Die V-Partei³ feiert Geburtstag und wächst unbeeindruckt – eine Bestandsaufnahme vor den NRW-Wahlen

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V-Partei³ Landtagswahl NRW
Am 16. Mai 2016 veröffentlichte Vegannews.de einen Artikel über die ganz neu gegründete V-Partei³. Nach mittlerweile einem Jahr des Bestehens lohnt sich ein Zwischenfazit: Was ist bisher geschehen? Was wurde erreicht? Welche Erwartungen wurden noch nicht erfüllt?

Als der Initiator Roland Wegner am 30.04.2016 die Partei für Veränderung, Vegetarier und Veganer gründete, tat er das mit den Worten: „Es ist drei vor zwölf – höchste Zeit etwas zu verändern“. Die Ziele waren hoch gesteckt und handelten von Abschaffung der industriellen Tierhaltung, Exportverbot von Rüstungsartikeln, Förderung bioveganer Landwirtschaft und Verbesserung des Verbraucherschutzes.

Gleichzeitig wurde die junge Partei mit vielerlei Kritik konfrontiert. Sowohl die radikalen Forderungen im Bereich der Tierrechte als auch einige fragwürdige Personalentscheidungen brachten Kritiker auf den Plan, die das Projekt V-Partei³ nach möglichen Schwachstellen durchleuchteten. Mittlerweile hat sich die Partei auch programmatisch noch deutlicher gegen rechts abgegrenzt und Veränderungen in der Funktionärsebene vorgenommen. In der Presseerklärung „Gegen das Vergessen!“ zeigte die Partei ihre Orientierung deutlich und bezog auch zu den anfänglichen Anschuldigungen Stellung.

Parteiprogramm nimmt Form an

Am 01.04.2017 fand der erste Bundesparteitag der V-Partei³ statt und etwa 150 Delegierte waren anwesend, um unter anderem das erweiterte Parteiprogramm zu verabschieden und den Bundesvorstand durch Wahlen zu vervollständigen. Die Erweiterung des Parteiprogramms macht deutlich, dass es sich nicht um eine „Ein-Themen-Partei“ handelt, sondern ein umfassender Bereich unterschiedlichster Themen behandelt wird. Somit wurden Forderungen zur Gleichstellung, Energieversorgung, EU- und Asylpolitik, Gesundheitspolitik, Postwachstum und sogar Cannabiskonsum von den Delegierten größtenteils einstimmig verabschiedet und in das neue Programm mit aufgenommen. Dieses umfasst nun knapp 30 Seiten und liest sich wie ein Forderungskatalog für eine bessere Welt. Inwieweit die V-Partei³ diese Forderungen auch selbst umsetzen kann, wenn sie durch die Wähler die Ermächtigung erhält, bleibt abzuwarten. Andere Parteien werden den Hellgrünen die Arbeit wohl nicht abnehmen. Denn für schmerzlose Kompromisse bietet das zukunftsgerichtete Parteiprogramm kaum Spielraum, das ist mutig.

Wachstum trotz Forderung nach Postwachstum

Mittlerweile haben, laut eigenen Angaben, schon über 1000 Mitglieder den Weg zur V-Partei³ gefunden. Darunter sind namenhafte Neuzugänge, wie beispielsweise Barbara Rütting, Isabella Hübner, Fritz Stavenhagen, Melina Gammersbach oder Sarah Maria Sun zu finden. Warum sich die Prominenten der veganen politischen Bewegung angeschlossen haben, bringt Barbara Rütting auf den Punkt: „Weil es getan werden muss“.

Durch den starken Mitgliederzuwachs konnten bis heute auch 14 Landesverbände gegründet werden, die nun aktiv Unterstützungsunterschriften sammeln, um an dem nächsten Ziel „Bundestagswahl“ teilzunehmen. Überraschend schnell wurde in Bayern die Hürde bereits übersprungen, mehr als 2.000 Unterschriften liegen vor, die bald 90-jährige Barbara Rütting wird daher als älteste Bundestagskandidatin mit ihrer medialen Erfahrung sicher noch für Schlagzeilen sorgen. Der Testlauf für die Akzeptanz der Partei findet jedoch bereits am 14. Mai 2017 statt. Denn die Teilnahme an der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen hatte die Partei bereits vor vielen Wochen sichergestellt. Der Landesvorsitzende von NRW Michael Thomas Kneifel gibt sich kämpferisch und hofft auf ein Überraschungsergebnis. Und damit hofft er zurecht, denn jedes Prozent für eine der kleinen Parteien wäre  bei insgesamt 31 Parteien, die zur Wahl stehen, nichts anderes als eine große Überraschung.

Immer mehr Tierschutzparteien – welche wählen?

Neben der V-Partei³ buhlen weitere Tierrechts- und Tierschutzparteien um die Gunst der Wähler. In NRW wird auch die Tierschutzliste antreten. Diese bisher regional auftretende Partei spaltete sich mitten in den Vorbereitungen zur NRW-Wahl von der Tierschutzpartei (MUT) ab und tritt mit lediglich zwei Kandidaten an, darunter Carmen Traber. Sie stammt aus der berühmten Zirkusfamilie und hatte somit bereits seit frühster Kindheit Kontakt zu Tieren und kennt deren Lebensumstände im Zirkus.

Die Tierschutzpartei MUT hat es nicht auf die Wahlliste in NRW geschafft, möchte aber aus den Fehlern der Vergangenheit lernen und hofft auf eine erfolgreiche Teilnahme bei der Bundestagswahl, sie kann wie die V-Partei³ derzeit 14 nominierte Landeslisten vorweisen, hat aber laut ihrer Website noch keine Liste im Trockenen.

Die ebenfalls von der Tierschutzpartei abgespaltene Tierschutzallianz befindet sich auch im Sammelmodus für die Bundestagswahl im September, allerdings vorerst nur in fünf Ländern.

Weitere Abkömmlinge der Tierschutzpartei wie „Ethia“ oder „Partei für die Tiere“ machen aktuell keine Anzeichen an diesjährigen Wahlen teilnehmen zu wollen, so dass sich hier die Wahlfrage erst gar nicht stellt.

Zusätzlich haben die etablierten Parteien den politischen Marktwert der veganen Szene erkannt und versuchen einen Teil des Stimmenkuchens für sich zu gewinnen. Die Grünen möchten sich verstärkt in den Tierschutz einbringen und tun sich dabei mit dem Wurstverköster Anton Hofreiter sehr schwer, die SPD startet mit dem Projekt „Sozis für Tiere“ sogar eine teure Imagekampagne, um die neu erkannte Wählerschaft zu beeindrucken.

Wer von diesen Parteien am Ende die Nase vorne haben wird und die Veganerin oder den Veganer an der Wahlurne überzeugen und sicher am Ende für die entsprechenden Bedürfnisse und Anliegen einsetzen kann, wird im September entschieden. Es bleibt nur zu hoffen, dass bei all den schönen und warmen Worten nicht wieder die auf der Strecke bleiben, um die sich der ganze Hype eigentlich drehen sollte oder wie es die V-Partei³ in ihrer Präambel formuliert: Ca. 10 Millionen VegetarierInnen (inkl. VeganerInnen) in Deutschland ohne spezielle parlamentarische Vertretung waren geradezu eine Verpflichtung, eine Partei zu gründen, die in der Lage sein wird, die gesellschaftliche und politische Landschaft grundlegend zu verändern, nämlich die Menschen als VerbraucherInnen zu schützen und zu unterstützen, Tiere zu achten, Klima und Natur zu erhalten und die Ursachen von Hunger, Krieg und Flucht auf der Welt zu erkennen und zu beseitigen.“

Dabei allen viel Erfolg!

Anmerkung der Redaktion: Dieser Artikel wurde uns von der V-Partei³ zur Verfügung gestellt und erhebt nicht den Anspruch in allen Punkten die Meinung der Redaktion widerzugeben.

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