. Wolle, die ja als Naturfaser bekannt ist, hat auch noch ein sehr positives Image. Auch Organisationen wie PETA und Co. sind noch nicht so weit dazu gekommen, das Thema schon eingängiger publik zu machen. Da wird noch viel mehr im Bereich der Lebensmittelindustrie an Öffentlichkeit ausgespielt.

VEGAN NEWS: Absolut. Im Alltag ist es nicht immer einfach durchzublicken was das Thema Mode anbelangt und da auch immer auf vegane Alternativen, sofern überhaupt vorhanden, zurückzugreifen. Den ökologischen Aspekt mal ganz Beiseite gelassen.

SANDRA UMANN: Ja, aber es kommt immer mehr. Als wir vor drei Jahren gestartet sind, wurden wir noch eher belächelt und wirklich sehr als Außenseiter behandelt. Aber wir sehen die Entwicklung als sehr positiv, die sich da gerade seit zwei Jahren vollzieht. Es ist immer mehr Interesse in der Gesellschaft vorhanden und es herrscht langsam auch mehr Offenheit der Thematik gegenüber.

VEGAN NEWS: Sehr spannend ist auch die von euch verwendete Bezeichnung „Kosmetik für die Haut“. Eure Materialien sind gut für die Haut? Ist das richtig?

SANDRA UMANN: Ja genau, wir benutzen gerne die Beschreibung „Kosmetik für die Haut“. Unsere Kleidung wird aus Fasern hergestellt, die aus verschiedenen Holzsorten gewonnen werden und zwar in einem zu 100% reinen natürlichen Prozess, ohne chemische Zusätze in der Produktion. Diese ist weitestgehend wasserbasierend und es gibt keine Oberflächenbehandlung. Unsere Materialien werden zum Teil auch mit Zinkelementen oder Algen angereichert. Das sind Mineralien, die man auch aus Körperpflegelinien wie Bodylotions und Hautcremes kennt und die der Haut etwas Gutes tun, indem sie in den Materialien reagieren und beim Tragen der Kleidung an die Haut abgegeben werden.

Uns ist es wichtig, dass wir nicht nur ein Nischenprodukt anbieten, sondern ein Produkt, welches für die breite Masse zugänglich ist.

VEGAN NEWS: In Umasan steckt das Wort Uma was „Göttliche Mutter“ heißt und aus der indischen Mythologie stammt. Fühlt ihr euch „heimisch“ im Bereich der östlichen Philosophien und welche Rolle spielt Spiritualität & Transformation in eurer kreativen Arbeit?

SANDRA UMANN: Nun, wir leben seit sehr vielen Jahren, nicht konsequent aber doch sehr bewusst, den Buddhismus und die Yoga Philosophie, dieses sehr zurückgezogene. Einen entsprechend großen Einfluss hat diese Lebensweise natürlich auch auf unsere Arbeit und alles was wir täglich tun.

Das heißt, auch aus diesem Bereich fließt sehr viel in die Kollektion ein, denn sie ist sehr puristisch und eher still, auch in den Farben. Wir verwenden maßgeblich schwarz und weiß und ein wenig grau, um die Konzentration auf die Form zu legen. Wir wollen mit unserer Mode Zeitlosigkeit schaffen. Meine Schwester Anja hat bei Yohji Yamamoto die asiatische Schnittführung gelernt und diese lässt wiederum sehr viel Flexibilität zu. Somit ist auch Funktionalität wichtig für uns und unsere Mode ist sozusagen Yoga-geeignet und hat alles was es braucht, um beweglich durch den Alltag zu kommen.

VEGAN NEWS: Welche Ziele und Pläne habt ihr für die nächste Saison und darüber hinaus?

SANDRA UMANN: Uns ist es wichtig, dass wir nicht nur ein Nischenprodukt anbieten, sondern ein Produkt, welches für die breite Masse zugänglich ist. Wir versuchen auch immer mehr international aktiv zu sein und da eben auch nicht nur für eine bestimmte Zielgruppe zu stehen. Wir sind sehr konsequent in Aktivitäten die über die Fashionbranche hinausgehen und versuchen, dass Netzwerk sehr breitgefächert anzusprechen und uns zu verknüpfen. Wir haben in den letzten Jahren bei diversen Aktionen außerhalb der Modebranche mitgemacht, wie z.B. beim „Carbon War Room“.

Vor kurzem haben wir unsere Kollektion in Mailand und Paris vorgestellt und parallel haben wir eine Kollektion bei einer Agentin in den USA zur New York Fashionweek vorliegen. Ende Oktober ist die Saison für dieses Jahr abgeschlossen, dann geht es Anfang 2014 wieder los in unserer Heimatstadt Berlin, wo wir die nächste Show planen werden.

VEGAN NEWS: Nun interessiert uns auch noch euer persönlicher Weg hin zum Veganismus. Ihr beiden als Zwillingsschwestern, was gab euch persönlich den Anlass vegan zu leben? Könnt ihr euch an Schlüsselmomente erinnern, wie kam es zu der Entscheidung komplett auf tierische Produkte zu verzichten?

SANDRA UMANN: Naja, wir sind eigentlich in einem Haushalt groß geworden, bei dem Fleisch auf dem täglichen Speiseplan stand, das heißt unsere Eltern sind absolute Fleischliebhaber. Wir waren als Kinder aber nie wirkliche Fleischliebhaber, wir haben es mit gegessen, aber eher mit Widerwillen. Wir hatten nie das Gefühl, dass wir Fleisch bräuchten. Auch sind wir mit Tieren groß geworden, konkret mit Katzen, hatten somit immer eine Affinität zu Tieren und haben uns dementsprechend vom Teenageralter an immer auch mit Tierschutz auseinander gesetzt.
Zuhause war es für uns sehr schwierig auf Fleisch komplett zu verzichten. Als wir dann aber sehr früh aus dem elterlichen Haus ausgestiegen sind, haben wir schließlich auf natürliche Weise auf Fleisch verzichtet. Wir sind früh zu Vegetariern geworden und haben uns auch gut gefühlt ohne Fleisch.

Ohne Verzicht zu leben war uns auch immer sehr wichtig und ich glaube, nur so funktioniert es auch in der Gesellschaft.

Es hat aber lange gedauert bis wir den Schritt zum Veganismus hin umsetzen konnten. Über die Jahre haben wir einfach gemerkt, dass sich auf dem Lebensmittelmarkt, auf sehr rasante Art und Weise, sehr viel tut und wir haben dann vor mittlerweile sieben Jahren den Versuch gestartet, uns vegan zu ernähren. In der täglichen Umsetzung merkten wir schnell, wie viele Nahrungsmittelalternativen es gibt und wie einfach es ist, sich vegan zu ernähren, vor allem ohne das Gefühl zu haben, verzichten zu müssen.

Ohne Verzicht zu leben war uns auch immer sehr wichtig und ich glaube, nur so funktioniert es auch in der Gesellschaft. Über unsere Kleidung versuchen wir ebenfalls zu transportieren, dass sie eben nichts mit Verzicht zu tun hat, im Gegenteil. Entgegen den vor Jahren publizierten Aussagen gegen die vegane Ernährungsform, wo man noch davon gesprochen hat sie sei ungesund und würde zu Mangelerscheinungen führen, ist der vegane Lifestyle der Gesundheit, wie man heute weiß, sehr zuträglich. Und ebenso ist es auch in der Bekleidungsindustrie. Unsere Kleidung kann viel mehr als normale Kleidung und tut auch Gutes für die Haut.

Uns war immer sehr wichtig den Konsumenten über unsere Linie einen echten Mehrwert zu bieten. Und auf persönlicher Ebene war uns eben immer wichtig auf nichts verzichten zu müssen und uns gut zu fühlen. Das läuft mittlerweile seit sieben Jahren super!

Weblinks:
www.umasan-world.com
www.facebook.com/umasan.world

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