Vegafit – Interview mit dem Hersteller der veganen Fleischalternativen

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Vegafit Fleischalternativen
Das Unternehmen Vegafit mit Sitz in Hamburg, welches bereits 1998 von Peter Mischer mit seiner Frau Sabine gegründet wurde, ist einer der führenden Entwickler und Hersteller von Fleischalternativen auf dem deutschen Markt. Das Unternehmen selber stellt sich auf seiner Internetseite so vor: „Vegafit Produkte sollen dazu beitragen, das Bewusstsein für eine gesunde Ernährung und für nachhaltige Lebensmittel weiter zu entwickeln. Die pflanzlichen Alternativen zu tierischen Produkten sollen gesund, nährstoffreich, qualitativ hochwertig und besonders schmackhaft sein.”

Vegafit produziert in Holland, Belgien und Deutschland. Was 1998 mit vegetarischen Fleisch- und Fisch-Alternativen begann, entwickelte sich in den letzten Jahren zu einem Einzelhandels-Sortiment weiter, welches seit 2015 komplett vegan auf dem Markt ist. Vegafit arbeitet daran, sämtliche Produkte auch in Bio-Qualität herstellen zu können. Bislang sind aber noch nicht alle benötigten Rohstoffe in Bio verfügbar. Erhältlich sind die Vegafit-Produkte bereits bei Globus, Sky, Famila und in den Gourmet-Abteilungen von Galeria Kaufhof sowie unter allyouneedfresh.de zum bestellen. Peter Mischer hat sich Zeit genommen, mit mir über sein Unternehmen zu plaudern.

Interview mit Peter Mischer von Vegafit

Sabine: Hallo Peter vielen Dank für deine Zeit. Starten wir direkt: Wie bist du auf die Idee gekommen, Fleischalternativen zu produzieren?

Peter Mischer von Vegafit

Peter Mischer von Vegafit

Peter: Ich fuhr jahrelang als Gastronomischer Offizier auf Kreuzfahrtschiffen um die Welt. Auf den Reisen traf ich immer wieder Menschen, die Hunger litten, zum Beispiel in Asien. Gleichzeitig sah ich dort riesige grüne Felder: auf denen wird genverändertes Soja angebaut – Futter für Mastschweine und Rinder in den reichen Industrieländern. Das fand ich unglaublich ungerecht. Ich kündigte meinen Job und gründete zusammen mit meiner Frau – sie ist Ärztin – eine Firma für nachhaltigen Genuss. Das war vor 17 Jahren.

Sabine: Was ist eure Mission?

Peter: Mit echten Alternativen zu Fleisch und Fisch möchten wir dazu beitragen, den Bedarf an tierischen Produkten zu senken. Denn das jetzige System kann auf Dauer nicht funktionieren. Es leben immer mehr Menschen auf der Erde und wenn die alle satt werden sollen, müssen wir auf pflanzliche Ernährung umschwenken. Vegafit will zeigen, dass man dabei auf nichts verzichten muss. In Blindverkostungen merken die Leute nicht mal, dass sie gerade einen veganen Hamburger gegessen haben.

Sabine: Auch Fleischkonzerne wie Vion und Wiesenhof produzieren nun ebenfalls vegetarische/vegane Schnitzel und Würstchen. Diese großen Konzerne, die definitiv nicht aus einem ethischen Ansatz heraus handeln, verdrängen kleinere Unternehmen aus den Regalen der Supermärkte. Am „Vegan-Hype“ wollen natürlich auch diese Konzerne verdienen. (VION ist neben Tönnies einer der größten Schweineschlachter Deutschlands. „Insgesamt hingen bei Tönnies 16,4 Mio. Schweine am Haken”. (Quelle)) Tangiert diese neue Konkurrenz nicht euren Verkauf?

Vegafit BratwurstPeter: Im Gegenteil, deren Werbemillionen machen Fleischalternativen bekannter. Und wir sind mit unseren Produkten Jahre voraus! Die Veggie-Produkte der Fleischkonzerne enthalten oft Milch und jede Menge Hühnerei, aus fragwürdiger Haltung. Vegafit kann mittlerweile alle konventionellen Produkte rein pflanzlich herstellen. Wir haben lange experimentiert – und mit Hilfe der Albert Schweitzer Stiftung eine bahnbrechende Entdeckung gemacht: Protein aus Kartoffeln kann Hühnerei-Eiweiß ersetzen. Es eignet sich nicht nur zum Binden der Zutaten, sondern es sorgt auch für den fleischähnlichen Biss der Produkte. Aber klar ist auch: die Fleischkonzerne wollen vor allem Geld machen und den Markt kontrollieren, mit welchen Produkten auch immer. Sie haben von Haus aus kein Interesse daran, dass das Segment der Fleischalternativen wirklich wächst. Aber trotzdem: für jedes Sojaschnitzel wird ein Schweineschnitzel weniger gekauft.

Sabine: Die Produkte der Großen gibt es in jedem Supermarkt, die von Vegafit sind schwer zu bekommen. Warum?

Peter: Vegafit ist ein kleines Unternehmen, wir können uns keine großen Werbekampagnen leisten. Bei Rewe zum Beispiel sind unsere Produkte zwar voll gelistet, das heißt, jeder der 1.300 Rewe Märkte könnte unsere Produkte bestellen. Aber wir können eben nicht jeden einzelnen Laden besuchen und unsere Produkte dort vorstellen. Wir müssen deshalb Guerilla-Marketing machen: Wir brauchen keine Kunden, sondern Fans. Also Leute, die im Supermarkt immer wieder nach unseren Produkten fragen. Bei Coop hat das jetzt dazu geführt, dass die gesamte Kette – dazu gehören auch die Sky-Märkte – ihr vegetarisches Sortiment aus den Regalen genommen hat und durch unsere veganen Produkte ersetzt hat.

Italian BurgerSabine: Findet bei den Supermarktketten ein Umdenken statt?

Peter: Sie erkennen die Zeichen der Zeit. Es gibt schon über eine Million Veganer in Deutschland, schon fast jeder zehnte Deutsche lebt vegetarisch. Und auch Flexitarier kaufen pflanzliche Produkte. Der Einzelhandel verkauft jährlich rund 30 Prozent mehr an vegetarischen Teilfertigprodukten. Es gibt jetzt schon Ketten, die extra Einkäufer beschäftigen, die sich ausschließlich um das vegetarische Sortiment kümmern. Das freut mich. Die vegetarische Idee ist endlich in der Mitte der Gesellschaft angekommen!

Sabine: Aber vegan ist vielen Menschen noch immer ziemlich fremd. Wie will Vegafit den Verbrauchern die Vorteile vermitteln?

Peter: Alle unsere Produkte tragen das Wort „vegan“ im Namen, wir labeln die Verpackungen zusätzlich mit der Aufschrift „rein pflanzlich“. Damit unterstreichen wir, dass die Schnitzel und Würstchen von Vegafit eben nicht zu 70 Prozent aus Milch bestehen, sondern wirklich nur aus Pflanzen. Warum das besser ist, kann jeder Verbraucher, der so weit ist, leicht selbst herausfinden.

Steak mit Wedges von VegafitSabine: Was mich abschließend noch interessiert, lieber Peter, werdet ihr in Zukunft das komplette Vegafit Sortiment auf rein pflanzlich umstellen, also auch die Produkte für den Großhandel?

Peter: Die Bio-Produkte für Großverbraucher konnten wir bislang nicht vegan herstellen, da es das dafür nötige Kartoffelprotein noch nicht in Bio-Qualität gibt. Aber wir sind kurz davor. Unser Ziel ist es, in allen Segmenten ausschließlich vegane Produkte herzustellen.

Sabine: Ganz lieben Dank für das Gespräch!

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