Vegan in Köln – Der große Report – Teil 1 feat. Café Hibiskus

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Vegan in Köln - Cafe Hibiskus

I love KÖLN! Jawohl, und Aus…! Ich kann es kaum glauben, über 10 Jahre meines Lebens treibe ich nun schon in Köln mein Unwesen. Alt wird man! Als ich 2003 in die damalige Medienstadt kam, startete recht schnell mein vegetarischer Weg. Lange Jahre gab es kaum rein vegetarische Küchen in Kölns Gastronomielandschaft, von veganem Angebot gar nicht zu sprechen, aber mittlerweile lässt sich der Wunsch „vegan in Köln essen“ immer besser befriedigen.

Deutschlands „toleranteste Stadt“ hat in 2013 auch vegan lebenden Menschen einiges zu bieten

Anno 2013 kann sich allerdings auch die Rheinmetropole nicht mehr vor einer rasant wachsenden Nachfrage zu veganem „Allerlei“ retten, und zieht immer mehr nach. Na ja, wer sich für die toleranteste Stadt Deutschlands hält, sollte das auch tun…! 😉

Möge man von Kölns „innerer-Schönheit“ halten was man möchte, ich lebe gerne hier und Köln ist, ich denke auch bleibt, eines der wichtigen Medienzentren Deutschlands. Viele kommen, viele gehen wieder, manche bleiben tatsächlich auch. Fakt ist, innerhalb Kölns tolerantem und offenherzigen Terrain tummeln sich natürlich auch interessante Charaktere. Da bleibt eine fortschrittlichere, vegane Lebensweise nicht aus, vor allem weil sie ja auch schwer im Trend ist.

Die Nachfrage veganer Lokalitäten wird zunehmend befriedigt

So herrscht immer mehr vegane Nachfrage, und diese wird, endlich auch mit mehr Angebot befriedigt! Ja, glaubt mir, ich fühle es schon! Damit es aber noch besser wird, werde ich mir über die kommenden Wochen Kölns vegane Seite genauer ansehen und den hiesigen Lokalitäten entsprechend Präsenz auf unserer Seite verschaffen und hoffen, dass sich die „News“ noch weiter verbreiten. Jetzt habe ich endlich auch, ganz uneigennützig natürlich, die offizielle Erlaubnis und mein Tun gerechtfertigt, zu schlemmen und zu genießen…und Geld auszugeben…! Ha!

Im ersten Teil meiner Köln-Vegan-Serie, freue ich mich euch ein brandneues und entzückendes kleines, aber überaus feines Café vorstellen zu dürfen:

Das Café Hibiskus in der Ritterstraße in Köln

Direkt am Hansaring in der Ritterstraße, neben dem legendären Plattenladen Underdog Records gelegen, wird der Betrieb von Inhaberin Anika mit Leidenschaft und, wie man es in Köln ja eh kennt, Offenheit und Freude geführt.

Für eine nostalgische Seel‘ wie ich sie „beherbergen“ muss, kann es kaum etwas Schön’res geben als sich zu Kaffee und Kuchen in einer Umgebung wie diese zurückzuziehen, und in Gedanken zu schwelgen. Als ich den Raum betrat wurde mir sofort warm ums Herz. Schöner retro Charme und eine heimische Atmosphäre. Ach und ganz unglaublich, es gab Quiche, vegan! Oh yeah!

Im folgendem Interview, das ich zusammen mit meinem werten Bekannten Christoph von Kochen ohne Knochen führen durfte, erfuhr ich einiges über Anikas Motivationen die Stadt mit einem veganen Café zu bereichern. Und wir erfuhren dazu auch noch poetisches über Käsekuchen! Hmmm….

Das Interview

Christoph: Was hat dich dazu bewegt das Café zu eröffnen? Was war deine Intention dich selbstständig zu machen?

Anika: Ich glaube die Gründe sind eine Mischung aus ganz vielen Dingen. Zum einen glaube ich, dass ganz ganz viele Menschen den Traum haben ein Café oder einen Ort zu erschaffen, an dem sie sich ausleben und austoben können. Das war natürlich auch mir nicht fern. Mit dem Gedanken mich mit einem Gastronomiebetrieb selbstständig zu machen, habe ich schon länger gespielt, aber das war vorher eher immer Träumerei. Ich habe vorher schon über zwei Jahre lang mit meinem guten Freund Daniel im Atelier 68 in Ehrenfeld, einen veganen Kaffeeklatsch veranstaltet, wo wir auch einen extrem großen Zulauf hatten. Die größte Veranstaltung die wir gemacht haben hatte ungefähr 120 Gäste! Wir musste das dann im vergangenen Winter auf 60 Leute begrenzen, denn es ging einfach räumlich nicht mehr anders. Wir haben die Veranstaltung auf Facebook ausgeschrieben und man konnte sich dafür anmelden. Meist waren die Plätze schon innerhalb von 3-4 Stunden weg! Das war nochmal ein deutlicher Beweis dafür, wie unterversorgt Köln mit veganen Optionen ist. Und ja, der Rest war dann glaube ich ganz viel Zufall.

Ich habe irgendwann dieses Ladenlokal hier gesehen und wusste sofort dass dies genau das ist was ich haben wollte, neben dem Plattenladen, was für mich ganz wunderbar zusammenpasst. Tja, und dann bin ich einfach mal durch alle nötigen Schritte durchgestolpert und jetzt sind wir hier.

Christoph: Wie ist denn deine Leidenschaft für das Backen, vor allem für das vegane backen entstanden? Gibt es dazu eine Geschichte?

Anika: Ja, auch zu lesen auf meiner Homepage ;-).

Ich habe einfach schon als Kind immer gerne in der Küche gestanden. Ich glaube meine Mutter hatte immer Schwierigkeiten mir die Messer aus der Hand zu reissen. Wir haben damals mit meiner Familie Abends immer Brote gegessen. Einmal in der Woche durfte ich das machen und ich habe schon damals gerne die Bestellungen angenommen, Brote geschmiert und mit allem drum und dran serviert. Und es gibt sogar noch eine frühere Geschichte, da dürfte ich so über ein Jahr alt gewesen sein. Damals hat noch mein Großvater bei uns gelebt und wir haben Nachmittags immer Kaffee mit ihm getrunken, Kuchen gegessen und ich war dann natürlich mit dabei. Ich war am quengeln und mein Opa gab mir einen Keks nach dem anderen, die unterschiedlichsten Sorten, aber das konnte mich nicht beruhigen. Irgendwann stellte er mir dann völlig entnervt die ganze Packung Kekse vor die Nase. Aber ich wollte gar keinen Keks haben, ich fand es einfach nur ganz toll die Kekse zu verteilen…haha! Irgendwie war das alles schon damals in mir.

Das vegane backen ist dadurch gekommen, dass ich immer schon viele vegan lebende Menschen in meinem Umfeld hatte. Irgendwann habe ich Sonntags begonnen zuhause im Flur, so alle 6 Wochen, Kaffeeklatschs mit Freunden abzuhalten. Irgendwann war aber der Flur zu klein und es saßen dann irgendwie 12 Leute vor 6 Torten, weil ich nicht aufhören konnte auszuprobieren und zu machen. Das war der Start.

Sandra: Das Café Hibiskus ist aber dein erstes eigenes Geschäft quasi?

Anika: Ja genau, ich probiere das gerade aus. Und ich bin auch echt glücklich mit diesem kleinen und kuscheligen Laden, weil es das für mich zu Anfang natürlich auch einfacher macht, als direkt nen großen Betrieb erhalten zu müssen.

Sandra: Die ultimative Frage: Wann hast du dich für den veganen Lebensweg entschieden und warum?

Anika: Ich lebe vegetarisch seitdem ich neun Jahre alt bin. (Anmerkung der Redaktion: es geht ein erstauntes Raunen durch die Menge:) ) Damals war das natürlich auch nicht so wahnsinnig streng. Meine Mutter hat natürlich ganz normal gekocht und ich habe mir dann das Fleisch aus dem Essen gefummelt. Mein Vater hat dann die doppelte Portion bekommen…haha

Das war alles natürlich ein Prozess. Ich habe über die Zeit immer konsequenter vegetarisch gelebt, bis hin zum Veganismus. Ich gebe aber auch zu das ich nicht immer konsequent vegan esse, insbesondere wenn ich unterwegs bin. Weil es da für mich noch schwierig ist, immer zu gucken, ob alle Produkte 100% vegan sind. Für den Laden finde ich es sehr wichtig, hier ist alles vegan. Aber jeder muss das für sich selbst entscheiden, wo er da die Grenzen setzt. Es gab nie den Moment der Erleuchtung das ich jetzt vegan leben müsste. Das war und ist eben einfach ein Prozess. Und auch die Beeinflussung durch das Umfeld spielte da für mich eine Rolle. Ich habe über meine Leute und die Jahre immer mehr Alternativen zu tierischen Produkten kennengelernt und weil ich, wie ihr ja jetzt wisst, schon immer gerne gekocht und gebacken habe, hat sich das Vegane dann eben immer mehr eingeschlichen. Ich persönlich finde auch die ökologische Dimension für mich die eigentlich am Wichtigste, am veganen Leben.

Sandra: Was ich auch interessant finde, dein Café ist jetzt hier am Ladenlokal z. B. nicht als vegan ausgezeichnet. Ist das Absicht? Konzept?

Anika: Ja. Auf der Facebook-Seite steht schon dabei dass wir ein veganes Café sind. Es steht halt hier im Schaufenster nicht und auch nicht auf den Flyern. Es gibt auch nur auf der Karte einen kleinen Verweis, dass alle Speisen vegan sind und die Kaffeespezialitäten mit Sojamilch zubereitet werden. Das habe ich deshalb so gemacht weil ich möchte, dass die Leute hier rein kommen weil sie denken das sieht nett aus und sich wohl fühlen. Ich möchte alle Menschen ansprechen. Bisher hatte ich auch durchweg positive Reaktionen darauf. Ganz vielen Leuten ist es im ersten Moment eben nicht so bewusst dass das hier ein veganes Café ist. Vegane Menschen sind einfach auch gut vernetzt, weil sie es sein müssen. Als Veganer musst du dich ja noch ständig informieren und umgucken. Und deshalb, für die Leute die das wissen müssen habe ich auch Werbung gemacht, klar. Die anderen sollen einfach mal reinkommen und probieren.

Ich hatte vor drei Wochen hier auch eine absolute Bilderbuchsituation dazu. Eine junge Frau kam rein und wollte sich das Café angucken weil es neu war. Am Ende war ihr Mann und Kind ebenfalls da, und sie hatte zum ersten Mal in ihrem Leben einen Kaffee mit Sojamilch getrunken und veganes Essen gegessen. Die drei fanden das auch alles offensichtlich sehr sehr lecker. Ich denke, wenn Leute das ausprobieren und die Thematik dann durch das Erleben auf dem Schirm haben, überlegen sie sich vielleicht auch einmal die Woche vegan zu essen oder so, weil sie merken das es gut schmeckt und sie davon satt werden und eben nicht direkt die schlimmsten Mangelerscheinungen erleiden.

Sandra: Ja, eigene Erfahrung bewirkt natürlich viel mehr. Sinnvolles Konzept, finde ich!

Christoph: Welche Pläne hast du für die nächste Zeit und in der Zukunft? Du hattest auch mal ’ne Nähgruppe hier, richtig? Was findet denn noch so hier statt außer dem normalen Café-Betrieb?

Anika: Genau! Mittwoch treffe ich mich immer mit Freundinnen hier und wir toben uns mit Handarbeiten aus. Im Moment entstehen Fotos auf Holz die dann auch als Deko angebracht werden sollen. Lesungen sind auch eine Option. Was ich auch schön finden würde, wären ruhigere Abende, z. B. Singer-Songwriter-Konzerte oder auch Events wo die Leute dann selbst Cupcakes oder Weihnachtsbäckerei bei uns machen können, so als Art Backwerkstatt. Das macht mir immer sehr viel Spaß. Ich bin da sehr offen, mal schauen was noch kommt.

Christoph: Jetzt nochmal was fürs Herz. Lemmy wurde mal gefragt wie er einem Tauben Motörhead beschreiben würde. Wie würdest du denn einem Menschen der alle Geschmacksnerven verloren hat, deinen veganen Käsekuchen beschreiben? :-)

Anika: Ohhh…. Eieiei, gute Frage! Da muss ich einen Moment überlegen….. …..Hmmm….. Ich glaube der Käsekuchen wäre für mich tatsächlich eine wahnsinnig kuschelige Decke, in die man sich auf einem riesengroßen Sofa einrollen könnte, mit einem Lieblingsfilm. Ja, dass ist der Käsekuchen für mich :-)

In diesem Sinne, ab ins Café Hibiskus, wenn Du gut und vegan in Köln essen willst!

In nächster Zeit wird es auch im Kochen ohne Knochen Magazin mehr über das Café zu lesen geben. Check back: https://www.facebook.com/kochenohneknochen

 

Kommentare

  1. Josefine Arens meint

    Ich habe mit Freude über Ihr Caffee gelesen,werde demnächst dort auch auftauchen freue mich schon sehr
    liebe Grüße Josefine

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