Vegan Schwanger – Teil 1 der Serie über vegane Schwangerschaft

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vegan Schwanger

Mareike lebt vegan und ist schwanger. Als Gast-Redakteurin berichtet sie bei uns in mehreren Artikeln über den Verlauf  ihrer veganen Schwangerschaft.

Ich bin „vegan schwanger“

Mareike lebt vegan und ist schwangerMein Name ist Mareike, ich bin 27 und lebe seit etwas mehr als zwei Jahren vegan. Zuvor bin ich fast komplett vegetarisch aufgewachsen. Ich war nie kränklich oder hatte irgendwelche Mangelerscheinungen und stehe gut „im Futter“. Mein Freund und ich haben direkt zu Jahresbeginn erfahren, dass ich schwanger bin – ein unbeschreibliches Gefühl!

Meine Mutter arbeitet als Gesundheitsberaterin, meine Schwester als Krankenschwester und mein Vater in der Altenpflege. Ernährung und Nährstoffe waren ständig Thema bei uns daheim, was mir ein großes Selbstbewusstsein seitens der veganen Ernährung gegeben hat.

Der erste Besuch bei der Frauenärztin

Da wir beide vegan leben, ist es für uns ganz normaler Alltag und ich habe mir auch gar keine Gedanken darüber gemacht, wie es sein könnte, „vegan schwanger“ zu sein. Es ist ja für uns eine ganz normale Art der Ernährung. Erst der Besuch beim Frauenarzt hat mich wieder daran erinnert, dass es für die meisten Menschen nicht „normal“ ist vegan zu leben. Nach einer langen Predigt darüber, dass ich meinem Kind dem bewussten Risiko einer massiven Fehlentwicklungen aussetzen würde, vermerkte meine Ärztin in Großbuchstaben geschrieben „VEGANE ERNÄHRUNG“ im Mutterpass und schickte mich mit Folsäure- und Eisen-Tabletten, Fischöl-Kapseln, Vitamin D- und Vitamin B12-Präparaten wieder nach Hause. Obwohl sie keine Blutuntersuchung durchgeführt hatte, sagte sie zu mir: „Das nehmen Sie alles und dann gucken wir mal ob sich in zwei Wochen die Schwangerschaft weiterentwickelt hat, oder ob es das dann war.“ Ich war geschockt. Ich hatte immer super Blutwerte, nie eine Mangelerscheinung, warum sollte ich nun all diese Sachen nehmen?!

Mangelerscheinungen ?!

Die Folsäure habe ich bis zur 13. Schwangerschaftswoche (SSW) genommen, dies wird allen Schwangeren empfohlen, um das Risiko eines „offenen Rückens“ bei dem Baby zu minimieren. Und seit der der 16. SSW supplementiere ich Magnesium, um das Risiko von vorzeitigen Wehen zu minimieren. Auch dies wird allen Schwangeren empfohlen. Ich habe zwar keinen Magnesium-Mangel, möchte aber dieses Risiko minimieren. Zudem hat die Zufuhr von Magnesium (ich nehme 1x täglich, vor dem schlafen, Magnesium verla 300 Granulat zum Auflösen) keine negativen Auswirkungen. Dies sieht bei zuviel Eisen z. B. anders aus. Zu viel Eisen lagert sich in den Organen ab und kann dadurch zu Gewebeschäden und Vergiftungserscheinungen führen.

Mein Vitamin B12 beziehe ich aus meiner mit dem Vitamin angereicherten Zahncreme und Sojamilch. Ich nehme keine B12-Präparate und meine Werte waren bisher immer in Ordnung.

Ich bin weder „Puddingveganer“ noch Rohköstler, ich esse abwechslungsreich. Mal ’nen deftigen Eintopf, mal Salat und ja, auch mal Pizza oder Lasagne. Ich habe jetzt schon darauf geachtet das ich mehr Obst und Gemüse esse, habe mehr Hülsenfrüchte und weniger Soja gegessen, jedoch nicht penibel auf meine Ernährung geachtet.

Der zweite Besuch bei der Frauenärztin

Zwei Wochen später hatte ich dann den nächsten Termin bei meiner Ärztin. Die Zucker- und Eisenwerte waren tip top und auch der Ultraschall zeigte das kleine kräftig schlagende Herz meines kleinen Schatzes.

Im Gespräch lobte die Ärztin, dass ich die Eisentabletten fleißig nehme und die Werte wirklich gut seien, dabei hatte Sie mir jetzt zum ersten Mal Blut abgenommen und ich habe die empfohlenen Eisen-Tabletten nie genommen!

Natürlich ist der Eisenwert während der Schwangerschaft gesunken, das ist vollkommen normal, er liegt aber jetzt in der 25. SSW immer noch bei 13! Ein Wert zwischen 12 und 14 ist laut der Ärztin optimal. Erst ab einem Wert von etwa 10,3 ist die Einnahme von Tabletten zu empfehlen.

Ich bin grundsätzlich gegen Tabletten, nehme auch seit Jahren kein Aspirin etc. würde aber nie eine Mangelversorgung von mir oder meinem Kind riskieren.

Meinungen – im Internet

Um mich zu informieren, habe ich gerade zu Beginn der Schwangerschaft nach Erfahrungsberichten anderer schwangerer Veganerinnen gesucht und tatsächlich zwei Blogs gefunden: vegan & schwanger  und Go vegan, be happy. Beide haben die gleiche positive Einstellung zu der veganen Ernährung in der Schwangerschaft, was mich wirklich gefreut hat.

Im Laufe der ersten Wochen habe ich viele weitere Foren im Internet durchforstet, die Neugierde hatte mich gepackt, wie machen das andere Veganer? Das Ergebnis meiner „Recherchen“ hat mich etwas zurück geworfen. Es herrschte oft Einigkeit darüber, dass man sich während der Schwangerschaft nicht vegan ernähren sollte, schließlich hätten die Ärzte und Hebammen davon abgeraten. Ernsthaft?! Ich halte eine ausgewogene vegane Ernährung für die mit Abstand gesündeste Ernährungsweise; auch wenn ich selbst nicht aus Gesundheitsgründen vegan wurde, sondern aus tier- und menschenrechtlichen!

Immer wieder las ich den Begriff „Mangelernährung“. Für mich absolut nicht nachvollziehbar, haben doch Hülsenfrüchte mehr Eisen als Fleisch, bietet Pflanzenmilch die bessere Eiweiß- und Calciumquelle, Obst und Gemüse ist reich an Vitaminen, hochwertigen Kohlenhydraten und Ballaststoffen und die pflanzliche Ernährung bietet auch noch besserer Fette und ist cholesterinfrei.

Klar, man kann sich auch den ganzen Tag und sieben Tage die Woche nur von Pommes mit Sojaschnitzel ernähren, das ist zwar vegan aber wirklich nicht gesund und ausgewogen.

Meinungen im Alltag

Komischerweise erregen Veganer bei Omnivoren oder Vegetariern das Bedürfnis zur Aufklärung, der doch so ungesunden Lebensweise der veganen Ernährung, gut das kennen Männer und nicht schwangere Frauen auch aber sobald man schwanger ist, scheint es doppelt schlimm zu sein, da man sich dies ja nicht nur selbst „antut“ sondern auch seinem Baby.

Meinen die das ernst?! Omnivore Schwangere die bei McDonalds und in anderen Läden essen und sich von Milchschnitte, Fruchtzwerge und Co. ernähren, werden aber links liegen gelassen, weil Fruchtzwerge ja laut Werbung total gut für die Knochen sind?!

Es gab aber auch durchaus positive Reaktionen und Zuspruch! Zum einen aus der Familie, meine Eltern (bei sind Vegetarier) haben nie in Frage gestellt, das mein Baby oder ich ausreichend versorgt sein könnten. Sie vertrauen mir und wissen, dass ich gerade diesbezüglich nicht nachlässig bin.

Die Mutter meines Freundes (vorher Omnivore) verzichtet jetzt sogar selbst auf Fleisch und zum Großteil auf Eier und Milch! Meine beste Freundin (Omnivore) unterstützt mich zu 100 % und hat auch nie angemerkt, dass sie bedenken hätte und ich weiß, sie würde es mir definitiv sagen, wenn es so wäre!

Die Meinung der Ärzte

Ein Allgemein-Mediziner, der meine Blutwerte checkt, hält eine ausgewogene vegane Ernährung für sehr gesund. Die Ärztin, bei der ich den Zuckerbelastungstest zum Ausschluss einer Schwangerschaftsdiabetes war (der Test wird bei jeder Schwangeren um die 24. SSW empfohlen), sagte, dass vegan lebende Menschen ein viel geringeres Risiko haben, an einer Schwangerschaftsdiabetes zu erkranken. Meine Werte waren auch hier sehr gut!

Natürlich können auch bei veganen Schwangerschaften Komplikationen auftreten, aber ich empfinde das Risiko dafür genauso groß, wenn nicht sogar geringer, als bei omnivoren Schwangerschaften. Nicht ohne Grund soll man während der Schwangerschaft weder rohes Fleisch, Fisch oder Produkte aus Rohmilch verzehren.

Meine Tante, selbstständige Hebamme und Omnivore, hat mir auch Mut zugesprochen und sagte, dass eine vegane Ernährung auch für Schwangere und stillende Mütter geeignet ist. Zudem hatte ich keine Probleme mit Übelkeit oder ähnlichem. Lediglich das lange sitzen macht mir sehr zu schaffen, da ich einen Bürojob habe, so dass ich nur noch halbe Tage arbeite.

Vegan schwanger – informiert euch!

Vegan zu leben ist bei uns eine Lebenseinstellung aus Überzeugung, kein Trend und keine Diät. Ich glaube, das ist auch der Hauptgrund warum es für mich keine Option ist, mich vegetarisch oder gar mit Fleisch zu ernähren, nur weil ein Arzt meint, dass es gesünder sei. Ärzte sind nicht unfehlbar und bei vielen fließt die persönliche Einstellung ihre Empfehlungen ein.

Ein Arzt sollte eigentlich unabhängig und basierend auf medizinischer Erkenntnis entscheiden, dass dies nicht so ist, haben sicherlich alle schon erlebt. Von daher kann ich jedem empfehlen ein gesundes Selbstbewusstsein für sich und seine Lebensweise zu entwickeln und sich durch verschiedene Informationsquellen eine eigene Meinung zu bilden.

Weitere Infos zur veganen Schwangerschaft gibt es auch auf der Seite von peta. Allgemeine Infos zur Schwangerschaft beispielsweise auf babycenter.de.

Ich bin mittlerweile in der 25. SSW und hatte bisher zwei große Ultraschalluntersuchungen und einen Feinultraschall. Die Ärzte und ich sind mehr als zufrieden. Die Entwicklung ist super und das Baby ist weder zu groß noch zu klein sondern wochengerecht entwickelt. Die Lieblingsbeschäftigung des Babys ist derzeit das Kickboxen und Tanzen quer durch meinen Bauch. Ich bin so glücklich, dass es uns so gut geht!

Kommentare

  1. Angela meint

    Hallo Mareike, ich bin in der 24. Woche und mein Baby ist auch zeitgerecht entwickelt und ein Welmeister im Kickboxen. 😉 ich habe bis jetzt ähnliche Erfahrungen gemacht. Die paar blöde Kommentare am Anfang sind verstummt, als ich ihnen meine Werte und die Ultraschallbilder zeigte. Ich wünsche dir eine wunderschöne Schwangerschaft. :) LG Angie

    • Mareike meint

      Hey Angie,

      das bei dir auch alles Super ist freut mich wirklich sehr!

      Ich hoffe das es immer mehr vegane Schwangerschaften und danach Familien gibt und dadurch dann auch die Akzeptanz wächst.

      Ich wünsche dir auch noch eine ganz ganz tolle Kugelzeit und das alles so toll bleibt!

      Genieß deine Schwangerschaft :).

      Ich freue mich auch auf zukünftige Kommentare bei meinen Artikeln, halt mich auf dem laufenden wie es bei dir ist, ja? :)

      Ganz liebe Grüße

      Mareike

  2. meint

    Liebe Mareike,

    Wow! ich bin begeistert! Ich bin selbst seit 2 Monaten vegan und kenne mich noch nicht ganz soo gut aus. Auch deswegen finde ich deinen Bericht super!

    Ein Satz ein deinem Bericht hat mich vollkommen entsetzt. Was deine Ärztin da am Anfang zu dir gesagt hat: UNMÖGLICH! In meinem Beruf habe ich viel mit Schwangeren zu tun und unterstütze sie darin, den Kontakt zu ihrem Kind aufzubauen und zu stärken. Deine Ärztin hat da ja genau das Gegenteil getan! Toll, dass du dich da nicht von hast unterkriegen lassen und dein kleiner Schatz unter deinem Herzen munter weiterwächst.

    Ich freu mich schon auf deinen nächsten Bericht 😉
    Von Herzen alles Liebe
    Karin

    • Mareike meint

      Hey Karin,

      vielen Dank für die lieben Worte!
      Voll cool das du auf vegan umgestiegen bist!

      Meine Ärztin ist ne Hexe aber Sie weiß es wahrscheinlich auch nicht besser Die ersten Termine hat sie ne Baby etc. gesagt sondern : der Schwangerschaft geht es gut, das war sehr befremdlich.

      Wenn du allg. Fragen zur veganen Ernährung hast, findest du super viele tolle Gruppen bei FB oder auch Seiten im Netz wie vegan-news 😉

      Ich weiß das gerade der Anfang Arbeit erfordert, was esse ich, womit wasche ich etc. aber kopf hoch es ist irgendwann Alltag und der Einkauf dauert auch nicht mehr länger als vorher 😉

      Ich freue mich wenn der Artikel gefällt und ich meine Erfahrungen teilen kann. Ich hoffe dann auch bei zukünftigen Artikeln auf fleißiges Feedback und Fragen :)

      Liebe Grüße <3

      Mareike

  3. mia meint

    Hallo Mareike!
    Herzlichen Glückwunsch! Ich selbst bin 29, inzwischen in der 39. Ssw und lebe seit drei Jahren vegan ( vorher 17 Jahre vegetarisch). Ich finde die Reaktion deiner Gynäkologin schon unverschämt und würde mir eine neue Frauenärztin suchen. Ich hatte das Glück, dass meine Ärztin mir kommentarlos folio statt femibio oder anderer nicht-veganer Schwangerschafts-Ergänzungsmittel verschrieben hat. Ansonsten habe ich während der Schwangerschaft zweimal auf Eisensaft zurück gegriffen, was aber viele auch omnivor lebende werdende-mamas müssen. Allerdings ist meine Ernährung auch nicht so ausgewogen wie sie sein sollte, da ich vor allem seitdem ich schwanger bin, fast nur noch Süßes mag und mich besonders mit Hülsenfrüchten schwer tue. Auch meine Hebamme nahm den Veganismus einfach zur Kenntnis. Allerdings wird es mit der Geburt dann wohl noch eine andere Hausnummer werden, was Hebammen und Kinderärzte angeht. Aber zum Glück gibt es tolle Foren zum Informieren, Austauschen und auch mal Rummeckern.
    Super Artikelreihe! Und weiterhin alles Gute für euch!

    • Mareike meint

      Hey Mia,

      dann steht die Geburt ja ganz kurz bevor!

      Ich habe bei 2 anderen sehr guten Ärztinnen bei uns angerufen aber die nehmen leider keine Patienten mehr auf.

      Ich hab mich mit der Ärztin abgefunden und kann ganz gut damit leben das sie so ist. Wenn ich das Gefühl hab, dass sie mich nicht richtig betreut, hole ich mir eine 2. Meinung ein, aber bisher läuft ja alles supi, was hoffentlich so bleibt! :)

      Ich wünsche euch für die Geburt alles alles Gute!

      Lg

      Mareike

  4. KMJ meint

    Hallo Mareike,
    auch ich habe Mitte Januar erfahren, dass ich schwanger bin, bin nun mittlerweile in der 25. SSW und lebe seit knapp drei Jahren vegan. Es ist schön, deinen Bericht zu lesen und so viele Gemeinsamkeiten zu sehen :-) Auch in Hinblick auf Organschall, Blutwerte (mein Eisenwert ist auch top, was kaum einer glauben mag). Ich bin 25 und auch wenn es ab und an schwierig ist, die kritischen Kommentare der Omnivoren zu ignorieren, bin ich so glücklich, dass ich meinem Baby die Chance geben werde, von Anfang an ein Leben zu leben, das so wenig wie möglich Tierleid erzeugt. Ich wünsche dir und euch weiterhin alles Gute!!

    • Mareike meint

      Hey,

      das freut mich wirklich sehr!
      Je mehr vegan schwangere es gibt, desto weniger Zweifel entstehen!

      Ich wünsche dir für die restliche Scheangerschaft alles alles gute! <3

      Unsere Babys wurden aus Pflanzen gemacht 😉

      LG

      Mareike

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