Vegan lebende Kinder – wissen sie es besser als wir?

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Laut dem Fleischatlas 2014 leben in Deutschland ca. 1% der Bevölkerung vegan. Die Zahl steigt täglich. Insgesamt sind das bei einer Gesamtbevölkerung von 81.890.00 (Stand 22.08.2014) 807.350 (Stand Juli 2014) Menschen, die sich vegan ernähren. Davon leben laut der Kiggs-Studie (Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland) des Robert-Koch-Instituts unter den 12 bis 17 Jährigen Jugendlichen 1% der Jungen und 5% der Mädchen vegetarisch. Eine Studie zur veganen Ernährung bei Kindern wurde bislang noch nicht erhoben.

Für vegan lebende Kinder ist es nahezu selbstverständlich, dass Tiere ein Recht auf Leben haben

Viele Erwachsene Veganer leben unsichtbar in den Dörfern und Städten, weil es für sie immer noch schwierig ist, offen über ihre Ernährungsweise zu reden. Kinder dagegen sind sehr offen und ehrlich. Ich habe einige Kinder im Alter von 6 Jahren befragt warum sie vegan leben und wie sie dazu gekommen sind, die Antworten zum „Wie” sind sehr unterschiedlich, die Antworten zum „Warum” gleichen sich fast bis aufs Haar.

Linus Jorijn hat eine klare Meinung zum Fleischessen: „Es gehört sich einfach nicht! Deshalb esse ich keine Tiere, ich mach das schon seit einem Jahr!“

Während des Interviews habe ich gemerkt, dass Kinder oft überrascht sind, wenn man sie fragt, worum sie vegan leben. Für sie ist es nahezu selbstverständlich, dass Tiere ein Recht auf Leben haben.

So sagt Elijah: „Ich bin Vegan, weil das so schlimm mit den Tieren ist. Ich finde es blöd, dass sie getötet werden und gemolken und so. Die Milch sollte eigentlich für die Babys gedacht sein und nicht für die Menschen!“

Jonny sieht das ähnlich: „… weil die aus Fleisch sind und Gefühle wie meine Mama haben und weil ich Milch aus der Brust von Mama trinken durften, sollen das alle anderen Babys auf der Welt auch!“

Shaya: „Weil die Tiere sonst geschlachtet werden und das tut ihnen weh!“

Mit diesen Kindern habe ich gesprochen

Viele werden jetzt sicherlich annehmen, dass diese Kinder zum veganen Leben von ihren Eltern gedrängt wurden, auch das habe ich befragt und auch hier gibt es unterschiedliche Antworten:

Elijah lebt seit Geburt an Vegan, weil seine Eltern das so wollten. Aber er sagt selbst: „…wenn ich mal ganz alleine ohne meine Eltern wohne, will ich auch vegan sein.“

Linus Jorijn hat für sich bestimmt vegan zu leben: „…mein Müsli schmeckt mir mit Sojamilch auch besser als mit Kuhmilch.“

Shaya meint dazu: „Ich bin vegetarisch aufgewachsen und als meine Eltern vegan wurden, war ich immer noch vegetarisch aber dann sah ich einen Film über Kühe und dann wollte ich auch vegan werden und jetzt leb ich vegan.“

Für Erwachsene existieren gedanklich viele Grenzen

Während sich Erwachsene mit dem Thema Grenzen auseinandersetzen – „Werde ich danach noch akzeptiert?“,„Was kann ich dann noch Essen?“ – gehen Kinder ganz grenzenlos mit der pflanzlichen Ernährung um, sie erleben die Welt aus einer sehr realistischen Sicht: „ Es tut den Tieren weh, wenn man sie schlachtet!“ sagt zum Beispiel Shaya. Kinder machen keinen Unterschied zwischen ihren Schmerzen und den Schmerzen eines anderen Lebewesens. Für Kinder ist die kleine Welt in der sie sich bewegen verbunden mit Tier, Natur und Mensch. Da gibt es kaum Grenzen – wenn der Erwachsene in diese Sicht nicht eingreift. Natürlich können Tiere nicht zur Schule gehen und haben auch nicht die Möglichkeit mit den Menschen zu reden, dennoch sind sie Teil der Welt in der Kinder sich bewegen. Und dieser Teil wird genauso sensibel betrachtet wie die Verbindung zu anderen Menschen.

Vegan aufgewachsene Kinder sind nicht anders

Der Fleischverzehr ist für aufgeklärte, vegan lebende Kinder nicht nachvollziehbar. Warum sollte man Fleisch essen, wenn es auch andere leckere Nahrungsmittel gibt.

Wer nun denkt, diese Kinder sind komplett anders in ihrer Sichtweise, als Kinder omnivorer Eltern macht einen Denkfehler. Jonny geht am liebsten ins Schwimmbad, spielt Uno und sein Lieblingstier sind Dinosaurier. Elijah spielt Fußball, fährt Fahrrad und spielt am liebsten mit seinen Freunden. Linus Jorijn baut mit Legosteinen und Shaya liebt es mit ihrem Papa zum Bobfahren zu gehen und die Fernsehserie „Wissen macht Ah”.

Wenn man es nicht weiß, leben diese Kinder wie andere Kinder, sie laufen über den Schulhof, klettern auf Bäume, spielen Fangen und raufen auch mal miteinander. Ihr Leben ist von dem omnivor aufwachsender Kinder nicht zu unterscheiden bis auf den Umstand, dass sie kein Fleisch und keine Milchprodukte etc. essen.

Ich habe alle Kinder getrennt gefragt: „Stell dir vor du darfst eine Welt bauen, was dürfte auf keinen Fall fehlen?“.

Und alle antworten: „Es dürfen auf gar keinen Fall Bäume fehlen!“ Einige setzten noch eine Erklärung oben drauf: „Denn sie geben uns Sauerstoff!“

Egal wie ihre Welt in ihren Träumen aussieht, sie ist umgeben mit vielen Bäumen und Tieren.

Das zeigt mir, dass zu dem Veganen Leben auch eine Verbindung mit der Natur hergestellt wurde, die uns Erwachsenen oft verloren geht. Die Selbstverständlichkeit die Natur als Gegeben zu sehen, haben diese Kinder nicht. Ihnen ist in diesem zarten Alter von 6 Jahren schon bewusst, dass man etwas ändern muss. Denn wenn man sie fragt „Was würdet ihr ändern?“, sagen sie:

  • Elijah: „Alle Menschen sollen lieb miteinander und lieb zu den Tieren sein und die Tiere nicht essen. Oder die Milch von den Kühen trinken!“
  • Jonny: „Die Menschen sollen nicht mehr Rummotzen!“
  • Linus Jorijn: „Die Erwachsenen sollen ändern, dass sie sich mehr um ihre Kinder kümmern.“
  • Shaya: „Ich möchte das alle zueinander nett sind und keine Tiere mehr gegessen werden. Denn Tiere gehören zu dieser Welt, genau wie Bäume.“

Während ich diesen Artikel schreibe, geht mir unaufhörlich der Refrain eines altes Liedes von Herbert Grönemeyer durch den Kopf:

Gebt den Kindern das Kommando
Sie berechnen nicht was sie tun
Die Welt gehört in Kinderhände
dem Trübsinn ein Ende
Wir werden in Grund und Boden gelacht
Kinder an die Macht!

Und ich dachte bei mir: „Er hat Recht!“. Auf das die Bäume wachsen und die Tiere glücklich sind! Das ist mein Fazit. Denn wir sollten wirklich mehr auf unsere Kinder hören! Mir scheint, gerade was dieses Thema betrifft, wissen sie es besser als wir.

Quellen:

Bildnachweise:

  • Die Fotos der Kinder werden mit Genehmigung der Eltern veröffentlicht.

Gast-Artikel von Johanna Schlitzkus

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