Kann Drucken vegan sein? – Eine Frage mit ungewisser Antwort

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Ist vegan drucken möglich?
Unsere Welt ist bunt bedruckt und trotz der stetig zunehmenden Digitalisierung kommst auch du als Veganer_In tagtäglich mit gedruckten Kommunikationsmitteln in Berührung. Aber sind diese auch tatsächlich vegan, sprich frei von tierlichen Produkten, frei von Tierleid und weitestgehend ökologisch verträglich? Diese Frage soll uns in diesem Artikel beschäftigen, denn auch wenn es dir vermutlich nicht bewusst ist, bedruckte beziehungsweise beklebte (auch Aufkleber werden gedruckt) Güter sind allgegenwärtig und aus unserem Alltag nicht wegzudenken.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Bücher, Zeitungen, Magazine
  • Werbedrucksachen, wie Plakate, Flyer, Beilagen
  • Kleidung in Form von z. B. T-Shirts
  • Geschäftsdrucksachen, beispielsweise Briefpapier und Visitenkarten
  • Verpackungen aller Art
  • Produkte, vom Auto bis zur Zahnbürste
  • Werbung im öffentlichen Raum, z. B. auf Litfaßsäulen

Drucksachen gehören zum Alltag

Wir sind also tatsächlich von Druckprodukten umgeben und werden dies, trotz fortschreitender Digitalisierung, auch noch lange sein. Um klären zu können, ob Drucken tatsächlich auch vegan möglich ist, müssen wir feststellen, welche Materialien im gesamten Prozess zum Einsatz kommen. Dies ist wiederum zum Teil abhängig davon, mit welchen Druckverfahren bestimmte Produkte gefertigt oder bedruckt werden. Denn Drucken ist nicht gleich Drucken. Es stehen verschiedene Technologien zur Verfügung, um Papier, Pappe, Karton, Textilien und andere Materialien zu bedrucken.

Und jede Technologie benötigt unterschiedliche stoffliche Komponenten für die eigentliche Produktion. Wir können dieses Thema aufgrund der enormen Komplexität daher folgend nicht erschöpfend behandeln. Wir klären jedoch, welche Materialien bei einer Druckproduktion tatsächlich und häufig zum Einsatz kommen und ob diese veganen und ökologischen Kriterien standhalten können.

Papier

Papier, Karton und Pappe müssen nicht zwingend vegan sein. Um Druckfarben besser auf der Papieroberfläche zu verankern, kann Gelatine eingesetzt werden.  Auch sind Bindemittel im Einsatz, die beispielsweise Kasein enthalten können. Unklar ist zudem, ob wirklich alle in der Papierherstellung eingesetzten Chemikalien und Hilfsstoffe frei von tierlichen Inhaltsstoffen sind und ob diese nicht irgendwann an Tieren getestet wurden. Ein Zertifikat, welches ein 100 % veganes Papier bescheinigt, ist nach unserem Kenntnisstand (noch) nicht verfügbar.

Wenn du also Druckaufträge vergibst, solltest du dich direkt beim Papierhersteller oder bei der Druckerei deines Vertrauens erkundigen. Eine Druckerei, die sich intensiv mit den Bedürfnissen veganer KundenInnen auseinandersetzt, ist beispielsweise die Druckerei LOKAY aus Reinheim. Schwieriger dürfe es werden, wenn du Bücher, Magazine oder andere Druckprodukte kaufst. Inwieweit Verlage und Inverkehrbringer bereit sind transparent Auskunft zu geben darf bezweifelt werden.

Neben der Frage, ob Papier tatsächlich vegan ist, solltest du aber auch auf eine ökologische Herstellung achten. Recyclingpapiere beispielsweise sind weitaus weniger umweltschädlich als Papiere aus Frischfasern. Das Papier sollte auch nach FSC, PEFC oder bestenfalls nach dem Blauen Engel zertifiziert sein. Die beiden erstgenannten Siegel belegen eine nachhaltige Forstwirtschaft und der Blaue Engel garantiert den Einsatz von Papierfasern aus nahezu 100 % Altpapier sowie den Verzicht auf gefährliche Chemikalien.

Textilien

Pelz, Leder, Seide, Wolle und weitere Materialien sind tierlicher Herkunft und daher nicht vegan. Aber wie sieht es mit der Baumwolle aus, die in den allermeisten Kleidungsstücken zu finden ist und oft bedruckt wird? Die Baumwolle selbst ist eine Pflanze und daher frei von tierlichen Inhaltsstoffen. In der Spinnerei wird die Baumwolle zu einem Garn versponnen und hier werden sogenannte Faserhilfs- und Gleitmittel eingesetzt, die durchaus tierliche Bestandteile aufweisen können. Und je nachdem, wie du es definieren möchtest, ist Bio-Baumwolle nicht unbedingt vegan, da bei der Düngung (ausschließlich oder überwiegend) Exkremente aus der Viehzucht eingesetzt werden. Wer besonderen Wert auf ökologisch und sozial korrekt erzeugte Baumwolle legt, sollte auf entsprechende Öko-Tex-Siegel und das Zeichen Fairtrade Certified Cotton achten.

Vegane Druckfarben

vegane DruckfarbenJetzt wird es etwas anspruchsvoller, denn je nach Druckverfahren kommen völlig unterschiedlich aufgebaute Farben zum Einsatz. Grundsätzlich lässt sich jedoch sagen, dass keine offiziell zertifizierten veganen Druckfarben am Markt verfügbar sind. Und selbst wenn die Hersteller angeben (was sie durchaus tun), dass deren Farben keine tierlichen Bestandteile beinhalten, lässt sich nicht mit letzter Gewissheit ausschließen, ob nicht einige Komponenten in der Vergangenheit an Tieren getestet wurden.

Vergessen dürfen wir auch nicht, dass wir hier über ein komplexes Industrieprodukt mit teilweise ökologisch bedenklichen Inhaltsstoffen sprechen. Druckfarbe ist daher – ob nun vegan oder nicht – niemals als umweltfreundlich zu klassifizieren. Ob Farben auf Pflanzenölbasis ökologisch unbedenklicher sind, als Druckfarben auf Mineralölbasis, ist nicht bewiesen.

Je nach Trocknungsart kommen auch Lösungsmittel zum Einsatz. Diese dürften zwar frei von tierlichen Bestandteilen sein, es ist jedoch nicht unwahrscheinlich, dass diese in der Vergangenheit an Tieren getestet wurden.

Vegane Klebstoffe, Fäden und weitere Teilprodukte

Um ein gebrauchsfertiges Druckprodukt herstellen zu können, benötigt es mehr als nur Papier und Farbe. In der Druckerei kommen unterschiedliche Teilprodukte zum Einsatz, die ein Produkt – beispielsweise eine Broschüre – zusammenhalten. Klebstoffe und Leime, die bei Aufklebern oder bei Büchern eingesetzt werden, können Gelatine, Knochenmehl und/oder Kasein beinhalten. Hier gibt es aber auf jeden Fall tierfreie Alternativen, nach denen Kunden jedoch explizit nachfragen sollten.

Die in der Buchproduktion eingesetzten Fäden, Bezüge, Kapitalbänder und Lesezeichen bestehen meist aus Textilien pflanzlicher oder chemischer Herkunft. Allerdings lässt sich hierbei in der Regel nicht garantieren, dass die zur Herstellung dieser Materialien benötigten Maschinen ohne Gleitmittel mit tierlichen Bestandteilen betrieben werden. In den Materialen selbst kann auch beispielsweise Bienenwachs verarbeitet sein. Explizit als vegan zertifizierte Teilprodukte in der Druck- und Druckweiterverarbeitung gibt es leider (noch) nicht.

Hilfsstoffe

An einer Druckproduktion sind noch etliche Stoffe mehr beteiligt, die aber in der Regel nicht direkt mit in das eigentliche Produkt einfließen. Beispielhaft nennen möchten wir an dieser Stelle Schmierstoffe, Waschmittel, Trockenstoffe, Bestäubungspuder, Entwickler für die Druckformkopie und auch Lösungsmittel. Die eingesetzten Hilfsstoffe sind ebenfalls abhängig vom eigentlichen Druckverfahren.

Ob diese Bestandteile ausnahmslos frei von tierlichen Inhaltsstoffen sind und ob sie niemals Tiertests unterzogen wurden, lässt sich nicht oder nur mit einem sehr großen Aufwand feststellen. Umfangreichere Studien hierzu konnten wir nicht finden. Viele der eingesetzten Hilfsstoffe können jedoch durchaus ökologisch problematisch sein. Umweltfreundlichere Ersatzstoffe sind teilweise verfügbar, jedoch nutzen nur einige Druckereien diese tatsächlich.

Fazit

Wenn du Druckaufträge vergeben möchtest, solltest du dich an eine Druckerei wenden, die sich mit den verwendeten Materialien auskennt, um eine möglichst tierleidfreie Druckproduktion zu gewährleisten. Ein reines Lippenbekenntnis deiner Stammdruckerei ist sicherlich nicht ausreichend. Ein Zertifikat, welche eine vegane Druckproduktion belegt, ist nicht verfügbar. Ob wirklich alle an einer Druckproduktion beteiligten Stoffe frei von tierlichen Inhaltsstoffen sind und ob diese in der Vergangenheit nicht an Tieren getestet wurden, kann (noch) nicht abschließend geklärt werden.

Neben der Frage, ob veganes Drucken möglich ist, sollten ökologische Aspekte nicht vernachlässigt werden. Denn es gibt durchaus Druckereien, welche mit einem immensen Aufwand die ökologischen Auswirkungen ihres Handelns kontinuierlich verbessern. Greenwashing gibt es auch im Druckereigewerbe. Achte daher auf Zertifizierungen nach Umweltmanagementnormen, wie EMAS oder ISO 14001. Diese Normen zeigen auf, dass eine entsprechend zertifizierte Druckerei ernsthaft und stetig an der Verbesserung ihrer Umweltleistung arbeitet.

Neben der Wahl für die richtige Druckerei ist es auch von Bedeutung, wie du deinen Druckauftrag planst. Eine gewissenhaft ermittelte Druckauflage und der Einsatz von Recyclingpapieren minimieren die ökologischen Folgen deines Handelns in diesem Bereich enorm.

Als Konsument von bedruckten Gütern bleibt dir leider nichts Anderes übrig, als dich durchzufragen. Ob die angefragten Unternehmen tatsächlich in der Lage sind zu garantieren, dass die hergestellten Druckerzeugnisse vegan sind, darf jedoch bezweifelt werden. Spezielle Zertifikate oder Siegel, welche vegan bedruckte Produkte kennzeichnen, sind leider (noch) nicht verfügbar.

Kurz und knapp – Tipps für veganes und ökologisches Drucken

Wenn du also Druckaufträge zu vergeben hast und Wert auf eine weitestgehend vegane und ökologische Produktion legst, empfehlen wir dir folgendes zu beachten:

  • Erkundige dich, ob deine Druckerei wirklich umfangreichere Recherchen zum Thema veganes Drucken angestellt hat. Frage auch, ob bereits vegane Ersatzstoffe eingesetzt werden.
  • Achte auf eine Zertifizierung nach den Umweltmanagementnormen EMAS oder ISO 14001
  • Frage gezielt nach Recyclingpapieren. Vermeide Papiere aus Frischfasern und achte auf Papiersiegel wie FSC, PEFC oder Blauer Engel.
  • Plane die Druckauflage gewissenhaft. Überproduktionen, welche letztlich in der Tonne landen, sollten auf jeden Fall vermieden werden.
  • Erkundige dich, ob deine Druckerei die durch deine Druckproduktion entstehenden Emissionen mittels Emissionsminderungszertifikaten kompensieren kann. Die hieraus generierten Gelder fließen in Klimaschutzprojekte.

Dies ist ein Gastartikel von Marko Hanecke, Bildnachweis: pixabay

Kommentare

  1. meint

    Ein Thema mit dem ich mich vor diesem Artikel noch garnicht bewusst beschäftigt habe 😮 Danke für die ausführlichen und sehr hilfreichen Tipps.
    Da nutze ich für daheim weiterhin Evernote und bis zum ersten großen Druckauftrag darf ich wohl einige Agenturen kontaktieren:)

  2. Dirk meint

    Auch wenn Bio-Baumwolle mit Ausscheidungen von Tieren gedüngt wird, ist sie veganer als Baumwolle die unter Einsatz von Pestiziden / Herbiziden und sonstigen Giften erzeugt wird. Letztere gefährdet ganze Ökosysteme und komplette Populationen.

  3. meint

    Danke für die ausführlichen Tipps.

    Hier noch ein paar Hinweise:
    Bitte gebt auch acht, wo Eure Textilien produziert werden. Nicht nur die Produktion der Baumwolle kann Menschen, Tieren und Natur schaden, sondern eben auch die Fertigung von T-Shirts, Beuteln, Caps usw.. Es gibt Shirts, die fair(er) vernäht werden (bsp. Produkte mit dem Label der „Fair Wear Foundation“) und Shirts, die im Rahmen der miserablen, aber legalen nationalen Bestimmungen hergestellt werden. Als Beispiel ist das Label „WRAP approved“ zu nennen, da dieses Label vor allem durch die Industrie gestartet wurde und beinahe keine weitergehenden Beschränkungen für die Fabrikbetreiber gesetzt hat, als die, die die jeweiligen Länder auferlegt haben. Die Bedingungen in Ländern wie China, Indonesien usw. kennt wohl (fast) jeder hier.

    Vielleicht auch mal kurz das Beispiel von „Voice Design“ nennen: Die gestalten und produzieren nur das, was sie ethisch vertreten können. Und in jedem Fall vegan 😉

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