Vegan schwanger – Teil 2 der Serie

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Vegan schwanger sein geht das?

Mareike lebt vegan und ist schwanger. Als Gast-Redakteurin berichtet sie bei uns in mehreren Artikeln (hier findest Du Teil 1 von „vegan schwanger“) über den Verlauf ihrer veganen Schwangerschaft.

Vegan und schwanger – willkommen in der 33. SSW

Ich bin mittlerweile in der 33. SSW und mir geht’s immer noch sehr gut. Klar, hier mal ein Drücken, da mal ein Ziehen, der Haushalt macht sich auch nicht mehr so leicht, nachts muss ich etwa jede Stunde raus weil sich das Baby dazu entscheidet schön gegen die Blase zu drücken (oder mein Freund schnarcht) aber Hey, ich kann mich nicht beschweren!

Unsere kleine Babyfrau entwickelt sich super! Bei der letzten Ultraschalluntersuchung vor 3 Wochen wurde sie auf etwa 1.300 g geschätzt, die Ärztin ist super zufrieden mit der Entwicklung der Kleinen.

Die kleine Dame macht es den Ärzten derzeit aber echt schwer, sie ist so aktiv, dass ein durchgehendes CTG nicht möglich war und auch beim Ultraschall hatte die Ärztin zu kämpfen.

Positive Reaktionen

Nach meinem letzten Artikel habe ich viel positives Feedback von Bekannten, aber auch komplett fremden Schwangeren bzw. Frauen mit und ohne Kinder, bekommen.

Ich hatte erst Bedenken, jemand könnte mit negativen oder provokanten Kommentaren ankommen aber genau das Gegenteil war der Fall.

Ich denke gerade die Menschen die mich etwas besser kennen sowie Arbeitskollegen, sehen ja, wie gut es mir in meiner veganen Schwangerschaft geht.

Auch wenn ich mir manchmal wünsche, nicht mehr jeden Tag die 40 km zur Arbeit zu fahren und mir dort den alltäglichen Wahnsinn anzutun, bin ich natürlich super froh das es “uns” so gut geht das ich bis zum Mutterschutz in zwei Wochen weiter arbeiten kann.

Ich mag meinen Beruf wirklich sehr gern aber auf den Mutterschutz und die Ruhe vor dem Sturm freue ich mich sehr!

Das soziale Netzwerk für sich nutzen

Nach meinem Artikel wurde ich in mehrere vegan Schwangeren Facebook-Gruppen eingeladen. Man muss dazu sagen, das ich nie der “Kaffeeklatsch-Typ” war und mich bisher auch nicht mit anderen Schwangeren getroffen habe etc. Generell bin ich ganz gern für mich und hab neben einer ganz besonders lieben und langen Freundin eigentlich immer nur männliche Freunde gehabt.

Zurück zu den Facebook-Gruppen: Erst einmal fand ich es wirklich klasse so viele Frauen zu treffen die vegan und schwanger sind oder ihre Kinder vegan ernähren und es werden stetig mehr!

Auch sind die Gruppen allgemein sehr freundlich. Es gibt eigentlich keine Shitstorms oder ähnliches. Was mich dann aber bei einigen Gruppen massiv gestört hat war zum einen der hohe Anteil an Omnis in einer veganen Gruppe (das war noch das geringste Übel) aber auch dieser starke Hang zur Esotherik.

Mit Esotherik habe ich so gar nichts am Hut und damit kann ich mich auch nicht anfreunden.

Zur Erinnerung, ich glaube längst nicht alles was Ärzte verzetteln, aber Medizin ist dennoch ein wichtiger und richtiger Teil unserer Gesellschaft.

Diese Gruppen habe ich dann auch wieder direkt verlassen. Übrig geblieben sind zwei wirklich tolle. Eine über die natürliche Geburt und Alleingebärende und die andere über vegane Schwangerschaften weitgehend ohne Esotherik!

Ich fand es toll mich über Themen auszutauschen die nicht nur aber vielleicht gerade Veganer sich Gedanken machen wie z. B. das Tragen mit Tragetüchern (welche Marke, welche Tragetechnik), das Stillen oder auch über die besten Stoffwindeln.

Ich wusste von Anfang an, dass ich auf jeden Fall mit Stoffwindeln (all in one Windeln) wickeln werde und das der Kinderwagen nur was für Oma und Opa sein wird, heißt das wir tragen werden.

Die Vorteile lagen für mich klar auf der Hand.

Vorteile von Stoffwindeln

  • weniger Umweltbelastung bei der Herstellung
  • weniger Müll
  • bessere Hautverträglichkeit (keine wunde Haut)
  • je nach System bessere Saugfähigkeit
  • zucker süße Designs
  • auf die komplette Windelzeit gerechnet günstiger als Wegwerfwindeln

Vorteile des Tragens

  • gut für die Entwicklung des Rückens / Beckens des Babys
  • Körperkontakt / bessere Bindung
  • ruhigeres Baby
  • weniger Verdauungsprobleme
  • es ist möglich beim Tragen zu stillen
  • man hat beide Arme frei

Der Vorteil bei solchen Gruppen ist, dass man mitten im Thema sein kann ohne selbst auf einen Post reagieren zu müssen. Heißt man hat oft die Möglichkeit still mitzulesen und ist nicht unter dem Zwang immer seine Meinung abgeben zu müssen.

Lasst euch nicht verrückt machen!

Generell bin ich aber immer noch kein großer Fan von Gruppen oder Geburtsvorbereitungskursen, einfach aus dem Grunde das ich keine Lust auf „Panikmache“ habe.

Panikmache?! Ja, Frauen die sich gegenseitig alle ihre Wehwehchen aufzählen, von schlimmen vorherigen Geburten berichten oder Bekannten die ganz schlimme Dinge während der Geburt erlebt haben.

Ich erlebe derzeit eine immer noch angstfreie Schwangerschaft und ich möchte, dass das auch so bleibt!

Bisher bin ich auch mehr als gut damit gefahren mich nicht verrückt zu machen und kann das auch jeder werdenden Mutter nur raten. Was bringt eine Schwangerschaft voller Angst? Nix!

Deswegen halte ich auch von Untersuchungen wie der Nackenfaltenmessung und der Fruchtwasseruntersuchung nichts, wenn nicht schon ein Risiko dafür besteht, aber selbst dann bin ich kein Fan davon. Ich habe schon von so vielen falschen Testergebnissen gehört und die Frauen dachten bis zur Geburt ein behindertes Kund auf die Welt zu bringen obwohl es gesund war. Die ganzen Monate voller Angst und Sorge um das Baby…

Ihr zwingt eurem Kind eure Meinung auf

Apropos Sorge um das Baby: Mittlerweile haben sich doch ziemlich alle inkl. meiner Ärztin damit abgefunden, dass ich vegan lebe und das sogar obwohl ich schwanger bin. Was aber der neue Supergau ist: die vegane Kinderernährung!

Aber das Kind wollt ihr ja wohl nicht vegan ernähren?!

Äh, doch! Wir leben beide voller Überzeugung vegan. Wieso sollten wir unser Kind später mit Fleisch oder Milch füttern?

„Aber ihr zwingt eurem Kind eure Meinung auf“ – ähm, ernsthaft? Eure Kinder bekommen von euch Fleisch in pürierter Form, gepresst als lustige Figuren und als Hack in der Soße damit sie das essen und den Ekel davor verlieren und erzieht diese nach euren Moralvorstellungen und wenn Veganer Ihre Vorstellungen von einem gewaltfreien Leben (besonders gegen Tiere) vermitteln ist das schlecht? Sorry, aber da fällt euch doch bestimmt noch was Besseres ein.

Ich weiß das es nervig ist sich ständig auf’s Neue zu rechtfertigen oder blöde Kommentare abzuwehren, aber genauso ist es doch auch toll immer mehr Menschen “überzeugen” zu können, das Veganer keine blassen realitätsfernen Baumumarmer sind (zumindest die meisten :D).

Ich freue mich das die Anzahl an Veganern und veganen Schwangerschaften ständig zunimmt und sich immer mehr für die Rechte der Tiere einsetzen.

Schwangerschaft, Familie und Aktionismus

Erst vor 2 Tagen habe ich auf einer Demo gegen den Zirkus Krone eine vegan lebende Familie wiedergetroffen, die auch öfters auf Demos unterwegs ist. Es sind „ganz normale“ Leute, keine im Wald lebenden Hippies. Eine wirklich tolle Famile mit Zwillingen im Kindergartenalter.

Ja ich gehe immer noch auf Demos (zuletzt in der 32. SSW) und ich setze mich wenn ich Zeit habe für Tierrechte ein und hoffe, dass auch später mit meinem Kind weiter machen zu können, aber die besagte Familie zeigt mir, wie gut sich auch das vereinbaren lässt.

Habt Ihr ähnliche Erfahrungen gemacht, seid ihr vielleicht auch im Tierrecht aktiv oder gibt es Fragen / Anregungen?

Ich freue mich wieder auf zahlreiche Kommentare von Euch!

Kommentare

  1. marnel meint

    Hallo, ich musste sehr über das was du schreibst schmunzeln :) Ich habe zwei Kinder und meine jüngste ist 7 Monate alt. Bei uns gibt es jetzt ca. einen Monat lang Vegan und ich weiß leider nicht ab wieviel Monaten ich meiner Tochter z.B. Sojamilch geben kann. Interressiere mich auch für die Gruppe ohne Esoterik. Hoffe du hast noch eine schöne Rest Schwangerschaft. Genieße die Zeit :-))

    • Mareike meint

      Hey Marnel,

      ich selbst hab als Kleinkind schon Hafermilch bekommen. Sojamilch würde ich vielleicht gerade bei Kindern nicht unbedingt so viel geben und Vorallem nicht so früh da diese Östrogene enthält.

      Ich denke für Kinder eignen sich am besten Hafermilch und Dinkelmilch.

      Hafermilch kann man auch ganz easy und günstig selbst machen.

      Ich hoffe ich konnte dich positiv zum Schmunzeln bringen.

      Eine vegan Gruppe ohne Esotherik gibt es bei FB die heißt auch Veganismus ohne Esotherik. Eine vegan schwangere Gruppe komplett ohne eso gibt es glaub ich nicht aber welche mit geringen Anteil. :)

      Ich hoffe man bleibt in Verbindung, berichte mal wie es mit der Ernährung weiterhin klappt.

      LG

      Mareike

      • marnel meint

        Hallo Mareike,
        danke für die Tipps!

        Hab das mit der Hafermilch gleich umgesetzt und meine kleine hat keine Bauchweh bekommen.
        Das Schmunzeln war auf jedenfall positiv :) Danke auch für deinen Hinweis, dass Sojamilch Östrogene enthalten.
        Bisher klappt es ganz gut mit der Umstellung. Ich habe auch nicht das Gefühl das mir etwas fehlt und mein Sohn macht mit und ist ganz brav meine neuen Gerichte :-)

        Lg Marnel

  2. Juliana meint

    Trotz allem unmut über die Omnivoren bei Facebook: niemand hat ein so großes Potential vegan zu werden, wie ein omni… Nach dem Motto lebe ich und versuche es den Leuten einfach vorzuleben und zu zeigen, dass es nicht so schwer ist, wie es scheint. Das funktioniert aber nur, wenn ich mich nicht von ihnen abgrenze, sondern die Möglichkeit gebe mir zuzusehen. Bzw. Meine Erfahrungen teile.

    • Mareike meint

      Hey Juliana,

      so ist es auch nicht gemeint.
      Nur wenn ich als Omni Teil einer veganen Gruppe werde dann nicht um zu Posten das man den Kindern gerade Rührei gemacht hat oder total gerne Fleisch ist. Gerade bei den vegan Schwangeren herrscht ein großes Vertrauensverhältnis da man auch über intime Dinge spricht.

      Wenn die Omnis trollen wollen dann in den unzähligen Rezepte Gruppen. Kommentare wie „vegan find ich für Kinder voll doof“ etc. sind halt in Gruppen in denen sich Veganer in der Schwangerschaft / Babyzeit nicht diskutieren wollen.

      Menschen die gerne vegan leben möchten / sich informieren möchten sind immer willkommen!

      Du gehst ja auch in keine Gruppe für Hausgeburten und erzählst allen wie fahrlässig diese handeln weil deiner Meinung nach nur das Krankranhaus zum Gebären von Kindern geeignet ist 😉

  3. meint

    Hallo Mareike

    Gratulation zu deiner Entscheidung vegan zu leben und deine Erfahrungen mit der Schwangerschaft mit anderen zu teilen. Seit über 20 Jahren habe ich schon vegan Mütter unterstützt – alle Kinder sind auch heute noch top gesund. :-)

    Hier findest du eine Umfrage bei über 100 veganen Müttern, die wir (Swissveg) kürzlich gemacht haben:
    http://www.swissveg.ch/veganbaby
    Es ist also gar nicht mehr so exotisch vegan ein Kind zu bekommen. Leider haben die „Experten“ aber dennoch zu wenig Erfahrung auf dem Gebiet und deshalb noch viele Vorurteile.

    LG und weiterhin viel Erfolg!
    Renato

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